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Kamerun Reisebericht Cameroon

Bali Nyonga


28.2.2011

Wir schliefen bis 8 Uhr morgens und trafen uns zum Frühstück wieder im Konvent. Leckere Ananas und getoastetes Brot stand für uns bereit, sowie ein grosses Stück Käse, welches die Nonnen selber herstellen. Begeistert stärkten wir uns für den Tag.

Vor unserem Haus überreichten wir dem Dezemberkind Kezia ( 2 ½ Jahre) den Kinderkalender 2011. Die Kleine war schon zünftig gewachsen, aber in diesem Moment eher weinerlich als glücklich. Die Verwandten freuten sich sehr über den Zustupf fürs Schulgeld. Die kleine Kezia wird in einem Jahr bereits in den Kindergarten kommen. Die Mutter war auf dem Feld an der Arbeit. Der Vater ist der Familie unbekannt und während die Mutter arbeitet, schauen Verwandte zu Kezia. Unser Ashia-Mitglied Gregory ist eine Art Grossvater für die Kleine. Sie ist ein Grosskind seiner Stiefmutter. Da sein Vater drei Frauen hatte, ist die Familie riesig.



Kalenderkind Kezia vom Dezember 2011-Blatt erhält Ihren Kalender und das Schulgeld.


Während wir die Jahre zuvor fast ein wenig ein schlechtes Gewissen hatten, weil unsere Unterkunft im Gegensatz zu der Nachbarschaft schon ziemlich luxuriös war, hatte sich hier etwas geändert: es waren zwei wunderschöne neue Häuser gebaut und die alten dunklen Hütten abgerissen worden. Kein Vergleich mehr zu früher, wo simple Blockhütten gestanden hatten. Die Wände und der Hauseingang sind mit Fliesen verputzt und sehen sehr gepflegt aus. Und trotz allem: die Leute sind sich gewohnt, am Boden auf dem offenen Feuer zu kochen. So schaut es von aussen zwar sehr modern aus, innen ist nach wie vor eine Feuerstelle und rundherum liegt alles am Boden. Daneben ein Bett, wo geschlafen wird. Der Wechsel zu neuem Lebenswandel braucht seine Zeit. Eine Küche, wie wir es haben, kennen die Leute nicht.

Danach fuhren wir als erstes nach Bamenda, um unsere Spendengelder von grossen 500-Euro-Noten in Kamerunische Francs zu wechseln. Auf dem Schwarzmarkt geht das jeweils zack-zack und wir sind jedes Mal überrascht, dass dort mehr Geld flüssig ist als in der Bank.

Auf dem Markt war wie immer viel los. Unter anderem sahen wir einen Verkäufer von Rattengift, der kaum zu übersehen war. Etwa 6 Ratten und Mäuse hinten an einem Seil an ihm herunter. Die Ratten waren schon längst tot und getrocknet. In der anderen Hand hielt er das „Wundermittel“, ein rötliches Pulver. Wir sagten ihm, dass wir bei uns keine Mäuse in der Wohnung haben, weil wir Katzen haben. „Ach so“, meinten die ebenfalls anwesenden Einheimischen. „Bei uns essen wir die Katzen. Es macht viel zu viel Umstände, dafür zu sorgen oder zu schauen, wo sie ist und ob sie nicht schon längst beim Nachbarn oder noch weiter fort ist, weil sie dort ihr Futter findet“. Andere Länder, andere Sitten!

Ein paar Strassen weiter kam ein Obdachloser und schaute in alle Bierflaschen, ob es noch Reste drin hat. Diese trank er dann und zottelte weiter. So trifft man auch ab und zu Menschen, die einfach mitten in der Strasse schlafen oder unter der Brücke nächtigen. Und ganz zum Gegenteil hat es auf dem Markt die „fleissigen Bienen“. Wie zum Beispiel Bertrand, der sein eigenes kleines Geschäft hat, in dem man fast alles kriegt. Von überall her importiert und handelt er mit Produkten. Von Seife über Toilettenpapier, Damenbinden oder Ovaltine (bei uns Ovomaltine), Tomatensauce oder Bleistifte: Bertrand weiss, wo er was bekommt und wie er es verkaufen kann. Schon ein paar Mal waren wir in seinem Laden, weil er ein Lieferant von Gregory ist. Er beklagte sich, dass er nicht verstehen kann, dass es Männer gibt, die einfach den ganzen Tag bei einem Bier im Restaurant hängen. Man müsse doch etwas tun. Er habe für so etwas nie Zeit. Im Shop gäbe es immer Arbeit. Aufräumen, einräumen, bestellen, organisieren, das Ablaufdatum der Produkte prüfen... er ist ein guter Geschäftsmann und wird es sicherlich weit bringen.

Ebenfalls die Marktfrauen, die tagtäglich ihr Gemüse an den Mann zu bringen versuchen. Freudig begrüssten sie uns wieder. „Wie geht es, wie läuft das Geschäft?“, fragte ich. „We manage it“, ist von allen die Antwort. Herrlich, sie lassen sich nicht unterkriegen und haben immer ein Lachen im Gesicht, obwohl der Job hart ist und sie tagtäglich unter ihrem ausgedienten Sonnenschirm auf neue Kundschaft warten. Oft sitzen noch ihre Kleinkinder mit dabei, werden gestillt und gefüttert oder spielen hinter dem Marktstand.

Auch sechs Harass Getränke auf einem Mofa transportieren ist kein Problem. Alles ist irgendwie machbar. Manchmal ein wenig gefährlich, meist ein wenig langsam, aber sie wissen sich zu helfen.

Später fuhren wir in Bamenda ins Waisenaus Garden of Education and Healing. Dieses Waisenhaus hatten wir schon ein paar Mal besucht. Vor dem Besuch unterhielten wir uns zu dritt darüber, dass wir alle ein Bauchgefühl hatten, das wir nicht richtig interpretieren konnten. Wir hörten das ganze Jahr über nichts von diesem Waisenhaus, kein Kontakt oder keine Neuigkeit. Jedes Mal, wenn wir dort waren, war die Leiterin ausser Haus. Als der Leiter (ein Pfarrer aus Yaoundé) einmal dort war, war die Stimmung eher künstlich fröhlich als ausgelassen. Schwester Johanna war wie jedes Mal vor Ort und schaute nach den Kindern. Sie begrüsste uns fröhlich. Es hatte ein paar kleinere Kinder dort, die wir alle schon ein paar Mal gesehen hatten. Während sie uns zwei Jahre zuvor um den Hals fielen und uns „vollgetextet“ haben und kaum mehr loslassen wollten, kamen sie nicht einmal schauen, wer zu Besuch kam. Weil wir für ein Mädchen Schulgeld von einer privaten Spende überreichen durften, wurde diesem Mädchen gerufen. Sie kam ganz scheu zu uns und zur Schwester, damit wir ein Foto von ihr machen konnten. Es hatte noch weitere Kinder, die wir auch schon ein paar Mal gesehen hatten. Keines der Kinder kam näher oder sprach ein Wort. Sie hatten kaum den Mut, auf eine Frage eine Antwort zu geben. Wir fühlten uns in unserem Bauchgefühl bestätigt, dass irgendetwas sich hier geändert hatte. Das Waisenhaus schien nicht voller Leben zu sein, wie es sonst überall in Kamerun und bei den Menschen ist. Wir können leider nicht einschätzen, warum das so ist. Dies trug dazu bei, dass wir ausser der privaten Schulgeldspende und ein paar kleinen Hilfsgütern hier nichts gespendet haben. Wir werden es weiter beobachten, auch wenn wir nur Aussenstehende sind und nie erfahren werden, warum das so ist. Wir hoffen, den Kindern geht es gut und es fehlt ihnen soweit es geht an nichts. Da wir wissen, dass dieses Waisenaus einige Kontakte nach Deutschland hat, gehen wir davon aus, dass eine Unterstützung vielleicht schon fast an der Tagesordnung ist. Wir wissen es nicht, die Frage bleibt im Moment offen...

Als kompletter Gegensatz zeigte sich der nächste Besuch um Waisenhaus Good Shepherd. Auch hier kamen wir wie immer ohne Voranmeldung. Schon von weitem hörten wir die Kinder vor Freude schreien und die Leitern, Schwester Jane, kam angerannt. Alle wuselten sofort um uns herum und fielen uns um den Hals. Gross und Klein war fröhlich und voller Leben. Wie können wir uns das erklären? Wir fanden keine passende Antwort. Wir genossen den Augenblick und wussten, dass dies ein wunderbarer Platz für diese Kinder ist. Alle Kinder halfen beim gemeinsamen Zubereiten des Mittagessens für den nächsten Tag mit. Drei grosse Töpfe voller Plantain wurden gerüstet. Jungs und Mädchen schälten die Früchte. An anderen Orten wurde fleissig Wäsche gewaschen. Teilweise halfen auch dort die Knirpse mit und waren sogar dabei fröhlich. An einem weiteren Ort war die Fütterung der kleinen „Raubtiere“. Die kleinen Knirpse, alle etwa 1-2 Jahre, sassen einmal mehr in einer Runde und erhielten nacheinander einen Löffel Reis. Teilweise waren sie nicht bekleidet oder schmutzig oder der Rotz lief aus der Nase. Aber alle waren zufrieden und sassen auf ihren kleinen Stühlchen. Daneben lag in einer Wolldecke ein kleines Mädchen. Es war voller Fliegen. Erst auf den zweiten Blick sah ich, dass es schwerst behindert sein muss. Schwester Jane erzählte uns, dass es einfach nachts vor ihre Türe gelegt worden war. Ein neues, schlimmes Schicksal.



    

Die neue Schweinefarm und die Hühnerzucht des Waisenhauses Good Shepherd in Bamenda. Die Waisenkinder helfen beim Kochen.


Wir staunten, was das Waisenhaus im letzten Jahr alles auf die Beine gestellt hatte. Sie haben ihre Hühnerzucht vergrössert. Die Ställe sind etwa 4x so gross. Der Hühnermist wird in Säcken im Dorf als Düngemittel verkauft. Ein grosser Sack davon kostet 5 CHF. Die Hühner werden auf dem Markt verkauft. Teilweise werden auch die jungen Hühnchen (4 Wochen alt) an Bauern weiter verkauft.



    

Dieses neue Gebäude gehört zum Waisenhaus Good Shepherd. Der grosse Backofen und die vielen Brotformen, womit das Waisenhaus einen Anteil ans Überleben finanzieren kann.


Auf der anderen Seite war ein grosser Backofen neu gebaut worden. Sie erzählte uns, dass sie täglich Brot backen und dies nebst Eigenverzehr in der Region und in der Stadt verkaufen. So kommen auch bereits Kunden, die ihr Brot einkaufen und im Dorf wieder verkaufen. Nachmittags um 14 Uhr waren bereits alle 2000 Brote verkauft. Sie sagte, am nächsten Tag werden sie 5000 Brote backen. Voller Enthusiasmus wird ständig etwas Neues probiert und das Waisenhaus weiss sich selber zu helfen.



  

Fütterung der «Raubtiere»: die Kleinsten erhalten eine warme Mahlzeit, bestehend aus Reis mit Sauce. Spendenübergabe aus der Schweiz an Schwester Jane.


Wir durften wiederum eine grosse Spende aus der Schweiz übergeben, worüber sich Schwester Jane riesig freute. Auch wir freuten uns, diesen Platz einmal mehr besuchen zu dürfen. Jedes Mal fühlt man sich von Herzen willkommen. Alles ist voller Liebe und Herzlichkeit. An den Wänden hängen Sprüche und Bilder, es hat Plüschtiere und Spielzeug in den Räumen und die Kinder sind eine sich gegenseitig helfende Gemeinschaft.

Nach diesen Besuchen fuhren wir zurück nach Bali. Ein weiteres Kalenderkind war im Kalender 2011 auf dem Juni-Sujet. Wir wollten es überraschen. Es war Dave, 5 Jahre alt. Wir besuchten seine Eltern und ihn bei sich zu Hause. Dave ist das jüngste von 5 Kindern und geht in die 2. Klasse der Star Bilingual Schule. Seine Mutter betreibt an der Hauptstrasse von Bali einen kleinen Shop, in dem sie unter anderem Kleider oder Haushaltartikel verkauft. Sein Vater ist Lehrer an der Several Lance Schule, und wir stellten fest, dass wir ihn bereits kannten. Zufälligerweise war sein Kind in den Kalender gewählt worden. Die Eltern hatten nicht gewusst, dass er sich an diesem Tag auf dem Spital-Gelände herum getummelt hatte. Sie freuten sich riesig über das schöne Bild im Kalender und das Schulgeld für Dave. Dieser wiederum musste sich zuerst Kleider anziehen gehen, weil er gerade splitternackt vor dem Haus gespielt hatte. So knipsten wir dann später ein Erinnerungsfoto mit ihm und dem Kalender.



  

Dave erhält seinen Kalender und das Schulgeld. Nice girl aus Bali Nyonga.


Zum Abendessen waren wir wiederum im Konvent bei den Schwestern. Plantain, Omelette, Gemüse und Fleisch war für uns bereit gestellt worden. Wie immer gab es viel zu Lachen und wir denken, die Schwestern geniessen jeweils unsere Besuche, weil ein wenig frischer Wind in ihren Alltag kommt. Beim Feierabendbier im Restaurant bei Doris kamen diverse altbekannte Gesichter, die wir begrüssten und für die wir meistens noch ein oder zwei Fotos von der letzten Reise mit dabei hatten. Damit konnten wir immer grosse Freude bereiten. Es war kalt geworden und wir waren um die warmen Kleider froh. Schon bald legten wir uns danach schlafen.



1.3.2011

Um 8 Uhr trafen wir uns und fuhren zum Frühstück in den Konvent. Es war noch kühl und der Nebel hing in den Bäumen. Nach dem Frühstück ging es auf zu Schulbesuchen rund um Bali. Als erstes in der gleich nebenan liegenden Catholic School Bali. Die Schule fängt offiziell um 8 Uhr an. So gegen 8.30 Uhr sind dann alle Kinder anwesend. Als wir mit dem Toyota auf den Schulplatz fuhren, kreischten die Kinder bereits aus den Fenstern. Wir besuchten alle Klassen, die Kinder sangen für uns Lieder und wir freuten uns, sie wieder zu sehen. Uns fiel auf, dass es in den tiefen Klassen oder den Kindergärten noch sehr viele Kinder hat. Je älter, desto weniger Kinder. Die Eltern haben kein Geld, um ihre Kinder lange in die Schule gehen zu lassen. Auch sind die Kinder sehr unterschiedlich alt. Weil oft eine Familie ein Kind nicht jedes Jahr zur Schule schicken kann, fehlt es dann dazwischen ein oder mehrere Jahre und setzt später wieder ein, wenn Geld zur Verfügung ist. So kann es in einer Klasse Kinder haben, die fünf Jahre oder noch mehr Altersunterschied haben. Keines der Schulzimmer hat eine richtige Wandtafel. Bei allen sind die Wände schwarz bemalt, worauf geschrieben wird. Bereits in den unteren Stufen wurde die Ernährungspyramide erklärt, worüber wir uns sehr freuten.

Der zweite Besuch war in der Government Technical High School. Hier hatten wir letztes Mal ebenfalls Hilfsgüter abgegeben. 650 Jugendlich gehen hier in die Sekundarschule. Sie werden nebst üblichem Stundenplan auch in Elektrizität, Schreinerarbeiten und Maurerarbeiten unterrichtet. Wir staunten nicht schlecht, als wir in einer grossen Halle diverse Jungs antrafen, die in ihren Übergewändchen aufgeteilt in vier Gruppen eine Treppe mit einer Mauer aufbauten. Zement, Backsteine und Arbeitsinstrumente waren zur Verfügung und ein vorgegebenes Bauwerk musste nachgestellt werden. Auch ein Mädchen war in diese Gruppe, was uns sehr freute. Eine andere Klasse hatte gerade Sportunterricht. Unser gespendeter Fussball war in vollem Einsatz und Zeuge davon, dass er seit einem Jahr wahrscheinlich fast täglich gebraucht wird.



    

Schulbesuch in Bali Nyonga. Die Klassenzimmer sind überall komplett überfüllt und die Kids freuen sich riesig über den unangemeldeten Besuch aus der Ferne.


    

An der Government Technical High School lernen die Schüler auch Maurer- und Schreinerarbeiten. Der Unterricht wird in Kleingruppen erteilt und die Schüler können direkt selber ausprobieren und Hand anlegen.


Der dritte Besuch war bei der Government Primary School Kutadntsi. Diese Kinder hatten nach unserer Abreise beim letzten Besuch via Gregory Schulsäcke und Wassersäcke erhalten. Da Schulferien gewesen waren, konnten wir dies leider nicht selber tun. Jetzt sahen wir hier viele glückliche Kinder, die sich freuten, zu sehen, wer ihnen die Schulsäcke gebracht hatte. 50 Kinder gehen in diese Primarschule. Der Direktor hat sein Büro draussen. Es hat keinen Platz mehr für ihn. So sitzt er bescheiden an der freien Luft an einer Schulbank und hat seine Utensilien in einer Tasche mit dabei. In der zweiten Klasse fragte der Lehrer die Klasse, ob sie wissen, wer wir sind. Zuerst war ganz kurz Schweigen. Dann meldete sich ein eifriger Knirps und streckte seine Hand hoch: „Ja, ich weiss es!“ Der Lehrer fragte nach: „Ja wer ist es denn?“ Der Knirps antwortete selbstsicher: „Whiteman“ (Weisse). Alle lachten und eigentlich hatte er ja auch recht damit. Im zweiten Anlauf dann war allen klar, wer wir sind.

Der vierte Besuch führte uns in die Bali Community High School. Auch diese Kinder haben Schulsäcke erhalten sowie viele weitere Schulmaterialien. Rund 230 Kinder gehen hier in die Sekundarschule. Auch hier sahen wir, wie unterschiedlich das Alter der Kinder sein kann. In der obersten Stufe, der Klasse 7, sind die Schüler zwischen 18 und 22 Jahre alt. Das reguläre Alter für diese Klasse ist 16 Jahre, wenn ein Kind alle Jahre aneinander zur Schule geht. Mit 9 Jahren kommt man in die Sekundarschule. Auch diese Schüler freuten sich über unseren Besuch. Ein Schuljahr an dieser Schule beträgt zwischen 32 000 CFA und 45 000 CFA (= 76 CHF bis 107 CHF). Plus 5000 CFA Einschreibegebühren (= 12 CHF). Da die Schule bereits über einen sicheren Raum verfügt und für alle Kinder nur 1 Computer hat, versprachen wir, ihnen weitere 10 PCs zu bringen. Der Jubel war riesig! Die uralten Schreibmaschinen waren bereits in eine Ecke gestellt worden, denn darauf kann wirklich nicht mehr viel gelernt werden.



  

An der Bali Community High School hat es für 230 Kinder nur einen Computer zur Verfügung. Freude über die Schultaschen, von Ashia gespendet.


Der fünfte und letzte Schulbesuch an diesem Tag war bei der Divine Comprehensive Secondary School. Erst beim Besuch merkten wir, dass diese Schule auf dem Areal steht, wo beim Lela die „War Front“ stattfindet. Das heisst, von dort werden alle Schüsse gegen die „Feinde“ über den Berg nach Osten abgegeben. 180 Kinder gehen in diese noch sehr junge Schule (vor 3 Jahren ins Leben gerufen). 15 Lehrer unterrichten die Schüler. Der Direktor (Bobga Divine) ist 33 Jahre alt und voller Elan. Er unterrichtet auch 10 Waisenkinder, die kein Schulgeld bezahlen müssen. Das Schulgeld an dieser Schule beträgt 43 500 CFA (= 105 CHF). Die besten Schüler erhielten als Belohnung im letzten Frühling Geschenke in Form von Schultaschen und Schulmaterialien von Ashia. Ebenfalls erhielt das Fussballteam Dress und Fussbälle. Damit spielen sie auswärts gegen andere Teams.


Wir befragten unter anderem einen Schüler (Desmond Ekane, 16 Jahre), was ihm am meisten fehlt an der Schule. Er bat um Wandtafeln, Schultische, Sportartikel für die Sportgruppe und Computer. Sie haben aber derzeit keine sicheren Räume für Computer. Sie möchten die Führer von morgen sein und versuchen alles, es möglich zu machen, sagte er. In Zukunft sieht er sich als Ingenieur oder Naturwissenschaftler. Er hat jetzt noch 4 Jahre Zeit, bis er auf die Universität kommt. Die Schule versprach uns, bis Ende Jahr einen sicheren Computerraum auf die Beine zu stellen und wir versprachen im Gegenzug 10 PCs für ihre Schüler.

Nun war es schon 13 Uhr geworden. Wir machten eine kurze Pause, bevor wir nach Bamenda aufbrachen. Schulbesuche konnten wir an diesem Tag keine mehr abhalten, da die Schulen um 14 Uhr alle schliessen. Rund um Bali und in Bali selber hat es übrigens momentan 29 Primarschulen und 9 Sekundarschulen! Und Bali ist nicht eine Grossstadt. Doch wenn jede Familie mindestens 6 Kinder hat, kann man sich vorstellen, dass es an Nachwuchs nicht fehlt.

In Bamenda angekommen musste ich mich als erstes einmal wegen meiner Kamerun-Handynummer schlau machen. Der MTN-Shop hatte jetzt endlich geöffnet und ich ging mit meiner Passkopie und der Sim-Karte in den Shop. Wider erwarten war ich ein paar Minuten später schon bedient worden und konnte den Shop erfolgreich verlassen. Seit Oktober müssen alle Nummern registriert werden. Da ich dies noch nicht getan hatte, war meine Nummer abgelaufen. Doch ich konnte sie somit registrieren und für immer behalten. Sogar mein alter Kredit war noch gutgeschrieben.

In Bamenda kauften wir für das Waisenhaus Bossa ein. Karotten, Tomaten, Papaya und einen grossen 50 kg Sack voller Reis brachten wir in das abgelegene Waisenhaus mit. Der Pfarrer und die inzwischen 83 jährige Leiterin aus den USA freuten sich über unseren Besuch. Auch wenn Mama Grace sich einmal mehr nicht an uns erinnern konnte, nahmen wir es ihr nicht übel. Sie ist zwar für ihr Alter noch fit auf den Beinen unterwegs, aber ihr Gedächtnis ist schon eine Weile nicht mehr wirklich gut. Zwischendurch erzählte sie, sie müsste doch eigentlich wieder in die Staaten und als Lehrerin arbeiten, doch wenn sie jetzt dann bald sterbe, wolle sie ihr Geld nicht für den Transport dorthin verschleudern, sondern es den Waisenkindern zu Gute kommen lassen. Und sowieso hätte es hier genug Land, dass sie ein Plätzchen unter der Erde finden würde. So amüsierten wir uns einmal mehr über ihren Humor, den sie aufbringt, und dass sie ganz genau weiss, dass sie eben nicht mehr viel im Gedächtnis behalten kann und laufend etwas vergisst. „Wie waren doch gleich nochmal eure Namen?“ In Anbetracht dessen, dass sie auch den Namen des Pfarrers nicht mehr immer weiss, der täglich bei der Kinderbetreuung hilft, ist das absolut kein Problem für uns.

Wir hatten auch ein paar Fotos für die Kinder mit dabei. Auch hier trugen sie noch oft dieselben Kleidchen wie das Jahr zuvor. Neu hinzugekommen ist eine geistig behinderte Frau, die Zwillinge geboren hat. Ein alter Mann sei mit ihr zusammen gewesen. Sie habe schon zwei ältere Kinder und nun diese Zwillinge. Im Spital von Bali hat sie diese zur Welt gebracht und das Spital wusste nicht, wohin mit ihnen. Die Mutter ist keinesfalls in der Lage, für diese Babies zu sorgen. So brachten sie alle drei nach Bossa, wo sie sehr zufrieden zu sein scheinen. Die älteren Kinder sind bei der Grossmutter. Wir können nicht nachvollziehen, was in einem Mann vorgeht, der einer geistig behinderten Frau Kinder „beschert“. Wenigstens gibt die Frau den Kindern inzwischen Muttermilch. Und die ein paar Jahre älteren Waisenkinder tragen die Babies auf dem Rücken herum und trösten sie, wenn sie weinen.



    

Mama Jane mit vier ihrer Schützlinge und dem Pfarrer. Waisenkind im Waisenhaus von Bossa. Mama Jane erhält einmal mehr Spendengelder aus der Schweiz.


Wir verteilten Guetzli und schauten uns im Waisenhaus um. In den Zimmern herrschte schöne Ordnung. Auch wenn zwischen den Betten ein Huhn herum wuselte. Sie haben inzwischen eine Wasserpumpe erhalten und müssen das Wasser nicht mehr mühsam heranschleppen. Wir überliessen ihnen einmal mehr eine Spende aus der Schweiz.

Bevor wir abfahren konnten, mussten wir noch einen platten Reifen auswechseln. Die schlechte Strasse nach Bossa hatte dem Pneu den Rest gegeben...



    

Spartanisch eingerichtete Zimmer im Waisenhaus, es fehlt noch so vieles. Die Kinder waschen ihre Wäsche selber.


Bei der Retourfahrt trafen wir Key wieder. Er hat uns oft beim Container ausräumen geholfen. Der junge Mann ist kaum 30 Jahre alt. Am Freitag wird ihm ein Fuss/Bein amputiert. Er hat schon längere Zeit einen Infekt, und jetzt kann ihm nur noch so geholfen werden. Wir sind entsetzt. Hier haben die Leute noch Krankheiten, wo ihnen in der Schweiz so einfach geholfen werden könnte. Oder Edwin, unser Schnitzer-Freund, hat lange Zeit unter Bluthochdruck gelitten. Nun hat ihn ein Schlaganfall getroffen und er ist halbseitig gelähmt. Ob er je wieder schnitzen kann, wissen wir noch nicht. Wir werden ihn bald besuchen gehen.

Danach besuchten wir noch die Mutter des Automechanikers von Douala. Er hatte uns Geld gegeben, um es seiner Mutter zu überreichen. Die kaum 1.50 Meter kleine alte Frau freute sich riesig über unseren Besuch. Sie ist fast schon eine Art Dorf-Original. Sie ist so klein und dünn, man könnte sie locker über die Schultern packen. An einem Holzstock marschierte sie in ihrem Compound herum. Kaum dass wir sie begrüsst hatten, sagte sie, wir müssen unbedingt noch jemanden begrüssen. Nebenan in der Hütte wohnt ihre „Nebenfrau“. Das heisst, ihr verstorbener Mann hatte mehrere Frauen, und die erste Frau sass in der anderen Hütte. Diese war noch ein Stück älter und hauste in gleichen Verhältnissen. Ein stockdunkler Raum, ein Bett, am Boden eine Feuerstelle und ein paar Töpfe und Pfannen. Mehr konnten wir in der Dunkelheit nicht sehen. Irgendwo in einer Ecke miaute es noch, und eine klitzekleine schwarze Katze kroch hervor und schlich um unsere Beine. Hier eine Katze zu kraulen ist ein wenig zwiespältig. Eigentlich war das Kätzchen total süss, doch ziemlich sicher voller Flöhe oder anderer Viecher. Doch sie war so anhänglich, man konnte sich ihr kaum entziehen und das Häufchen Fell hochnehmen.

Wir verteilten ein paar kleine Mitbringsel und wechselten mit den beiden alten Damen ein paar Worte. Danach ging es weiter zum „kleinen Onkel“, der ein Bruder der einen Dame ist. Er ist ein Verwandter von Gregory, bzw. der Vater von Key. Seine Familie freute sich enorm, dass wir endlich einmal Zeit hatten, bei ihnen vorbei zu schauen. Aber sie waren so unglücklich, dass sie nicht gewusst haben, dass wir kommen. Da wir dies immer absichtlich so machen, so dass niemand sich wegen uns in Unkosten stürzt und Umstände macht, war das aber nicht wirklich ein Problem. Wir wechselten ein paar Worte und schauten uns in Haus und Garten um. Der kleine Onkel pflanzt Kaffeebohnen an und in seinem Garten wachsen diverse Blumen und Pflanzen. So zum Beispiel auch Aloe Vera. Seine Frau versteht sehr viel von Landwirtschaft. Als Geschenk, weil sie uns nicht bekochen durften, überreichten sie uns einen fetten Hahn. Das Ding zappelte wie wild in meinen Händen. Sie könnten doch nicht zulassen, dass wir ausgehungert in den Flieger nach Hause steigen würden. Ihr Zuhause sei auch unseres und wir seien Teil der Familie. So nahmen wir den Hahn dankend an und banden ihn auf die Ladefläche. Wir durften auch nicht länger darüber nachdenken, wie es ihm wohl auf der Rückfahrt erging, als wir die Ruckelpiste zurück in den Konvent fuhren und der Hahn mit beiden Füssen kopfüberhängend auf der Ladefläche mitfuhr.

Auf alle Fälle freuten sich die Schwestern im Spital riesig über den Hahn, den wir sogleich weiter verschenkten... Wahrscheinlich steht er morgen auf dem Speiseplan :-( Für heute gab es Reis an Tomatensauce sowie Ananas und Omeletten.

Nach dem obligaten Feierabendbier stand einmal mehr die eiskalte Dusche an. Zuerst aber mit der Fliegenklatsche auf Kakerlaken-Fang gehen. Einmal mehr hatten sie sich in der Zwischenzeit im Badezimmer bequem gemacht... Dann noch die Geschichten des Tages notieren und ab in die Federn.



2.3.2011

Nach dem wie immer köstlichen Frühstück im Konvent fuhren wir nach Bawock in die Catholic School St. Peter & Paul. Auch diese Primarschüler hatten Schultaschen von uns erhalten. 150 Kinder gehen in diese Schule. Der Rektor begrüsste uns und beklagte sich, dass er früher mehr Kinder an seiner Schule gehabt hätte. Doch seit die Regierungsschule sei, würden viele Eltern ihre Kinder dorthin schicken, weil es günstiger ist. Ein Schuljahr hier kostet 7450 CFA (= 18 CHF). Doch selbst das ist für die Eltern nicht bezahlbar. Vorher hätte er beinahe 400 Schüler gehabt. Von den Kindern, die momentan hier zur Schule gingen, würden ihm noch immer 1430 CHF Schulgeld fehlen… Mit anderen Worten, 80 Schüler konnten bis jetzt das Geld noch nicht bringen. In einem Zimmer unterrichtete eine Lehrerin mit einem kleinen Baby auf dem Rücken. Auch in anderen Schulen sahen wir oft, dass die Frauen ihre eigenen Kinder einfach mitbrachten und diese dann mit im Klassenzimmer herum krochen.

Der zweite Besuch war bei der Self Relance Comprehensive School. Dies ist eine Sekundarschule, wo wir bereits im Frühling 6 Computer gespendet hatten. Die Schüler haben ebenfalls Schultaschen erhalten. Ein paar von ihnen hatten sie dabei, aber sehr wenige. Wir fragten, wo sie denn ihre Taschen haben. Einige antworteten, sie behalten es für später, es sei zu schade, um es zu gebrauchen. 250 Schüler gehen hier zur Schule. Sie bereiten sich in den höheren Klassen auf die Universität vor. Ein Schuljahr kostet in den höheren Klassen 48 000 CFA (= 115 CHF). 22 Lehrer stehen für diese Schüler zur Verfügung. Auch hier war der Altersunterschied der Schüler enorm. 6 Jahre und noch mehr. In einer Klasse sass eine Frau des Fon (Königs) von Bali. Zuerst wussten wir nicht genau, was mit ihr los war. Sie stand nicht wie alle Schüler auf und grüsste uns, sass nur still und alleine in einer Ecke und sah auffällig gepflegt aus. Wir wurden informiert, dass sie als Frau des Fons sich zu benehmen hätte. Nicht laut sein, nicht auffallen, immer auf einem Kissen oder Stoff sitzen und sich nur dem Schulstoff zu widmen. Sie war bereits rund 33 Jahre alt und hat schon eigene grössere Kinder. Da sie es versäumt hat, die Sekundarschule zu besuchen, holt sie dies nun hier nach. Gregory und der Rektor versuchten, die Schüler zu motivieren, dass sie hart lernen und studieren sollen. Aus ihnen sollen keine Räuber oder Diebe werden, sondern gebildete Menschen. Die Jugendlichen sollen sich nicht nachts draussen herumtreiben, sondern heute schon damit beginnen, sich auf die Uni vorzubereiten. Der Rektor, Emmanuel Tita Sikod, war per Zufall der Vater des Kalenderkindes vom Juni 2011. So klein ist die Welt... Im Computerraum sahen wir unsere im Frühling gespendeten Computer wieder. An der Wandtafel war noch von der letzten Schulstunde notiert, was gelernt wurde. Links-, Rechtsklick, was passiert und wie führt man es aus? Von null an muss begonnen werden, die Schüler langsam an die neue Technik zu gewöhnen. In der Pause können sie draussen Essen kaufen. So kommen Frauen aus dem Dorf und sind auf dem Pausenplatz. Für etwa 20 Rappen kann ein Suppenlöffel voller Bohnen gekauft werden.

Der dritte Besuch war bei der Presbyterien Schule Tikali. Diese Schule ist für uns speziell, weil wir dort am Bau eines neuen Kindergartens beteiligt sind. Der Kindergartenunterricht wurde mit einer vorherigen Spende bereits gestartet, nun sollen die Knirpse auch ihre eigenen Räume bekommen. Als wir aufs Gelände fuhren, waren die Kinder bereits alle draussen formiert und warteten auf unseren Besuch. Wir staunten mit offenen Mündern, was uns dann dargeboten wurde. Eine Tanz-/Musikgruppe hatte das Lela einstudiert (traditionelles Fest). Die Kinder trugen traditionelle Gewänder und spielten auf den Musikinstrumenten. Von knapp5 Jahren bis vielleicht 11 Jahren führten sie uns vor, wie der Fon gefeiert wird und wie getanzt wird. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der kleine Junge hielt zwei Rasseln in der Hand und schüttelte diese Dinger im Takt, kein einziger Fehler. Dazu tanzte er wie ein Grosser. Ebenfalls die kleinen Mädchen, in Socken auf dem Erdboden. Der Staub wirbelte durch die Luft, das Xylophon erklang und das Elefantenhorn wurde von einem Burschen geblasen. Wer einmal an einem Lela war, kann sich vorstellen, wie viel Gefühl und Kultur in diesem Brauch steckt. Wir freuten uns wirklich riesig und mussten unsere Tränen der Rührung zurückhalten. So schauten wir eine ganze Weile zu und waren auch nicht überrascht, als der Rektor uns später sagte, dass sie beim Youth Day (Tag der Jugend) den ersten Preis für ihren Tanz und die Darbietung gewonnen haben. Zum Glück hielt die Videokamera alles fest!



    

Die Kids der PS Tikali tanzen in ihren traditionellen Gewändern für uns. Wir geniessen den einmaligen Empfang. Die Schulmusik spielt feurige Trommelrhythmen dazu.


Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto mit den momentan 580 Schülern (38 Kindergärtner und der Rest Primarschüler) trafen wir uns mit dem Rektor, der Vertreter der Eltern und dem Lehrervertreter wieder. Die PS Tikali ist die grösste Schule in Bali und die zweitgrösste des Bezirks. Die Schulvertreter bedankten sich etliche Male für unsere Hilfe. Der Kindergartenbau war schon weit vorangeschritten, aber noch nicht fertig. Die Mauern stehen, doch noch muss der Boden gemacht werden, es müssen Fenster eingesetzt werden und das Dach fertiggestellt werden. Der Rektor versprach, sich darum zu kümmern. Ashia baut den Kindergarten gemeinsam mit der Schule, so dass unser Teil bereits finanziert wurde und wir jetzt die Kontrolle über den Bau führen. Da auch hier diverse Eltern noch im Rückstand mit der Schulgeldzahlung sind, fehlt es im Moment an flüssigem Geld. Bis im Mai soll der Bau planmässig fertig werden. Und das Geld tröpfelt laufend herein, so kam auch während unserer Unterhaltung wieder ein Kind, das sein Schulgeld bezahlte. Hier kostet ein Schuljahr für den Kindergarten 23 000 CFA (= 55 CHF) und für die Primarschule 11 500 CFA (29 CHF). Im Kindergarten gehört die Verpflegung mit dazu.



      

Schon die kleinsten Knirpse tanzen und spielen Musikinstrumente. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, was die Vierjährigen hier vor uns vorführten.


Wir hörten, wie wichtig der Kindergarten für diese Schule ist. Vielfach würden die Eltern ihre Kinder dann dort in die Primarschule schicken, wo sie bereits in den Kindergarten gegangen wären. So hätten sie viele Kinder vorher „verloren“. Nun hätten sie die Anzahl Kindergärtner innert 1 Schuljahr bereits verdoppeln können. Die Eltern der Kinder haben keine Zeit, sich um die Erziehung zu kümmern. Sie müssen auf dem Markt oder dem Feld arbeiten. Des Weiteren hat die Regierung in ganz Kamerun das Schulsystem von 7 auf 6 Jahre Primarschule reduziert. Dank dem Kindergarten kann nun schon vorher begonnen werden, den Kindern etwas beizubringen.



  

Die Kinder freuen sich über den praktischen Wassersack, so dass sie jederzeit Zugang zu frischem Wasser haben. Diese süsse Kindergärtnerin wird es mit Sicherheit in unseren nächsten Ashia-Kalender schaffen.


Die Kinder werden nebst den üblichen Fächern auch in Kultur, Musik, Handarbeiten, Sport, Technik, Kochen, Landwirtschaft und Berufsberatung ausgebildet. Derzeit suchen sie vor allem eine Partnerklasse, mit der sie in Englisch Korrespondenz üben könnten. So dass sich Kinder von verschiedenen Ländern in Englisch Briefe schreiben. Falls jemand eine Klasse weiss, bitten wir um Feedback. Die Kinder sind zwischen 8 und 12 Jahre alt.

Dringend benötigt wird hier wiederum Zubehör für Fussball und Computer. Wir versprachen, ihnen weitere 5 Computer zu bringen, sobald der Computerraum soweit fertig gestellt ist. Den Wunsch nach Internetzugang können wir hier nicht selber realisieren.



Gruppenfoto mit allen 580 Kindern der PS Tikali.


Am Nachmittag fuhren wir einmal mehr nach Bamenda. Unser kaputter Reifen musste noch geflickt werden. Auf dem Weg nach Bamenda sahen wir ein paar Männer am Strassenrand joggen. Dies bei brütender Sonne und fast 40 Grad. Jogging ist fast schon ein Volkssport. Auch in Douala sieht man frühmorgens um 6 Uhr jede Menge Menschen, die diesem Sport nachgehen. In den grösseren Läden waren Zeitungen aufgehängt und ein paar Männer standen neugierig darum herum. Die Schlagzeilen des Tages lauten „Titus Edoza dares Biya again“ (Titus Edoza fordert Biya erneut heraus) oder „Biya may not stand for 2011 Presidental“ (Biya wird vielleicht nicht für die Präsidentenwahl 2011 aufgestellt) und „Bike riders anti Biya Protests“ (Töfffahrer gegen Biya Proteste). Wir sind gespannt, wie sich die politische Situation hier im Herbst verändern wird. Biya ist schon seit fast 30 Jahren Präsident von Kamerun. Im Vorfeld hatte es Gerüchte gegeben, dass Ägypten und Libyen vielleicht Vorbilder für den Wechsel sein könnten.

Auf dem Markt wühlten wir uns durch die vielen kleinen Marktstände mit sehr freundlichen VerkäuferInnen, die oft immer wieder das gleiche anbieten. So hat es unzählige kleine Eckchen, und eine ganze Reihe lang wird das gleiche verkauft. So zum Beispiel eine „Strasse“ mit Schuhen, mit Kleidern, mit Lebensmitteln oder mit Haushaltgegenständen. Oder mit künstlichen Haarteilen, Handys und Krimskrams. Sogar die Fussnägel können zur Pediküre. Eine Freundin von Gregory wollte uns unbedingt ihren kleinen Laden voller „Nonsens“, wie Gregory es nett ausdrückte, zeigen. So taten wir ihr den Gefallen und folgten ihr. Im Laden roch es stark nach Insektenspray. Sie verkaufte auch Taschenlampen, Schlüsselanhänger, Nagelklipser oder Lampen und vieles mehr. Wir brauchten im Moment nichts davon, sie schenkte uns einfach vor Freude einen Schlüsselanhänger und wir ihr ein Souvenir aus der Schweiz. Beide Seiten freuten sich. Für Angeline, die Frau von Gregory, fanden wir ein schönes Kleid im Second Hand Laden. Sie hatte an diesem Tag ihren Geburtstag. Zwar wird das in Kamerun nicht gefeiert, aber gerade deswegen wollten wir drei sie überraschen. Nachdem wir uns noch wie Touristen mit Souvenirs eingedeckt haben, verliessen wir den Markt. Die Souvenirs bestehen aus zwei Fussball-Kamerun-Dress und einem Apple-Handy. Dieses Handy war mir schon vor Tagen auf dem Markt aufgefallen. Es kommt anscheinend ursprünglich aus China und der Verkäufer hat es in Dubai eingekauft. Es hat die Form eines kleinen Apfels und auch das Apple-Signet darauf. Doch noch nie habe ich von diesem Telefon gehört und als jahrelanger Apple-Freak musste ich es mir unbedingt kaufen. Wir konnten es auf einen vernünftigen Preis herunterhandeln und es funktionierte tatsächlich. Apple wird keine Freude an dieser Kopie haben...

Per Zufall trafen wir auf dem Markt noch Schwester Anne, die Leiterin des Waisenhauses Garden of Education. Die Begrüssung war kurz, das Gespräch noch kürzer und das Betteln nach Geld noch direkter. Wir hatten ja schon zuvor einen merkwürdigen Eindruck gehabt und diese Begegnung hat uns wiederum eine Bestätigung mehr gegeben, dass wir irgendwie mit diesem Waisenhaus und der Führung nicht so ganz klar kommen. Schwester Anne hat uns nie ein Feedback gegeben, was mit unserem Spendengeld finanziert worden war. Keine Geschichten über die Kinder, über den Fortschritt im Heim oder über den Alltag. So waren wir nach etwa 2 Minuten Smalltalk bereits wieder fertig. Obwohl sie mitteilte, wie sehr sie bereut, dass sie nie dort ist, wenn wir zu Besuch sind, verabschiedete sie sich danach umgehend ohne Handschlag und war schon wieder fort. Dazu zu sagen ist, dass in Kamerun alle und jeder ständig die Hand gibt, auch wenn man ihn/sie kaum oder gar nicht kennt. Jeder grüsst, dies gehört einfach mit dazu. Das Gespräch war kurz und ohne jegliches Gefühl gewesen. Eher kurz, bündig und direkt. Für den Moment nahmen wir dies so zur Kenntnis und reihten es an unser weniger gutes Bauchgefühl an, dass wir im Moment zu diesem Waisenhaus haben.

Zurück in Bali überreichten wir Angeline ihr Geburtstagsgeschenk, was sie sofort freudig anprobierte. Es sass perfekt, welch ein Glück. Im Internet konnte ich endlich noch die neusten Geschichten hochladen, auch wenn ich für 4 Word-Dokumente und 5 Bilder fast 1 ½ Stunden brauchte, weil die Verbindung (anscheinend wegen des schlechten Wetters) so unglaublich langsam war. Der Markttag in Bali war beendet. Ein paar Moslems ritten auf ihren Pferden nach Hause, wie es seit eh und je Tradition ist bei ihnen. Im Konvent wurden wir mit Spaghetti und Salat verwöhnt. Wir genossen den Abend dieses Mal mit Schwester Verena, einer jungen Novizin aus Bolivien, die für zwei Jahre nach Kamerun geschickt wurde. Wir hatten eine gemütliche Runde, in der von Schweizerdeutsch über Mungaka (Bali), Spanisch und Englisch alles vermischt wurde und wir uns trotzdem bestens verstanden. Früh zogen wir uns ins Gästehaus zurück, um uns unter der eiskalten Dusche vom Schmutz der Stadt zu befreien und schlafen zu legen.



3.3.2011

An diesem Morgen besuchten wir als erstes die Government Bilingual Primary School. Dort hatten wir zuvor Fussball-Dress und Fussbälle für die Schüler gespendet. 14 Lehrer unterrichten hier 536 Schüler. Als wir aufs Gelände fuhren, ging wie immer und überall ein lautes Raunen durch die Klassenzimmer. Die Schüler hatten uns längst durch die offenen Fenster gesehen und freuten sich auf den unangemeldeten Besuch. Ein Lehrer an dieser Schule verdient rund 20 000 CFA (= nicht ganz 50 CHF,), wenn er ein Lehrer der Elternvereinigung PTA ist (an dieser Schule sind davon 4 Stück). In Kamerun gibt es zwei Arten von Lehrern. Die einen werden vom Staat bezahlt, die anderen werden aus einer Elternvereinigung finanziert. Der grosse Unterschied besteht vermutlich vor allem aus dem Salär. Ein vom Staat angestellter Lehrer verdient an dieser Schule 110 000 CFA (= 260 CHF). Das Schulgeld beträgt 5 CHF. Und trotz dieses kleinen Betrages sind die Eltern nicht in der Lage, es zu bezahlen! Weil dies so ziemlich die günstigste Schule ist, ist sie komplett überbesucht. In den tieferen Klassen sind die Zimmer überfüllt. Je älter die Kinder, desto weniger Kinder sind in einer Klasse. Die Eltern können es nur die ersten paar Jahre irgendwie finanzieren. Auch hier besuchten wir alle Klassen und begrüssten sie, wir wurden vorgestellt und erhielten als Dankeschön Lieder der Kinder. Eine der Lehrerinnen kam nach den Klassenbesuchen weinend zu uns. Ihre Tochter heisst Anna-Belle und ist 7 Jahre alt. Anna-Belle hat beide Geschlechter. Als sie zur Welt kam, dachten ihre Eltern, sie sei ein Mädchen, deshalb gaben sie ihr einen Mädchennamen. Nach einem Jahr merkten sie, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Die weinende Mutter zeigte auf ihr Kind, das ein Stück weiter weg stand und in der Schuluniform eines Jungen gekleidet war. Sie sei schon mit ihr im Spital von Njinikom gewesen, doch diese haben ihr nicht helfen können, weil sie auf diesem Gebiet keine Erfahrung haben. Wir wussten in diesem Moment nicht, wie wir ihr helfen konnten. Wir versuchten sie zu trösten, in dem wir ihr sagten, dass das Kind glücklicherweise sonst kerngesund ist. Wir würden in Njinikom fragen, ob sie etwas tun können oder eine Idee haben, wo ihr geholfen werden kann. Für die Lehrerin waren wir wahrscheinlich ein letzter Notnagel, um Hilfe zu erhalten, auch wenn wir keine Ärzte sind.

Der zweite Besuch führte uns zur Government School Fontoh Mantum. Hier haben wir ebenfalls Fussballdress, Fussbälle, Ordner, Stifte, Wassersäcke und Schreibblocks gespendet. Es war in allen Schulen immer wieder schön, unangemeldet zu kommen und zu sehen, wie unsere Sachen im Alltag eingesetzt werden. So konnten wir beruhigt sein, dass alles am richtigen Ort ist und gebraucht werden kann. An den Schulwänden hingen wie fast überall grosse Poster (vom Staat finanziert), dass man sich vor dem Essen die Hände waschen soll oder dass man nur sauberes Wasser trinken soll. Oder auf manchen Postern waren Malariamücken erklärt, wie sie sich entwickeln und in welchem Stadium sie welche Erscheinung haben. Die Kinder in den Klassen wurden überall motiviert, sie sollen täglich zur Schule kommen. Man wisse ja nie, wann wir wieder kommen und etwas mitbringen. Wenn ein Kind dann genau diesen Tag fehlen würde, würde es nichts erhalten… Mit grossen Augen sahen sie uns an und versprachen ihren Lehrern, fleissig zu sein und immer am Unterricht teil zu nehmen. 215 Kinder gehen in die Government School Fontoh Mantum. Das Gebäude ist erst kürzlich renoviert worden und erstrahlt in frischer Farbe. Ein reicher Mann aus der Region hat dies finanziert. Hier kostet ein Schuljahr noch weniger, und zwar 1500 CFA (= 3.60 CHF). Das Schuljahr hat im September begonnen. Bis jetzt haben aber erst 50 Eltern das Schulgeld bezahlt. Vor jedem Schuljahr werde mit den Eltern besprochen, was sie in der Lage sind, zu bezahlen. Gemeinsam werde dann entschieden, wie hoch die Gebühr im kommenden Jahr werden soll. Die Eltern haben jetzt noch ein paar Wochen Zeit, es zu bezahlen. Wenn dann noch immer nicht bezahlt wurde, wird das Kind vor die Türe gesetzt… Meistens würden die Eltern dann doch noch mit Mühe und Not irgendwo den Betrag aufbringen. An dieser Schule verdient ein Lehrer 20 000 CFA (50 CHF) als PTA und 130 000 CFA (= 310 CHF) als Government Teacher. Wir erkannten eine Lehrerin wieder, welche vorher in der Nähe unseres Containers gewohnt hatte. Ich erinnerte mich, dass mir erzählt wurde, dass sie HIV positiv ist. Sie hat den Kindern ein Lied beigebracht, dass sie in ihrer Selbsthilfegruppe gelernt hat. Die Kinder sangen über Aids, die Prävention und die Folgen der Krankheit. Ebenfalls sangen sie ein Lied über „Success is waiting for you, if you work hard“ (Erfolg wartet auch dich, wenn du hart arbeitest). An keiner anderen Schule hatten wir diese Lieder zuvor gehört. Ein Lehrer erzählte, dass das Schulexamen jetzt (vom Staat gewünscht) auf dem Computer abgeschlossen werden müsse. Sie wissen nicht, wie sie dies tun sollen. Im Moment haben sie keine einzige Maschine zur Verfügung. Hier müssen sie aber zuerst einen Nachtwächter finanzieren können, denn es wurde erst vor kurzem in der Nacht eingebrochen und das Risiko eines erneuten Diebstahls ist gross. Die Schule ist ziemlich abgelegen.

Als nächstes stand die Milchpulver-Aktion auf dem Plan. Im Spital Bali-Nyonga kommen jede Woche Frauengruppen mit ihren Kindern zur Kontrolle. Zusammen mit Schwester Veronica überlegten wir, was der beste Weg ist, das Milchpulver zu verteilen. Es stellte sich schwieriger als gedacht heraus. In dieser Gruppe kamen etwa 20 Mütter mit ihren Kindern. Eigentlich ist die Kontrolle monatlich zu besuchen, bis das Kind ein Alter von 5 Jahren erreicht hat. Das Kind wird gewogen, geimpft, die Eltern werden aufgeklärt über erste Hilfe im Haushalt, Unfälle und deren Verhinderung, Mangelernährung oder Fehlernährung sowie diverse weitere Gesundheits-Informationen. In diesen Kursen wird auch kostenlos Vitamin A verteilt (vom Staat).

Im Normalfall kann in Kamerun anscheinend jede Frau stillen. Das Problem ist, wenn die Mütter HIV positiv sind, sollten sie ihr Kind nicht stillen (Ansteckungsgefahr). Im Spital werden sie darüber aufgeklärt. Danach gehen sie nach Hause und stillen trotzdem, weil sie kein Geld für Milchpulver haben… Von 5 Kindern, die von HIV positiven Müttern geboren werden, ist im Durchschnitt 1 davon später ebenfalls HIV positiv. Erst im Alter von 18 Monaten kann ein Check darüber Klarheit geben. Eine Mutter, die bereits Muttermilch gegeben hat, soll laut Spital nicht wechseln und damit weiter machen. Diese Mütter im Kurs haben alle bereits damit angefangen. Des Weiteren wollte Schwester Veronica keine der Mütter blossstellen, in dem sie aus der Gruppe heraus kommen sollten und als HIV positiv hingestellt würden. Hier ist dies fast ein Fluch, man spricht nicht darüber und man gibt der Krankheit auch keinen Namen. Ziemlich beschämt heisst es dann meistens nur „er/sie hat die Krankheit“.

Nun standen wir da mit unserer Milchpulver-Spende und entschieden, dass es das Beste ist, es solange zu behalten, bis die nächsten Mütter Kinder gebären und diese dann damit zu sponsern. In den nächsten paar Wochen kommen anscheinend 3 Mütter, bei denen dies zutrifft. Wir rechneten aus, für wie viele es reichen würde. Völlig frustriert kamen wir zum Ergebnis, dass es nicht einmal für zwei Babies reichen wird! Was für eine Frechheit! In Kamerun kostet eine Dose Milchpulver guter Qualität rund 6 CHF. Dies ist die Marke Guigos der Firma Nestlé. Völlig beschämt, dass dies eine Schweizer Firma ist, die die Kinder in Kamerun ihrem Schicksal überlässt, sassen wir auf unseren Stühlen und waren enttäuscht, wie wenig wir mit dieser Aktion helfen konnten. Ein Baby braucht rund 80 Dosen, bis es soweit ist und andere Mahlzeiten zu sich nehmen kann. In den ersten Wochen reichen 2 Dosen pro Woche, ab 3 Monaten braucht es 4 Dosen pro Woche. Schon vor Monaten haben wir der Firma Nestlé eine Bitte geschickt, ob sie uns nicht Milchpulver für einen günstigeren Preis abgeben könnten. In Douala ist eine Niederlassung der Firma, wo wir regelmässig nach dem Flughafen vorbei fahren. Wir beschlossen, hartnäckiger zu werden und in der Schweiz dafür zu sorgen, dass Nestlé uns doch noch erhört und sich überlegt, was für Folgen ihre überrissenen Preise in solchen Ländern haben werden.



  

Wir erhalten einen Einblick ins Mutter-Kind-Programm des kath. Spitals Bali Nyonga.


Als Abschluss dieser Besprechung überliessen wir die Geldspende ohne das erhoffte Foto mit rund 143 Dosen Milchpulver. Schwester Veronica wird, sobald die Mütter geboren haben, die Dosen einkaufen und die Mütter darüber informieren. Das Foto braucht also noch ein wenig Zeit. Dafür sind es dann frische Dosen und Gregory wird diese in einer Grosspackung einkaufen gehen.

Danach fuhren wir zur Schule Good Samaritain Primary Bawock. Die Schule ist winzig und hat nur gerade einmal 32 Kinder vom Kindergarten bis zur Primarschule. 4 Lehrer unterrichten und das Schulgeld beträgt 20 000 CFA (= 50 CHF). Die Schulräume sind winzig und zum Teil eher Nischen als Klassenzimmer. Da es schon Nachmittag geworden war, waren einige bereits nicht mehr im Unterricht. Einige Lehrer waren nicht mehr dort und die Schüler räumten den Vorplatz auf und schrubbten die Böden der Klassenzimmer. Ein Besuch der Schulinspektion stand vor der Türe. Wir freuten uns, zu sehen, dass die Schulsäcke schön ordentlich an den Wänden oder den Schulbänken aufgehängt worden waren und in täglichem Gebrauch sind.

Nicht weit davon weg wohnt Edwin, der Schnitzer. Wir kennen ihn schon längere Zeit und er hat ein riesiges Talent. Vor drei Wochen hat er einen Schlaganfall erlitten und ist seither halbseitig gelähmt. Mit gemischten Gefühlen fuhren wir zu seinem Haus und besuchten ihn. Seine Frau rief ihm, half ihm aufzustehen und am Stock kam er langsam zu uns, um uns zu begrüssen. Seit dem Schlaganfall kann er nicht mehr ganz deutlich sprechen, doch wir verstanden ihn eigentlich recht gut, obwohl er meinte, es sei schwierig mit ihm. Sein Bein und sein Arm sind taub. Im Spital hätten sie ihn vollgeredet und ein Medikament verschrieben. Da es das Spital der Regierung ist, muss man später selber für die Medikamente sorgen. Seine Frau ist glücklicherweise in der Lage, dies in Bamenda zu besorgen. Er beklagte sich darüber, dass die meisten Leute danach nach Hause gehen und keine Ahnung haben, was sie nun tun müssen. (Im katholischen Spital geht eine Behandlung von A bis Z inklusive Medikamenten-Verkauf). Er erzählte uns, dass er die erste Woche fast nur geweint habe, wenn er Besuch erhalten habe. Er wäre lieber gestorben und habe sich gefühlt, als sei sein Körper schon tot. Doch inzwischen hat er sich aufgerafft und nimmt wieder am Leben teil. Wir versuchten, ihm Mut zu machen. Wir habe ihm vor einiger Zeit Schnitzwerkzeug gebracht. Sein Sohn sei schon gekommen und habe diese mitnehmen wollen, da er ja jetzt nicht mehr schnitzen könne. Doch er habe ihm gesagt, nein, das seien seine Werkzeuge und er werde wieder schnitzen! Sobald er ein wenig mehr Kraft habe, werde er es versuchen. Notfalls nur mit einer Hand. Trotz seiner schwierigen Lage fand er viele lobende Worte für uns und was wir in Kamerun für die Kinder tun. Er hat nicht vergessen, dass wir ihm gesagt haben, wir haben keine eigenen Kinder, unsere Kinder leben in Kamerun. Das hat ihm anscheinend Eindruck gemacht. Es gäbe so viele Leute, die nur in die Kirche gehen und grosse Reden hielten, wie gut sie wären. Man solle Gott leben und wir würden genau das richtige tun. Edwin hat seinen Lebensmut wieder gefunden. Mit einer kleinen Spende hoffen wir, ihm ein wenig über die momentan schwierige Lage hinweg zu helfen und einen Teil der Medikamente finanzieren zu können.

Der Tag war noch lang und wir entschieden, noch ein paar Sachen zusammen zu packen und ins Waisenhaus Good Shepherd Kwadi Batibo zu fahren. Dort angekommen waren wir kaum aus dem Auto gestiegen, kamen alle Kinder angerannt, schrien „Ashia“ und umarmten uns. Es wuselte nur so um uns herum und alle 40 Kinder umringten uns. Sogleich formierten sie sich im Wohnraum und sangen für uns Lieder. Es war einmal mehr ein extrem rührender Moment. Wir alle drei mussten unsere Tränen der Rührung zurückhalten. Sie sangen davon, dass sie die Regeln respektieren, dass sie zueinander schauen und füreinander sorgen, dass sie Gott versprechen, gut zu sein, dass sie erfolgreich werden möchten und dass sie in Gottes Namen geboren sind. Und einmal mehr den Song, dass Gott sie so, wie sie sind, gewollt hat und sie kein Unfall sind. Dass sie geliebt werden und dies weitergeben wollen. Obwohl wir den Song schon beim letzten Besuch gehört hatten, ging er direkt ins Herz und wir spürten, wie sehr diese Kinder unsere Hilfe benötigen. Und ihre Lieder sind nicht nur gesungen, sie leben dies auch. Alle schauen füreinander. Ein neues Kind wird in die Gemeinschaft aufgenommen und begrüsst. Einige dieser Kinder sind teils behindert. Ihre Eltern haben sie einfach abgegeben... Sie bedankten sich etliche Male dafür, dass wir sie nicht vernachlässigen. Dass wir sie schon zum zweiten Mal besuchen, ihnen so viele schöne Geschenke gebracht hätten (Schulsäcke, Kleider und das Fahrrad) und auch an den mitgebrachten Fotos hatten sie riesige Freude. Vor allem Schwester Mary Ruth, die erst 22 Jahre alt ist, füllt dieses Haus mit Liebe und Fürsorge. Sie strahlt so viel Lebensmut und Emotionen aus und jedes Mal, wenn wir sie sehen, wissen wir, dass es die Kinder hier besonders gut haben. Sie ist wahrlich eine ganz spezielle Frau. Dieser Platz wird bestimmt von uns wieder besucht werden.



    

Alle Kinder des Waisenhaus Batibo singen für uns. Die Freude über unseren Besuch ist Schwester Mary Ruth ins Gesicht geschrieben. Bei der Spendenübergabe fürs Waisenhaus fliessen Freudentränen.


Voller vieler Eindrücke fuhren wir vom Heim weg Richtung Gregorys Farm. Seine Frau Angeline hatte angerufen, dass sie Hilfe benötigt. Trotz dem, dass sie die ganze Woche im Spital arbeitet (oft auch Nachtschicht), arbeitet sie in den freien Stunden noch auf dem Feld. Sie hatte etliche Säcke voller Maniok geerntet (gemeinsam mit einem Burschen), und diese schweren Säcke luden wir nun auf die Ladefläche und brachten sie zu Gregorys Schwägerin Victorine. Victorine ist behindert, sie hat keine Beine. Trotz dieser Behinderung führt sie einen kleinen Lebensmittel-Laden und schaut während der Zeit, wo Angeline arbeitet, zu deren geistig behindertem Sohn Jude. Obwohl in diesem Haushalt ziemlich viel Schicksal aufeinander trifft, sind alle immer fröhlich und hadern nicht.

An diesem Abend hatte der 65 000 Einwohner grosse Ort Bali-Nyonga einmal mehr keinen Strom. Wir stellten fest, dass Kakerlaken auch bei Kerzenlicht gefunden werden, wenn sie eine bestimmte Grösse überschreiten (5 cm)... bei halber Dunkelheit erledigten wir die eiskalte Dusche und legten uns danach bald schlafen.

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