Foumban Bali Nyonga (170 km)
09.04.2009
Vor unserer Weiterfahrt besuchten wir den Bronze-Künstler in der Stadt, welcher uns über Nacht eine weitere aus Bronze gegossene Spinne fertig poliert hatten. Wir hatten diese im Winter bei ihm bestellt. Inzwischen kennt er uns und weiss, dass er keine Whiteman-Preise erhalten kann, sondern normale faire Preise. Nach dem Regen waren über Nacht aus den diversen Pfützen hunderte bis tausende fliegende Termiten in der Luft. Wir waren froh, im Auto zu sitzen, sonst wären sie uns bestimmt in alle Ritzen geflogen... Danach schauten wir in der Schule Petit Louh vorbei, um uns zu erkundigen, ob alle Spenden korrekt angekommen waren und mit ihnen in die Kisten zu schauen. Tineke und Louh waren gerade mit dem Frühstück fertig und sie zeigten uns die Schachteln und wir schossen Erinnerungsfotos für unsere Spender. Die vielen Schulsäcke werden bei Schuljahresende den besten Schülern als Motivationsgeschenk überreicht. Neue Wandtafeln, Bücher für die Bibliothek, Spielzeug, Musikinstrumente, Ordner und Mappen werden der Schule bei ihrer weiteren Arbeit helfen.

Shirts aus der Schweiz erfreuen die zwei Hotelbesitzer. Hotel Zenith in Foumban: sauber, günstig und empfehlenswert!

Schulsäcke für die Schulkinder von Petit Louh in Foumban. Die mitgebrachten Wandtafeln haben Einzug in der Schule. Schulbücher und Atlanten für die Bibliothek der Schule.
Trotz dem starken Regenfall bei der Weiterfahrt hatten wir wie immer beste Laune unterwegs, lernten weiterhin fleissig Mungaka und lernten Gregory Schweizer Lieder, damit er auf den Besuch in der Schweiz vorbereitet ist ;-)
In Bafoussam suchten wir erneut ein Internet-Kaffee, ohne Erfolg. Auch in dieser Stadt war das ganze Internet ausgefallen, wieder keine News für unsere Zuhause gebliebenen... Also fuhren wir gleich weiter in Richtung Bali. Das Wetter besserte sich und schon bald brannte die Sonne wieder vom Himmel. Ein mit Gitarre umherlaufender und sich für berühmt haltender Mann war nur eines der diversen Bilder, die man während einer langen Fahrt aufschnappt. Überall gibt es uns ungewohnte (mittlerweile nicht mehr so fremde) Dinge zu sehen. Auf den Märkten herrscht Grossbetrieb. Überladene Autos voll Bananen, die den Hang nicht mehr hochkommen. Enten, die mitten im Kreisel sitzen. Uralte Autos, die ziemlich planlos auf der breiten Strasse herumfahren. Diverse zu passierende Bodenschwellen, all paar Meter eine weitere. Handeln und Verhandeln auf der Strasse. Was in der Schweiz in Häusern stattfindet, sieht man hier am Strassenrand. Auch Dinge, die man lieber gar nicht sehen will, wie private Sitzungen (man muss dringend Mal) mitten auf der Strasse. Motorrad-Reparatur und Transport, bis zu 7 Personen in einen PW gedrängt mit diversem Gepäck auf und im Auto.

Blick auf Bamenda. Bamenda ist mit etwa 450 000 Einwohnern die 4. grösste Stadt Kameruns.
Schon bald erreichten wir die Grosstadt Bamenda, und dank dem vorherigen Regenwetter hatten wir eine prächtige Aussicht vom Hügel. In Bamenda fanden wir nach weiterer Suche im zweiten Internetkaffee endlich das ersehnte Netz, um ein paar News nach Hause schicken zu können und deren Neugierde mit diversen aktuellen Fotos stillen zu können. Ein Besuch im Internet ist auch allgemein ziemlich spannend, denn die Tische sind eng gedrängt beieinander, etliche sehr alte Computer werden verwendet und alles ist ziemlich staubig und schmutzig. Viele Computer haben Fehlermeldungen oder Abstürze und wenn man sein mitgebrachtes Laptop anschliesst, warnt der Virenschutz gleich schon mal von Trojanern, die im Netz herum schwirren und angreifen wollen. Steckdosen sind nicht immer in Betrieb und Stühle wackeln manchmal ziemlich bedenklich. Beim Warten auf die gewählte Website bleibt immer genug Zeit, um sich etwas umzuschauen und ein paar Eindrücke aufzuschnappen. Wie soll man dem Jugendlichen nebenan mitteilen, dass er lieber die Finger davon lassen will und sich nicht beim Internet-Verkauf mit seinen gesamten persönlichen Personalien anmelden soll? Was in der Schweiz ziemlich eindeutig unter Spam geht, wird hier als gutes Angebot angenommen. Dafür können wir uns eine Scheibe an Geduld abschneiden, die hier herrscht, wenn z.B. mühsam mit Adlersystem eine 10 Sätze lange Mitteilung an Freunde verloren geht, weil der Computer gerade abgestürzt ist. Was mir diverse Flüche entlocken würde, wird gelassen hingenommen. Man steht auf und geht nach Hause, Pech gehabt, keine grosse Verärgerung. Es bleibt genug Zeit, die Nachricht einen anderen Tag nochmals abzutippen...

Schuhverteilung bei Feh’s und Nachbarschaft.
Die Dankes-Worte der Nachbars-Kinder für die neuen Schuhe rührten uns: «Ich habe Mami schon so lange gefragt, ob ich ein paar Schuhe für die Schule haben kann. Sie hat mir immer gesagt, dass es nicht geht, weil wir kein Geld dafür haben...»
Gegen Nachmittag erreichten wir wieder unser «Basislager» Bali und die Nachbarschaft von Gregory inklusive Kind und Kegel durfte sich über neue Schuhe freuen. Neu ist zwar nicht ganz wahr, denn es waren gebrauchte Schuhe aus der Schweiz. Doch hier ist man es gewohnt, getragene Schuhe zu erhalten. Es gibt ausser den schlechten China-Produkten keine neuen Schuhe im Angebot. Alle freuten sich riesig und fanden in der grossen Auswahl das passende Schuhpaar. Weg mit den alten unpassenden Flipflops, rein in die neuen Turn- oder Halbschuhe. Der Fuss wird es ebenfalls zu danken wissen. Und die Kinder werden am nächsten Tag voller Stolz zur Schule gehen können. Die Worte der Kinder berührten uns, als sie sich bei uns bedankten und erzählten, dass sie sich schon so lange Schuhe gewünscht hätten, doch dass die Eltern sich keine Schuhe leisten konnten.
Nach einem feinen Abendessen mit Reis, Fisch und Gemüse in Gregorys Familie liessen wir für die ganze Nachbarschaft noch zwei Wunschlaternen steigen, welche einmal mehr für Freudenschreie und grosse Verwunderung sorgten. Wir fuhren kurz in die Dorfmitte, um den Schlüssel fürs Gästehaus zu holen. Schon begrüssten uns diverse altbekannte Gesichter und freuten sich, dass wir wieder wohlbehalten zurück aus dem Norden sind. In der Tat fühlen wir uns hier schon ein wenig zu Hause. Das Feierabendbier liessen wir für einmal aus und legten uns früh schlafen.