Bali Nyonga Bamenda - Njinikom Bali Nyonga (140 km)
5.3.2011
Nach dem Frühstück starteten wir Richtung Njinikom. Dort ist ein grosses Spital, das die Kinder mit Fehlstellungen und Missbildungen operiert. Da der Weg vorbei an Bamenda führt, hielten wir noch kurz beim unserem Optiker Jean Kingo an, um ihn zu besuchen. Wie immer haderte er damit, dass unser Besuch nicht angemeldet worden war und wir ihn überrascht haben. Er freute sich trotzdem riesig und führte uns gleich in sein kleines Geschäft. Er hat alle gespendeten Brillen und Brillenrahmen an den Wänden schön aufgereiht. Seit unserem letzten Besuch sind 11 Schulkinder durch diese Brillen gesponsert worden, deren Eltern es nicht bezahlen können. Ebenfalls gab er 9 Albinos Sonnenbrillen. In Kamerun sieht man sehr oft Albinos und sie müssen sich von der starken Sonne umso besser schützen. Auch 11 Erwachsenen half er mit Brillen. 6 Waisenkindern hat er für die Brillen nichts verrechnet und auch die Konsultation kostenlos gemacht. Vom Verkauf einiger Brillen finanziert er weitere Projekte wie Kontrollen an Schülern und Studenten. Oder er verkauft die Brillen an Studenten günstiger als üblich. Vor allem Schulkindern hilft er mit seiner Unterstützung. Oder auch angehenden Pfarrern und Schwestern. So arbeitet er mit vielen Leuten zusammen und gibt seine Hilfe weiter.
Nach dem Besuch beim Optiker fuhren wir weiter Richtung Njinikom. Nach etwa 1 1/2 Stunden waren wir bereits dort. Als erstes besuchten wir Key aus Bali. Ihm war zwei Tage zuvor ein Bein amputiert worden. Wir konnten nicht glauben, als er bereits wieder strahlend im Bett lag und das Bein eingebunden hatte. Er hatte seit 5 Jahren Probleme mit dem Fuss gehabt, eine Art Krebs oder Geschwür, das plötzlich aufgetaucht war. Die Ärzte hatten ihm nicht mehr anders helfen können als mit einer Amputation. Wochenlang hatte er Medikamente genommen und nichts hatte geholfen. Key ist knapp 30 Jahre alt und hat eine Frau und ein Baby. Einen Monat müsse er nun im Spital bleiben. Während der Zeit schaut seine Familie zu ihm. Wir brachten ihm einen grossen Topf Essen (Reis) mit.
Schwester Xaveria begrüsste uns freudig und bat uns sogleich zu Tisch. Sie hatten Jams und Tomatensauce für uns gekocht. Doch es war viel zu heiss zum Essen und wir assen aus Höflichkeit ein klein wenig. Beim Tischgebet sprach sie darüber, wie dankbar sie ist, dass wir einmal mehr den weiten Weg und die gefährliche Reise auf uns nehmen, um sie zu besuchen und ihnen zu helfen. Der Zufall wollte es, dass genau in diesen Tagen die Ärzte aus Holland anreisten, um weitere Kinder mit Missbildungen zu operieren. Sie waren bereits auf dem Weg vom Flughafen ins Spital. So waren jede Menge neuer Patienten gekommen und die bereits operierten Kinder kamen zur Kontrolle. Leider konnten wir die Ärzte nicht mehr persönlich sehen, da sie erst am folgenden Tag ankamen. Doch wir freuten uns riesig, als Schwester Scolastica aus Mayo Darle in einem Bus mit allen 8 bereits operierten Kindern und 5 frischen zu operierenden Kindern angereist kam. Sie waren um 1 Uhr Nachts losgefahren. 19 Personen in einem kleinen Bus. Von den neuen Kindern waren die Eltern mitgekommen. Die Kinder sind zwischen 6 Monaten und etwa 10 Jahren alt, ein älterer Junge 15 Jahre. Sie waren die ganze Nacht über und den ganzen Tag gefahren, um Njinikom um 15 Uhr nachmittags zu erreichen. Was für eine weite, lange und beschwerliche Reise. Trotzdem jammerte oder quengelte keines der Kinder. Die bereits operierten Kinder trugen ihre Beinschienen, die ihnen in der nächsten Zeit noch helfen, die Beine zu korrigieren und korrekt gehen zu lernen. Wir kannten alle schon von Fotos und freuten uns, sie endlich kennen zu lernen. Wir brachten ihnen kleine Geschenke und Fotos von sich mit.

Wir treffen Key im Spital, der trotz 2 Tage zuvor amputiertem Bein bereits wieder übers ganze Gesicht strahlt. Die neuen kleinen Patienten aus Bafut sind zur OP eingetroffen. Ashia übergibt dafür die Spendengelder an Schwester Xaveria.
Sobald die Ärzte aus Holland da sind, beginnen sie zu operieren. 10 Kinder können sie so pro Tag operieren. Sie prüfen alle angereisten Patienten und entscheiden dann, in welcher Reihenfolge geholfen wird. So wimmelte es nur so von Patienten, die alle Fehlstellungen der Beine oder teilweise auch der Arme hatten. Von den neu angereisten Patienten konnte ein Mädchen kaum gehen oder ohne Hilfe stehen. Sie ist etwa 15 Jahre alt. Die Schwestern hatten sie bereits bei den ersten Operationen, die durch Ashia finanziert wurden, nach Njinikom mitnehmen wollen. Doch die Grossmutter hatte im letzten Moment abgeblockt. Sie seien schon bei einem Doktor gewesen, der etwas versucht hätte, das nichts gebracht habe. Als jetzt die ersten 8 Kinder nach der Operation zurück nach Mayo Darle kamen, hatte sie gesehen, dass vielen Kindern geholfen werden konnte und sie willigte ein. Des Weiteren war ein Baby gebracht worden. Das Baby hat deformierte Beine und Hände. Ein weiteres Mädchen hatte den Arm gebrochen gehabt. Er war irgendwie selber wieder zusammengewachsen, aber völlig verdreht und verkehrt. Ein weiteres Kind hatte starke O-Beine, wie schon so viele andere, die wir gesehen hatten. Und ein Junge mit verdrehten Armen. Alle Kinderaugen erzählen traurige Geschichten von Eltern, die sie verlassen haben, sich nicht um sie kümmern, sie zu traditionellen Doktoren geschickt haben, die tiefe Narben davon tragen und wo ihnen trotzdem nicht geholfen werden konnte. Die einen können mit Müh und Not noch zur Schule, andere sind nicht in der Lage, so in die Schule zu gehen. Eltern, die nicht wissen, dass ihren Kindern hier geholfen werden kann. Eltern, die keine Arbeit haben, kaum das Leben finanzieren können. All diese vernachlässigten und vom Schicksal geplagten Kinder erhalten Hilfe von Ashia.
Ein starker Regenfall setzte ein und eilig wurde alles Gepäck der Angereisten in Sicherheit gebracht. Danach trafen wir uns wieder mit Schwester Xaveria. Sie hatte zwei weitere Kinder, bei denen die Eltern nur einen Anteil der Operation finanzieren konnten. Wir erstellten die neuen Verträge und übergaben die Spendengelder.
Die zwei neuen Kinder aus dem Spital Njinikom, deren Operationen wir finanzieren, heissen Racheal Nayah (6 Jahre) und Precious Chah (4 Jahre). Racheals Eltern wohnen in der Nähe von Nkom. Die Eltern besitzen dort eine kleine Farm, mit der sie es gerade noch so schaffen, genügend zu Essen für die Familie zu ernten. Sie haben 4 Kinder und Racheal ist das dritte. Sie wohnen in einem Haus mit 3 Zimmern und haben keine Tiere. In ihrem Feld pflanzen sie Mais und Jams an.
Precoius’ Eltern leben getrennt. Der Vater treibt sich in Bamenda herum und lebt von der Hand in den Mund. Die Mutter wollte folgen, doch sie versucht jetzt, ein kleines Geschäft mit An-/Verkauf von kleinen Dingen auf die Beine zu stellen. Sie besitzen kein Land und mieten ein kleines Häuschen für 5000 CFA (= 12 CHF). Precoius hat noch ein Geschwisterchen. Sie ist das Jüngste. Die Schwestern im Spital versuchen nach wie vor, den Vater zur Arbeit zu überzeugen.

Alle kleinen Patienten erhalten einen Plüsch-Kameraden. Dieser wird ihnen während der nächsten 3 Monate, wo sie im Spital mit eingegipsten Beinen liegen müssen, ein wenig Trost spenden.

Die 8 bereits operierten Kinder aus Mayo Darle kommen zur Kontrolle. Schwester Scolastica erhält von uns weitere Spendengelder, um 5 neu angereiste Kinder aus Mayo Darle operieren zu lassen.
Nach dem wir alle neuen Kinder gesehen und die Details besprochen hatten, fuhren wir zur nebenan liegenden Schule. Dort geht Senocia zur Schule. Wir haben ihr ein Schuljahr gesponsert. Senocia ist sehr intelligent. Sie lebte vorher mit den Schwestern im Konvent von Bali. Inzwischen ist sie 11 1/2 Jahre alt und in der Sekundarschule. Diese absolviert sie in einer Art Internat, das von katholischen Schwestern geführt wird. Wir hatten Fotos für sie dabei und wollten sehen, wie es ihr hier ergeht. Die Schule heisst St. Maria Gorettis Comprehensive High School. 292 Kinder gehen hier zur Schule. Davon wohnen und leben 175 Stück das ganze Jahr über in der Schule. Wenn noch mehr Platz wäre, würden andere Eltern ihre Kinder auch hier wohnen lassen. Rausgehen ohne Erlaubnis ist nicht erlaubt. Das Internat wird sehr streng geführt. Wir erhielten sogleich den ersten Einblick, als wir unangemeldet ins abgegrenzte Schulgelände kamen. Senocia sah uns zwar, doch sie durfte nicht ohne zu fragen zu uns kommen. So rannte sie an uns vorbei zur Oberschwester Maria-Francis, die mit strengem Gesicht hervorgekommen war und wissen wollte, was hier los ist. Wir stellten uns bei ihr vor und erklärten, warum wir hier sind. Als wir mitteilten, dass wir die Sponsoren für Senocia sind, wurde ihre ernste Miene langsam lockerer. Und nach einer Weile verstand sie dann unseren Besuch. Von da an war sie 180 Grad anders und erzählte uns über ihre Schule.
Senocia holte ihr Zeugnis aus der Rocktasche hervor. Ein einfaches Blatt Papier, 5x gefalten und darauf von Hand ein ausgefülltes Formular. Sie hatte als 5. Beste der Klasse abgeschlossen (von 60 Kindern). Die Oberschwester ermahnte sie gleich, sie könne noch viel mehr tun, wenn sie wolle. Sie solle hart arbeiten und schwitzen, so wie es die Sponsoren für sie tun würden. Die Kinder lernen hier nebst den üblichen Fächern auch stricken und nähen, kochen, Ernährungslehre und Elektrizität. Ab 10 Jahren kann ein Kind an diese Schule kommen. Wenn es alle Jahre regelmässig teilnimmt, ist e mit 16 Jahren fertig. So beantwortete uns die Schwester, die Religion unterrichtet, diverse Fragen. Und Senocia musste höflich auf weitere Fragen der Schwester mit „Ja Schwester“ oder „Nein Schwester“ antworten... Wir hinterliessen ein paar kleine Geschenke und machten uns danach auf den Heimweg.
Der starke Regen war auch in Bali angekommen. So empfing uns ein überschwemmter Wohnungseingang und wir mussten zuerst den Boden aufnehmen und alles in Sicherheit bringen. Nach einem feinen Abendessen legten wir uns bald schlafen.