Douala Dschang Bamenda Bali Nyonga (291 km)
01.04.2009
Früh am Morgen starteten wir unsere Reise mit dem Tagesziel Bali. Schon um 6 Uhr herrschte auf den Strassen reges Treiben. Die Leute stehen mit der Sonne auf, und es war doch schon bald hell geworden. Wir passierten etliche Orte, die uns schon sehr bekannt waren. Mittlerweile waren wir bereits zum vierten Mal hier und trotzdem gab immer wieder Spannendes zu entdecken, das es bei uns zu Hause nicht zu sehen gibt. Was für ein Buschfleisch wird da angepriesen, wohin werden die lebenden Schweine in den Körben auf dem Bus transportiert oder welch prekäres Überholmanöver probiert der junge Fahrer vor uns gerade aus? Ab und zu kreuzten auch Lastwagen mit grossen Containern wie der unsere den Weg und wir konnten es kaum erwarten, unseren endlich zu sehen. Unterwegs gab es den traditionellen Halt im letzten Kaffee mit Bäckerei, wo uns der Inhaber bereits kennt und wo wir seine frisch gebackenen Brote genossen.

Fahren ohne Abgasvorschriften... Die Landschaft zwischen Douala und Bali-Nyonga ist grün und fruchtbar. Die Pisten schlängeln sich durch die Ebene. Transport mit Mofa.

Gebirgszüge. In den Städten ist immer viel los.
Typisch Kamerun: Strassenschilder mit der Aufschrift «Ici _ morts» erinnern an schlimme Unfälle auf gefährlichen Strassen, wo Menschen ums Leben gekommen sind.
Es war, als wären wir erst gestern hier gewesen. Ein paar Erfrischungspausen weiter und hier und dort eine Ananass oder Mango eingekauft, erreichten wir gegen 1 Uhr bereits Bamenda. In Bamenda mussten wir uns bei der Zollkontrolle melden, weil wir den Container gleich am selben Nachmittag öffnen wollten und dabei anscheinend jeweils ein Zöllner mit dabei ist. Denn wer weiss schon, vielleicht kommt ja noch etwas Spannendes zum Vorschein, das wir teuer verzollen müssten... So traten wir ins Büro des Oberzolldirektors ein und mussten erst einmal einige Minuten warten, die wir mit einer kühlen Erfrischung überbrückten. Danach kamen wir an die Reihe. Wir versuchten, um den üblichen (nicht allzu grossen) Geldbetrag herumzukommen und stattdessen möglichst gebührenfrei durch dieses Prozedere zu kommen. Gregory hatte uns schon instruiert, dass ein Zöllner bei der Öffnung mit dabei sein wird, um alles zu kontrollieren und meistens auch um für sich selber etwas bei Seite zu nehmen. Der Oberzolldirektor wühlte in seinen Unterlagen und suchte unser Dossier, welches nach einer Weile doch noch zum Vorschein kam. Dort drin waren sämtliche Papiere, die wir während dieser ganzen Zeit erhalten oder organisiert hatten. Er teilte uns mit, dass wir entweder den Betrag gleich bezahlen und kein Zöllner mitkommt, sondern er uns alle Papiere mitgibt und die Sache vergessen wird, oder dass wir bis morgen warten müssten und ein Zöllner mit einem höheren Geldbetrag mit uns mitkommt und dafür bezahlt werden muss... Logischerweise gingen wir auf den Deal ein, zahlten den kleineren Betrag und waren glücklich über das Entgegenkommen. Auch wenn wir eine Minute später merkten, dass wir einmal mehr der puren Korruption zum Opfer gefallen waren. Eigentlich wäre es ja wirklich so gedacht, dass der Zöllner dafür angestellt ist, die Kontrolle durchzuführen. Uns war dies so ziemlich egal, wir erhielten den ganzen Stapel Papiere und mussten auch das Siegel nach dem Öffnen nicht wie üblicherweise zurückbringen, sondern konnten tun und lassen, was wir wollten. Voller Freude verliessen wir den Kontrollposten, schnurstracks Richtung Bali und Container. Während der Weiterfahrt zog ich mir den Stapel Papiere zu Gemüte, um dabei ein wenig schlauer zu werden, warum das Ganze so lange gedauert hatte, bis wir nun endlich den Container auslösen konnten. In den Dossiers waren verschiedene Zolldeklarationen getrennt aufgelistet auf mehreren Blättern (Medizinzubehör/Bücher und Hefte/Kleider und Tücher usw.) Ungefähr 8 verschiedene Deklarationsstufen waren mehr oder weniger detailliert aufgelistet und anhand unserer 13-seitigen Liste zusammengefasst worden, um die Verzollung zu bestimmen. Sogar mein persönlich mitgeschickter Brief hielt ich nach knapp 6 Monaten nun wieder in den Fingern, der bestätigt, dass dies alles Hilfsgüter sind. Frohen Mutes, dass es beim nächsten Container vielleicht etwas schneller und einfacher werden könnte (auch wenn bestimmt nicht billiger...), erreichten wir Bali schon bald und begrüssten zuerst die freudig strahlenden Schwestern im Spital und danach mit offenen Armen unseren Container.

Endlich geschafft: wir stehen vor unserem ersten Hilfsgütercontainer und rücken mit der Säge dem Siegel zu Leibe. Die gemeinsame Öffnung erfreut uns riesig!
Welch eine Freude, welch ein gutes Gefühl, ihn noch verschlossen und unversehrt wieder zu sehen. Wir konnten es kaum glauben. Unser originales Siegel und das Schloss waren unversehrt am Container. Das Siegel fiel sogleich der Säge zum Opfer und mit vereinten Kräften öffneten wir eine Türhälfte, um einen Blick ins Innere zu erhaschen. Ausser, dass während der langen Schüttel-Reise übers Meer alles ein wenig tiefer gesackt war, war alles noch genauso, wie wir es verschickt hatten. Alles wunderbar, alles einwandfrei und trocken. Nur ein wenig Rost am Schloss zeigte noch Spuren vom salzigen Meer. Auf diese Freude stiessen wir sogleich mit einem mitgebrachten Schnäpsli an und schossen diverse Erinnerungsfoto für unsere zu Hause gebliebenen Helfer.
Bevor wir uns in die Verteilungsarbeit stürzen konnten, musst unser Schlachtplan besprochen und weitere Helfer gefunden werden. Im Restaurant neben dem Small Migros von Gregory fanden wir in Windeseile ein paar Freunde von Gregory, welche uns am kommenden Tag helfen wollten. Wir planten, alles zu sortieren und nach Regionen aufzuteilen, damit wir schon bald die Verteilung starten können. Grob überflogen wir den Einteilungsplan und da es schon spät war, fuhren wir bald zum leckeren Abendessen zurück zu den Schwestern. Dort übergaben wir noch die in der Schweiz gekauften dringend benötigten Medikamente fürs Spital und gingen und danach ziemlich früh ins Bett, um uns von der Anreise zu erholen und für den kommenden strengen Tag fit zu sein. Im Koffer hatten wir des Übrigen noch ein paar Moskitonetze mitgebracht, welche mit Begeisterung im Spital abgeben konnten. Die Regierung hatte den Antrag des Spitals auf Moskitonetze abgelehnt.

Aus dem Koffer können bereits die ersten Hilfsgüter verteilt werden: Moskitonetze und medizinisches Verbrauchsmaterial.