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Kamerun Reisebericht Cameroon

Mayo Darle – Foumban (174 km)


08.04.2009

Am Morgen schauten wir uns nochmals in aller Ruhe auf dem Gelände um. Der Pfarrer zeigte uns erneut die Kirche, welche eine dringende Renovation benötigt. Die Kirche soll geschlossen werden können sowie einige Fenster wären nötig. Sie hoffen auf Hilfe aus der Schweiz und gaben uns ein Schreiben mit, in welchem sie um Hilfe beten. Im Spital war erneut der junge Bursche zur Konsultation, wessen Handfläche einen Umlauf hatte. Sein Verband wurde gerade gewechselt und dem Gesicht konnte man entnehmen, dass es höllisch schmerzte. Als er uns sah kam trotz allem ein Lächeln in sein Gesicht. Die Schwestern hatten beschlossen, ihn im Spital zu lassen, weil die weite Anreise jedes Mal eine Qual für ihn war und er fast kein Mofataxi fand, dass ihn hinbringen könnte. Wir bezahlten die ganze Behandlung und hoffen auf baldige Genesung.

Danach besuchten wir zu Fuss ein paar hundert Meter weiter einen Schreiner. Er ist der Bruder einer Angestellten im Spital und fertigt jeweils alle Schreinerarbeiten für die Schwestern an. Wir durften ihm einen nagelneuen grossen Hobel sowie ein kleineres Holzbearbeitungswerkzeug schenken. Sogleich probierte er die neuen Werkzeuge aus und wir staunten über seine Geschicklichkeit, welche nun durch Schweizer Präzisionswerkzeuge perfektioniert wird. Er strahlte übers ganze Gesicht. Als Gegenleistung wird er für die Schwestern die von uns mitgebrachten Wandtafeln an die Schulzimmerwände montieren. Seine Schwester war gleich um die Ecke am Backen. Sie hatte etliche Leckereien gebacken, welche unseren Berlinern oder Apfelküchlein ähnlich sehen. Ihre Kinder verkaufen diese Backwaren nachher auf dem Markt. Draussen im Freien war die Küche, wo das ganze zubereitet wurde. Zum Frühstück hatten wir davon gegessen und es schmeckte wirklich gut. Danach mussten wir uns schon bald wieder verabschieden und die Rückreise Richtung Foumban in Angriff nehmen. Alle Schwestern und Angestellten bedankten sich etliche Male für die grosszügige Hilfe aus der Schweiz und freuen sich schon wieder auf unseren nächsten Besuch. Natürlich konnten wir nicht ohne ein grosses «Fresspäckli» in Form von Kuchen und gerösteten Erdnüssen abfahren, die sie uns für unterwegs mitgaben.


  

Der Schreiner mit seinem neuen Hobel. Links alt, rechts neu... Blick hinters Haus, wo die Schwester des Schreiners unter freiem Himmel am Kochen und Backen ist.



Das Wetter war heiss, die Sonne brannte vom Himmel. Während der Fahrt stieg die Temperatur im Auto bis 46 Grad an. Die Fenster mussten wir wegen dem Staub meistens ehr geschlossen halten. Wir genossen über dem Adamaoua Plateau eine wunderbare Aussicht, welche wir bis jetzt im Dezember/Januar noch nie sehen konnten. Kilometerweit verlassene Landschaft mit grünen Bäumen und menschenleere. Früher waren in dieser Region etliche Überfälle gemeldet worden, weil die Gegend so einsam ist. Mittlerweile hat sich dies glücklicherweise geändert. Wir fuhren erneut an den hunderten oder gar tausenden Mangobäumen entlang, die die Strasse säumten. Überall priesen uns Kinder oder Frauen ihre Früchte teils zu Spottpreisen an. Gregory nutzte die Gelegenheit und kaufte sich während der Fahrt nach und nach eine ganze Schachtel von verschiedenen, denn in seiner Region gibt es keine Mangos. Ein paar Kinder rannten davon, als wir ihre Mangos abkaufen wollten. Sie liessen die ganzen Schüsseln stehen und hielten erst nach genügend Abstand von uns wieder an. Wir schafften es nicht, mit ihnen ins Geschäft zu kommen. Die Gegend ist so einsam, dass kaum jemand Fremdes mit dem Auto vorbeikommt, und wahrscheinlich noch weniger Weisse.


  

Viechereien. Blick auf die Kirche von Mayo Darle. Abschied von Sr. Evelyn und «ihren» Kindern in Mayo Darle.



Nach ein paar Stunden fahrt kamen wir «unserer» Schule Kongui näher. Wir hatten dem Dorfchef ausrichten lassen, dass wir an diesem Vormittag kommen würden. Wir fanden ihn zwei Orte weiter in einem Restaurant und er startete sogleich mit seinem Mofa los, um in seinem Dorf den Besuch anzukündigen. Wir fuhren ihm nach und fanden beim Dorfplatz fast die ganze Einwohnerschaft versammelt. Sie hatten ihre Arbeit auf dem Feld wegen unseres Besuches nicht aufgenommen und sassen unter dem grossen Baum im Schatten. Für uns waren extra Stühle und ein Tisch parat gestellt und alle Spenden waren um den Tisch gebracht worden. Somit konnten wir nach einer gegenseitigen Begrüssung alle Schachteln gemeinsam öffnen. Der Dorfchef ist der einzige, der Englisch spricht. Er übersetzte wie gewohnt Satz für Satz, was wir ihnen erklärten und jeder vom Dorf konnte hören, um was es geht. Auch die Frauen waren dazu geholt worden, was uns sehr freute. Hinter einem Zaun versteckt guckte eine Frau hervor und wir winkten ihr, so dass sie sich dann doch auch traute, zur Gruppe zu kommen. Alle Kinder sassen still und ordentlich beieinander und lauschten gespannt. Wir durften Rucksäcke, Trinkflaschen, Kleider, Plüschtiere, Schuhe, Spiegel, Wandtafeln und Portemonnaies für das ganze Dorf überreichen. Die Freude war riesig, alle bedankten sich für die Hilfe aus der Schweiz und schüttelten die Hände. Die Kinder sangen lautstark Lieder und wir staunten, wie diszipliniert diese Menge an Kinder gemeinsam sang und für unsere etlichen Erinnerungsfotos zusammenstand. Wir freuten uns genauso und auch darüber, dass die neu gebaute Schule nun erneut weiter wachsen und mit einem neuen Lehrer noch besser werden kann. Der von uns gedrehte Film darüber wird nebst unseren Erlebnissen eine bleibende Erinnerung sein.


  

Blick vom Adamaoua-Plateau in Richtung Kongui. Verteilung unterwegs. Verteilung in Kongui: wir sitzen unter dem grossen Baum, versammelt ist das ganze Dorf, und verteilen unsere Hilfsgüter.



  

Trinkflaschen und Rucksäcke. Die Kinder schauen voller Neugier, mit was sie beschenkt werden. Plüschtiere fürs ganze Dorf.


  

Schuhe fürs Dorf. Instruktionen für die Kinder. Djenabou, unser Kalenderkind vom September 2009.




Gruppenbild mit dem versammelten Dorf Kongui und unseren Hilfsgütern.



  

Djenabou’s Mama und ich posieren für die Kamera. Unser Versammlungsplätchzen in der Dorfmitte. Höchst-Temperaturen unterwegs.



   

Älterer Bewohner aus Kongui. An der Strasse von Kongui. Kinderarbeit und Hungerbäuche sind Zeugen von hartem Leben!



Auf der weiteren Fahrt sahen wir überall in den Feldern und im Gebüsch Kinder und Erwachsene arbeiten. Die Früchte wollen geerntet werden oder für die Regenzeit gepflanzt werden. Kleinste Kinder kamen mit Geschwistern und Eltern am Weg entlang und trugen schwerste Lasten von Maniok oder Brennholz. Wir hielten bei drei Frauen mit ihren Kindern an und Gregory fragte sie, ob sie uns je eine frisch geernete Mango schenken würden. Sogleich kam das Mädchen an und überreichte uns ohne nach Geld zu fragen je ein Stück.

Natürlich hatten wir von Anfang an vor gehabt, ihnen etwas zu schenken. Sie waren auf dem Feld des Pfarrers an der Arbeit, erzählten sie uns nachher. Der Pfarrer hatte gesagt, das Gute werde bestimmt kommen, sie sollen nicht verzagen. Nun hätten sie uns nur drei Mangos gebracht und von uns neue Schuhe, Shirts und Armstulpen erhalten. Sie tanzten vor Freude und ihre Gesichter sprachen Bände. So hatten wir auf dem Rückweg an etlichen Orten einige fleissige Menschen glücklich machen können.


  

Vor Freude tanzten diese Kinder, als sie neue Kleider und Schuhe erhielten.




Wir fuhren an einer Beerdigung von Moslems vorbei, welche ihren Verstorbenen in einem Bambus-Sarg aufgebahrt hatten. Der Verstorbene wird nach der Zeremonie wieder aus dem Sarg genommen und unter der Erde begraben.

Die Zeit verging mit all diesen Erlebnissen im Flug und schon bald waren wir in Foumban angekommen. Wir suchten uns ein Hotel für die Nacht. Im Hotel Zenith waren wir gut und günstig aufgehoben, auch wenn wir ein Bett hatten, wessen Matratze in der Mitte eine ziemliche Biegung aufwies und uns während der Nacht die ganze Zeit das Gefühl gab, an einem Berg zu schlafen... Zum Abendessen fuhren wir in ein bereits bekanntes Lokal, um uns ein feines Spaghetti-Omelett zu gönnen. Ein paar mitgebrachte Pommes Chips rundeten den Abend ab, bei welchem uns noch der Bruder des Sultans Gesellschaft leistete. Er staunte über die Chips, welche er noch nie zuvor gesehen hatte und bettelte uns die leere Chipsdose ab. Nicht zum ersten Mal wurde uns bewusst, dass alles nochmals diverse Male für irgendetwas verwendet werden kann. Der Besuch im Internet war von kurzer Freude, denn nur nach ein paar Minuten war in der ganzen Stadt der Satellit ausgefallen und ich trottete enttäuscht mit dem Laptop wieder davon, ohne den Zuhause gebliebenen eine Nachricht schicken zu können. Der Vollmond schien vom Himmel und die aufsteigenden schwarzen Wolken kündeten den Wetterwechsel an, welcher kurz nach Zubettgehen ununterbrochen Regenfall bis am anderen Mittag brachte. Wir waren einfach nur froh, dass wir die schlechte Piste hinter uns hatten und der Regenfall bei der Weiterfahrt auf Teerpiste nicht wirklich schlimm für uns werden würde.

  

Typische Piste in Kamerun: rot, staubig und trocken... Trinkflaschen-Verteilung. Mofa transportiert Mofa und Passagier :-)



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