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Kamerun Reisebericht Cameroon

Bali Nyonga


7.3.2011

An diesem Morgen hatten wir eigentlich in den Norden starten wollen. Doch die Schwestern hatten angerufen, ihr Gästehaus sei noch besetzt durch eigene Leute, ob wir einen Tag später kommen könnten. So besuchten wir noch weitere Schulen in und um Bali-Nyonga. Als erstes die Government Schule Mbeluh. Der Weg führte uns quer durchs Grasland, fast nur noch einen Pfad passierten wir mit dem Auto. Das Gras ist menschenhoch und wir knipsten tolle Erinnerungsfotos. Dazwischen liegen Felder der Einheimischen, wo sie Gemüse anpflanzen. Häuser hat es sozusagen keine in dieser Gegend. 6 Kilometer schlängelte sich der Weg über Stock und Stein. Grosse Spinnennetze säumten teilweise den Wegrand. Nach einer Weile erreichten wir das Schulgelände. 106 Kinder gehen hier zur Schule. Die Häuser sind überall verstreut in den Bergen. Sie hatten im Frühling von Hefte, Wassersäcke, Bleistiftspitzer und Stifte erhalten. 6 Lehrer (4 Government und 2 PTA) unterrichten die Kinder. Das Schulgeld beträgt 1500 CFA (= 4 CHF). Ein PTA verdient 20 000 CFA (=47 CHF) und ein Government Lehrer verdient 120 000 CFA (= 285 CHF). Der Headmaster Ndansi Steven führte uns durch alle Klassen und zeigte uns das Schulgelände. Jeden Tag fährt er mit dem Motorrad von Bali Town hierhin und bringt den gefüllten Wassersack von zu Hause mit, weil es hier kein fliessendes Wasser in der Schule gibt. Die Kinder hatten gerade Examen. Auf ihren Pulten lagen kleine Steine, mit denen sie die Rechnungsaufgaben lösten.



    

Das Schulgelände in Mbeluh. Blick ins Schulzimmer. Während der Regenzeit tropft es durch die Decke...


Danach fuhren wir in die Government School Beisen. Diese ist in eine andere Richtung, ebenfalls 6 Kilometer von Bali entfernt. Diverse Lehrer waren nicht vor Ort, weil Examen war. Anscheinend gehen sie dann in andere Schulen und kontrollieren die Prüfungen. So sassen die vielen Erstklässler alleine in der Klasse. Diverse Kinder kommen hier nicht regelmässig zur Schule. So sagte uns die Leiterin, dass an ihrer Schule 230 Kinder eingetragen sind. Doch die Präsenztafel der letzten Woche zeigte regelmässig nur etwa 114 Kinder. 6 Lehrer unterrichten an dieser Schule. Ein Schuljahr kostet 2500 CFA (= 6 CHF). Diese Schule hatte von uns Fussbälle und Fussballdress erhalten. Die Lehrerin freute sich sehr über unseren Besuch. Sie gab uns einige Ananas und Besen mit. Die Besen hatten die Kinder selbst gemacht. Aus der Raphiapalme waren die Äste gesammelt worden und zusammen gebunden.



      

Die Schulkinder von Mbeluh. Stolz zeigt der Schüler sein neues «Etui» mit den wenigen Stiften, die er besitzt. Die Schule liegt sehr abgelegen und der Weg führt durchs hohe Gras.


Der nächste Besuch bei einer Schule war eher spontan, denn nicht weit entfernt ist die Adolis Bilingual Nursery & Primary School. Dies ist eine Privatschule. Privatschulen waren bis jetzt von uns nicht unterstützt worden, weil in diese Schulen Kinder von besser verdienenden Eltern gehen. Da Gregorys Sohn in diese Schule geht, wollten wir trotzdem kurz hallo sagen. Die Kinder an dieser Schule unterscheiden sich deutlich von anderen Schulen. Sie werden weniger streng erzogen, dürfen eine eigene Meinung haben und wirkten viel aufgeweckter als die Kinder an anderen Schulen. Schon beim Vorbeifahren kreischten alle Kids, als sie uns sahen und so entschieden wir spontan, aufs Schulgelände zu fahren. Irgendwann schnappte eines der Kinder auf, dass wir Luftballons verteilen wollten und die ganze Bande jubelte und schrie und umringte uns. Es gab kein davon mehr ;-) (Bild oben rechts) 230 Kinder waren im Ausnahmezustand. Die 11 Lehrer freuten sich ebenfalls über die Auflockerung. Ein Schuljahr an dieser Schule kostet für Vorschule 45 000 CFA (=107 CHF, ab 1 1/2 Jahren), für Kindergarten 46 000 CFA (=95 CHF, ab 3 Jahren) und für Primarschule 35 000 CFA (=83 CHF, ab 5 bis 11 Jahren). Die Headmasterin Colette Dinga Luma Mina erzählte uns, dass ein Lehrer an dieser Schule 26 000 CFA verdient (=62 CHF).

Es war inzwischen etwa 10 Uhr morgens und bereits 35 Grad. Trotz der hohen Temperatur fühlte es sich irgendwie kalt an, weil wir uns inzwischen schon an das heisse Klima gewöhnt hatten.



  

Wenn Unterrichtsmaterialien fehlen, helfen sich die Lehrer, in dem sie selber aufzeichnen, was sie den Kindern beibringen möchten. Umgebung in Mbeluh.


Der vierte Besuch an diesem Tag führte uns in die Presbyterien Schule Njenka. Dort hat es auch einen Kindergarten. Die Knirpse sind noch so klein und hatten schon Rechnungsaufgaben vor sich. Sie schliefen teilweise an ihren Pulten und sind schätzungsweise 3-4 Jahre alt. 250 Kinder gehen in die Primarschule, 37 in den Kindergarten und 9 Lehrer sind angestellt. Ein Kindergartenjahr kostet 25 000 CFA (=60 CHF) und ein Primarschuljahr 8500 CFA (20 CHF). Ein Lehrer an dieser Schule ist schwer körperlich behindert. Sein rechter Arm und sein rechtes Bein sind missbildet und er führte uns humpelnd durch die Klassen und übers Gelände.

Der fünfte Besuch führte uns in die Government School Wosing. An dieser Schule hatten alle Primarschüler Schulsäcke erhalten. Sie hatten ebenfalls gerade Examen und die grösseren Schüler waren draussen und absolvierten Sport. Hochsprung unter der brennenden Sonne stand auf dem Stundenplan. Diese Schule wurde 1960 erbaut. Wie überall sind die Böden kaputt, die Fensterläden halten nur noch teilweise und alles ist baufällig. In Anbetracht des Alters dieses Schulgeländes sah es noch ganz passabel aus. 8 Lehrer unterrichten die 263 Schüler. Sie haben auch einen Schulgarten, wo die Kinder Gemüse anpflanzen.



      

Die Schulkinder der Schule Beisen: mögliche KandidatInnen für unseren nächsten Ashia-Kinderkalender? Sie posieren und grinsen um die Wette.


Nach diesen Schulbesuchen war es bereits etwa 14 Uhr geworden und wir starteten Richtung Bamenda. Dort war wie immer sehr viel los und es hatte extrem viele Autos und Stau durch die Stadt. Hier kann man auch locker in der zweiten oder dritten Reihe parkieren, so dass andere nicht mehr rausfahren können. Das ist für niemanden ein Problem. Oder man manövriert sein Auto irgendwie durch die Einbahn retour hinein, niemand hupt oder wird deswegen ärgerlich.



    

Die Anwesenheitsliste der Schule Beisen: täglich variiert die Anzahl der Kinder, die anwesend sind. Glücklich diejenigen, die an diesem Tag hier sind und eine Spende erhalten. Ein weiterer Grund, regelmässig zur Schule zu gehen...


Wir fanden endlich ein Internetkaffee und es hatte Strom. So konnten wir ein paar Neuigkeiten nach Hause senden. In der Garage liessen wir das Auto überprüfen, bevor wir damit in den Norden starten wollten. Ein paar Federn mussten ausgewechselt werden. Bei diesen schlechten Strassenverhältnissen geht alles sehr schnell kaputt. In einem engen Hinterhof hat es eine Garage, wo ein Arbeiter mit ein paar Jungs Reparaturen vornimmt. Ein paar Jungen im Schulalter stehen herum und helfen als Handlanger mit. Und diverse Jungs hängen herum und schauen zu.

Am Abend sassen wir noch im Restaurant bei Doris. Die leicht verwirrte Frau, die immer blaue Kleidung trägt und alle Whiteman liebt (se hat anscheinend früher einmal für jemanden aus Europa gearbeitet) kam uns natürlich sofort entgegen. Schon von weitem hatte sie uns gesehen und brachte ihre üblichen Papierzettelchen mit Sprüchen, die keiner versteht. Höflich wechselten wir ein paar Worte mit ihr. Nebenan war wieder der abgestürzte Bororo-Bursche. Er hat anscheinend all sein Vieh verkauft und vertrinkt nun sein ganzes Hab und Gut. Er begann mit ein paar Männern zu pöbeln und es schien fast eine kleine Schlägerei zu geben. Chief Munton holte aus seiner Kammer die Peitsche, um für alle Fälle parat zu sein und für Ordnung zu sorgen. So lief hier wieder einiges. Aber grundsätzlich sind alle friedlich und leben miteinander. Egal, welche Glaubensrichtung jemand hat, woher er kommt oder ob reich oder arm. Alle werden integriert und gehören dazu. Des Weiteren hat Chief Munton seit neustem einen Mercedes. Der Stern ist zwar schon längst abgefallen und auch sonst nagt der Zahn der Zeit an seinem Prachtstück. Doch das spassigste war, als er seinen Benzinstand prüfen wollte und dafür ein langes dünnes Stück Holz holen musste und es in den Tank steckte. Die Benzinanzeige ist ebenfalls defekt...

Am Abend gab es bei Angeline und Gregory zu Hause feine Spaghetti. Kurz darauf fiel einmal mehr der Strom aus. Wir hatten Glück: bis wir im Gästehaus waren, war der Strom wieder da und eilig packten wir alle Sachen zusammen, um uns für den Norden parat zu machen. Danach legten wir und früh schlafen. Der nächste Tag würde lang und streng werden.


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