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Kamerun Reisebericht Cameroon

Bali Nyonga – Bafut – Bamenda – Bali Nyonga (72 km)


6.3.2011

Nach dem Frühstück im Konvent packten wir aus dem Container ein paar Güter zusammen, die wir in den Norden mitnehmen wollten. Die Reise sollte am nächsten Tag starten. Da wir kurz danach einen Anruf erhielten, das Gästehaus in Mayo Darle sei noch einen Tag besetzt, mussten wir unsere Reise einen Tag verschieben. Egal, wir hatten jetzt unsere Güter parat und verschoben die Abreise um einen Tag.

Danach fuhren wir nach Bafut, um die weiteren Kinder zu sehen, deren Operation wir schon bezahlt hatten und die wir noch bezahlen würden. Dies sind 5 und 4 Kinder. Die Eltern der 5 bereits operierten Kindern waren gekommen, um sich bei uns zu bedanken. Von den neuen Kindern waren 3 mit Angehörigen angereist. Wir freuten uns, alle zu sehen und kennen zu lernen und knipsten diverse Fotos für die Sponsoren in der Schweiz. Im Gegensatz zu den Moslem-Frauen vom Norden kamen diese Eltern direkt auf uns zu und sprachen mit uns. Sie haben eine andere Kultur und den Frauen ist es hier auch erlaubt, eine eigene „Stimme“ zu haben und ihre Meinung zu äussern.

Danach ging es an die neuen Verträge und die Spendenübergabe. Des Weiteren bat uns Schwester Prisca um Hilfe für eine blinde junge Frau. Wir konnten und wollten nur teilweise helfen. Unsere Priorität liegt momentan auf diesen missbildeten Kindern. Die blinde Frau ist an der Blindenschule, lernte Braille und hat in diesem Jahr ihren Abschluss an der Sekundarschule.



    

Wir treffen 4 der 5 bereits operierten Kindern aus Bafut. Die Beinschienen können nach etwa 6 Monaten endlich abgenommen werden. Schwester Prisca erhält weitere Spendengelder für Kinderoperationen.


Wir konnten noch 2 weiteren Kindern die Operationskosten übernehmen, die bereits wieder zu Hause sind. Dies sind Dilane Kona (4 Jahre) und Kelly (7 Jahre). Dilanes Mutter ist alleinerziehend und hat ein kleines Geschäftchen. Sie wusste nicht, was mit ihrem Sohn tun, als sie sah, dass die Beine immer schiefer wurden. Sie hoffte, es würde sich von selbst wieder korrigieren. Im Spital wurde sie darüber aufgeklärt, dass nur noch eine Operation helfen würde. Sie weinte und bat die Schwester um Hilfe. Sie hat versucht, Geld für die Operation aufzutreiben und bereits einen Anteil von 50 000 CFA (= 120 CHF) gebracht. Dilanes Mutter hat 3 Kinder und wohnt in Bamenda.

Dasselbe Schicksal traf Kelly. Sie ist ein Einzelkind und ihre Mutter ist ebenfalls alleinerziehend. Sie bezahlte den gleichen Anteil. Mit kleinen Geschäftchen in Bamenda versucht sie sich über Wasser zu halten. Ursprünglich kommen sie aus Nkambe.



      

Stephanie und Sandrine freuen sich, dass sie endlich wie alle anderen Kinder gehen können. Wisdom und drei weiteren Kindern aus der Umgebung von Bafut können wir dank Spendengeldern ebenfalls helfen.


Wir freuten uns, dass wir dank grosszügiger Spenden aus der Schweiz so vielen Kindern helfen konnten. Inzwischen sind es bereits 28 an der Zahl! Und immer wieder sehen wir an allen Orten weitere Kinder mit demselben Schicksal...

Die Schwester führte uns noch den neuen Verbrennungsofen für ihre Spitalabfälle vor. Ich hatte mir noch nie zuvor darüber Gedanken gemacht, was damit passiert. Bis ich vor dem Ofen stand, wurde mir klar, wie wichtig dies ist. Es liegt sowieso überall schon genug Abfall herum und im Spital sammelt sich jede Menge spezieller Abfälle. Rund um den Ofen lagen haufenweise blutige Bandagen, alte Spritzen, Haare, alte Kleider, leere Medizindosen und vieles mehr. Der Duft war entsprechend abstossend. Und nur ein paar Meter weiter ist der alte Abfallberg. Einfach so, mitten auf der Wiese. Nun tragen sie dies nach und nach ab und verbrennen es im neuen Ofen. Nur ein paar weitere Meter daneben ist der Gemüsegarten. Dahinter, ein paar Schritte weiter, leben die Schweine im ihrem Freiluftstall und vis-a-vis ist eine kleine Küche. Der Appetit war mir gänzlich vergangen, nach dem ich dies alles gesehen hatte.



    

Jede Kinderoperation wird von den Schwestern vor Ort für uns dokumentiert und fotografiert. Blick in den neuen Verbrennungsofen im Spital. Blick auf die alte Mülldeponie neben dem Gemüsegarten...


Wir verabschiedeten uns und wollten nach Bamenda, um die neuen Geschichten ins Internet zu laden. Auf dem Weg sahen wir erneut Unfälle mit Autos. Die Menschen sind nicht gewohnt, Auto zu fahren und überschätzen sich ständig selber. Sie fahren zu schnell und landen dann im Strassengraben. Die Überresten der Autos sind Zeugen, was passiert ist. In Bamenda angekommen war jedoch einmal mehr kein Strom und aus unserem Plan, ins Internet zu gehen, wurde nichts. So erfrischten wir uns im Schatten mit einer Abkühlung. Zum ersten Mal seit unserer Ankunft hatten wir einen freien Nachmittag, den wir genossen und bei dem unsere Schreibarbeiten fertig gestellt werden konnten. Am späteren Nachmittag waren wir zurück in Bali-Nyonga. Im Restaurant von Doris gab es den Apéro. Es war Sonntag und viele Kameruner genossen diesen ebenfalls. Die einen hatten schon um 9 Uhr morgens mit Bier angefangen... Im Restaurant setzte sich ein Bororo-Mann zu uns. Er zeigte uns voller Stolz, wie er seinen Vorderzahn selbst repariert hatte. Da er ausgefallen war (wie noch ein paar weitere Zähne) hat er selber einen Ersatz aus einem Stück Holz angefertigt. Er ass damit und es schien zu halten. Auf alle Fälle sah es originell aus.

Das Abendessen genossen wir dieses Mal bei der Familie von Gregory. Angeline hatte gekocht. Wie immer traditionell draussen auf dem offenen Feuer am Boden in der rauchigen Hütte. Der Fisch mit Reis und Tomatensauce schmeckte sehr gut. Danach zogen wir uns bald aufs Zimmer zurück.


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