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Kamerun Reisebericht Cameroon

Bali Nyonga – Bamenda – Bafoussam – Foumban – Mayo Darle (340 km)


8.3.2011

Um 6 Uhr morgens starteten wir unsere Reise in den Norden Richtung Mayo Darle. Um diese Zeit war es noch kühle 17 Grad und einmal mehr hing der Nebel bis tief über die Wellblech-Hütten. In Bamenda kreisten noch unzählige Fledermäuse über den hohen Ästen (Bild-Ausschnitt oben rechts). Um diese Zeit waren schon diverse Menschen unterwegs. Auch die Marktfrauen standen schon mit ihrem Gemüse parat und freuten sich riesig, als wir wieder vorbei kamen. Mittlerweile kennen sie uns. Heute sei Womens-Day, sagten sie. Ob und wo ich denn dafür marschieren ginge? Der Womens-Day ist der Höhepunkt einer wochenlangen Feier für die Frauen in Kamerun. Und tatsächlich sahen wir in allen Teilen, die wir an diesem Tag passierten, dass sich Frauen versammelten und feierten. Alle waren mit demselben Stoff gekleidet. Entweder grün oder rosa und der Aufdruck mit dem Datum und Womens-Day.



    

Bamenda unter den hunderten von Fledermäusen. Mit den Marktfrauen auf dem Weg in den Norden sind wir nach all den Jahren schon fast befreundet. Wie immer kaufen wir bei Ihnen unser Gemüse ein.


Wir kamen an diversen Polizeikontrollen vorbei. Grundsätzlich waren alle freundlich. Nur einer wollte die Papiere sehen und wissen, was wir auf der Ladefläche transportieren. Doch auch das ging problemlos. An den Strassenrändern wurde Cassava (Maniok) zum Trocknen ausgelegt. Dies, obwohl ständig Lastwagen und Autos vorbei fahren und es staubig und dreckig ist. Die Strasse bis Foumban ist sehr gut zu befahren und wir konnten mit etwa 100 km/h fahren. So erreichten wir gegen 10.30 Uhr bereits den Ort, wo wir eine Pause einlegten. Wir wollten nochmals tanken, doch in ganz Foumban hatte es an diesem Tag kein Benzin. Zum Glück war es noch kein Notfall. So tranken wir etwas kühles, bevor es auf die Piste ging.

Nach Foumban endet die geteerte Strasse. Die Piste ist jedoch derzeit in einem sehr guten Zustand und wir konnten mit rund 70 km/h weiter fahren. So lief alles wie am Schnürchen und schon bald hatten wir ein erstes Ziel erreicht: Das März-Kalenderbildes 2011 wohnt an dieser Strecke, in einem winzig kleinen Ort namens Yain. Der Ort hat nur 3 Häuser. Das 5 Jahre alte Mädchen heisst Ramatou. Die Eltern waren leider dieses Mal nicht zu Hause. Wir kannten die Kinder aber schon von vergangenen Reisen, bei denen wir angehalten hatten und Kleinigkeiten für die Schulkinder verteilt hatten. So kamen alle Kinder angerannt, als wir zu ihnen kamen. Der grosse Bruder nahm das Schulgeld für seine kleine Schwester entgegen. Die 6 kleinen Kinder waren alleine, die Eltern waren auf die Farm gegangen. Das älteste Kind war vielleicht etwa 11 Jahre alt. Ramatou geht in die erste Klasse in Cathieamba. Der Fussball, den wir letztes Mal abgegeben hatten, war noch immer im Einsatz, auch wenn völlig zerfetzt und „zu Tode gespielt“. Drei junge Burschen fuhren während unserem Gespräch mit dem Mofa vorbei und wollten wissen, was wir von den Kindern wollen. Wir trauten ihnen nicht und sie uns nicht. Wir erklärten dann, dass wir schon ein paar Mal Sachen für die Kinder abgegeben haben und nun ein paar Fotos verteilen. Vom Schulgeld sagten wir nichts. Als sie abgefahren waren, sagten wir den Kindern, sie sollen nur ihren Eltern etwas davon erzählen. Alle Kinder begriffen, um was es ging und rannten mit dem Schulgeld zurück in ihre Hütte.

Die weitere Fahrt wurde immer heisser und das Thermometer kletterte im Laufe des Nachmittages auf knapp 44 Grad. Wir sahen diverse Buschfeuer, fuhren an Bananenbäumen, Ananas-Stauden und den schönen roten wilden Blutblumen vorbei. Auch in Kongui hielten wir ganz kurz an, um alle zu grüssen. Doch die meisten waren auf der Farm am Arbeiten.



    

Sule erhält ihren Kalender und das Schulgeld. Wasser holen ist Kinderarbeit. Nice girl: die Chancen für in den nächsten Kalender stehen gut!


Ein wenig weiter war das Kalenderkind vom alten Kalender 2009 Dezember. Wir hatten sie schon ein paar Mal vergeblich gesucht. In Kongui wurde uns gesagt, das Kind sei in Douala, der Vater Sule gehe mit Kühen umher und die Mutter Halima müsse irgendwo ein paar Dörfer weiter wohnen. Sie seien Bororo. Ein paar Dörfer weiter fragten wir diverse Männer. Sie wollten wissen, um was es geht und was das Kind gemacht hat. Ein ganz junger Bursche sagte, er wisse, wo der Vater wohne. Er fuhr mit dem Mofa voraus, wir folgten ihm ein paar hundert Meter weiter zu einer Hütte. Dort kam zwar ein Mann heraus, der aber nicht der Vater war. Wir verstanden nicht immer, um was es ging. Jedenfalls setzte sich der Bursche wieder auf sein Mofa und fuhr noch ein paar hundert Meter zurück an einen anderen Ort. Wir folgten ihm zu Fuss zu der Hütte. In einem Hinterhof kam eine junge Frau hervor. Sie traute sich kaum, mit uns zu sprechen. Nach langem hin und her sagte sie dann, dass es ihre Tochter sei, sie wohne heute aber nicht in Douala, sondern in Bertoua. Das Kind heisse Zoleatu. Die Mutter konnte kein Französisch und kein Englisch und der junge Bursche musste alles übersetzen. Es war ziemlich kompliziert, bis sie begriff, um was es ging. Anscheinend lebt ihre Tochter jetzt bei einem Onkel namens Hamadou. Wahrscheinlich werden wir sie nie persönlich finden. Bertoua liegt hunderte Kilometer entfernt in eine Richtung, die wir normalerweise nicht besuchen. Wir hinterliessen ihr trotzdem den Kalender.

In Nyamboya hielten wir an, um uns eine kühle Erfrischung zu genehmigen. Es hatte einen kleinen Markt. Ein 19-jähriger geschäftstüchtiger Moslem namens Amadou verkaufte frischen Fisch. Man glaubt es kaum, aber schon von 15 Metern Entfernung sahen wir, dass es nur so wimmelte von Fliegen an den Fischen. Ich ging näher und begann ein Gespräch, damit ich ein paar Fotos machen konnte. Freudig gaben sie Auskunft und ich konnte meine Schnappschüsse machen. Ich stand mitten in einem schwarzen Fliegenschwarm, der kein Ende zu haben schien... Gregory bestellte trotzdem eine Portion Fisch.

Nach Nyamboya wurde die Piste schlechter und wir konnten nur noch langsam fahren. Die steile Steigung aufs Adamaoa-Plateau ist zum Glück geteert. Jedoch fehlte an einigen Orten ein Stück Strasse, das bei der letzten Regenzeit abgerutscht war. So war plötzlich ein Loch in der Strasse, wo der Hang in die Tiefe gestürzt war! Ein paar Pistenfahrzeuge standen zur Reparatur der Strasse bereit. Aber die meisten davon sahen defekt aus.



    

Vogelnester in den Bäumen. Die einmalig orange Erde auf dem Weg in den Norden. Das Dorf des Marabu (Wunderheiler/traditioneller Doktor).


Im Dorf vom Malabou (traditioneller Doktor) hielten wir einmal mehr an. Hier hatten wir im Jahr zuvor ein Kalenderkind namens Aisha gehabt. Wir hatten dieses Mal nur ein Foto für ein Kind namens Fadimatou abzugeben. Wieder gab es ein Hin und Her, bis sich überhaupt jemand vom Dorf in unsere Nähe traute. Sie sahen dann das Foto und schlussfolgerten sogleich, dass es doch wieder dieses andere Kind sein müsse, weil schon mal Weisse angehalten hätten und Aisha fotografiert gehabt hatten. Viel Geplauder ohne wirklich verstanden zu haben, um was es geht. Irgendwann dann war geklärt, dass das ein anderes Kind ist und wir nur das Foto abgeben wollten. Das Kind war leider nicht mehr da, aber die Leute vom Dorf werden es abgeben, sobald sie zurück ist.

Ein paar Dörfer weiter war erneut ein Kalenderkind, und zwar Zenabou vom Monat August. Sie wohnt in Majo Djnga, ist 12 Jahre alt und geht in die 3. Klasse. Ihre Schwester erkannte sie sofort wieder. Wir hatten zuvor immer Gedacht, dass auf dem Bild ein Junge ist. Aber als Zenabou vor uns stand, sahen wir die Ähnlichkeit wieder. Die grosse Schwester freute sich riesig, dass Zenabou den ganzen Kalender erhielt. Wir gingen zu Fuss zu ihrer Hütte und übergaben das Schulgeld, so dass nicht das ganze Dorf sehen konnte, was wir tun. Rundherum wurde am Boden Wäsche gewaschen, ein Huhn lief umher, die Küche unter der Strohdachhütte war parat und überall lagen Töpfe und Zubehör. Die Schwestern erzählten, sie leben hier bei ihrer Grossmutter. Die Grossmutter sei aber gerade auf der Farm. Ihre Eltern wohnen in Banyo. An diesem Tag hatte Zenabou frischen Fisch verkauft. Misstrauisch fragten sie Gregory, ob er uns Weisse kennt. Ihm hatten sie sofort geglaubt. Er erklärte dann, wer wir sind und was wir tun.



      

Zenabou aus Majo Djnga erhält ihren Kalender und das Schulgeld. Zenabous Grossmutter kommt gerade von der Farm zurück. Amadou verkauft frischen Fisch (oder Fliegen ;-) ?


Wir fuhren nur etwa 1 Kilometer weiter, als wir merkten, dass wir noch ein weiteres Foto für Zenabou hatten, das wir vergessen hatten, abzugeben. Es kamen gerade zwei Frauen zu Fuss und wir hielten an und gaben ihnen das Bild mit der Bitte, es dort abzugeben. Der Zufall wollte es, dass die eine der Frauen die Grossmutter war, die sich natürlich ebenfalls riesig freute, als sie hörte, um was es ging.

Danach fuhren wir direkt weiter nach Mayo Darle. Während der ganzen Fahrt von Foumban bis Mayo Darle hatten insgesamt vielleicht nur etwa 10 PKWs unseren Weg gekreuzt. Und wir waren auf dieser Strecke nochmals etwa 6 bis 7 Stunden unterwegs gewesen. Diverse Lastwagen hatten wir gesehen, die Lebensmittel von Norden nach Süden transportieren. Gegen 18 Uhr erreichten wir Mayo Darle. Wir setzten uns ins Restaurant und gönnten und etwas Kühles (einigermassen kühl zumindest, es hat hier keinen Kühlschrank). Gleich kamen diverse Kinder und Eltern, die uns kannten und uns begrüssten. Mit dabei auch Assana und Ousseni, deren Bein-Operation wir finanziert hatten, ihre Geschwister und ihr Vater. Allen geht es gut und die Zwillinge gehen nach wie vor brav in die Schule und sind gesund und gross geworden.

Das Abendessen gab es im Konvent von Mayo Darle, wo wir schon freudig erwartet und begrüsst wurden. Es hat ein paar neue Gesichter gegeben, aber viele kennen wir schon von früher oder von anderen Orten, wo sie gearbeitet haben. Danach legten wir uns früh schlafen, die lange Reise hatte uns müde gemacht.

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