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Kamerun Reisebericht Cameroon

Mayo Darle – Songkolong – Sabongari – Ndu – Kumbo (160 km)


15.3.2011

Nach dem Frühstück im Konvent sahen wir uns im Spital um. Der von uns mitfinanzierte Operationsraum sieht leider noch immer ziemlich leer aus. Ein Operationsbett, ein paar Geräte für Operationen (Sterilisator und Anästhesie), Kleidungsstücke und einiges an Zubehör sind in den sonst recht kargen Räumen zu finden. Trotzdem wurden inzwischen bereits 4 Operationen ausgeführt. Alles braucht seine Zeit. Momentan fehlt es vor allem an einer guten Operationslampe. Wir gingen durch alle Patientenzimmer und sahen unsere Betten bei den Patienten, was uns sehr freute. Ebenfalls sahen wir die montierten Moskitonetze. Langsam aber sicher nimmt es Gestalt an. Die Belegschaft des Spitals hielt eine Ansprache und bedankte sich für unseren Besuch. Sie erzählten von den Gütern, die sie im Einsatz haben. Zum Beispiel die Tragbarren oder die Beinschienen. Wir erhielten viele Dankesworte, die wir gerne nach Hause bringen. Seit einem Monat ist ein neuer Arzt in Mayo Darle, Doktor Johannes. Wir erkundigten uns bei ihm nach den häufigsten Krankheiten in dieser Region. Dazu gehören Malaria, Diarrhöe, Typhus, Gastritis, Würmer, Lungeninfektionen, Blutarmut und Geschlechtskrankheiten. Letzteres vor allem, weil Mayo Darle an der Hauptverkehrsachse Nord-Süd liegt. Hier fahren alle grossen Lastwagen vorbei und die Chauffeure bringen nebst den Gütern im Lastwagen noch weitere unwillkommene „Geschenke“ während ihrer Übernachtungen. Weitere Erscheinungen sind vor allem ausgelöst wegen einseitiger oder Unter-Ernährung. Sie versuchen es dann meistens mit den eigenen Hausmittelchen auszukurieren, kaufen vielleicht etwas auf dem Markt, das meistens aus Nigeria und gefälscht ist oder ersuchen einen Marabu (Wunderheiler). So kommen auch oft Kinder schon mit Fehlbildungen zur Welt. Die Händchen oder Füsschen sind verdreht. Im Spital versuchen sie, die Schwangeren möglichst frühzeitig zu einem Besuch mit Aufklärung zu holen, damit die angehende Mutter weiss, was für sie und das Baby gesund und nötig ist. In Anbetracht dessen, dass hier jede Woche alle Patienten und Angehörigen im Spitalareal zusammengerufen werden, um ihnen die Grund-Hygiene zu erklären, ist dies vielleicht einfacher zu verstehen. Die für uns einfachsten Informationen fehlen diesen Menschen. Hände waschen vor dem Essen oder nach der Toilette muss erklärt werden. Poster mit Bildern an der Wand versuchen die Situation zu verbessern.



    

Traditionelle Heilmittel auf dem Markt von Mayo Darle. Wir streifen durch die Marktstände. Eine Art «Salzstein», der zum Kochen von Suppen verwendet wird.



    

Der neu erbaute Operationssaal ist noch spartanisch eingerichtet. Das ganze Ärtzeteam bedankt sich für unseren Besuch.


Danach mussten wir uns bald verabschieden, um rechtzeitig in Kumbo zu sein. In Nyamboya machten wir kurz halt, um den Kindergarten mit ein paar Gütern zu beglücken. In einem grossen dunklen Schulgebäude wuselten unzählige Kleinkinder herum. Wir hatten bereits zuvor ein paar Mal hier angehalten. Auf dem Markt kauften wir noch eine ganz geniale Bastelei. Schon ein paar Mal hatte ich dort eine alte CD gesehen, auf der vier kleine Lämpchen montiert waren. Mit drei Batterien kann man so Licht erzeugen. Der geschäftstüchtige Amadou hatte mir diese inzwischen besorgt und für 1000 CFA (= 2.50 CHF) kaufte ich sie ihm ab. Danach hiess es erneut Auto anschieben, weil wir noch immer das Problem mit dem Anlasser hatten.



      

Im Kindergarten von Nyamboya: die Kindergärtner freuen sich über den Besuch.


Auf dem Weg nach Kumbo hatte es diverse Brücken, die nicht mehr funktionstüchtig sind. So mussten wir etwa 3 Mal neben der Brücke durch den Fluss fahren. Zum Glück ist Trockenzeit und der Flusspegel sehr niedrig. Bei Regenzeit gibt es hier kein Durchkommen mehr. In dieser Region war plötzlich wieder alles grün und überall wuchs etwas. Man fährt eine lange Ebene hindurch, wo überall Reis angepflanzt wurde. In den kleinen Flüssen fischten die Kinder mit Reusen. Unzählige Raingates waren zu passieren. Diese werden während der Regenzeit geschlossen, damit die grossen Lastwagen nicht mehr durchfahren können. Dies, wenn es gerade regnet oder frisch geregnet hatte. Ansonsten würde die sonst schon schlechte Strasse bald gänzlich unpassierbar werden. Die Lastwagenchauffeure warten dann dort häufig tagelang auf besseres Wetter.



    

Wo die Brücke eingestürzt ist, gibt es nur noch den Weg durch den Fluss... Vor uns die zu überwindende Bergkette Richtung Kumbo.


Vor Kumbo begann die Steigung auf einen Berg. Bis zu 20% Steigung war zu überwinden. Wir massen 40 Grad. Der ganze Berg war angepflanzt mit Feldern, eine Art Terrassen-Anbau. Soweit das Auge reicht wurde bewirtschaftet. Kurz zuvor hatte ein heftiger Sturm über die Gegend gefegt. Diverse umgestürzte Bäume und die zerfetzten Bananenstauden waren die Zeugen des Unwetters. Als wir Ndu erreichten, sahen wir sogleich die riesigen grün leuchtenden Tee-Plantagen. Kilometerweit über die hügeligen Berge waren die Menschen an der Ernte. Kamerun hat seinen eigenen Tee, der eine Art Schwarztee ist.

Um 14.30 Uhr erreichten wir Tatum, wo wir Schwester Bernadette einen Kurzbesuch abstatteten. Sie führt dort das Spital und wurde auch schon mit Hilfsgütern beglückt. In den Krankenzimmern zählten wir bis zu 15 Betten. Sie erzählte uns, dass es in letzter Zeit in der Region mehrere Spitäler gegeben habe und die Geburten jetzt meistens anderswo ausgeführt werden. So war es dort leider sehr leer. Ein winziges Frühchen mit knapp 28 Wochen lag eingebettet in ein paar Wolldecken.

In aller Eile ging es danach weiter nach Kumbo. Schwester Evelyne erwartete uns schon sehnsüchtig und hatte etwas von einem Fest erzählt. Wir wussten nicht genau, was uns erwartete. Um 16.30 Uhr waren wir dort und begrüssten diverse Schwestern. Wir staunten, wie viele uns bereits kannten und von uns gehört hatten, obwohl wir sie noch nicht kannten. „Ah ja, Ashia Kamerun ist da!“ hörten wir etliche Male. Danach bezogen wir das Gästezimmer und duschten uns für die Festlichkeiten. Leider reichte das Wasser nicht für uns alle, es wurde kurz darauf abgestellt. Um Wasser zu sparen und auf alle Regionen verteilen zu können dreht die Stadt regelmässig die Hähne zu. In Kumbo ist ein riesiges Spital (Shishong), wo die Schwestern ausgebildet werden, bevor sie „in den Busch“ ausgesandt werden. So wimmelte es nur so von Schwestern aller Altersgruppen und angehenden Schwestern. Es hat nebst dem Spital eine Schule mit Internat und ein Waisenhaus. Das Areal ist riesig und man kann sich darin fast verlaufen. Wir gingen nur kurz durch das Spital, weil Gregory jemanden kannte, der soeben operiert worden war. Im Spital-Innengelände sassen und lagen diverse Personen herum. Dies waren die Verwandten, die während des Aufenthaltes zu ihren Angehörigen schauen. Auf den Wiesen lagen Matratzen, wo sie sich erholten oder sie sassen auf den Bänken. Es wimmelte von Leuten diverser Herkunft. Leider war das Fotografieren auf dem Gelände verboten. Das Spital erinnert schon fast ein wenig an die Spitäler zu Hause. Den kompletten Rundgang sparten wir uns für den kommenden Tag vor.



    

Der Anstieg Richtung Kumbo mit den vielen Serpentinen. Riesige Teefelder umgeben Kumbo. Die Strassen in dieser Region sind mehr als schlecht.


Schon bald begann das Fest. Wir merkten bald einmal, dass es wirklich etwas Spezielles war. Aus allen möglichen Ländern waren weitere Schwestern des Franziskaner Ordens angereist. Unter anderem aus dem Mutterhaus in Südtirol, dann aus Deutschland, aus Bolivien, aus den USA, aus Italien und aus vermutlich noch vielen weiteren Orten. So kamen diverse weisse Nonnen, die Chefin aus Südtirol, der Bischof war da und wir ordneten uns in die Reihe der Menschen ein. Wir hatten per Zufall genau den Tag getroffen, wo diese Festlichkeiten stattfanden. Des Weiteren hatte eine Schwester ihre Profession und erhielt den weissen Schleier. Sie sah fast aus wie eine Erstkommunikantin in ihrem weissen Kleid und dem Schleier mit aufgesetzten weissen Blüten. Alle geladenen Gäste tanzten zu Musik in den Raum und der Bischof mit der Chefin und der neu ernannten Schwester kamen gemeinsam unter einer hochgehaltenen Decke hinein. Im Raum waren dann in etwa über 100 Schwestern versammelt, es gab ein paar Ansprachen und Dankesreden und danach ein grosses Essens-Buffet mit Poulet, Reis, Kartoffeln und sogar Pizza. Nebst dem Bischof, Felix und Gregory waren nur noch zwei andere Männer, sonst alles Schwestern. Das Essen in Kamerun wird meistens eher als Nahrungszufuhr angesehen. So wurde ganz kurz gegessen und danach gleich wieder abgeräumt und in den nächsten Raum gegangen.



    

Blick aufs Spitalgelände Kumbo (Shishong). Wir dürfen an der Profession einer Schwester teilnehmen und erfahren, dass Nonne sein in Kamerun auch heisst, dass man kräftig feiern, tanzen und Sketche aufführen darf...


Dort stieg dann das Abendprogramm. Schwester Evelyne begleitete uns die ganze Zeit und erklärte uns, um was es ging. Sie war so stolz, dass wir an diesem Abend mit ihr waren und wir freuten uns sehr, dass wir das Glück hatten, mit dabei zu sein. Beim Abendprogramm waren dann ausschliesslich Schwestern dabei (ausser eben „unseren“ Männern). Schwester Evelyne erklärte, sie würden nicht nur den ganzen Tag beten, jetzt würden wir mal sehen, dass sie es jeweils auch gemütlich haben. Wir staunten nicht schlecht, als wir danach ein paar Stunden lang Unterhaltung hatten. Vom Sketch über ein gespieltes TV-Programm, Tanz und Verkleidung mit Jou-Jou (typisch kamerunischer Tanz) war alles im Angebot. Und nahezu alles wurde von ihnen selber dargeboten. So trugen die Schwestern für einmal keinen Schleier, sondern Masken mit Tierköpfen während des Tanzes oder schwangen den Pferdeschwanz (Sang), trugen farbige bunte Kleider und sangen lautstark traditionelle Gesänge. Es war ausgelassene Stimmung, Wein wurde angeboten und es wurde viel gelacht. In den Sketchen ging es vor allem darum, wie alles hier begonnen hatte. Ungefähr 1945 waren fünf Nonnen aus Südtirol nach Kamerun gesandt worden, um hier eine Mission zu beginnen. Sie starteten in einer relativ kleinen Hütte mit Strohdach. Und heute stehen diverse Gebäude, teils mit modernster Technik. In den Sketchen lachten sie auch über sich selber und sprachen teils in Deutsch. Sie spielten die fünf Erstgesandten nach, die sich in ihrer Heimat entscheiden mussten, ob sie in das ferne Afrika gehen. Dort, wo es Affen hat, wo es schlechte Strassen hat, wo die Leute in Strohhütten leben oder wo einfach alle schwarz sind. Alle amüsierten sich köstlich und trotzdem dass wir von der Anfahrt relativ müde waren, wurde es ziemlich spät.


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