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Kamerun Reisebericht Cameroon

Maroua – Garoua – Ngaoundere - Tibati (733 km)


13.3.2011

Um 4 Uhr in aller Frühe starteten wir unsere Weiterfahrt. Wir wollten möglichst fahren, solange es noch einigermassen kühl ist. Trotz der frühen Uhrzeit war es bereits 32 Grad warm... Auf der Fahrt zurück Richtung Süden überholten wir diverser alte Autos mit Schweizer CH-Landeskleber. Die Fahrt bis kurz vor Garoua führt weitestgehend über Flachland. Es war noch dunkel und an diversen Orten sahen wir die Menschen noch neben der Strasse oder manchmal auch auf den Wegen am Boden schlafen. Wir mussten etliche Polizeikontrollen über uns ergehen lassen. Doch soweit verlief alles freundlich und korrekt. Anscheinend sind nach 2007 diverse Polizisten gebüsst worden, die vorher jahrelang Bestechungsgelder gefordert hatten. Die Lage hat sich merklich verbessert.

Nach einer Weile sahen wir von weitem schon riesige Rauchschwaden. Wir fuhren weiter und nach einer halben Stunde ungefähr kamen wir dem Feuer direkt entgegen. Ein ganzes Dorf stand kurz vor dem Abbrennen. Das Buschfeuer wütete in bis jetzt noch nie gesehenen Massen. Kilometerweit brannte die ganze Landschaft. Verzweifelt versuchten die Anwohner mit einem Gegenfeuer vor ihren Hütten das Feuer in Schach zu halten, bevor es die Strohdachhütten erfassen konnte. Der Rauch war so dick, wir konnten kaum die Strasse für die Weiterfahrt finden. Scheiben hoch und durch... Mit Wasser zu löschen ist ein Ding der Unmöglichkeit, in Anbetracht dessen, dass das Wasser aus einem einzigen Dorfbrunnen gepumpt werden muss und sicherlich sonst schon sehr knapp ist.



    

Schon von weitem sahen wir das riesige Buschfeuer. Alles gänzlich voller beissender Rauch. Ein Dorf steht in Flammen...


Vor Ngaoundere passierten wir die Berge hoch und durchquerten den Wald. Unzählige umgekippte Lastwagen und Container lagen neben den Wegen. Um 12 Uhr mittags erreichten wir Ngaoundere. Wir gönnten uns eine kurze Pause und starteten nach 30 Minuten weiter Richtung Tibati. Es wurde eine Monstertour, die Weiterfahrt war eine Holperpiste über Berg und durch Tal. Wir hatten grosses Glück und vor unseren Augen überquerte ein 1 Meter langer Leguan in aller Gemütsruhe die Piste. Wir hielten sofort an und knipsten Fotos. Und nur einen Moment später rannte er in Windeseile ab zurück in den Busch. Ein Junge spazierte die Strasse entlang und trug auf dem Kopf eine zusammengefaltete Kuhhaut. Später wird die Kuhhaut mit Wasser aufgekocht und als Suppe gegessen. Erneut sahen wir unzählige Lastwagen, die diese Piste passieren müssen. Das Thermometer stieg stetig an und wir schwitzten. Das mitgeführte Wasser im Auto wurde sehr schnell zu Tee und das Fanta zu Orangenpunsch. Jedenfalls war das Fanta ein wenig besser geniessbar, wenn man sich vorstellte, dass es Punsch wäre.



    

Ein riesiger Leguan züngelt in die Kamera. Lastwagen-Transporte unterwegs. Blick in die Küche (mit den lebenden Hühnern hinten in der Ecke).


Um 18.30 Uhr erreichten wir sehr müde unser Tagesziel Tibati. Gregorys Cousin, der dort wohnt, führte uns ins Hotel Entre-Bien und wir waren überrascht, wie viel Komfort sich dort bat. Das Hotel hat 12 Zimmer und uns wurden verschiedene Räume zur Auswahl gezeigt. Wir waren die einzigen Kunden und unsere Hoteleinschreibung wurde auf einem Block von Hand ausgeführt. Im Zimmer hatte es Toilettenpapier, ein Handtuch und Warm-/Kaltwasser. Das Wasser hatte eine braune Färbung. Wenn man die Toilette gespült hat, war man nicht sicher, ob man schon gespült hat oder nicht... Der Strom wurde dann umgehend mit einem Generator erzeugt, als wir unser Zimmer bezogen hatten. In Tibati war es auch am Abend noch 36 Grad warm. Wir konnten es kaum glauben, dass wir bei dieser Wärme tatsächlich das Gefühl hatten, es sei kalt und dass wir gefroren haben. Der extrem heisse Norden hatte seine Spuren auf unserem Wärmeempfinden hinterlassen. Es kühlte dann aber in der Nacht sehr schnell auf 26 Grad.

Zum Abendessen waren wir bei der Familie von Gregory Cousin zu Reis mit Tomatensauce und Fisch eingeladen. Später tranken wir noch etwas in der Dorfmitte. In Tibati wohnt eine Mutter mit ihrem Kind, das wir im Kalender 2010 abgebildet hatten. Da wir sie bis anhin noch nie gefunden hatten, starteten wir den Versuch, sie aufzutreiben. Irgendwann kam dann auch eine Frau, die eher wie eine Wahrsagerin aussah. Sie trug ein rotes Chiffonkleid mit Schleier und schlich um die Gegend. Gregory rief ihr und sie setzte sich an unseren Tisch. Einmal mehr war die Kommunikation schwierig. Sie sprach kaum Französisch und war auch sonst sehr zurückhaltend und scheu. Nach einer Weile dann verstand sie, dass wir ihre Tochter sehen möchten, die im Kalender ist. Sie holte sie und stellte sie uns vor. Leider hatten wir keinen alten Kalender mehr mit dabei und wir waren uns schlicht weg nicht sicher, ob sie es ist oder nicht. Am anderen Tag dann stellte sich heraus, dass sie es nicht gewesen war. Wir hatten das Jahr zuvor falsche Informationen erhalten. Das Mädchen sah ihr zwar ähnlich und die Mutter hat den gleichen Vornamen und war auch beim Marabu (Wunderheiler) gewesen, wo wir das Mädchen fotografiert hatten, aber sonst passte die Geschichte nicht zu unserem Kalenderkind.

Nach dem Drink legten wir uns gleich schlafen, wir waren alle richtig müde von der langen Fahrt.


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