© 2007 by www.brainstormers.ch

Kamerun Reisebericht Cameroon

Douala – Edea – Douala – Nkongsamba – Dschang – Bamenda – Bali Nyonga (415 km)


27.2.2011

Um 6 Uhr morgens bereits ging die Reise weiter. Wir besuchen Schwester Candida in Edea. Sie war in den vergangenen Monaten von Bali transferiert worden. Wie es hier so üblich ist, müssen kompetente Nonnen ihren Arbeitsplatz alle paar Jahre wechseln. Wir fanden es sehr schade, dass sie nicht mehr in Bali ist, weil sie uns sehr viel geholfen und viel für uns getan hat. So fuhren wir in die Sonntagmorgen-Messe und warteten, bis diese nach 3 oder fast 4 Stunden fertig war. Sie freute sich riesig über unseren Besuch und zeigte uns so ziemlich als erstes „unsere neue Unterkunft“. Wir hatten nicht geplant, länger zu bleiben. Doch da sie so enttäuscht war, dass wir nur kurz hallo sagen wollten, versprachen wir, am Ende der Reise nochmals vorbei zu kommen, da Edea vom Flughafen nicht weit entfernt ist. Sie offerierten uns ein feines Frühstück und wir überreichten nebst kleinen Mitbringsels eine Kerze aus Einsiedeln mit der schwarzen Madonna, was immer grosse Begeisterung auslöst.

Auf der Strecke Douala – Edea sahen wir unzählige riesige Lastwagen mit Tropenhölzern. Unglaublich grosse Baumstämme wurden Richtung Douala transportiert. Auf solch einem Lastwagen hatten jeweils etwa 4 oder 5 Baumstämme Platz. Ein Lastwagen folgte dem anderen und in die entgegengesetzte Richtung fuhren die Lastwagen ohne Ladung, um neues Material zu holen. Wir mussten uns damit auseinandersetzen, dass in dieser Region der Regenwald den grossen Maschinen zum Opfer fällt, damit in Europa die Menschen auf schönen Böden gehen können... Wie ich einmal gehört habe, wird das Holz vor allem durch französische Firmen exportiert.



    

Das kostbare Tropenholz wird abgeholzt. Es schmerzt, zu sehen, wie im Minutentakt der Urwald mit seinen jahrealten Bäumen auf einer Sammelstelle sein Zwischenlager findet... Wer kann diesen Wahnsinn stoppen?


Auf der Hinfahrt hatten wir ein lautes Zischen am Auto wahrgenommen. Zuerst konnten wir es nicht orten. Doch als plötzlich die Scheiben anliefen und auf der Fahrerseite etwas heraus spritzte, hielten wir umgehend an. Wir öffneten die Motorhaube und suchten das Problem. Es schien so, als ob etwas mit der Kühlflüssigkeit nicht korrekt war. Es hatte schon fast kein Wasser mehr drin. Nach einer Weile öffneten wir vorsichtig den Deckel des Behälters. Es zischte und dämpfte aus der Öffnung. Im Innenraum des Autos spritzte es ebenfalls heraus. Ziemlich ratlos füllten wir erst einmal möglichst viel von unserem Trinkwasser hinein, was wir noch bei uns hatten. Bis zum nächsten grösseren Ort musste es klappen. So fuhren wir zurück nach Douala, um das Problem in der Garage zu lösen. Während der Fahrt mussten wir ein paar Mal anhalten und aus Flüssen weiteres Wasser holen, um aufzufüllen. Währenddessen füllte sich der Boden auf der Fahrerseite je länger je mehr mit Wasser... Glücklicherweise erreichten wir trotz allem Douala. Noch mehr Glück war, dass trotz Sonntag der Mechaniker in seinem kleinen Schuppen war und nach einem kurzen Blick ins Auto schon wusste, was zu tun war. Während wir eine kühle Erfrischung zu uns nahmen, reparierte er im Handumdrehen das Auto. Wir waren froh, dass dies hier passierte und nicht irgendwo mitten im Busch.

Danach mussten wir umgehend Richtung Bali-Nyonga starten. Es war schon nach 12 Uhr mittags und wir wollten möglichst vor Dunkelheit dort ankommen. Auf der Fahrt Richtung Norden hielten wir nur ein paar Mal ganz kurz, um uns mit gebratenem Mais, Karotten oder frischen Ananas bei Kräften zu halten.

In der Nähe von Dschang sahen wir bei der Vorbeifahrt eine lichterloh brennende Hütte. Die arme Familie verlor ihr ganzes Hab und Gut innert Sekunden. Die Kinder waren aus dem Haus gestürmt, noch ohne Kleider. Das ganze Dorf war in Aufregung und niemand konnte etwas dagegen tun. Feuerwehr gibt es hier nicht und noch viel weniger eine Feuerversicherung. Es tat uns so leid für die Familie.



  

Hausbrand in Kamerun: meist ein nicht löschbares Ende eines ganzen Zuhauses. Transport von und zu der Farm.


Gegen 19 Uhr erreichten wir unser Tagesziel Bali-Nyonga. Home sweet home. Wir bezogen das Gästehaus und fuhren danach umgehend zum Konvent. Die Schwestern erwarteten und schon ungeduldig und das Abendessen war schon auf dem Tisch. Freudig begrüssten sie uns und stellten uns den neu hinzugekommenen Schwestern vor. Mit der neuen Leiterin, Schwester Veronica, hatte ich schon ein paar Mal per E-Mail Kontakt gehabt. Sie freute sich, uns kennen zu lernen. Es gab Omeletten für mich, Fleisch für die Männer, dazu Kartoffeln und Tomatensauce und eine Art Russischer Salat. Zum Dessert wurde Papaya aufgetischt, die wir von unterwegs mitgebracht hatten. Wir genossen das Essen in vollen Zügen. Auch die Leiterin der Schule war anwesend. Obwohl schon alle längst gegessen hatten, leisteten sie uns Gesellschaft. Wir hatten es wie immer gemütlich in der Runde und quatschten über Gott und die Welt. Und die Frage: „wie geht es den Eltern, wie geht es zu Hause“ durfte natürlich dabei nicht fehlen.

Der Strom fiel einmal mehr aus, anscheinend war es die letzten paar Tage schon so gewesen. So assen wir bei Kerzenlicht fertig und verabschiedeten uns danach bald einmal. Das Feierabendbier fiel kurz aus, wir waren müde von der Reise. Vor dem Schlafen gehen stand noch eine eiskalte Dusche an. Da mussten wir durch. Und das alles bei Kerzenlicht. Mit der Taschenlampe wühlten wir unsere Koffer durch, die grösstenteils voller Spendengüter sind und dazwischen ein paar Kleidungsstücke haben. So machten wir keine grossen Sprünge mehr sondern legten uns bald schlafen. In der Hoffnung, dass während der Nacht der Strom zurückkehrt, steckten wir noch unsere Handys an. Dann noch ein, zwei Käferchen vom Bettlaken entfernen und so schliefen wir bald ein. In der Nacht erwachte ich, weil mir etwas über die Handfläche kroch. Glücklicherweise war es nur eines dieser kleinen schwarzen Viecher gewesen und keine Spinne…


<< zurück nach oben

>> auf der nächsten Seite weiterlesen