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Kamerun Reisebericht Cameroon

Mayo Darle – Mayo Boutaly – Mayo Darle (schätzungsweise 14 km)


3.4.2010

Nach dem Frühstück im Konvent überreichten wir Sr. Priscilla von der Schule Banyo erneut Spendengelder für Ihre Schule. Sie war völlig überrascht über die grosse Spende. Allenfalls wird sie es einsetzen für die Errichtung eines neuen Schulgebäudes. Sie wird uns bestimmt auf dem Laufenden halten, wie sie es wunderbar für die letzte Spende gemacht hat. Als Dankeschön von Ihrer Seite hatte sie uns schon etwas vorbereitet. So überreichte sie Felix und mir je ein wunderschönes hellblaues traditionelles Gewand. Wir waren ebenso überrascht und zogen die Kleider gleich an, welche uns wunderbar passen. Wir freuten uns sehr über diese nette Geste und das grosszügige Geschenk.

Der Herr Doktor kam voller Stolz mit seinen neuen Fussballschuhen. Sie passen ihm perfekt. So ging er hochmotiviert ins Training. Wir starteten einen Tagesausflug in Richtung Norden. Kurz nach Verlassen des Spitalgeländes waren einige Männer an einer Kuhschlachtung beschäftigt. Für Ostern soll alles parat sein. Mitten auf der Wiese zerteilten sie die Fleischstücke, der Kopf der Kuh lag noch nebenan. In der Region Mayo Darle leben grösstenteils Moslems in ihrer traditionellen Lebensweise. Sie haben kleine Hütten mit Strohdächern und darum herum geflochtene Bastmatten. Viele sprechen weder Französisch noch Englisch, also keine der beiden offiziellen Amts-Landessprachen. Mit ein paar Wortfetzen in Fulbe konnten wir uns mit ihnen verständigen. Die meisten haben ein paar Ziegen, Schafe oder Kühe und schlagen sich als Selbstversorger durch.

Frauen und Kinder gingen zu Fuss zu den Flüssen, um sich oder ihre Kleider zu waschen. Die Männer lagen im Schatten oder warteten an den Busstationen auf den Bus, der vermutlich höchstens 1x täglich vorbei kommt. Einige lagen auf dem trockenen Boden, andere sassen auf Schaffellen. Trotz enormer Hitze trugen die meisten Jacken und lange Pullover. Auf der Piste hatte es fast keine Motorfahrzeuge. So schmunzelten wir über die vereinzelt vorkommenden Strassenschilder, die mitteilen, dass hier Überholverbot ist. Ein paar ungesicherte Holzbrücken führten über die meist fast ausgetrockneten Flüsse. Die Landschaft besteht aus vielen Bäumen, keine Bananenbäume oder andere Früchte wachsen auf diesem hohen und trockenen Plateau. In den Bäumen hingen überall Bienenkörbe und fast jedes Örtchen hatte am Strassenrand ein paar Flaschen Honig zu verkaufen. Über die steileren Hänge ist die Piste geteert, damit die schweren Lastwagen passieren können.

In Mayo Boutaly machten wir halt, um ein paar Bekannte zu besuchen. Die Mutter einer Nonne im Spital Bali wohnt hier. Wir brachten ihr Geschenke ihrer Tochter mit. Auch sie wohnen nur in ein paar Hütten mit Strohdächern, haben ein paar Ziegen, Kühe oder Hühner. Sie freuten sich über Besuch. Als Geschenk für uns fingen sie ein Huhn und übergaben es uns. Dem Huhn passte dies nicht wirklich, es wollte entwischen. Schlussendlich musste es trotzdem in den Karton und auf die Ladefläche des Autos. Obwohl die Menschen kaum etwas haben, verschenken sie etwas. Wir konnten es fast nicht ablehnen. So fuhren wir mit dem Huhn wieder zurück Richtung Mayo Darle. Auf dem Weg hüpfte es trotz verbundenen Füssen aus dem Karton auf die Strasse. Wir verschenkten das Huhn später dem Spital. Wir baten, es nicht zu schlachten, sondern lieber die Eier zu behalten und uns damit weitere Rühreier zum Frühstück zuzubereiten ;-) Das Huhn war von der Fahrt ziemlich eingeschüchtert, hat sich aber im neuen Zuhause schnell eingelebt.

Die zahlreichen Regen-Barierren auf dem Weg sind Zeugen, dass es hier in der Regenzeit sehr viel Wasser haben muss, welches dann vermutlich unkontrolliert die Flüsse überflutet. Im wenigen Wasser der Flüsse wuschen Frauen und Kinder ihre Kleider oder Töpfe.

Gegen Mittag waren wir zurück in Mayo Darle. Wir gingen ins Spital, um dem Personal unsere Hilfsgüter zu zeigen und zu erklären. Alle kamen und freuten sich. Das Staunen über den Inhalt der Kisten nahm kein Ende. Decken, Schlafsäcke, Spitalbetten, Verbände, Antibiotika, Beinschienen, Nadeln, Erste-Hilfe-Sets, Ordner, Kugelschreiber, Bettpfannen, Tragbarren, Stützen, Regenschütze, Moskitonetze, Kleider, Blutduckmessgeräte, Fusballdress und Fussbälle, Feuerzeuge, Ärztekoffer, Milchpulver, Tücher, Wassersäcke, Steriles Wasser und unzählige weitere Güter durften wir von unseren Spendern verschenken. Wir knipsten etliche Fotos für Zuhause. Nach alledem sang und betete das gesamte Spitalpersonal für uns, wünschte uns und unseren Angehörigen sowie Helfern und Spendern alles Gute und bedankte sich von ganzem Herzen für die wundervollen Hilfsgüter. Wir werden diese Wünsche und Grüsse sehr gerne weitergeben.

Chefin Sr. Cynthia bat uns danach privat in ihr Büro. Sie teilte uns mit, dass ihr die Worte fehlen, um uns für alles Danke zu sagen. Sie wurde von ihrer Vorgängerin Sr. Evelyne darüber informiert, was Ashia seit 2006 für Mayo Darle und Kamerun im Allgemeinen getan hat. Sie werden für uns eine extra Messe halten, an unserer Rückreise speziell für uns beten und sie würden uns allgemein immer in ihre Gebete schliessen. Wir freuten uns sehr über diese lieben Worte und Gesten.

Danach gingen wir zur Chefin der Schule, Sr. Scolastica. Ihr zeigten wir alles, was in den diversen Kartons für die Schule auf dem Lastwagen angekommen war. Unter anderem weitere Schultische und Stühle für die Kinder, Schulsäcke, Stifte, Hefte, Ordner, Etuis, Puzzles, Papier, Mappen, Schlüsselanhänger, Trinkflaschen, Fussbälle, zwei Fahrräder und Werkzeug. Sr. Scolastica erzählt, dass seit der letzten Trinkflaschenspende die Kids immer schon von Zuhause mit gefüllten Wasserflaschen in die Schule kommen, die Flaschen dort in die Rucksäcke verstauen können und somit den ganzen Tag zugang zu frischem Wasser haben. Als weitere Hilfe kann sie Wassersäcke mit je 20 Liter Wasser in den Schulzimmern aufhängen. Mit den Werkzeugen (Spaten, Hacken und Schaufeln) unterrichtet sie die Kinder zum Thema Gärtnerei und Anbau. Eine einfache auf Papier gedruckte Weltkarte entlockte Freudensprünge. Es ist nicht möglich, so etwas in Kamerun für den Unterricht zu kaufen, teilte sie mir mit. Die Karte werden sie einrahmen und mit Plastik abdecken, damit sie lange schön bleibt. So werden ganz einfache Dinge von Zuhause hier zu richtig wichtigen Dingen.

Vor unserem Zimmer warteten bereits die Eltern der Zwillinge Assana und Ousseni auf uns. Sie hatten von unserer Abreise gehört und wollten uns Geschenke überreichen. Die Mutter schenkte mir eine Halskette mit passenden Ohrringen, welche wunderschön aussehen und worüber ich mich sehr freute. Danach fuhren wir ins Dorf, um uns im Restaurant ein kühles Getränk zu genehmigen. Wie immer waren im Nu diverse Kids um uns versammelt. Wir teilten unsere von Zuhause mitgebrachten Guetzli unter allen auf.

Nach dem Abendessen im Konvent überreichten wir der Schule und dem Spital Mayo Darle erneut eine grosse Spende. Die vier Schwestern waren sprachlos über soviel Hilfe für ihre Arbeit. Wir wissen, dass sie wirklich viel Gutes leisten und vertrauen ihnen vollkommen. Ihre Geschichten über die Hilfe dank Ashia berühren uns immer wieder und wir wissen, dass wir hier einen richtigen Platz zur Hilfe gefunden haben. Wir hoffen, dass mit der Spende der Operationsraum bald fertiggestellt werden kann und darin operiert werden kann. Voller Freude haben die Schwestern uns im Gegenzug genähte Kleider und ein Bild für unser neues Zuhause in der Schweiz geschenkt. Wir zogen es gleich an und freuten uns einmal mehr riesig über diese schönen Geschenke. Einmal mehr wurden wir beschenkt, obwohl sie selbst fast nichts besitzen.

Danach zogen wir uns früh ins Zimmer zurück, um für die Abreise am anderen Tag fit zu sein. Leider ging es Silvia an diesem Abend gar nicht gut. Die Verdauung spielte schon den ganzen Tag verrückt und wir kamen alle sehr spät ins Bett, weil wir uns um sie sorgten und sie den Abend fast nur auf der Toilette verbringen konnte. Die Schwestern holten Medikamente und gemeinsam päppelten wir Silvia wieder möglichst auf, bis wir uns danach alle schlafen legten.


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