Bali Nyonga Bamenda Foumban Mayo Darle (340 km)
06.04.2009
Früh am Morgen beluden wir unseren grossen Pickup mit Hilfsgütern, die wir auf der Strecke Bali Nyonga Mayo Darle verteilen wollten. Der Lastwagen hatte das Gelände bereits verlassen. Da er nicht so schnell wie wir fahren konnte, genossen wir noch ein Frühstück und stärkten uns für die weite Reise. Noch nie zuvor hatten wir diese Strecke in nur einem Tag gefahren und wir waren uns bewusst, dass es lange dauern und dunkel sein wird, bis wir in Mayo Darle ankommen würden. Nebst vielen Plüschtieren, Kinderkleidern und weiteren Hilfsgütern packten wir auch zwei Wandtafeln für «unsere» kleine Schule in Kongui mit auf die Ladefläche. Ein Plastik über die ganze Ladung schützte vor Wind und Wetter.

Unsere vielen tollen «Maskottchen» begleiten uns überall hin... Freude über eine ergatterte leere Kartonschachtel. Wir machen Einkauf auf dem Markt.
Kurz nach Bali Nyonga überholten wir auf einem Mofa 3 Personen mit unseren leeren Kartons, es sah amüsant aus. Auf einem Markt unterwegs kauften wir viel Gemüse und Früchte für die Schwestern im Norden, die an solche Leckereien sehr selten oder nur teuer bezahlt kommen können. Die Marktfrauen zeigten sich uns gegenüber zuerst sehr energisch. Jede wollte ihre Artikel verkaufen und schon gar keine wollte fotografiert werden, obwohl alles wunderbar angeordnet angepriesen wurde. Irgendwie lockerte sich der Einkauf dann doch noch, als wir uns mit ihnen zu unterhalten begannen und schlussendlich wollten sie mich gleich behalten, um mit ihnen am Stand Früchte und Gemüse zu verkaufen. Zur allgemeinen Belustigung halfen sie mir, eine grosse Schüssel mit Kabis auf den Kopf zu hieven und für uns ein Erinnerungsfoto zu machen. Und plötzlich wollte jede fotografiert werden... Es kommt uns dann manchmal so vor, als ob der tägliche Überlebenskampf auf dem Markt weitergeht. Jede will die Stärkste sein, nur die/der Stärkste überlebt hier. So sind die Menschen manchmal eher forsch und eindringlich, wenn sie Weisse auf dem Markt sehen. Bis sie merken, dass wir eigentlich doch nicht dem Bild entsprechen, welches sie sich vielleicht vorher gedacht hatten. Und so merken wir dann auch eine Art Rassismus, wie es vielleicht Schwarze in Europa zu spüren bekommen. Man ist anders und wird anders behandelt. Ein Weisser hat hier auf dem Markt ziemliches Handicap. Wir kennen die Preise nicht und es werden plötzlich horrende Summen verlangt. So lassen wir die Finger von Einkäufen und Gregory erledigt es für uns diplomatisch und vor allem viel günstiger. Zwei kleine Burschen kamen mit schweren Kartoffelsäcken auf den Markt. Zwei Moslems ritten mit ihren Pferden daher. Bis auf die hinterletzte Ecke beladen und gänzlich überbeladene Autos fuhren auf den Strassen. Manchmal sieht man wirklich kaum noch das Auto vor lauter Ladegut. Man kann nur hoffen, dass das Dach der Belastung standhält. Auch auf Mofa-Gepäckträgern können gut meterbreite Körbe transportiert werden, so dass ein Mofa mit der Ladung dann sogar noch breiter als ein Auto wird. Auf dem Bus wurden lebende (und ziemlich laut kreischende) Schweine transportiert.

Auf dem Markt gibt es ein farbenfrohes frisches Angebot. Die schwersten Lasten werden von den Kleinsten schon mühelos getragen, wärend mir ein paar Kabisköpfe schon bald zu schwer sind...
Dank des Wetters (es hatte zuvor stellenweise geregnet) hatten wir zum ersten Mal eine wunderbare Sicht, wie man sie im Dezember/Januar sonst niemals haben kann. Wir sahen Berge und Hügel, die uns völlig neu waren. Sonst ist die ganze Luft von Staub (Harmatan) verhangen. Wir schossen etliche schöne Fotos mit Landschaften. Gegen 13 Uhr hatten wir Foumban errecht und somit das Ende der geteerten Strasse. Die weitere Fahrt war Piste. Einmal mehr konnten wir uns darüber erfreuen, dass die Piste in viel besserem Zustand war als wir sie zuvor in Erinnerung hatten und so verlief die weitere Fahrt problemlos. Leuchtend roter Sand, Palmen und unzählige Hüttchen mit Wellblechdach oder Strohdach zierten die Strasse. Überall liefen Menschen auf den Pisten und es war extrem heiss. Ein paar Zebuherden kamen und mit ihren Hirten entgegen. Manche Dörfchen wirkten fast wie ausgestorben, weil die Einwohner alle auf dem Feld arbeiten waren. Jetzt ist Erntezeit. An den Mangobäumen und Avocado-Bäumen hängen hunderte reifer Früchte und wir konnten es nicht unterlassen, ein paar einzukaufen, welche meistens Jungs oder Frauen am Strassenrand verkaufen.

Tolle Landschaftsbilder erfreuen unsere Augen. Quitschende lebende Schweine auf dem Autodach ziehen unsere Blicke auf sich.
Drei kleine Jungs hatten an der Strasse ein Holzhäuschen zum Spielen gebastelt. Wir hielten an und unterhielten uns mit ihnen und schossen ein paar Erinnerungsfotos. Einmal mehr waren wir über deren Kleider entsetzt, welche schmutzig und zerfetzt waren. Gott sei Dank haben wir so viele Spender in der Schweiz, welche uns geholfen haben, Kinderkleider zu sammeln. So konnte spontan geholfen werden.
Gegen den späteren Nachmittag erreichten wir Kongui, wo die kleine Schule steht, welche wir während der ersten Reise gefunden hatten und welche wir jedes Mal ein wenig unterstützen. Wir hielten an und packten unsere Ladung aus. Leider war der Dorfchef mit den meisten Einwohnern auch an der Feldarbeit, so halfen uns ein paar wenige anwesende Männer beim Auspacken und wir brachten es in sein Büro, um bei der Retourfahrt zur Verteilung ansetzen zu können. Bis jetzt hat also noch niemand genau gesehen, was wir gebracht haben. Uns war dies gerade recht, denn wir standen ziemlich unter Zeitnot, um noch vor Dunkelheit am Ziel anzukommen. Wie immer hatten wir viel Zeit vertrödelt mit ständigem Anhalten, da ein Schwätzchen, da etwas Anschauen...

Kamerun, wie wir es lieben... Häuser auf dem Land.
Kurz nach der Weiterfahrt kam uns der von uns geschickte Lastwagen wieder auf dem Retourweg entgegen. Wir freuten uns riesig, dass alles einwandfrei geklappt hatte. Auch die Fahrer (sie waren zu dritt auf die Reise gegangen) schienen froh zu sein. Sie seien mindestens 20 Mal an den etlichen Kontrollstellen angehalten und kontrolliert worden, erzählten sie uns. Glücklicherweise hatten wir alle Papiere für sie kopiert und da wir einige Stunden nach ihnen dieselben Posten ebenfalls passierten, mussten wir nichts mehr zeigen. Die Polizisten wussten Bescheid, nickten wissend mit dem Kopf und winkten uns vorbei. Die Chauffeure hatten noch nie zuvor eine solche Strecke gefahren und waren wohl ein wenig besorgt, ob sie es schaffen würden. Manchmal kommt uns dies dann fremd vor, weil wir schon einige Male hier waren und weite Distanzen hinter uns haben. Die Leute von hier, wenn sie auch ausnahmsweise mobil sind, kommen fast nirgendwo hin und kennen ihr eigenes Land sozusagen nicht. Wir tranken noch gemeinsam eine Erfrischung im Dorf, wo der Kalenderjunge April 2009 zu Hause ist. Natürlich waren er und sein Vater auch bald bei uns und begrüssten uns. Der Vater war in schlechtem Zustand und litt an Malaria. Er schwitzte enorm und sass müde neben uns. Trotz allem muss er aufs Feld und arbeiten. Anscheinend ist er Fischer, was für uns gerade passend war. Wir denken, mit der Fischrute aus Schweizer Spenden konnten wir ihn seine Malaria ein wenig vergessen lassen und er ist in der Lage noch mehr Fische für seine Familie und für den Verkauf fangen zu können. Bei der Instruktion half uns ein Dorfbewohner, der Englisch sprechen konnte und die Übersetzung übernahm. Die drei Lastwagenchauffeure bekamen zur gleichen Zeit ein Cutting Grass (Buschfleisch), um die knurrenden Mägen zu beruhigen. Bald schon traten sie die weitere Fahrt an, denn einer der Fahrer war Lehrer und wollte am Tag darauf wieder in der Schule unterrichten.
Kinder unterwegs. Die Fischrute erfreut die Männer riesig.
Die Fahrt brachte uns weiter über sandige rote Pisten, durch Palmen und weiteren hohen Bäumen sowie vorbei an ärmlichen Hütten. Ziemlich in der Nähe von Mayo Darle schossen wir erneut Fotos von einer kleinen Ansammlung Strohhüttchen. Sofort kamen einige Moslems zu uns und wir unterhielten uns mit ihnen. Wir vernahmen, dass hier ein traditioneller Doktor seine Arbeit vollzieht. Alle Anwesenden waren krank. Wir verteilten ein paar Spenden aus der Schweiz. Die Kinder hatten die traditionellen Narben auf den Wangen, damit man sie unterscheiden und den Stämmen zuordnen kann.

Eine handvoll Moslems beim traditionellen Doktor. Die Gesichter der Mädchen und Frauen zeigen die typischen Narben, die ihnen als Baby geritzt werden und ihre Stammeszugehörigkeit symbolisieren.
Langsam wurde es immer dunkler und wir konnten in der Ferne einige kleinere Buschfeuer sehen. Ein paar Kilometer kamen aus dem Busch eine ältere Frau, ein junger Bursche und vier kleine Knaben. Die Kinder hatten wunderschöne grosse rote Blumen aus dem Busch mit dabei. Wir hielten an und bestaunten die Blumenpracht, die sie gefunden hatten. Während des Gespräches sahen wir plötzlich, dass der junge Bursche die Hand enorm geschwollen hatte und eine grosse eitrige Wunde in der Handfläche zu sehen war. Wir sprachen ihn darauf an und vernahmen, dass er eine Art Umlauf hatte und dies seit zwei Wochen immer schlimmer wurde. Zeitweise könne er nachts nicht schlafen vor Schmerz, doch er müsse trotzdem aufs Feld arbeiten gehen und könne sich weder ein Mofataxi ins Spital noch die Behandlung leisten. Die Wunde sah wirklich schlimm aus und wir gaben ihm den kleinen Betrag, den er fürs Taxi ins Spital benötigte. Wir teilten ihm mit, dass es wirklich dringend ist, dass er ins Spital geht, um die Wunde zu versorgen. Damit sie nicht noch weiter zu Fuss nach Hause gehen mussten, packten wir alle 6 hinten aufs Gepäck der Ladefläche und luden sie ein paar Kilometer weiter bei ihrem Wohnort wieder ab.

Eine Familie mit Kindern und wunderschönen Blumen kommt von der Feldarbeit zurück. Wir sehen die schlimme Wunde des Burschen und nehmen uns seiner Behandlung an.
Bereits war es ganz Dunkel geworden und wir waren froh, als wir gegen 19 Uhr endlich unser Tagesziel erreicht hatten. Die Schwestern hatten schon ungeduldig gewartet und begrüssten uns wie gewohnt überschwänglich und mit grosser Freude. Wir luden unser Gepäck ab und wurden mit einem feinen Nachtessen verwöhnt. Es gab Spaghetti, welch eine Freude. Vermutlich haben sie sich noch daran erinnert, wie sehr wir dies mögen. Nach dem Essen gingen wir sehr früh schlafen, weil die lange Fahrt und die Hitze uns müde gemacht hatte.