Mayo Darle Banyo Tibati Ngaoundere (392 km)
10.03.2011
Früh am Morgen standen wir auf und fuhren nach dem Frühstück um 7.30 Uhr in Mayo Darle los. Am Morgen war es noch kühle 18 Grad. Unser Tagesziel war noch nicht ganz bestimmt, wir wollten mindestens bis Tibati fahren. Die ganze Strecke ist holprig und hat nur auf ein paar Bergübergängen Teerstrassen. Viele grosse Kuhherden (Zebus) kamen uns entgegen. Sie haben riesige Hörner und sind meistens sehr knochig und dürr. Die Gegend im Adamoua-Plateau ist extrem gebirgig und hügelig. Es geht hoch und runter, hat sehr viele Büsche und Bäume und ein grosses Dickicht an Wald, das kaum zu durchdringen ist.
Nach kurzer Zeit kamen wir zu dem Ort in der Nähe von Mayo Boutaly, wo wir das Kalenderbild vom Mai 2011 fotografiert hatten. Wir hatten nebst dem Kalenderfoto noch diverse kleine Bilder für die anderen Kinder dieses kleinen Ortes. Sogleich kamen alle angerannt und wir verteilten die Fotos. Nur das Mädchen vom Kalender schien nicht da zu sein. Es verging viel zu viel Zeit, bis irgendwie geklärt werden konnte, dass das Mädchen nicht mehr in diesem Ort wohnt, sondern ein paar Dörfer weiter. Wir wollten ein Mädchen und einen jungen Mann überreden, mit uns mitzukommen, um nach ihr zu sehen und ihr das Bild zu geben. Die Mutter selbst war sogar anwesend, doch sie war irgendwie völlig nicht sozialisiert und traute sich ebenfalls nicht, mit uns mitzukommen und nach ihrem Kind zu suchen und ihr das Foto zu übergeben. Die ganze Menschengruppe war irgendwie skeptisch und glaubte uns nicht, dass wir das Mofa für die Rückfahrt bezahlen und dass wir dem Mädchen nur etwas schenken wollen. Die Mutter hat wahrscheinlich diese Region noch nie verlassen, was man ihr auch nicht übel nehmen kann. Moslem-Frauen haben in dieser Gegend null Rechte und noch viel weniger zu sagen. Das Dorf hat eine kleine Schule und die Lehrerin stiess ebenfalls zur Gruppe. Sie schien zu verstehen, um was es ging, aber war irgendwie auch unkooperativ und wollte oder konnte nicht weiterhelfen. Sie sprach zwar Englisch, aber es klappte trotzdem nicht mit der Verständigung. Nach etlichen Diskussionen und Gesprächen, bei denen wir immer wieder das Selbe erklärten, verloren wir die Geduld und stiegen ins Auto. Die Dorfbewohner fanden es zwar schade, dass wir das Foto wieder mitnahmen, aber wollten ansonsten nicht verstehen, was wir eigentlich von ihnen wünschten. Noch bei der Abfahrt quetschten wir aus einem jungen Mann den Namen der Ortschaft heraus, wo das Mädchen jetzt ist.
Die Lehrerin hat im Übrigen auch einen kleinen Sohn, der ganz schiefe Beine hat und dringend eine Beinoperation benötigen würde. Sie war das Paradebeispiel von den Menschen hier, die ihr Kind lieber in der Hütte verstecken, anstatt es ins Spital zur Kontrolle und zur Operation zu bringen. Die Mutter ist mit einem Polizisten verheiratet (sagte sie zumindest) und werde am folgenden Tag nach Yaoundé abreisen. Sie werde das Kind dann im Spital zeigen. Als wir ihr erklärten, dass ihr Kind eine Operation benötigt, die man in Njinikom machen könne, und dass danach alles geheilt wäre, schüttelte sie umgehend mit dem Kopf: ihr Mann würde niemals einwilligen… Wir glaubten ihr auch die Geschichte nicht, dass sie nach Yaoundé geht. In diesem Dorf schien der Wurm drin zu sein. Sie trauen niemandem und wollen auch keine Hilfe annehmen. Wir verstanden es leider nicht.

Unterwegs mit der Viehherde. Ein Stück weit über das Adamaoua-Plateau ist die Strasse noch geteert. Die Schulkinder von Mayo Boutaly.
Der Weg ging weiter über die Holperpiste. Ab und zu hatte es sogar eine Strassentafel, die schon unzählige Jahre auf dem Buckel hat du ganz rostig war. So zeigte sie zum Beispiel eine starke Rechtskurve an, auf die man dann vergeblich wartet. Es kommt keine. Dafür war keine Ortschaft angeschrieben und auch sonst gab es keine Wegweiser. Man fragt sich durch, meistens hatte es sowieso nur diese eine Piste oder die andere würde vermutlich nicht weit führen.
So kamen wir dann irgendwann nach ein paar Kilometern tatsächlich zu dem Ort, wo der junge Bursche gesagt hatte, dass das Kalenderkind jetzt lebt. Wir hielten an und fragten den erstbesten, den wir fanden. Unglaublich aber wahr: es war der Onkel der kleinen, der das Mädchen auf dem Foto natürlich sogleich erkannte und sehr nett war. Er erklärte uns, sie sei gerade in der Schule, er käme mit und zeige uns, wo sie sei. Er stieg in unser Auto und wir fuhren ein paar hundert Meter weiter. Von dort an führte nur noch ein Gehweg etwa knapp 1 Kilometer in den Busch hinaus. Man sah von der Strasse aus, dass es dort ein paar Häuser hat. Wir zögerten einen Moment, was wir tun wollen. Das Auto konnten wir unmöglich einfach stehen lassen mit allem Gepäck auf der Laderampe. Wir beschlossen, dass Felix beim Auto bleibt und ich mit Gregory und dem Onkel zur Schule gehe.
So gingen wir zu Fuss in Richtung Schule. Der Pfad führte hinunter, über einen Fluss, wieder hoch und wir verloren das Auto aus den Augen. Aber danach kamen bald ein paar Hüttchen in Sicht, ein paar Schafe und Kühe und ein kleines Hüttchen aus Bambus. Dort sahen wir tatsächlich schon von weitem einige Kinder sitzen. Wir staunten nicht schlecht. Wir gingen hinein und 50 Kinder diversen Alters sassen eng an eng auf schmalen Holzbrettern. Ein Lehrer hatte eine kleine Wandtafel und unterrichtete. Es sah trotz allem sehr idyllisch aus. Die Kinder guckten uns mit riesigen Augen an, als wir aus dem Nichts aufkreuzten. Wir erklärten dem Lehrer, wer wir sind und ich entdeckte gleich in der zweitvordersten Reihe die kleine Houreratou Badamassi, die auf dem Mai-Bild abgebildet ist. Sie ist inzwischen 8 Jahre alt und geht nun in diese Schule. Ihr Onkel heisst Abdou Karimu und sie wohnt bei ihm. Der Lehrer freute sich sehr und nahm das Schulgeld und den Kalender gemeinsam mit dem Onkel entgegen. Er übersetzte den Kindern, um was es geht. Danach knipsten wir diverse Fotos und die ganze Schule machte super mit. Sie lachten um die Wette und es sind sicher wieder neue Kalenderbilder entstanden. Wir im Gegenzug freuten uns, dass hier mitten im Nichts so eine Schule geführt wird. Dieser Lehrer gibt sich wirklich die grösste Mühe und die Kinder sind sehr frei und lebendig. Wir sagten ihnen als Abschluss, sie dürften mit uns mit zum Auto kommen, wo jedes noch etwas erhält. Die Freude war riesig, der Unterricht unterbrochen und wir gingen zum Auto zurück. Bald wollten alle Händchen halten und die Angst vor den Weissen war verloren.

Wir fanden mitten im Busch diese kleine Schule, aus Stroh gebaut. Völlig überrascht darüber waren nicht nur wir, sondern auch die rund 50 Schulkinder, die fleissig am Unterricht teilnahmen.

Unglaublich aber wahr: wir fanden Houreratou in dieser Schule wieder. Die SchulkameradInnen freuten sich mit ihr über unseren Besuch.

Schreiben lernen in der Schule. Die Schultische/-bänke sind simple schmale Holzbalken auf Steinen. Die ganze Klasse freut sich über die unerwarteten Spenden.
Beim Auto angekommen verteilten wir Zahnbürsten, Bleistifte und Plüschtiere für die ganze Klasse. Sie Freude war riesig. Wir werden diese kleine Schule bestimmt wieder besuchen.
Danach fuhren wir weiter. Diverse Mofas mit jungen Burschen kamen uns entgegen. Gregory erklärte, dass dies die Brigade Intervention Rapide (BIR) ist. Die Regierung hat unzählige junge Männer rekrutiert. Sie haben sich verpflichtet, 5 Jahre nicht zu heiraten und sich zur Verfügung zu stellen. Sie werden ausgebildet und danach im Busch an verschiedenen Orten ausgesetzt, um für die Sicherheit in der Region zu sorgen. So schwärmten sie an diesem Morgen in alle Richtungen aus. Alle waren ähnlich gekleidet und bewaffnet. Sie kontrollieren die Wege und sind im Busch versteckt. Man sieht sie nicht. Wenn ein Vorfall ist, haben sie ein spezielles Kommunikationssystem, um den Verbrecher zu finden und zu fassen. Im Adamoua-Plateau hatte es vorher viele Raubüberfälle (auch tagsüber) gegeben, weil die Region sehr nahe bei Nigeria liegt und durch die starke Bewaldung für einen Dieb ideal als Versteck dient. Auch waren sie vereinzelt mit Jeeps unterwegs. Sie fuhren sehr langsam und beobachten die Region. Auf dem Jeep verdeckt unter einer Plane waren weitere schwere Waffen.
Die üblichen Streckenkontrollen durch die Polizisten werden nach wie vor durchgeführt. So wollte kurz vor Banyo ein Polizist etwas genauer wissen, wer wir sind und was wir tun. Als wir unsere Ashia-Ausweise zeigten, die besser aussehen als die alten Führerausweise in Kamerun, war es dann schnell okay und wir durften passieren.
Um 11 Uhr erreichten wir Banyo. Diese Schule hatten wir mit Schulsäcken und einem Beitrag an die Schule unterstützt. Leider ist die Schulleiterin nicht mehr hier, sie wurde inzwischen versetzt. Trotzdem wollten wir einen kurzen Besuch abstatten. Dieser Besuch war aber wirklich nur kurz. Die anwesende Schwester schien ziemlich unter dem Hammer des Pfarrers zu sein. Sie sagte selber, er mache alles unnötig kompliziert und sie wisse nicht, ob sie uns ohne seine Erlaubnis durch die Klassen führen dürfe. Zur Sicherheit holte sie eine zweite Schwester, damit sie Unterstützung habe, falls der Pfarrer gleich aufkreuzen würde und ärgerlich sein würde, weil wir uns nicht zuerst bei ihm gemeldet haben. Danach führte sie uns durch alle Klassen. Die Kinder erkannten uns alle wieder und freuten sich über unseren Kurzbesuch. Im aktuellen Kalender haben wir 3 Kinder aus dieser Schule abgebildet. Wider Erwarten fanden wir keines der 3 Kinder an diesem Tag hier wieder. Wir konnten es nicht fassen. Wir hatten gedacht, das würde hier sehr einfach werden. Aber nein: zwei Kinder haben inzwischen die Schule gewechselt und das dritte fehlte an diesem Tag. So ein Pech. Und ein viertes Kind, das ebenfalls in Banyo in der Stadt fotografiert wurde, kannte keines der Schulkinder. Wir erhielten zwar ein paar Informationen, wo diese Kinder jetzt sein könnten und wie sie heissen, aber es fehlte uns mittlerweile an der Zeit, um weiter zu suchen. Ein wenig frustriert fuhren wir ins Dorf, um nochmals zu tanken, bevor wir dringend weiterfahren mussten. Die Zeit rannte uns davon und wir entschieden, es auf der Retourfahrt nochmals zu versuchen. Im Übrigen klopften wir dann noch höflich beim Pfarrer an, um uns ordentlich zu melden. Aber er war an diesem Tag gar nicht da. Also hatte sich die Schwester vergeblich Sorgen gemacht.

Abenteuerliche Brücken in den Norden. Wäsche waschen im Fluss. Die Flussbette sind teilweise fast ausgetrocknet.
Die Piste führte weiter, es wurde immer heisser und die Temperatur stieg auf 44 Grad an. Es war windig und oft entstanden richtige kleine Windhosen, die Sand und Dreck mit wirbelten. So eine Windhose kann sehr gefährlich werden, wenn sie auf ein Buschfeuer trifft. Wir fuhren an einem Dorf vorbei, wo gänzlich alle Hüttchen abgebrannt waren. Wenn das Feuer einmal entzündet ist, ist es nicht mehr zu kontrollieren und Wasser, um es zu löschen, ist Mangelware.
In den Bäumen sahen wir diverse Bienenkörbe und das Surren der Bienen war überall deutlich zu hören. Die Kinder verkauften Bienenhonig am Strassenrand. Der Sand und die Erde leuchteten unter der brennenden Sonne in allen Farben. Von hellbraun bis dunkelbraun zu rot und orange. Riesige Termitenhügel standen in den Wäldern. Gegen 15 Uhr erreichten wir endlich wieder eine Teerstrasse, wir hatten Tibati erreicht!
Wir entschieden, nach Ngaoundere weiter zu fahren, weil es erst Nachmittag war und wir dachten, wir schaffen es in 4 Stunden bis nach Ngaoundere. So fuhren wir ohne grosse Pause weiter durch die brütende Hitze. Es hatte fast keine Autos unterwegs und die öffentlichen Busse fahren meistens frühmorgens. Die Gegend ist sehr einsam und es hatte wenig Menschen unterwegs. Die Hütten hatten je länger je mehr keine Blechdächer mehr, sondern Strohdächer, und sie wurden immer kleiner. Ab Tibati geht es nur kurze Zeit über eine Teerstrasse. Danach geht die Steigung erneut die Berge hoch und eine Holperpiste gilt als Weg, den auch alle grossen Lastwagen passieren müssen. Sie führt mitten durch den Buschwald. Wir sahen etliche stecken gebliebene Lastwagen mit Pannen oder ein riesiger Sattelschlepper war in einen Abgrund gerutscht, weil er den holprigen Berg nicht hochgekommen war. Diverse Lastwagen nach ihm konnten so nicht weiterfahren und mussten warten, bis von der anderen Seite Hilfe kam. Wir sahen etliche Kilometer weiter ein leeres Zugfahrzeug kommen, das den Sattelschlepper aus der misslichen Lage befreien musste. Die Chauffeure verbringen so oft tagelang an einem Ort und können nicht mehr weiter fahren. Einer bettelte uns eine Flasche Wasser ab. Die Mücken schwirrten umher und stachen zu, wo sie nur konnten.
Vereinzelt hatte es kleine Dörfchen, auf denen Markt war. An einem Ort wurde Kuhfleisch verkauft. Also eigentlich waren das eher die Überresten der Kuh: es hatte noch ein paar Hufe und Hörner und Knochen. Der Moslem freute sich, als ich mich höflicherweise dafür interessierte. Doch ich wollte nur ein Foto knipsen und suchte deswegen mit ihm das Gespräch, was er denn da Schönes verkaufe? Für unsere Mägen ist das sicherlich nicht geeignet.

Wenn der Schweizer (Felix) schon längstens schwitzt, fühlt sich der Kameruner (Gregory) in Jacke und Mütze wohl. Vereinzelt wachsen Palmen an Flüssen. Kuhfleisch, oder zumindest die Restknochen davon, stehen auf dem Speiseplan.
Um 18 Uhr begann sich die Sonne zu senken und es wurde langsam dunkel. Wir hofften, dass wir nicht mehr weit von Ngaoundere entfernt sind. Wir fuhren zügig weiter, um nicht allzu spät dort anzukommen. Fahrten bei Dunkelheit sind besser zu vermeiden. Die Piste ist schon bei Tageslicht ziemlich spannend zu bewältigen. Uns blieb aber nichts anderes übrig, als weiter zu fahren. Die Piste schien kein Ende zu nehmen und bald schon war es stockdunkel. Ausser unseren Scheinwerfern war weit und breit nichts zu sehen. Wir fuhren und fuhren und fuhren… es holperte und holperte und holperte. Alle drei waren müde und erschöpft von der Hitze und der langen Fahrt. Und alle drei dachten, es könne ja nicht mehr allzu weit sein. Dann erschien irgendwo ein Lichtlein. Wir freuten uns riesig und hofften, es sei ein Licht aus Ngaoundere. Falsch gefreut: es war nur eine Taschenlampe aus einer Buschhütte. Auch diverse andere Lichter entpuppten sich als Mofa-Fahrer, Sterne oder Buschfeuer… Die Verzweiflung begann ihren Anfang zu nehmen. Und vor lauter Müdigkeit konnten wir uns nur noch auf irgendwelche Lichter konzentrieren. Es war bereits 20 Uhr geworden und wir waren noch immer nicht am Ziel angekommen. Ob wir uns verfahren hatten? An Unmengen kleiner Dörfchen mit Hüttchen fuhren wir vorbei. Wir spöttelten, wir seien bestimmt schon im Tschad. Schon eine Ewigkeit war und niemand mehr entgegen gekommen. Es gab nirgends Wegweiser und wir wussten nicht, wo wir sind und wie lange es noch geht. Dann kam ein Lastwagen und gab uns Mut, dass wir doch noch auf der „Hauptverkehrsader“ Nord-Süd sind. Geistig bereitete ich mich auf eine Nacht im Auto vor. Das iPhone mit der Karte war die letzte Rettung: ich versuchte, uns zu orten, während Gregory weiterfuhr. Doch wir fanden kein Netzwerk und somit keine Ortung. Und kurze Zeit später war es endlich soweit: in der Ferne sahen wir unzählige Lichter, die dieses Mal wirklich die Lichter der Stadt waren. Wir freuten uns riesig, dass wir es bald geschafft hätten.

Einsamkeit unterwegs. Dürres Gras und ein paar grüne Bäume, die Richtung Norden immer spärlicher wachsen. Ein festgefahrener Sattelschlepper wartet auf Hilfe.
Um 20.30 Uhr standen wir endlich übermüdet vor dem Hotel Transcam. Man glaubt es kaum: kurze Zeit vorher stand man noch mitten im Busch, danach findet man ein grosses Hotel, wo einem (fast) jeder Wunsch erfüllt wird. An der Hotelbar gibt es eine Getränkekarte mit diversen alkoholischen Angeboten, im Zimmer gibt es TV, Klimaanlage, Toilettenpapier sowie Warm- und Kaltwasser. Hinter dem Hotel weideten zwei Cottingras (schaut einem Biber ähnlich, gilt als Buschfleisch-Delikatesse der Einheimischen). Man kommt sich vor wie im falschen Film. Nicht weit entfernt leben die Menschen in diesen winzigen Hüttchen und Strohdächern ohne Strom und fliessend Wasser. Man kommt an, sitzt in der Hotelbar, trinkt ein kühles Getränk, der TV läuft und zeigt einen Film mit Schneelandschaft, auf der Toilette hat es einen Handföhn und diverse Herren und Damen des Hotels laufen in Krawatte und Anzug umher. Als „Zugabe“ surren ein paar billige Mädchen umher und auf den Hotelzimmern gibt es neben der Seife noch zwei Kondome. Der Gegensatz könnte kaum grösser sein. Auch der Preis ist entsprechend: ein Zimmer kostet pro Nacht 30 000 CFA (= 71 CHF) und zwei Getränke erhält man für ungefähr 3000 CFA (7.10 CHF). Doch die Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten ist beschränkt. Die Hotelmädchen schauten uns ziemlich abschätzig an: wir standen vor Dreck von der langen und schweren Fahrt. Die Kleider und wir selbst waren richtiggehend braun. Auch alles Gepäck war (trotz der Plastikplanen darüber) braun und voller Staub und Sand. Einige Male waren wir in ein Sandstaubloch gefahren, wobei alles aufgewirbelt wurde und uns fast ins Auto gekommen wäre. Der Scheibenwischer wischte es von der Autoscheibe. Wir waren froh, dass wir uns unter die Dusche stellen konnten, wo es nur noch braun den Abfluss herunter lief. Auf das Abendessen verzichteten wir. Wir waren einfach nur noch müde, packten ein paar Chips und die Malarone aus dem Koffer und legten uns danach erschöpft schlafen.