Bali Nyonga Njinikom Bali Nyonga (140 km)
05.04.2009
Dieser Tag war Palmsonntag, und früh am Morgen machten wir uns wieder auf dem Weg zum «Basislager» Container auf dem kath. Spitalgelände. Vor der Kirche warteten bereits diverse Kinder und Erwachsene auf den Beginn der Messe. Die Kinder hatten Palmblätter zur Segnung in ihren Händen. Als sie uns hinfahren sahen, sprangen sie bereits dem Auto hinterher und kamen mit aufs Gelände, was die Beladung unseres Autos nicht gerade vereinfachte. Alle waren wunderschön angezogen und hatten ihre schönsten Kleider hervorgeholt. Aus zehn wartenden Kindern werden schnell 50 und noch schneller 100, es schien kein Ende zu nehmen. Alle schauten neugierig, was wir tun und ob es vielleicht etwas für sie gibt. Wir entschieden, ihnen etwas zu geben und sie danach zur Kirche zurück zu schicken, damit wir in Ruhe beladen konnten. Das Verteilen wurde schwieriger als gedacht, es entstand ein riesiges Gedränge um den Container und jeder wollte der Vorderste sein. Wir brauchten viel Zeit, um sie ordentlich in eine Reihe zu bringen, so dass niemand verquetscht wurde und schlussendlich jeder etwas erhielt und nicht nur die Stärksten. Irgendwie schafften wir es dann doch noch, die Masse unter Kontrolle zu bekommen. Sie freuten sich riesig über die mitgebrachten Geschenke wie Plüschtiere oder Portemonnaies.

Ordentliches Anstehen vor dem Container am Palmsonntag vor einer unserer Verteilung. Wir beladen unser Fahrzeug für Njinikom. Neugierige Zuschauer um uns.
Danach beluden wir unser Auto und starteten in Richtung Njinikom. Diese Strecke waren wir vorher noch nie gefahren und es erwies sich als eine ganz neue Landschaft. Viele Hügel galt es hoch und wieder hinunter zu fahren. Schon bald sahen wir das Dorf von weitem, doch der Weg schlängelte sich weiter über alle Berge, bis wir da waren. Auf dem Weg passierten wir auch das Mbingo-Spital der Baptisten, welches sogar eine Flugpiste hat, damit Notfälle mit dem Flieger geholt werden können. Uns erschien es ziemlich skurril, mitten im Nichts über das Feld war eine Graspiste, derzeit gerade mit weidenden Kühen. Die Strasse war in sehr gutem geteertem Zustand, doch es war fast niemand ausser uns mit dem Auto unterwegs und die Landschaft ist auch eher wenig besiedelt.

Unterwegs nach Njinikom.
Schon nach ungefähr zwei Fahrstunden erreichten wir Njinikom. Die letzten paar Meter war die Strasse nicht mehr geteert. Und auch hier steht mitten in der Armut ein schönes und sauberes Spital, welches hauptsächlich mit Hilfe durch holländische Spendengelder aufgebaut werden konnte. Anscheinend bereits seit etwas mehr als 50 Jahren. Schwester Xaveria begrüsste uns freundlich und herzlich, wie es hier alle Schwestern tun. Sie ist die Leiterin des Ganzen. Von weitem schon kam der Vater der Zwillinge Assana und Ousseni gerannt, dessen Kinder hier dank Spendengelder von Ashia operiert werden konnten. Auch er fiel uns riesig erfreut sogleich um den Hals und wir kannten ihn so gar nicht. Als wir drei Monate vorher mit ihm und den Zwillingen bei der Arztkonsultation gewesen waren, sah man ihm die Angst einer OP seiner Kinder ins Gesicht geschrieben. Zwei Wochen vor unserem Besuch war die OP ausgeführt worden und wir konnten es gar nicht erwarten, die zwei Dreijährigen wieder zu sehen. So nahmen wir ein paar Geschenke für die Zwei mit uns und gingen hoch zum Krankenzimmer. Der erste Eindruck war fast ein wenig zu viel für uns. Überall wimmelte es von Kindern jeden Alters und teils auch noch Erwachsenen, die das gleiche Problem mit ihren Beinen hatten wie «unsere» Zwillinge. Einige wurden von ihren Angehörigen im Rollstuhl herumgefahren. Die ganzen Beine waren eingegipst und durch die Mitte war zur Fixierung eine Stange angebracht worden, damit die Fehlstellung nach der OP korrekt zusammen wachsen konnte. In den Krankenzimmern, die ungefähr die Grösse eines Krankenzimmers in der Schweiz haben, waren etwa 12 Betten aufgestellt. In den Betten lag manchmal auch mehr als nur ein Kind. Die Angehörigen pflegen hier ihre Patienten selber. So waren nebst Patienten auch noch jede Menge weiterer Personen in diesen Zimmern oder lagen ausserhalb der Zimmer schlafend am Boden. Mit grosser Freude sahen wir, dass es den Zwillingen gut geht und beide erinnerten sich noch von der letzten Reise an uns. Auf den dicken Gipsverbänden um ihre Beine hatten die Ärzte gute Besserungswünsche sowie deren Namen notiert. So sassen sie in ihren Bettchen und freuten sich über die Plüschtiere und das Spielzeug, das wir mitgebracht hatten. Wir fanden, dass hier ein guter Platz sei für weitere Aufmunterungsgeschenke und wir holten ein paar Kartonschachteln voller Plüschtiere, die wir sogleich an jedes Kind im Spital verschenken konnten. Alle freuten sich riesig über die Abwechslung von ihrem tristen Alltag im Spital. Wir schossen etliche Erinnerungsfotos. Im Spital bot ein Fotograf seinen Dienst an, er zeigte uns die Fotos der frisch operierten Zwillinge. So verkauft er den Angehörigen als Erinnerung seine Bilder. Auf einem grossen Poster konnten wir sehen, die die OP ausgeführt wird. Die Knochen werden freigelegt, gerade gestellt und mit Schrauben versehen. Die Schrauben bleiben nach der OP in den Beinen. Nach 8 Wochen Bettruhe dürfen die Patienten wieder aufstehen und weitere 8 Wochen müssen sie in der Physiotherapie neu gehen lernen. Dieser Besuch im Spital war wahrlich ganz besonders für uns alle und wir freuten uns riesig, diesen Kindern etwas bringen zu können.
Wir freuen uns riesig, Assana & Ousseni im Spital frisch operiert und auf dem Weg zur Genesung wieder zu sehen.

Im Spital wimmelt es von kleinen und grossen Patienten, die an ihren Beinen operiert wurden. Unsere Spenden bringen ein wenig Licht in den traurigen Alltag im Spital.
Nebst dem Spital führen die Schwestern auch noch ein Waisenhaus. Nach Möglichkeit wohnen die Kinder nur im Notfall bei ihnen und sobald jemand in der Umgebung gefunden wird, der für die Kinder schauen kann, werden sie auswärts gegeben. Dort werden sie jedoch weiterhin von den Schwestern betreut. Ohne dieses System wäre das Haus schon längst aus allen Nähten geplatzt. So waren einige Bébies und kleinere Kinder anwesend. Wir konnten etliche weitere Schachteln mit Spielzeug, Rucksäcken für die Schule, Kleider, Bällen, Spielzeugflieger, Puppen, Schuhe, Trinkflaschen, und und und... verteilen. Die Schwestern werden dies an ihre Pflegekinder verteilen. Sie bedankten sich mit grosser Freude für diese tolle Unterstützung aus der Schweiz, was wir sehr gerne mit im Gepäck nach Hause und unseren vielen Helfern weiterleiten werden. Nach einem kleinen Rundgang durch die Räumlichkeiten verabschiedeten wir uns und fuhren zurück Richtung Bali.

Ein guter Platz für viele Spenden aus der Schweiz. Ein tolles Gefühl, so viele schöne Artikel verschenken zu können. Unter anderem Spielzeug, Rucksäcke und über 60 paar Schuhe für die Kinder im Waisenhaus.
In Bamenda tranken wir eine Erfrischung und probierten eine weitere Köstlichkeit aus der Umgebung, welche sich Chrichi nennt. Dies ist getrocknetes und ganz fein geschnittenes Kuhfleisch, das bis über 1 Jahr so aufbewahrt werden kann. Wider erwarten schmeckte es sehr gut und würzig. Wir hatten zum Glück nicht gesehen, wie es zubereitet worden war ?
Kurz vor Bali sahen wir zwei Jungs am Strassenrand stehen. Einer davon trug einen Pullover und Armstulpen von uns, und in seiner Hand hielt er eine mit Schwanz gemessen ungefähr 80 cm lange tote Ratte. Ich dachte mir, Gregory macht Scherze, als er den Jungen rief, ihm die Ratte zu bringen. Und kaum hatte ich mir überlegen können, was hier abgeht, war die Ratte mit uns auf der weiteren Reise. Er legte sie aufs Armaturbrett und ich musste schauen, dass mir ihr Schwanz nicht ständig über die nackten Beine wedelte. Voller Stolz zeigte er uns die grossen Zähne oder die kräftigen Krallen. Seine Kinder würden sich riesig darüber freuen, sie lieben Rattenfleisch. Schlussendlich war ich nur noch froh, dass mir die Ratte nicht während der Fahrt noch mehr entgegen gekommen war... Die zwei Jungs, welche die Ratte gefangen hatten, packten wir mit auf die Ladefläche und nahmen sie mit zurück nach Hause.

Für heute stand Ratte auf dem Speiseplan...glücklicherweise nicht bei uns ;-) Mittlerweile kannten uns die Kinder um den Container und kamen schon von Weitem angerannt.
In Bali angekommen war die Beladung des grossen Lastwagens geplant. Wir suchten den Fahrer und lotsten ihn aufs Spitalgelände. Natürlich nicht, ohne erneut von Kindern begleitet zu werden. Wir nutzten die freien Minuten vor dem Beladen, um mit den Kindern zu spassen. Wie eine Traube hängen sie jeweils an uns und begleiten jeden Schritt. Dieses Mal klappte das Aufstellen in der Reihe einiges schneller und sie freuten sich über die kleinen Geschenke aus der Schweiz. Die Kinder sind wirklich arm. Einen Jungen haben wir seit wir hier sind schon jeden Tag mit denselben Kleidern gesehen. Bald waren auch einige Helfer gefunden, denn mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass eifrige Helfer jeweils ein paar Schuhe oder andere Kleinigkeiten mit nach Hause nehmen dürfen. Trotz guter Mannschaft brauchten wir fast zwei Stunden, bis der Lastwagen beladen war. Schnell wurde es dunkel und wir mussten im Innern des Containers mit der Taschenlampe nach den richtigen Schachteln für in den Norden suchen. Unter anderem luden wir auch einige Wandtafeln und Schulsäcke auf. Der Lastwagen wurde bis auf die hinterletzte Ecke beladen und schlussendlich darüber eine Plastikplane zum Schutz gespannt. Die Zuschauer blieben bis ganz am Schluss stehen und gingen erst nach Hause, als wir die Containertüre schlossen. Langsam sahen wir auch, dass es doch langsam weniger Kisten im Container wurden, was uns beruhigte. Unser Ziel, alles verteilen zu können in den zwei Wochen, könnte klappen. Man wird es sehen. Einmal mehr war ich erstaunt, wie begehrt selbst die leeren Kartonschachteln sind, wenn danach gebettelt wird.

Dieser grosse Lastwagen wurde mit Hilfsgütern für den Norden gefüllt. Fleissige Helfer waren sofort immer zur Stelle und packten mit uns an.
Das Abendessen erhielten wir im Spital von Bali, sie hatten für uns Omletten zubereitet. Wir hatten richtig Hunger und langten kräftig zu. Natürlich hiess es einmal mehr Feierabendbier in Bali, denn schliesslich brauchen wir eine Flüssigkeit, um unsere tägliche Malaria-Prophylaxe einzunehmen *smile*. Wie jedes Mal hatten wir es total gemütlich mit den Einheimischen, welche sich köstlich über unsere versuche, Bali (Mungaka) zu sprechen, amüsierten. Im Gegenzug versuchten wir ihnen nach einem vorangegangenen kleinen Jodelkurs ein paar Worte Schwiizerdütsch beizubringen, was zu einem guten Kulturmix wurde.
Etwas früher als üblicherweise legten wir uns schlafen, Für den nächsten Morgen hiess es früh aufstehen, Auto beladen und dem Lastwagen in Richtung Mayo Darle zu folgen. Der Lastwagen plante um 4 Uhr zu starten. Wir wollten um 6 Uhr das Auto beladen und baldmöglichst folgen, um etwa gleichzeitig dort sein zu können. Der Lastwagenfahrer hatte mittlerweile auch begriffen, dass wir hier kein Business betreiben, sondern dass dies wirklich Hilfsgüter sind, was er transportieren darf. Natürlich wollte er gleich Mitglied vom Team werden. Lange hatten wir gebraucht, für diese Fahrt einen fairen Preis zu bekommen. Wir übergaben ihm die Zollpapiere und hoffen, dass er somit keine Probleme bei der Fahrt hat. Nebst schwierigen Strassenverhältnissen soll dies nicht auch noch zu Verzögerungen führen.