Kumbo Jakiri Ndop Bamenda Bali Nyonga (113 km)
16.3.2011
Nach einer eher kurzen Nacht ging es nach dem Frühstück erneut aufs Gelände, um nochmals alles genauer anzusehen. Schwester Evelyne erklärte uns alle Räumlichkeiten und zeigte uns alles. So früh am Morgen war es nur gerade 10 Grad kühl. Es war wirklich eindrücklich, wie gross alles ist und wie viel hier ausgeführt werden kann. Shishong ist das Mutterhaus und von hier aus wird alles organisiert und koordiniert. Die Patienten mit ansteckenden Krankheiten wie Tuberkulose werden in einem separaten Haus behandelt. Vier grosse Generatoren erzeugen Strom für das Spital. Es hat Privatzimmer mit nur zwei Betten oder die allgemeine Abteilung mit bis 14 Betten pro Zimmer. Es hat Geburtsräume, Operationssäle, einen Zahnarzt, einen Augenarzt, eine Abteilung fürs Blut spenden, Labors, Wäscherei, Schreinerei für die eigenen Möbel, Küche und Restaurant, Internet und und und... überall wurde fleissig gearbeitet, überall wurden die Böden geschrubbt und es roch schon fast wie in unseren Breitengraden nach „Spital“. Die Wäscherei hatte Hochbetrieb. In drei riesigen Waschmaschinen (was für eine Seltenheit in Kamerun! Sie sind teilweise gespendet worden) wurden die vielen Wäschekörbe voller Patientenwäsche gewaschen, gebügelt und in Reih und Glied in die Kästen versorgt. Rund um das Areal steht ein grosser Zaun, die Eingänge sind bewacht und die Sicherheitsleute sind besorgt darum, dass keine ungebetenen Gäste zu Besuch kommen. Im dazugehörigen Waisenhaus waren im Moment nur 8 Kinder. Früher seien hier über 100 Kinder gewesen, erzählte Schwester Evelyne. Vor dem Eingang hat es hier separat nochmals ein grosses Tor mit Schloss: es seien schon Kinder gestohlen (verkauft) worden! Wir waren wirklich unglaublich überrascht, wie viel hier steht und was hier gemacht werden kann. Nach dem Rundgang waren wir an diesem Morgen schon zum ersten Mal müde, so gross ist das Areal. Wir übergaben Schwester Evelyne noch ein paar Spenden und machten uns danach bald auf die Rückfahrt.
Auf dem Rückweg hatten wir in Ndop mit dem Vater des Februar-Kalenderbildes abgemacht. Divine Ntonui ist 3 Jahre alt und sein Vater hatte vorher im Spital Mayo Darle gearbeitet. Wir hatten Glück und fanden ihn wieder. Divine ist das Jüngste von drei Kindern in der Familie. Die Mutter ist Hausfrau. Im Moment wohnen sie in Ndop, aber eigentlich ist Bambalang ihre Heimat und dort steht ihr Haus. Dieser Ort ist anscheinend nur etwa 20 Kilometer entfernt. Der Doktor erzählte uns, er habe nach Douala gewollt, um dort eine Arbeit zu suchen. Doch im Moment könne er seine Familie nicht in Bambalang lassen. Sie hätten Unruhen. Er erzählte von über 300 Häusern, die angezündet worden waren. Ein Krieg ums Land war die Ursache gewesen. Nur ein paar Tage zuvor hatten die Bewohner drei Tage lang geplündert, Brand gestiftet und verwüstet. Dabei habe es 5 Tote gegeben. Einer davon sei sein Cousin. Das Militär sei schlussendlich eingeschritten, habe 70 Personen mit schweren Waffen verhaftet und mitgenommen. Wir konnten es kaum fassen.
Wir blieben nur kurz beisammen, tranken etwas und übergaben den Kalender und das Kalendergeld. Wir hatten ja noch immer das Problem mit dem Auto und dem Anlasser, der nicht repariert werden konnte. Da wir keine Neigung fürs Parkieren hatten, liessen wir das Auto sicherheitshalber während der Zeit laufen... danach fuhren wir weiter nach Bamenda in die nächste Garage. Während die Mechaniker in der Freiluft-Werkstatt den Fehler suchten, gingen wir ins Internet, um die neusten Geschichten und Fotos ins Internet zu laden. Es dauerte eine Weile, bis das Auto wieder fahrbereit war. Sie sagten uns, wir müssen nun ein Stück fahren, damit die Batterie sich erholen kann und halfen uns, das Auto anzuschieben. Wir fuhren einige Kilometer und testeten auf einem Hügel, ob sich das Auto schon erholt hatte... falsch gedacht: der Anlasser funktionierte noch immer nicht. Ein weiterer Besuch in der Garage stand auf dem Tagesprogramm.

Kalenderkind Divine erhält Schulgeld und Kalender.
Wir erreichten trotz allem Bali-Nyonga gesund und munter und freuten uns, dass alles gut gegangen war. Die Schwestern im Konvent begrüssten uns fröhlich und hatten einmal mehr wunderbar für uns gekocht. Es gab Spaghetti, Omeletten und Karotten, und zum Dessert frischen Fruchtsalat. Gut, dass wir wieder hier waren. Denn unterwegs waren uns noch Termiten als Speise in kleinen Säcklein angeboten worden :-) Der Nahrungsplan sieht hier nicht für alle gleich aus.