Bali Nyonga Bamenda Bali Nyonga (38 km)
28.3.2010
An diesem Palmsonntag war ein Gang zur Kirche angesagt. Wir zogen saubere Kleider an und frühstückten im Konvent. Danach hatten wir noch ein wenig Zeit übrig, bevor die Kirche startete. Wir entschieden, den Patienten im Spital Bali-Nyonga einen Besuch abzustatten. Mit jeweils einer Tasche als Geschenk versuchten wir sie ein wenig aufzuheitern und ihnen gute Besserung zu wünschen. Danach spazierten wir zur Kirche neben dem Spital. Schon von überall her waren die Katholiken an diesem speziellen Sonntag gekommen. Alle trugen Palmzweige mit sich und ein Pfarrer überreichte uns gleich nach der Ankunft unsere Zweige. Damit gingen wir hinter die Kirche in die Nähe des Friedhofes, wo bereits viele Menschen versammelt waren und Lieder sangen. Wir warteten gemeinsam, bis der Pfarrer mit den Ministranten dazu kam. Rund 20 Minuten kamen sie dazu, hielten Gebete ab und begannen die Messe im Freien. Nach diesem Akt im Freien strömte die Menschenmenge ins Innere der riesigen Kirche. Jeder wollte sich einen Platz ergattern. Obwohl die Bänke viel breiter als in der Schweiz sind, es viel mehr Bänke in einer Reihe hat und die Kirche allgemein viel grösser als bei uns üblich ist, reichte der Platz nicht aus. Auch wir hatten zuerst keinen Platz und standen ganz zuhinterst an. Da wir als Weisse einmal mehr auffielen und es uns alle bequem machen wollten, konnten wir nicht auf die mehrmals angebotenen und uns hingestellten Stühle verzichten. Schlussendlich waren wir darüber richtig froh, denn die Messe dauerte einiges länger als wir gewohnt waren. Nach allen Gebeten, Liedern, mehreren Taufen von Erwachsenen und dem Einzugs des Opfers verliessen wir nach rund 3 Stunden die Kirche. Mit uns gingen noch einige Menschen nach draussen und nach Hause, ein grosser Teil blieb weiterhin drin und führte die Messe fort.
Da wir noch zu Arbeiten hatten, gingen wir Richtung Container. Es waren jedoch noch viel zu viele Kinder auf dem Weg nach Hause und wir entschieden, noch ein wenig zu warten. Nach rund einer halben Stunde bepackten wir unser Auto mit einer Ladung Güter für ins Waisenhaus. Ein Kinderbett, Moskitonetze, Kinderkleider, Spielzeug, Schreibblocks, Taschen, Ordner, Luftballons und vieles mehr packten wir auf die Ladefläche. Damit starteten wir Richtung Bamenda ins Waisenhaus Good Shepherd, wo wir Sr. Jane seit den letzten 4 Reisen besuchen und unterstützen. Sie freute sich riesig, uns bereits wieder zu sehen. Sogleich luden wir alle Güter ab und erklärten deren Funktionsweise. Alle Kinder wuselten um uns herum und halfen beim Abladen. Als Dank für die vielen Güter sangen alle gemeinsam für uns. Vom Kleinsten bis zu den Grossen, mit einer Trommel begleitet, tönte es zu uns hin.
Danach wollte uns Sr. Jane unbedingt etwas zeigen. Wir gingen mit ihr in ein Zimmer, wo hinter einem Vorhang zwei winzig kleine Babies in einem Bett lagen. Diese zwei wären vor zwei Wochen als Frühgeburten im etwa 8. Monat zur Welt gekommen. Die Mutter sei bei der Geburt gestorben. Beide seien so winzig gewesen (und waren es noch immer...) dass das Spital sie zuerst im Inkubator hatte aufpäppeln wollen. Sie hätten jedoch dafür kein Geld gehabt und jemand hätte zur Pflege der Zwillinge zwei Monate im Spital bleiben müssen. Sie entschieden, die Zwillinge selber durchzubringen. Mit einer von uns gespendeten Wärmeflasche von der letzten Hilfsgüterspende hatten sie beide gewärmt, ihnen warme Kleider angezogen und Tag und Nacht für sie geschaut. Nun seien beide über den Berg. So zeigte sie uns, wie wichtig all unsere Güter sind und wiederholte es auch mehrmals, wie nützlich alles sei und wie dankbar sie dafür ist. Wir freuten uns sehr, dass diese Wärmeflasche zwei kleine Kinder gerettet hat.
Einige der Kinder trugen unsere geschenkten T-Shirts und Pullover und beim Rundgang durch das ganz neue Gebäude, wo die Kinder nun drin wohnen dürfen (gespendet durch eine andere grosse Hilfsorganisation) sahen wir in allen Bettchen unsere Plüschtiere und Spielsachen. Stolz zeigten die Kinder ihre neuen Betten. In diesen Betten schlafen jeweils ein grösseres und ein kleineres Waisenkind. Das Grössere schaut für das Kleine, wenn es in der Nacht mal raus muss oder sonst etwas braucht. Wir konnten es kaum glauben, als wir in einem Bettchen ein Plüsch-Schaf sahen. Das Schaf hatte Silvia, unserer Begleitperson, gehört. Sie hatte es natürlich sofort erkannt. Was für ein Zufall! Trotz über 1600 Schachteln, die wir mittlerweile schon an diverse Plätze verteilt haben, fand das Schaf seine ehemalige Besitzerin wieder…
In einem weiteren Haus sind die Kleinsten untergebracht. Zurzeit sind es etwa 11 Kinder, die vermutlich etwa 6 bis 12 Monate alt sind. Wir staunten, als wie alle in einer Reihe auf Stühlchen sitzen sahen. In der Schweiz wären so kleine Babies vermutlich schon längst herunter gefallen. Diese Kleinen schienen sich gewohnt zu seine, auf den Stühlchen zu sitzen. Es war gerade Fütterungszeit. Drei grosse Schüsseln Reis mit Sauce wurden gebracht und die Kleinen wurden gefüttert. Fast schon im Akkord belieferten drei Frauen nach und nach alle hungrigen Mäulchen.
Als weiteren Dank tanzten uns die grösseren Teenager noch ein einstudiertes Lied ein. Wir entschieden, hier erneut eine grosse Spende zu übergeben. Das Haus ist wirklich ein Haus der Wärme und die Kinder haben es gut hier. Sr. Jane ist so eine herzliche Person, dass man ihr einfach helfen muss. Als sie und ihre jüngere Kollegin die Geldspende erhielten, waren sie sprachlos vor Freude. Völlig orientierungslos liefen sie im Raum herum, suchten den Stempel, um die Spendenquittung zu unterschreiben und wiederholten immer wieder ungläubig den Betrag der Spende. Sie freuten sich wirklich enorm und konnten gar nicht mehr aufhören zu strahlen. Sie bedankten sich etliche Male. Nach allgemeiner Umarmung und Verabschiedung starteten wir zurück zum Container in Bali.
Wir hatten uns vorgenommen, die PCs und Monitore auszuräumen und zu sortieren. Dadurch, dass wir immer möglichst Platzsparend beladen, hatten wir diese in verschiedenen Schachteln. Wir holten die passenden Schachtelnummern aus dem Container und stellten komplette Computer-Sets zusammen. Tastatur, Maus, Kabel, Rechner und Bildschirm in jeweils eine separate Kiste. Zuerst legten wir alles auf dem Boden in Reih und Glied aus und stellten es frisch zusammen. Wir mussten uns beeilen, denn die Dunkelheit brach langsam an und es geht jeweils sehr schnell, bis es richtig dunkel ist.
Innert kurzer Zeit hatten wir erneut viele Helfer, was zwar die Sache nicht immer unbedingt einfacher machte, doch schlussendlich doch irgendwie zu klappen schien. Wir hatten 20 Sets beisammen und Gregory und Eric fuhren damit in sein Internet-Kaffee in der Dorfmitte. Dort wollen wir gemeinsam mit Eric ein Informatik-Center für Kids erstellen. Die Kids sollen kostenlosen Zugang zu den Computern und Unterricht erhalten. Im Gegenzug kann Eric die Computer für ins Internet benutzen und damit Geld in sein Internetkaffee bringen.
6 weitere PCs fuhren wir in eine Sekundarschule, ein wenig abgelegen von Bali-Nyonga. Dort haben wir abgemacht, am nächsten Tag die aufgestellten Computer zu besichtigen. Die Schule hat 350 Kinder und zurzeit nur 2 Computer, die funktionieren. Im Computerraum standen diverse alte Maschinen herum, teils geöffnet, teils uralt (z.B. den ersten Macintosh, den es überhaupt gegeben hatte) oder sonst kaputte Geräte.
Die restlichen Sets mussten wir in aller Eile wieder in den Container zurück packen, weil es viel zu schnell dunkel geworden war. Wir beeilten uns, alles korrekt zurück zu packen. Zum Glück hatte es inzwischen doch schon ein wenig Luft im Container, um sauber einzufüllen, damit man es später nur noch ausladen kann.
Danach erhielten unsere 12 fleissigen Helfer als Dank ein neues weisses Hemd und einen Wassersack. Sie stürzten sich richtig darauf und wie immer waren im Nu etliche weitere Menschen um uns herum, die auch etwas wollten. Es wurde kurz hektisch und ich brachte unsere Rucksäcke und Fotoapparat in Sicherheit. In der Dunkelheit könnte schnell etwas abhandenkommen. Gregory sagte allen Herumstehenden, sie sollen sich ruhig und ordentlich in Reih und Glied auf die Mauer setzen, dann würden sie alle etwas erhalten. Die nachfolgende Schreibblock-Verteilung lief in äusserster Ruhe ab. Als wir den Container für diesen Tag endgültig abschlossen, sahen wir einmal mehr nur glückliche Gesichter um uns herum. Die Kids hielten freudig ihre neuen Schreibblocks in die Höhe, wir knipsten Erinnerungsfotos und alle bedankten sich bei uns. Wir bedankten uns im Gegenzug bei den fleissigen Helfern.
Es war spät geworden und erst um 19.30 Uhr konnten wir zurück im Konvent das Abendessen geniessen. Wir waren richtig hungrig geworden. Zur Feier des schönen Tages spendeten wir auch hier erneut für die kath. Schule und das Spital einen grossen Betrag. Die zwei zuständigen Schwestern bedankten sich bei uns und erzählten uns, was sie mit der letzten Spende gekauft hatten. Die Lehrerin erzählte von neuen Instrumenten und Fussball-Dress. Die Leiterin des Spitals hatte uns das Röntgengerät schon gezeigt, für welches sie einen Anteil unserer Spenden eingesetzt hatte.
So ging ein weiterer Tag zu Ende. Wir fuhren zurück zum Compound, freuten uns, dass Strom und Wasser zurück gekommen war und legten uns danach bald schlafen.