Ngaoundere Garoua Maroua (479 km)
11.3.2011
Um 6 Uhr morgens ging die Reise Richtung Norden weiter. Um diese Zeit war es noch angenehm kühle 21 Grad. Wir beluden das Auto mit den Koffern und allen Mitbringsels und suchten eine Tankstelle, um nochmals voll zu tanken. Glücklicherweise öffnete einer für uns ein wenig früher. Der Tag beginnt hier zwar mit dem Tageslicht, aber die Tankstellen öffnen erst später. Von Ngaoundere bis Garoua sind es 266 Kilometer gute Teerstrasse. Wir waren erstaunt, in welch gutem Zustand sie war. An diversen Orten war geflickt worden und wir kamen viel schneller vorwärts als im 2006 und als wir erwartet hatten. Je weiter wir in Richtung Norden fuhren, desto dürrer wurde das Gras, die Bäume wurden langsam weniger und die Umgebung trockener. Unmengen streunender Hunde sind um Ngaoundere unterwegs. Es hat sogar einen See (was man in Kamerun höchst selten findet) aber dafür umso mehr Moskitos, die sich am stehenden Wasser freuen und darin vermehren. Die Umgebung ist flach mit ein paar Hügeln.
Schon kurz nach Ngaoundere waren wir überrascht, wie viele neue Hüttchen es am Strassenrand seit 2006 gegeben hatte. Anscheinend hat die Regierung diese Landschaft den Flüchtlingen (vor allem aus dem Tschad) zur Verfügung gestellt. Unmengen winzig kleiner runder Strohdachhüttchen reihen sich aneinander. Wenig später beginnt der Benoue Nationalpark. Man fährt mit dem Auto hindurch. Wir erspähten diverse Affen, die sich an der Strasse und in den Bäumen tummelten. Sie sind sich Verkehr gewohnt, hatten zwar eine gewisse Vorsicht, aber waren grundsätzlich nicht ängstlich. Bei den Häusern tummelten sich unzählige kleine Eselchen, Ziegen und Schafe. Sie sind hier die hauptsächlichen Nutztiere nebst den Zebus. Vereinzelt waren ein paar Einheimische mit dem Fahrrad unterwegs, ansonsten gingen diverse Menschen an den Strassen entlang. Kinder und Teenager gingen in Schuluniformen Richtung Schule. Überall an den kleinen Orten waren Soldaten platziert. Sie kontrollieren auch hier die Umgebung.

Wir erspähen Äffchen im Benoue Nationalpark. Im Norden: die Autos werden weniger, die Esel werden mehr...

Wenn hier mal ein Weisser vorbeikommt, herrscht im Dorf die Sensation. Wohnen mit einfachsten Mitteln in der Einsamkeit. An der Wasserstelle herrscht Andrang und wird über das aktuelle Geschehen berichtet.
Nach einer Weile erreichten wir eine Schule in Gouna. Die Schule hat laut Direktor 600 Kinder, wir schätzten die anwesende Zahl aber auf etwa 400. Sie hatten gerade Pause. Da wir noch immer ein Kalenderkind aus dem ersten Kalender suchen, gingen wir zur Schule. Die Chance, dass andere Kinder sie erkennen, wäre nicht schlecht. An diversen Orten, wo wir vorher gefragt hatten, hat sie leider niemand erkannt. Wir erklärten den Lehrern, wer wir sind und um was es geht. Leider kannte niemand das Mädchen. Wir entschieden, an dieser Schule ein paar Bleistifte zu verteilen. Bei 42 Grad waren alle Kids draussen an der Sonne. Es dauerte überraschenderweise gar nicht allzu lange, bis die Lehrer sie in Reih und Glied eingefügt hatten und alle ruhig parat standen. Mit grossen Augen sahen sie uns an und nahmen das Bleistift voller Freude entgegen. Die Schulgebäude waren einmal mehr in einem bedenklichen Zustand. Zwei oder drei Klassenzimmer waren von der Regierung und aus Zement. Die restlichen waren aus Bambus mit ein paar Holzbrettern und Ästen als Schulbänke. Nicht alle Schulkinder kamen in die Reihe und nahmen etwas. Hier herrschen verschiedene Glaubensrichtungen und es heisst zum Beispiel auch, dass sie nichts mit Menschen zu tun haben dürfen, die Blechdächer haben und ähnliches. Diese seien „verhext“ oder es könne Schlimmes passieren, wenn man mit ihnen spricht.

Gouna: schätzungsweise 400 Kids schauen neugierig in unsere Richtung. Blick ins Schulzimmer. Jedes Schulkind erhält Schreibzeug.

Trinkwasserflasche eines Schülers. Hier ist alles komplett trocken und kaum mehr etwas wächst. Ein Klassenzimmer von aussen.
Nach dieser Verteilung fuhren wir ein Stück weiter, wo wir uns ein kühles Getränk organisierten. Sogar etwas Brot fanden wir am Strassenrand und wir kauften Orangen aus Nigeria und geröstete Erdnüsse. Diese Orangen haben übrigens grüne Schale und schmecken unseren sehr ähnlich. An diversen Orten wird eine orange saftähnliche Mischung in Flaschen angeboten. Es sei ein Heilmittel für alle möglichen Krankheiten. Wir sahen diverse Wasserpumpen in vielen kleinen Orten.
Um 12 Uhr mittags erreichten wir Garoua. Ein sehr breiter Fluss führt daran vorbei, der sehr viel Wasser führte. Um den Fluss herum werden Mais-, Zwiebel- und Hirsefelder bewirtschaftet. Ausser diesem breiten Fluss sind keine anderen Flüsse mehr zu entdecken. Kühe und Schafe werden am Fluss getränkt. Unmengen ausgetrockneter Flussbette passierten wir während unserer Fahrt. Die Menschen spazieren darin herum, stochern mit Ästen nach Wasserlöchern, um sich darin zu baden oder ihre Kleider und Töpfe zu waschen. Die Temperatur stieg weiter an. Im Auto war es 46 Grad heiss geworden und wenn man ausstieg, hatte man das Gefühl, es sei noch heisser... zum Glück fegte ein starker Wind durch die Gegend.
Bis nach Maroua sind es weitere 290 Kilometer gute Teerstrasse. In den Bäumen erspähten wir diverse unterschiedliche Vogelnester. Ob wohl auch ein paar Vögel aus der Schweiz noch hier sind? Die Moslem-Frauen in dieser Region sind einmal mehr „unsichtbare“ Wesen. Sie huschen durch die Gegend und sind verschleiert. Wenn man sie etwas fragt, gehen sie teilweise einfach weiter, ohne sich umzuschauen oder verstecken sich vorsichtshalber schon bevor man sie anspricht hinter einem Baum. Wir tranken während der ganzen Fahrt des Tages pro Person rund 3 Liter Wasser und trotzdem musste nie jemand von uns in die Büsche. Alles wurde laufend ausgeschwitzt.

Schatten suchen unter einem der wenigen Bäume. Im Norden leben die Menschen in den traditionellen Rundhütten. Eine Windhose fegt über die trockene Erde.
Je näher wir Richtung Maroua kamen, desto dürrer wurde die Landschaft. Bald zeigten sich ein paar Kakteen am Strassenrand. In Figiul fiel uns eine grosse Zementfabrik auf. Hier hat es unzählige Steinfelsen, die abgetragen werden und auch in den Tschad exportiert werden. Bis nach Tschad ist es von Figuil nur ungefähr 5 Kilometer. Riesige Baumwollfelder waren schon geerntet worden und in den trockenen Böden waren nur noch die kurzen abgeschnittenen Stängel. Man wartet auf die nächste Regenzeit. Kurz vor Maroua türmen sich riesige Berge aus grossen Steinfelsen. Ein wild angeordneter Steinhaufen folgt dem anderen. Teilweise sind sie so spektakulär übereinander, dass man sich fragt, wie das geschehen sein kann. Wir überholten einen Hühnertransport. Das heisst, es ist ein normaler Bus für Passagiere, und darum herum und auf den Dächern hingen überall lebende Hühner. Bei etwa 80 km/h flatterten sie wie wild im Wind herum.

Der einzige Fluss, der in dieser Jahreszeit noch Wasser führt, fliesst durch Garoua. Das Vieh wird zum Tränken gebracht. Wunderschönes Handwerk wird an der Strasse verkauft.

Dieser breite Fluss ist bereits ausgetrocknet. Aus ein paar wenigen Wasserlöchern holen sich die Bewohner Trink- und Waschwasser. Geerntete Baumwolle wird an die Sammelstelle gekarrt.
Bald schon erreichten wir unser Tagesziel Maroua. Auch um Maroua hat es diverse sehr breiter ausgetrockneter Flussbette. Die dürren Maisstängel werden zusammengesammelt und den noch dürreren Kühen verfüttert. Wir quartierten uns im Maroua Palace ein und bereuten es schon bald, als wir feststellten, dass hier ein Deutscher ein tolles Restaurant mit Bungalows führt. Für einen Wechsel war es schon zu spät, aber wir genossen bei ihm ein tolles Abendessen mit Tomaten-Mozzarella-Salat und Spaghetti. Alles schmeckte wie zu Hause. Was für ein Festessen! Sogar Internetzugänge mit diversen Steckdosen sind unter dem romantischen Freiluft-Restaurant mit Strohdach vorhanden. Und plötzlich wimmelte es von Weissen aus allen Ecken. Das heisst, es waren insgesamt vielleicht 15 Personen, was für Kamerun schon auffällig viel ist. Maroua wird häufig als Ausgangsort für Entdeckungsreisen in den Waza-Park oder nach Rhumsiki gebucht. Die meisten Touristen reisen somit aus dem Tschad an und reisen von Norden her ein. Sogar einen Schweizer (aus dem französischen Teil) lernten wir per Zufall kennen, der hier Touristenführungen macht. Nach dem feinen Festschmaus gingen wir früh schlafen und schwitzten noch im Zimmer weiter...