Bali Nyonga
02.04.2009
Früh am Morgen nach einer guten Stärkung im Spital bei den Schwestern machten wir uns an die Arbeit im Container. Der erste Helfer war schon vor dem abgemachten Termin parat und wir stauten, wie viele Helfer nach und nach eintrudelten und voller Arbeitseifer mit anpackten. Zuerst hiess es, alle Schultaschen-Schachteln auszuräumen, die einzelnen Artikel auszusortieren und in separate Kartons zu stapeln. Jeder schnappte sich eine Kiste, sortierte, was das Zeug hielt und stellte die Kiste danach auf einen neuen Stapel. Wir hatten Glück und das Wetter spielte mit, denn mittlerweile war schon bald Regenzeit und während April kommt meistens nachmittags kräftiger Regenfall. So arbeiteten wir hart und schweisstreibend unter der brennenden Sonne mit ungefähr 15 Helfern aus Bali. Wir brachten 300 Schultaschen für die katholische Schule in separate Räume, um diese nach den Osterferien an die Kinder verteilen zu können. Die Helfer staunten nicht schlecht, was alles aus dem Container zum Vorschein kam. Wir sortierten die Güter nach Bestimmungsort. Rollstühle, Gehhilfen, Krücken, Desinfektionsmittel, Handschuhe und diverse weitere Verbrauchsmaterialien fanden endlich im Spital in Bali ihr Ziel. Um es in Ruhe auszusortieren, stapelten wir erst einmal alles separat aufeinander, damit die Schwestern es bei nächst bester Gelegenheit sichten und einsetzen können.

Mit vereinten Kräften sortieren wir unsere über 800 Schachteln aus dem Container. Gross und Klein packt gerne freiwillig mit an.
Natürlich gab es diverse Zuschauer, denn es war schon lange gemunkelt worden, was denn in diesem Container sei. Ob er voller Medikamente sei? Wem er gehöre? Nun kam nach und nach alles zum Vorschein. Die Zuschauer vertrösteten wir auf später, nach getaner Arbeit sollte jeder etwas erhalten. Zwei besonders fleissige kleine Mädchen halfen uns wie richtig starke Burschen und packten die grössten Schachteln auf den Kopf, wir staunten nicht schlecht. Dies alles während Stunden und ohne zu Murren, sondern mit riesiger Freude und grossen Schweissperlen im Gesicht. Die Kinder hier sind es gewohnt, mit anzupacken. Diese zwei Mädchen wohnen im Spital von Bali, weil ihre Eltern nicht in der Lage sind, für sie zu schauen. Vermutlich haben die Eltern Aids, doch über dies wird hier nicht so offensichtlich gesprochen und man verschweigt das Problem. Die Mädchen helfen unter anderem auch in der Küche mit. Als es zwischendurch eine Pause für die durstigen Arbeiter gab, erhielten beide zum ersten Mal in ihrem Leben ein Süssgetränk. Welch eine Freude! Uns war schnell klar, dass diese zwei eine besondere Belohnung verdient hatten.

Zwischendurch braucht es eine kleine Pause mit Erfrischungsgetränken. Schachteln, wohin das Auge blickt...
Nicht alle Helfer konnten ein so feines Frühstück wie wir geniessen und deshalb liess ihre Energie gegen Mittag nach, sie waren hungrig und wir gaben Ihnen Geld, um sich zu verköstigen und danach wieder zur Arbeit zu erscheinen. Ein paar Helfer blieben lieber bei uns und machten keine Pause. Man wollte keine Zeit verlieren, langsam zogen schwarze Wolken auf und es sah nach Regen aus. Wir beeilten uns. Die anderen Helfer kamen auch in kürzester Zeit wieder vom Essen zurück, sie wollten nichts verpassen und wenn Arbeit da ist, helfen sie gerne mit. So fuhren wir damit weiter, unsere Kisten provisorisch in die verschiedenen Gebiete, Schulen und Waisenhäuser einzuteilen und entsprechend wieder in andere Räume oder in den Container zurück zu stapeln. Wir stapelten so ein, dass wir in der Mitte einen langen Gang erhielten und so jederzeit Zugriff auf alle verschiedenen Artikel hatten. Gegen 15 Uhr war es geschafft. Wir hätten niemals gedacht, dass wir so schnell damit fertig würden, denn wir hatten zu Hause für diese Arbeit ungefähr zwei Tage eingeplant. Die Güter umfassen pro Container jeweils rund 50 Kubik. Wir waren glücklich. Die Regenwolken konnten kommen und liessen auch nicht mehr länger auf sich warten. Wenn es hier regnet, dann gleich in Strömen. Als die ersten Tropfen kamen, beeilten wir uns noch mehr, beluden gleich unser Auto und bedeckten die Schachteln fürs Waisenhaus Bossa mit einem Plastik. Alles Weitere war unter Dach und Fach gebracht worden.
Die Zuschauer liessen sich auch nicht vom strömenden Regen abhalten, denn endlich waren sie an der Reihe. Nachdem alle Helfer von den Hilfsgütern (neue Schuhe, Spielsachen für deren Kinder, Plüschtiere u.v.m.) beglückt worden waren, durften sie sich über ihre Geschenke freuen. Wegen des Regens verlief jedoch alles sehr chaotisch, wir beeilten uns, damit nicht alles tropfnass wurde und verteilten möglichst schnell die Güter, welche für die herumstehenden Leute reserviert worden waren. Wir denken, schlussendlich konnte jeder mit ein paar Geschenken heimkehren. Plüschtiere, Armstulpen, Kinderschuhe und diverse weitere Spenden aus der Schweiz erfreuten Gross und Klein. Wir schossen diverse Erinnerungsfotos und freuten uns, dass dieser Verteilungsakt trotz schwierigen Bedingungen (Wetter) noch einigermassen gut abgelaufen war. Nach der Verteilung waren wir alle klatschnass bis auf die Unterwäsche und der ganze Schweiss der getanen Arbeit war herunter gespült worden. Doch der Regen war warm, wir genossen die Dusche und liessen uns davon erfrischen. Helfer Edwin erhielt neue Schnitzwerkzeuge, damit er endlich wieder Schnitzen kann. Zu Hause haben wir einen wunderschönen geschnitzten Stuhl von ihm, doch leider hat er seine Arbeit aufgegeben und arbeitet nun im Feld. Seine Schnitzarbeit hatte er aufgegeben, nachdem ihm die Werkzeuge gestohlen worden waren. Er strahlte übers ganze Gesicht und versprach, seine Arbeit wieder aufzunehmen. All die hundert leeren Kartons waren schlussendlich sogar weggeräumt worden. Nicht etwa in den Abfall, wie wir es in der Schweiz tun würden. Nein, die Leute schlafen darauf... Die zwei kleinen fleissigen Mädchen erhielten beide je ein Fahrrad aus der Schweiz. Dies war Weihnachten und Ostern gleichzeitig, sie waren überglücklich und hatten sich dies redlich verdient.

Das fleissige Waisenmädchen Esther erhält ein neues Fahrrad, die Freude ist grenzenlos! Neugierige Zuschauer finden sich auf dem Gelände ein. Die Kinder dürfen sich über Geschenke aus der Schweiz freuen.

Unsere leeren Kartons fanden im Nu erfreute Abnehmer, die darauf schlafen werden... Geschafft: die erste Grob-Aussortierung ist geschafft. Die Helfer und wir freuen uns. Gross und Klein freuen sich über Diddl :-)
Zum Zvieri erhielten dann auch wir unser Mittagessen bei den Schwestern im Spital, nachdem wir uns nochmals bei allen Helfern bedankt hatten. Es gab Spaghetti, welch eine Freude. Wir hatten riesigen Hunger und langten kräftig zu. Danach hiess es umgehend weiter zu arbeiten, wir wollten noch ins Bali Waisenhaus Bossa fahren. Dieses Waisenhaus hatten wir vergangene Reise mit Spendengeldern unterstützen können. Geld, um in erster Linie mehr Ordnung ins Haus zu bringen. Mit gemischten Gefühlen fuhren wir zum Waisenhaus, ohne Anmeldung, dass wir kommen. So treffen wir am ehesten an, was an der Tagesordnung ist. Etwa eine halbe Stunde entfernt steht das Waisenhaus. Einige Kinder waren am Kleider waschen draussen auf dem Platz und kannten unser Auto schon. Die alte 81 jährige Amerikanerin entschuldigte sich als erstes, dass ihr Gedächtnis so schlecht war und sie nach 3 Monaten bereits nicht mehr wusste, wer wir sind. Doch die Kinder kannten uns noch und freuten sich über den Besuch. Ihr Helfer war in der Stadt, doch dessen Angestellter sowie eine weitere Frau waren dort. Wir packten alle Kartons vom Auto ins Haus, um zu zeigen, was wir ihnen aus der Schweiz mitbringen konnten. In den Kartons waren Kinderschuhe, Kleider, Spielsachen, Plüschtiere sowie Bettanzüge oder Kissen fürs Waisenhaus. Ungefähr 20 grosse Kartons konnten wir in Bossa abgeben. Die Helfer und die Kinder freuten sich riesig darüber. Eine Schwester aus dem Spital Bali war mit uns gekommen, weil sie noch nie dort gewesen war. So sah sie gleich auch, wo wir sonst noch unsere Spenden abgeben. Im Nu hatten wir diverse Kinder «am Rockzipfel», die uns hielten oder unsere Nähe suchten. Die Helfer liessen sich von uns alles Mitgebrachte erklären und zeigen und werden es später gerecht unter den Kindern aufteilen und auch schauen, dass sie nicht zuviel auf einmal zum Spielen erhalten. Grösste Entzückung löste das kleine Kinderdreiradvelo aus, von welchem sich die Kleinsten gar nicht mehr trennen wollten. Mit Freude sahen wir, dass unsere erwünschte Ordnung in den Zimmern bereits Früchte getragen hat. Die Helferin entschuldigte sich, es sei noch nicht alles so, wie es sein müsse. Doch wir sahen eine deutliche Besserung der Ordnungssituation. Die Schuhe waren ordentlich in Reihen gestellt, die Kleider schön über die Betten gehängt (das Waisenhaus hat keine Kleiderkästen oder andere Aufbewahrungsmöglichkeiten, dort sehen wir vermutlich einen nächsten Zuschuss an Spendengeldern). Nicht jedes Kind hat ein Bett, in manchen Zimmern werden abends die Matratzen auf dem Boden ausgelegt und so haben mehrere Kinder in einem Raum einen Schlafplatz. Als Abschluss durften wir im Namen von Ashia nochmals einen grosszügigen Betrag spenden. Nach diversen Erinnerungsfotos verabschiedeten wir uns in Bossa.

Im Waisenhaus von Bossa treffen wir wieder auf die vielen Waisenkinder. Die vielen Hilfsgüter finden ein neues Zuhause.
Zum Abendessen luden die Schwestern einmal mehr ein. Wir waren zwar noch gar nicht hungrig, doch sie hätten es uns sehr übel genommen, wenn wir nicht mit ihnen gespeist hätten. So sassen 5 Schwestern und wir drei am Tisch und schwelgten in Erinnerungen über den Tag, während wir das feine Essen genossen. Was wir unbedingt noch begutachten mussten war das Bild von Franz von Assisi, ihrem Ordensführer. Sr. Candida erklärte uns, dass sie dieses gemalte Bild eigentlich an das Haupttor hängen wollten, doch es sei noch nicht ganz perfekt fertig. Nun hängt es schön unter Dach bei den Spitalzimmern. So gingen wir es bestaunen und realisierten erst als wir davor standen, dass unter dem grossen Gemälde nicht weniger gross unsere beiden Namen geschrieben waren. Wir waren gerührt und sprachlos... Diese Namen hatten sie in der Zwischenzeit zwischen Winter und der jetzigen Reise angebracht. Wir bedankten uns herzlich für diese Ehre. Obwohl wir noch nicht wirklich grosse Hilfe geleistet haben, schien es hier wirklich am richtigen Platz anzukommen und eine grosse Wertschätzung kam uns entgegen. Des Weiteren erzählte sie uns, dass sie unter anderen mit unserem Spendengeld auch zwei Waisenkinder in die Schule schicken könne, deren Eltern gestorben seien. Am folgenden Tag wollte sie uns beide vorstellen.
Den restlichen Abend genossen wir in einer gemütlichen Runde in Doris Restaurant mit einigen Helfern. Alle freuten sich noch immer über ihre Geschenke, dass sie mithelfen durften und einige benötigten auch weitere Instruktionen, für was sie diese Geschenke genau einsetzen können. Nichts von alledem ist hier jemals zuvor gesehen worden. Erwachsene werden zu Kindern, wenn sie Plüschtiere sehen. Die neuen Schuhe wurden voller Stolz vorgeführt, nie mehr wolle man sie ausziehen. Alle waren froh und glücklich über den gelungenen Arbeitstag. Und für den nächsten Container solle man ihnen einfach wieder rufen, sie kämen sofort wieder zu Hilfe. Darauf werden wir gerne zurückkommen.
In unsere Unterkunft zurück mussten wir fast schwimmen, der Regen war nahezu pausenlos in Strömen vom Himmel gekommen. Das Wasser schwoll in wenigen Minuten einige Zentimeter an und konnte nirgends ablaufen. Wir zogen unsere Schuhe und Socken aus, um sie nicht gänzlich nass werden zu lassen und gingen barfuss durchs knöcheltiefe Wasser in die geschützte Wohnung und legten uns danach bald schlafen.
03.04.2009
Heute Morgen konnten wir als erstes den Schneider in Bali mit vielen neuen Stoffen, Knöpfen und Reissverschlüssen aus der Schweiz beglücken. Er freute sich riesig. Der Schneider leidet an einer hier häufig vorkommenden Zellenkrankheit, weswegen er und seine junge Familie mit Kindern (seine Frau ist etwa 24 Jahre alt) es schwer haben, um durch zu kommen. Wir konnten ihm mit den Stoffen einen kleinen Beitrag und vor allem viel Freude bringen.

Der Schneider in Bali freut sich über die vielen Stoffe und Knöpfe. Spanner und sein neues Fahrrad. Von diesem Tag an war das Fahrrad sein ständiger Begleiter.
Danach fuhren wir zum Container, um unser Auto neu zu beladen und uns fürs Waisenhaus Abangoh God Sheperd und auf dessen Hilfsgüterverteilung organisieren zu können. Einmal mehr half uns Spanner, ein Bursche, der in Gregorys Small Migros arbeitet, unser Auto zu befüllen. Schon am Vortag war er so fleissig gewesen und als spezielles Geschenk aus der Schweiz erhielt er ein 21-Gänger-Fahrrad. Ein riesiges Lachen und etliche Bedankungen kamen uns seinerseits entgegen. Spanner erledigt wirklich alles, was man erledigt haben muss. Bring dies hierhin, tu das dorthin, frag den dieses... er weiss immer Bescheid und eilt davon, um es zu erledigen. Üblicherweise arbeitet er im Small Migros und hält Stellung, während sein Arbeitgeber mit uns unterwegs ist.
Danach fuhren wir mit voll beladenem Auto ins Waisenhaus Good Shepherd. Einmal mehr kamen uns diverse Kleinkinder schon jubelnd entgegen, als sie das bepackte Auto sahen. Die junge deutsche Volontärin Inga war gerade vom Kinderkleider waschen fertig geworden und begrüsste uns ebenfalls. Wir kannten sie bereits von der Weihnachtsreise. Die Leiterin Schwester Jane freute sich riesig über unseren zweiten Besuch. Leider hatte ein zu frühzeitig einsetzender Regen ihr Haus, wo sie vorher wohnten, überflutet. Sie wollten das Dach reparieren lassen und der monsunartige Regen war so schnell und unvorhergesehen eingesetzt, dass fast das ganze Haus zerstört wurde. Nun leben sie im Haus nebenan, der Platz ist knapp. Inga schläft mit 5 Bébies, die anderen Helfer sowie die Leiterin teilen sich den Rest des Hauses und legen in der Nacht überall Matratzen aus. Sogar noch mehr Kinder als beim letzten Besuch waren dort, und bereits wurden wieder weitere Kinder erwartet, welche gerade einmal ein paar Tage alt waren. Wir waren erstaunt, wie so etwas zu meistern ist, mit so vielen kleinen Bébies und Kindern, ständig eine grosse Geldknappheit und Sorgen ums Überleben. Hier zählt ein guter Glaube an Gott und seine Hilfe, und bis jetzt hat es noch immer irgendwie von irgendwo genau zur richtigen Zeit Hilfe gegeben. So kommen die Schwestern mit ihren Helfern über die Runden.

Es wimmelt von Kindern und Säuglingen im Waisenhaus Good Shepherd von Bamenda. Das Mobile enzückt die kleinen Kulleräuglein. Kuschel-Kamerade, Schultaschen und Trinkflaschen für alle Waisenkinder.
Wir durften aus der Schweiz ein Dreirad, ein Kickboard sowie ungefähr 15 Schachteln Plüschtiere, Spielzeug und Kinderkleider ausladen und verschenken. Die Kinder jubelten, setzten sogleich ein kleines Baby auf das Dreirad, probierten das neue Kickboard aus und staunten über die vielen Kisten, die ins Haus gebracht wurden. In einem Zimmer montierten wir eine Musikdose mit sich drehenden Plüschtieren für die 4 Bébies, die auf dem Bett lagen. Grosse schwarze Kulleraugen und kleine lächelnde Münder blickten uns und dem Mobile entgegen. Was für ein herrliches Dankeschön für dieses Geschenk. Als erstes wurde in der Küche gleich ein Rührei mit frittierten Plantains für uns zubereitet, sie schmeckten herrlich. Wir unterhielten uns über die Arbeit und was aktuell vor Ort läuft. Die Schwester fragte uns, ob wir auch Schulsäcke mit dabei hätten. Was uns dazu bewog, noch einmal zurück zum Container zu fahren und frisch zu beladen. Die Kinder, welche von hier aus zur Sekundarschule gehen, müssen täglich zu Fuss 1 Stunde hin und zurück marschieren. Dies bei heissen Temperaturen. Bevor sie zur Schule gehen wird vor 5 Uhr aufgestanden und Arbeit im Haus erledigt. Nach der Schule müssen Schulaufgaben erledigt und erneut im Haus geholfen werden.

Grosse Freude über die Spenden aus der Schweiz.
Während ich mich ins Internet-Kaffee zurückzog, um meinen Zeitungsbericht sowie Fotos für die zu Hause gebliebenen Helfer zu platzieren, fuhren Felix und Gregory zum Container, um ihn frisch zu beladen. Um meine 6 hochaufgelösten Bilder via FTP hoch zu laden benötigte ich genau 70 Minuten mit durchschnittlich 3,2 k/Sekunde. Was für ein Schneckentempo... ich entschloss mich, meinen Laptop die Bilder hoch laden zu lassen und eine zweite Maschine mit Internet zu mieten. Die Anbieterin staunte, was ich wohl vorhatte. So konnte ich auf der zweiten Maschine meine Berichte und weitere Fotos nach Hause schicken, wo bestimmt schon lange auf neue Meldungen gewartet wurde. So sass ich schlussendlich nahezu 1 1⁄2 Stunden im Internetkaffee. Ab und zu kam ein Kind, welches mir eine alte Personenwaage verkaufen wollte oder welches Kleider im Angebot hatte. Ich war heilfroh, als ich nach 70 Minuten alles „unter Dach und Fach“ hatte und die Verteilarbeit fortführen konnte. Die Männer waren mit dem frisch beladenen Toyota zurückgekehrt und bevor wir zurück ins Waisenhaus fuhren, erfrischten wir uns mit einem kühlen Getränk in Bamenda. Wie immer kannte Gregory noch jemanden und es wurde eine gemütliche Runde. Bevor wir uns wieder auf den Weg machten, durften wir kurz in einen Handy-Reparaturshop schauen. Wir staunten riesig: in einem winzig kleinen Räumchen sassen drei Burschen. An einer Seite hingen diverse Ladegeräte. Vorne waren etliche verschiedene Akkus, Handyteile, Covers, Kabel und Innereien ausgelegt. In der Schweiz wird ein solches Handy weggeworfen, hier tut es noch jahrelang seinen Dienst.

Handy-Reparatur in Kamerun: ein wirklich spannendes Business!
Danach besuchten wir noch kurz den Brass Master Emmanuel. Er hat meinen Ring in Form einer Spinne aus Bronze gegossen und beherrscht sein Handwerk wirklich einmalig. Wir schauten, wie er arbeitet und er zeigte uns seine Werkstatt. Danach fuhren wir zurück ins Waisenhaus, um unsere zweite Ladung abzugeben. Schon von weitem sahen die Kinder unsere Schulsäcke, welche einmal mehr riesige Begeisterung auslösten. Jedes der Primarschüler durfte sich einen der Schulsäcke schnappen und sogleich anziehen. Wir schossen diverse tolle Fotos und die Kinder sangen als Dankeschön für uns. Sie freuten sich riesig über die Plüschtiere und Spielsachen und die Helfer/innen fielen uns dankbar um den Hals. Auch all die vielen Kinderkleider können sie hier wunderbar gebrauchen. Die Kinder tragen längst ausgediente löchrige Kleider, nun können diese endlich ersetzt werden. Neue Tassen aus der Schweiz lösten eben solche Begeisterungssprünge wie Trinkflaschen aus. Endlich Behälter fürs Getränk, wenn die Kinder wieder den weiten Weg in die Schule oder aufs Feld zur Arbeit unter die Füsse nehmen müssen. Hier werden alte Tüten als Transportmittel verwendet. So etwas wie eine Trinkflasche findet man weitum nirgendwo. Eine Kinderschaukel für die Kleinen, oh was für ein herrliches Geschenk! Die flauschigen Plüschtiere wurden an die kleinen Kindergesichtchen gehalten. Wir freuten uns nicht weniger darüber, was all die schönen Geschenke hier für eine Begeisterung auslösen konnten. Auch ein paar Büchsen Babynahrung sowie ein weiteres Mal Spendengelder durften wir vor unserer Weiterfahrt hier lassen. Vielen Dank an alle Helfer, die für diese Spende, egal ob materiell oder finanziell, geholfen haben!
Zum Abendessen waren wir bei Gregory zu Hause eingeladen. Es gab Reis, Fisch und Tomatensauce. Vor dem Essen schauten wir uns noch in seinem Garten um, was für uns wie ein Wald ausschaut. Diverse grosse Büsche, Bäume und Stauden wuchern wild durcheinander. Wenn man durch den Garten geht, gibt es keine ordentlichen Beete wie in der Schweiz und man muss ständig aufpassen, dass man nicht aus Versehen eine Pflanze zertrampelt, welche für uns wie Unkraut ausschaut. Die Bananenstauden trugen grosse Bananen, die weiteren Pflanzen mussten wir uns erst einmal erklären lassen. Mit Zuckerrohr konnten wir gerade noch an Wissen mithalten. Doch wer hat schon von an Bäumen wachsenden Tomaten gehört, welche nach einer Mischung zwischen Orange und Tomate schmecken und wie ein grüner Apfel mit orange farbigem Fleisch hinunterhängen? Wir jedenfalls nicht. So probierten wir gespannt aus, wie es schmeckt. Nebenan wuchs eine Pflanze, welche auf den ersten Blick wie ein Zitronenbäumchen ausschaute. Doch es war etwas ganz anderes. Die gelben Früchte sind ungeniessbar, nur die Blätter werden als Gemüse verwendet. Nach diesem kleinen Gärtnerkurs begrüssten wir noch die Nachbarn. Beide kannten wir noch von der vorletzten Reise. Diese zwei sind uns in guter Erinnerung, weil sie nebst ihrer Arbeit Sozialarbeit zum Thema Hochzeitsvorbereitung und gute Ehe führen. Sie freuten sich über unseren kurzen Besuch und ich nutzte die Zeit, um nach ihrem Hobby detaillierter zu fragen. Wo liegen die Probleme in einem Land wie Kamerun? Finanzielle Probleme seien die grössten Probleme in einer Ehe. Gleich danach komme das Thema, dass eine Frau genauso wichtig und genauso viel zu sagen hat wie ein Mann. Zu viele Frauen würden noch unterdrückt und hätten nichts zu sagen. Gegen dies kämpfen sie an und sprechen mit den Leuten. Nur gemeinsam seien beide gut, jeder könne etwas und solle für den anderen schauen. Was sie auf keinen Fall unterstützen können sei, wenn ein Mann mehrere Frauen habe. Interessiert hörten wir deren Erzählungen an, bevor wir zum Abendessen gerufen wurden. Übrigens wurde seit unserem letzten Besuch ihr Haus neu gestrichen, was durch Gregory finanziert wurde, damit es schöner aussieht.
Wir genossen das feine Essen von Gregorys Frau Angeline und staunten einmal mehr, dass hier nicht die ganze Familie an einem Tisch isst. Die Erwachsenen essen an einem Tisch, die Kinder essen später und was übrig bleibt an einem anderen Tisch. Doch schlussendlich hatte jeder genug bekommen und zum Dessert verspeisten wir alle gemeinsam unsere gekaufte Wassermelone aus Bamenda.
Das Feierabendbier gab es üblicherweise bei Doris. Heute waren 3 Brüder von Gregory angereist. Zuerst klärten wir ab, wie genau dies Brüder seien, denn mittlerweile kennen wir die Geschichten von guten Freunden, die dann auch Brüder oder Schwestern sind (wozu auch wir gehören). Doch in der Tat war es so, dass dies 3 leibliche Brüder waren, gleiche Mutter, gleicher Vater. Ein Bruder war aus den Staaten angereist, der andere Bruder war von der Nähe Mayo Darle nähe Nigeria angereist und der dritte Bruder Henry kam aus Douala, ihn kannten wir bereits von der letzten Reise. Gemeinsam verbrachten wir eine gemütliche Runde und plauderten über dies und das. Nun weiss ich auch, wie und wo wir hier genau wohnen. Im Compound stehen gegeneinander vier Häuser (Hütten). Eines davon ist das Gästehaus. Gleich daneben ist das Mutterhaus von Gregory und seinen Geschwistern. Der Vater lebte (bevor er verstarb) visavis vom Gästehaus im schön angemalten Haus. Weiter rechts ist ein weiteres Haus, in welchem zwei weitere Frauen des Vaters mit dessen Kindern lebten. Die Knaben lebten bis zum zwölften Lebensjahr mit der leiblichen Mutter, später im Haus mit dem Vater. Die Mädchen lebten weiterhin bei den Müttern im Haus. In der Mitte dieser vier gegeneinander angeordneten Häuser ist ein grosser Platz, ein Baum für die Wäsche oder in den Nischen zwischen den Häusern wird teils auch gekocht. Der Vater ist zwischenzeitlich ein paar Jahre verstorben und liegt hinter dem Gästehaus begraben. Die Mutter ist bereits über 80 Jahre alt und eine Schwester hat sie zu sich nach Yaounde geholt, um für sie zu schauen. Nun wohnen andere Verwandte in diesen Häusern. Nicht wie es in der Schweiz üblich ist, ein Testament zu schreiben, wurde hier bevor der Vater starb bestimmt, wer der Nachfolger sein wird. Dies war in diesem Falle Gregory. Ihm gehört nun alles und er hat somit für die ganze Verwandtschaft inklusive aller Kinder und Kindeskinder zu schauen. Welch eine Verantwortung...

Ganz üblich, dass bei Familie Feh zu Hause nicht nur die eigenen Kindermünder gefüttert werden, sondern immer diverse zusätzliche...
So kommen wir während gemütlichen Bierrunden immer wieder zu spannenden Einblicken in den Alltag Kameruns und verstehen immer besser, warum gewisse Sachen so sind oder wie es abläuft. Den krönenden Abschluss bereiteten zwei von uns mitgebrachte Wunschlaternen, welche wir mit guten Wünschen in die Luft steigen liessen und von etlichen Menschen bestaunt wurden. Minutenlang sahen wir gemeinsam dem Licht nach, welches immer kleiner und kleiner wurde.
04.04.2009
Heute Morgen hiess es einmal mehr, unseren Pickup zu beladen um fürs Waisenhaus möglichst viel mitnehmen zu können. Ich erhielt vorher noch die Gelegenheit, im Compound in die Hütten unserer Nachbarn zu schauen. Es erstaunt mich immer wieder, wie diese Leute so leben können. Alles ist dunkel, eng und in einfachsten Verhältnissen. Meistens kommt in einer Ecke noch eine alte Frau oder ein kleines Baby zum Vorschein. Zwischen herumhängenden Kleiderstücken wird gegessen (vermutlich auf dem Bett sitzend) und steht eine Schubkarre oder ein paar einfachste Küchengeräte. Es riecht nach Rauch, denn oft ist im gleichen Raum auch die Feuerstelle der Küche. Die Hütte ist aus an der Sonne getrockneten Sandblocks und mit einem Wellblechdach angefertigt. Kein fliessend Wasser, selten Strom (kann sich nicht jeder leisten) und noch viel weniger eine Toilette. Hühner hüpfen um die Hütte oder sind gleich daneben in einem einfachen Holzkäfig eingesperrt und wohnen somit im gleichen Haushalt.

Jeden Morgen auf’s Neue durften wir den Pickup beladen und unsere Hilfsgüter verteilen. Die Waisenkinder in Bamenda sind voller Spannung, was wohl in unseren Kisten drinn ist. Die Spenden lösen grosse Freude aus!
Unser Tagesziel hiess Waisenhaus Garden of Education and Healing in Bamenda. Trotz erneutem Kisten schleppen waren alle in bester Laune und wir erhielten weitere Unterstützung von ein paar jungen Männern. Eine alte Frau kam vorbei und bettelte um eine leere Kartonschachtel. Es ist unglaublich, hier kann wirklich alles nochmals oder mehrmals gebraucht werden. Umsonst war meine Sorge, wohin nur mit den 850 leeren Kartonschachteln. Bis jetzt ist mir keine einzig leere Schachtel im Weg gestanden. Die Leute ausserhalb des Spitalgeländer schauen „per Zufall“ mal bei uns vorbei und erhaschen sich das eine oder andere für sich. Wir mögen es ihnen von Herzen gönnen. Ich bin nicht sicher, ob ich bereits erwähnte: die leeren Schachteln werden als Schlafunterlage verwendet!
Danach fuhren wir ins Waisenhaus. Sr. Ann, die Leiterin, war leider auch bei diesem für uns zweiten Besuch nicht anwesend. Jedoch begrüsste uns erneut eine andere Schwester und der Direktor. Dieses Waisenhaus betreut wirklich enorm viele Kinder. Im Haus selber sind es zwar nicht so viele, doch in der Stadt Bamenda sind es rund 700 Kinder. Wir schauten in viele bekannte Kindergesichter und freuten uns darüber, sie wieder zu sehen. Schon bald luden wir unsere vielen Schachteln ab und schauten uns danach erst ein weiteres Mal im Gelände um. Es wird frisch gebaut. Der Direktor erzählte uns von den diversen Sorgen und Nöten, die sie haben. Es ist deprimierend, zu hören, dass es wirklich an allen Ecken und Enden fehlt. Kinder werden krank, beim Arzt wartet man einen ganzen Tag, dieser schickt den Patienten dann zur Vertretung, die Vertretung verschreibt Medikamente, die Medikamente sind an einem anderen Platz zu holen. Und man stelle sich dies mit über 700 Kindern vor. Es fehlt an Schulgeldern, die Kinder brauchen Kleider, Schulutensilien, Betten, tägliche Gebrauchsartikel und und und... Es fehlt an Wasser, das wenige Grundwasser ist zu schnell verbraucht, sie müssen mit dem Auto (welches sie glücklicherweise besitzen) ein paar Kilometer in die Stadt fahren, um sich Wasser fürs Kochen und Waschen zu holen. In der Stadt gibt es immer wieder Fälle von Kindern, die ihre Eltern verloren haben. Oft werden Kinder vor Häusern deponiert. Niemand kennt die Eltern oder weiss, woher die Kinder sind. Oder die Eltern sterben an Aids, Krebs, sind HIV positiv oder anderweitig nicht in der Lage, zu ihren Kindern zu schauen. Die Kinder haben keine Papiere, niemand weiss, woher sie sind und im Waisenhaus erhalten sie einen Namen und ein Zuhause. Für uns unvorstellbar. Und trotz all der Probleme freuen wir uns daran, dass oft auch Einheimische aus der Umgebung in die Waisenhäuser fahren und trotz ihrer eigenen Armut für diese Kinder spenden. Sie bringen beispielsweise ein paar Säcke Mais, Reis oder Babymilch. Sie singen mit den Kindern und beten gemeinsam und die Kinder singen Dankeslieder.

Nebst Spielzeug fanden auch Schuhe und Kleider dankbare abnehmer.
Nach diversen Gesprächen wollten wir unsere mitgebrachten Geschenke präsentieren und lösten damit riesige Freude aus. Aus den vielen Schachteln konnten wir Kinderkleider, Schuhe, Trinkflaschen, Plüschtiere, Spielzeug, Mobile, Regenschirme, Kinderschaukeln, sogar ein Kinderfahrrad und ein Kickboard aus der Schweiz verschenken. Alle staunten, denn es waren diverse Artikel, die selbst die Erwachsenen hier noch nie gesehen haben. Wir erklärten ihnen, wie es zu verwenden ist. Ebenfalls konnten wir eine grosse Spende aus der Schweiz hinterlassen. Als Dankeschön erhielten wir von allen Kindern und Leitern einen Dankestanz mit Gesang, es war ein rührender Moment, die vielen kleinen schwarzen Augen zu sehen, die vor Freude strahlten. Bei einem Rundgang durch den Garten liessen wir uns Artemisia erklären und zeigen. Diese Pflanze ist anscheinend ein Wundermittel, was in der Schweiz „gezüchtet“ wurde aus einer Mischung zwischen Pflanzen aus Vietnam und China. Artemisia hilft bei Malaria sowie diversen anderen Krankheiten, sowie bei HIV. Die Pflanze wächst hier nicht, sie muss gepflanzt werden. Der Direktor erzählte uns, dass erst kürzlich ein Baby gebracht wurde, welches in einem sehr schlechten Zustand war und der Arzt zu wenig Blut nehmen konnte, um genau zu diagnostizieren, was dem Kind fehlt. Mit Artemisia haben sie das Kind 4 Wochen lang über die Runden gebracht, bis endlich herausgefunden wurde, welches Medikament das Kind braucht.

Blessing und das neue Spielzeug. Viele weitere Spenden durften wir hier abgeben.
Plötzlich kamen wir in Eile, denn unerwartet hatte sich der Direktor der Schule Foumban einen Tag früher nach Bali begeben und wollte uns dort treffen, um mit seinem Transportmittel seine Sachen abzuholen. So rief er uns an, ob wir nicht umgehend nach Bali kommen könnten, er sei jetzt auf dem Spitalgelände. Trotz aller Beeilung hatten wir noch Besorgungen zu erledigen und er musste zwei Stunden auf uns warten. Die Zollpapiere mussten kopiert werden, dass er ohne Probleme die Fahrt auf sich nehmen konnte. Wir suchten einen Fotokopierer in der Stadt. Ohne Gregorys Hilfe würden wir wahrscheinlich immer noch suchen, denn er stand einmal mehr in einem winzigen Räumchen mit diversen anderen Geräten. Die Papiere mussten zweimal kopiert werden, was ungefähr 30 Blatt Papier ergibt und den Laden gleich ins Schwitzen brachte. Nach ein paar Kopien musste der Toner kräftig geschüttelt werden und neues Papier ein paar Häuser weiter organisiert werden. Des Weiteren hiess es für unser Abendessen, das wir für die Schwestern kochen wollten, die Einkäufe zu organisieren. Wir hatten im Gepäck zwei Schachteln Fondü mitgebracht, dazu benötigten wir nun Brot, Knoblauch und Weisswein. Dazu mussten wir an 3 verschiedenen Ecken anhalten und einkaufen. Brot gibt es beim Bäcker, Knoblauch auf dem Markt (es kam uns fast wie im Drive-In vor, als wir mit dem Auto am Markt vorbei fuhren und auf der Strassenseite der Knoblauch gleich ins Auto gereicht werden konnte) und den Weisswein im Shop für Europäer oder reiche Einheimische...
Danach hiess es schnurstracks zurück ins «Basislager» Container, wo schon auf uns gewartet wurde. Direktor Lou war mit zwei Männern und einem Kleinbus gekommen. Wir konnten ihn nicht dazu überzeugen, dass es besser ist, einen Lastwagen zu mieten, der ihm die ganzen vielen Pakete bringt. Anstelle dessen verzichtete er lieber auf diverse Pakete und stopfte den Mehrplätzer bis auf die hinterletzte Ecke mit Schulsäcken aus. Das Dach wurde meterhoch mit Schachteln beladen und danach mit einem Plastik und einem Seil festgezurrt. Wir konnten es nicht ganz nachvollziehen, anyway... Zuoberst über die ganzen Schachteln kamen noch ein paar Wandtafeln. Für dieses Bepacken halfen uns erneut sofort freiwillige Helfer, welche jeweils „per Zufall“ in der Nähe sind. Mittlerweile können wir es ganz gut arrangieren, dass sie uns ein wenig helfen (meistens sind das vielleicht 30 Minuten) und wir ihnen danach ein paar Hilfsgüter verteilen können. Ansonsten käme all paar Meter jemand, der auch etwas umsonst haben will. Sie erhielten nagelneue Schuhe und freuten sich riesig. Gerade diese Leute sind so herzlich und hilfsbereit. Sie sind wirklich arm und können sich fast nichts leisten. Die Kinder werden von uns sowieso mit diversen Geschenken eingedeckt und mittlerweile sieht man an jeder Ecke hier ein Kind mit einem Plüschtier, Pullover oder Armstulpen herumlaufen.

Wir beladen den Kleinwagen mit Schulsachen für nach Foumban. Wandtafeln, Schultaschen und diverses mehr werden aufgeladen. Zwei Girls freuen sich über die Plüschtiere.
Nach dieser Belad-Aktion machten wir uns auf, um unser Nachtessen für die Sisters im Spital zu Kochen. Eine Schwester war schon zwei Stunden vor Abendessen besorgt fragen gekommen, wann wir in etwa mit dem Kochen beginnen würden. Wir teilten ihr mit, dass wir 1 Stunde vorher da sein würden und verspäteten uns schlussendlich sogar noch um 15 Minuten (wir sind schon richtig in Africa-Time). Erst nachher realisierten wir, dass hier ein Essen zubereiten mindestens zwei Stunden dauert. Man kann keine Fertigpackung öffnen oder eine Sauce aus dem Schrank nehmen. Alles muss gerüstet werden. Wir waren froh, dass sie uns beim Kartoffel schälen schon geholfen hatten. So musste nur noch das Brot in Stücke geschnitten und die Kartoffeln im heissen Wasser gekocht werden. Das Fondü köchelte auf dem mit Holz geheizten Herd und wir waren genau rechtzeitig mit allem fertig. Auch wenn wir anfängliche Schwierigkeiten mit der Küche hatten und uns überhaupt nicht zurecht fanden, was wo ist und was in welche Schüssel kommt. Die Schwestern freuten sich über unser Schweizer Menü und staunten darüber, wie es gegessen wird und was wir dazu trinken. Den Weisswein genossen sie mit uns und über den Ice-Tea aus der Heimat staunten sie. Sicherheitshalber hatten sie noch eine landestypische Speise zubereitet, man weiss ja nie... so kam es, dass einige dann doch lieber nur probierten und zu ihrer gewohnten Kost zurückkehrten. Andere langten kräftig zu und schwärmten von dem neuen Menüplan. Wir können dies gut nachvollziehen. Auch für uns sind ihre Menüs oft sehr gewöhnungsbedürftig. Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht ;-) Ein paar Wortfetzen Schwiizerdütsch beibringen rundeten den gemütlichen Kreis mit 6 Schwestern und uns dreien ab. Als krönenden Abschluss gab es danach noch zwei Wunschlaternen mit guten Wünschen, die wir alle gemeinsam mit den Kindern, die in der Küche mithelfen, in die Luft liessen. Alle waren begeistert. Die Kinder kamen und bedankten sich bei uns für diesen schönen Anblick und die Schwestern hatten ihre Angst um einen Flug in die Stromleitung oder einen brennenden Ballon verloren.

Der Chief mit seiner roten Feder: eine Auszeichnung des Fon’s für besondere Leistungen, die nur sehr selten vergeben wird. In fröhlicher Runde mit den Sisters aus dem kath. Spital Bali. Esther hat bei den Sisters ein neues Zuhause gefunden.
Als Abschluss des Abends gab es natürlich noch den gemütlichen Höck in Bali Town mit diversen altbekannten Gesichtern. Wir lernen täglich neue Worte und Sätze in Mungaka (Sprache des Balis) und sind somit schon ziemlich gut integriert. Auch wenn die Sprache eher einer Halskrankheit ähnelt :-D Das Mungaka-Alphabet hat einen Laut mehr als unseren, und dieser ist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Er klingt so ziemlich nach dem, was wir von uns geben, wenn wir uns übergeben... da müssen wir wohl noch ein wenig üben. Ein Einheimischer (er nennt sich Chief, anscheinend hat er näheren Bezug zum Fon/König von Bali, und hatte uns auch beim Aussortieren geholfen) zeigte uns stolz seine rote Feder an der Kappe. Diese Feder ist ein ganz spezielles Zeichen hier. Nur wenn jemand etwas Besonderes getan hat, kann ihm diese Feder verliehen werden. Ausschliesslich Männer können eine Feder erhalten.

Unser zubereitetes Schweizer Fondü auf dem kamerunischen Speiseplan. Ein krankes Kind im Spital auf seinem neuen Spielzeug. Der fliegende Händler mit seinen Stoffen.
Während der Bierrunde fightete Gregory mit dem Lastwagenfahrer, der unsere Ware nach Mayo Darle bringen soll. Zwei Tage sind dafür eingeplant. Der Fahrer war noch nie zuvor soweit im Norden gewesen und hat wohl ein wenig Angst. So fahren wir im Konvoi gemeinsam nach oben. Er wollte eine horrende Summe für diese Fahrt und nach diversen Erklärungsversuchen hat es Gregory geschafft, ihn auf einen akzeptablen Betrag zu bringen. Der Plan steht: wir wollen am nächsten Tag abends beladen und früh morgens direkt in einem Tag nach Mayo Darle fahren. Es wird anstrengend und weit werden und wir hoffen, alles geht wie geplant.
Was uns ansonsten noch auffällt, dass bereits am frühen Morgen lautstarke Musik aus allen Ecken kommt, welche bis spät abends anhält. Irgendwie scheint den ganzen Tag Party zu sein. Immer und überall stehen Leute herum oder warten auf ein Geschäft. Nur wenn der kräftige Regen (wir nähern uns der Regenzeit) wieder einmal einsetzt, fliehen alle in ihre Hütten oder unters Dach. Die Leute hier können diskutieren oder streiten uns sich gleichzeitig in den Armen halten. Im einen Moment hat man den Eindruck, gleich fliegen die Fetzen oder werden die Köpfe eingeschlagen, im anderen Moment lachen beide und so schnell wie der Ärger gekommen ist, ist er wieder begraben. Auf dem Markt hat es sowieso immer ein Gewühl von Leuten, als ob man mitten durch den Jahrmarkt in der Schweiz geht. Nur dass der Markt hier viel häufiger stattfindet. Die traditionelle Woche hat übrigens 8 Tage, so verschiebt sich der Markttag jede Woche um einen Tag in unserem Wochensystem. Die Leute dieser Region sind es gewohnt, in zwei verschiedenen Zeitsystemen zu denken. Sowie sie es gewohnt sind, in ihrer Einheimischen-Sprache, in Pidgin-Englisch, in Englisch und meistens noch in Französisch zu sprechen. So gibt das mit uns gemischt jeweils ein Gemix, worüber wir selber lachen müssen.
Wir freuen uns auf den bevorstehenden Tag, an welchem wir die zwei an den Beinen operierten Zwillinge Assana und Ousseni im Spital besuchen gehen...