Bali Nyonga Bamenda Bossa Bali Nyonga (58 km)
30.3.2010
Als erstes fuhren wir am Morgen mit einer Ladung Brillen zum Optiker nach Bamenda. Rund 400 Brillen und Etuis hatten wir für Jean Kingo parat, die wir ihm mit Freude überbringen konnten. Er war gerade an der Arbeit und empfing uns überrascht. Wie immer war er enttäuscht, dass wir ihm nicht gesagt hatten, dass wir kommen. Doch da wir nicht wollen, dass er oder andere sich in Unkosten stürzen und für uns Unmengen Essen vorbereiten, kommen wir meistens überall spontan zu besuch. So kann auch nichts für uns arrangiert werden, sondern wir treffen die Leute genauso an, wie sie im Alltag sind und leben.
Nach diesem Besuch fuhren wir zur Prescraft in Bamenda, um die PCs für Ruedi abzugeben. Leider trafen wir Ruedi nicht an, weil er noch in den Ferien weilt, doch wir werden ihn später noch auffinden können. Wir hoffen, unsere 8 Computer werden Ruedi und seinem Team helfen, die Arbeit der Prescraft zu erleichtern. Für unsere Zuhause gebliebenen kauften wir am gleichen Ort schöne Souvenirs, die in Prescraft hergestellt werden.
Auf dem Markt in Bamenda machten wir halt und verteilten ein paar Schürzen und Taschen für die Frauen, die tagtäglich an ihren Marktständen stehen und Gemüse und Früchte verkaufen. Die Reaktionen waren unterschiedlich. Von ziemlich gelangweilt über riesig erfreut. Nicht alle Frauen hatten einen guten Tag, was wir verstehen können. Die Sonne brannte vom Himmel, jeden Tag wird hier am Marktstand verkauft und vermutlich sieht jeder Tag ziemlich gleich aus und der Alltag hier muss wirklich hart sein.
Die weitere Fahrt führte uns zum Bäcker. Felix‘ Mutter hatte mit Entsetzen auf den Fotos der Weihnachtsreise die Arbeiter gesehen, die mit Stofffetzen von einem Stück alter Jeans das Brot aus dem heissen Backofen nehmen müssen. Sie hatte ihnen je ein paar Handschuhe gekauft, die wir hier verschenken durften. Eine Handvoll Arbeiter war anwesend, der Brotteig wurde soeben in den riesigen Backofen geschoben (Bild oben rechts). Es war extrem heiss und das Feuer am Ofen machte die ganze Umgebung noch unerträglicher. Sie freuten sich über die Handschuhe und über Feuerzeuge, die wir hier verschenken durften.
Nach einem kühlen Getränk fuhren wir ins Waisenhaus Garden of Education and Healing in Bamenda. Endlich lernten wir Sr. Anna persönlich kennen. Wir waren nun zum vierten Mal hier und der Zufall hatte es gewollt, dass sie leider jedes Mal vorher ausser Haus gewesen war. Nur einmal hatten wir sie ganz kurz auf dem Markt kennen gelernt. Dafür kannten wir Sr. Joana umso besser. Sie freuten sich über unseren Besuch und artig kamen alle Kinder, um uns die Hand zu schütteln und uns zu begrüssen. Wir plauderten über die bisher gebrachten Hilfsgüter und über die gespendeten Gelder. Mit dem letzten Geld hatten sie für zwei Kinder Schulgeld bezahlen können. Wir staunten, weil anscheinend das Geld für die Sekundarschule unglaublich hoch sein muss. Für normale Verhältnisse fast schon unbezahlbar. Schulgeld, Bücher, Einschreibgebühren sowie weiteres Material sind unerschwinglich hoch. Es gibt immer ein „Loch“ zu stopfen. Medikamente für die Kinder, Schulgeld, Geld für Seife, um die Wäsche zu waschen und und und… mit so vielen Kindern im Heim und ums Heim herum (für welche sie an vielen Orten auch finanziell aufkommen) reicht das Geld meistens nirgendwo hin.
Danach fuhren wir zurück zum Markt. Wir kauften ein paar Früchte und Gemüse und fuhren damit nochmals in Waisenhaus Bossa bei Bali-Nyonga. Ein platter Reifen verzögerte unsere Fahrt. Doch glücklicherweise geschah es kurz vor Bali-Nyonga, so dass wir den Reifen gleich dort wechseln und deponieren konnten. Wir hoffen, dass er bis morgen repariert werden kann. Nach dieser unfreiwilligen Pause kamen wir somit am späteren Nachmittag im Waisenhaus an. Alle Kids waren anwesend; auch die Grösseren, weil hier Osterferien sind. Sie begrüssten uns, halfen ausladen und wir machten einen Rundgang im Gebäude, was wir beim letzten Besuch in der Eile und anbrechender Dunkelheit nicht mehr geschafft hatten. Ebenfalls hinterliessen wir eine Spende von Ashia, womit das Waisenhaus weitere Dringlichkeiten kaufen kann. Der anwesende Pfarrer und die 80-jährige Mama Grace bedankten sich freudig. Danach traten wir die Rückfahrt an.
Pünktlich um 19 Uhr waren wir im Konvent, wo wir zum Abendessen eingeladen waren. Es gab herrlich feine Spaghetti mit einer Art Sauce Bolognese und Salat mit Eier und Tomaten. Wir schlugen kräftig zu. Zum ersten Mal gab es keinerlei Resten, obwohl die Schwestern es immer extrem gut mit uns meinen und riesige Schüsseln voll kochen lassen. Weil es so gut schmeckte, fragten wir extra nach, wer heute gekocht hatte. So kam Jolanda aus der Küche: ein junges Mädchen, welche täglich kocht, wascht und überall mithilft.
Die vielen Fahrten den ganzen Tag hatten uns einmal mehr müde gemacht, so zogen wir uns bald zurück ins Zimmer. Nur noch ein kleines Getränk im Restaurant bei Doris, ein paar Musikstücke auf dem Akkordeon und danach ab unter die Dusche, um den Schmutz des Tages abzuwaschen. Übrigens hoffen und beten hier alle täglich um Regen. Das Land und die Luft sind zu trocken. An vielen Orten ist das Wasser täglich knapper und wenn nicht bald Regen fällt, gibt es wirklich ein Problem. Die Regenzeit steht fast schon vor der Türe und kann inzwischen jeden Tag kommen. Von uns aus kann es noch ein paar Tage dauern, bis unser Lastwagen im Norden und wieder zurück ist. Die Fahrt soll für den Laster gut verlaufen. Der Fahrer und der Laster sind bestellt und die weiteren Tage sind geplant.