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Kamerun Reisebericht Cameroon

Mamfe – Kumba – Limbe (243 km)


13.1.2010

Früh um 6 Uhr fuhren wir weiter Richtung Kumba und Limbe. So früh war die Temperatur noch erträglich. Sogar ein wenig Nebel hing in der Luft und in den Wäldern, eine mystische Stimmung empfing uns unterwegs. Ein paar Menschen waren bereits zum Markt unterwegs. Kurz nach Mamfe wurde es erneut zur Holperpiste. Auf der langen Strecke waren wir ziemlich einsam unterwegs. Nicht viele Fahrzeuge kreuzten unseren Weg. Diverse Holzbretterbrücken waren zu überwinden.

Vor zwei Jahren hatten wir das Kalenderkind vom Mai 2009 mit dem grossen Korb fotografiert. Wir wussten nicht mehr genau, wo wir sie fotografiert hatten. Auf dieser Route nahmen wir uns dieses Mal Zeit und fragten in diversen Orten nach, ob sie dieses Mädchen kennen. Natürlich kamen immer wieder dieselben Fragen: Ist sie vermisst? Warum wird sie gesucht? Was hat sie getan? Die 200 km lange Strecke war erneut heiss und staubig und wir glaubten nicht, das Mädchen wieder zu finden. Die Sucherei wurde zur Detektiv-Arbeit. Ein Mann sagte: schaut euch das Gras im Hintergrund an, hier wächst kein Gras, es muss weiter südlich sein. Eine Frau, die den selben Korb auf dem Rücken trug, sagte, ja, es ist der selbe Korb, doch in dieser Region haben sie andere Körbe, ich komme von weiter südlich, fragt dort nach. Irgendwann dann kurz vor der grossen Supe-Brücke hielten wir erneut an und fragten zwei Frauen, die gleich zur Farm gehen wollten. Die eine Frau kannte das Mädchen tatsächlich und deutete ein paar Meter weiter nach rechts, sie glaube, dort wohne die Mutter und das Mädchen. Im Nu war ein Menschenauflauf um unser Auto und alle freuten sich unglaublich über das Foto von dem Mädchen. Sie heisst Rose und ist heute knapp 7 Jahre alt. Sie war in der Schule und ein Mann holte sie aus dem Unterricht. Tatsächlich, man glaubt es kaum: sie war es. Rose wohnt in Wone Bakundu, einem winzig kleinen Ort. Sie geht zur Government Schule und wohnt mit ihrer Mutter in einem kleinen Haus. An diesem Tag war sie zur Arbeit auf der Farm gegangen. Sie erinnerte sich noch daran, dass sie einmal von «Whiteman» fotografiert worden war. Wie vor zwei Jahren stand sie genau gleich scheu vor uns. Doch sie freute sich sehr über das Schulgeld und wir gaben ihr noch eine Schultasche und ein Etui mit Stiften für sich und ihre Familie. Unser Besuch in dem kleinen Nest war eine Dorfattraktion geworden und alle freuten sich riesig darüber. Und wir freuten uns, sie endlich gefunden zu haben. So haben wir nun im Hinterkopf, irgendwann auch noch die zwei letzten Mädchen aus dem ersten Kalender finden zu können...

Danach überquerten wir die grosse Supe-Brücke und waren schon bald einmal in Kombone Bafaw. Dort wollten wir ursprünglich ein Wasserprojekt starten. Als wir ankamen, sahen wir eine Frau Wasser aus dem Dorfbrunnen lassen. Beim letzten Mal kam dort noch kein Tropfen. Bald kam auch der Chef der Jungen des Dorfes aus seinem Haus. Er trug exakt die gleichen Kleider wie beim letzten Besuch. Wir übergaben ein paar Fotos vom letzten Besuch und erkundeten uns nach dem Brunnen. Er hatte uns versprochen, eine Berechnung zukommen zu lassen, die uns jedoch nie erreicht hatte. Er teilte uns mit, dass sich das Projekt mit dem Brunnen kurz nach unserem Besuch erledigt hätte. Wie auch immer, irgendwie hatten sie es selber hinbekommen. Nun bräuchten sie einen Stromgenerator. Wir schmunzelten und waren froh, dass sie bereits Wasser hatten. Für alle ihre weiteren Sorgen fühlten wir uns jedoch nicht zuständig. Leider war das Dorf zuwenig in der Lage, ein neues Projekt seriös anzugehen. Vielleicht beim nächsten Besuch, wer weiss...

Da wir ein Kind aus seinem Dorf im Kalender hatten, zeigten und erklärten wir ihm den Kalender. Der Vater des Jungen auf dem Novemberbild 2010 war anwesend. Er sagte, sein Junge sei ein paar Kilometer weiter in der Schule. So luden wir ihn ins Auto ein und fuhren rund 5 Kilometer weiter nach Konye. Dort steht nebst einem Presbyterium auch eine Government Primarschule, wo er seinen Sohn suchen ging. Kurze Zeit später kam der 11-jährige Ntuba Brandom schweissgebadet mit einem Buschmesser in der Hand. Sie mussten in der Schule gerade die Wiese mähen. Dies bei sengender Hitze und brennender Sonne. Ntuba geht in die 6. Klasse und ist der älteste von 3 Kindern. Sein Vater ist Farmer und pflanzt Kakaobäume und Plantain an. Seine Mutter war nach Kumba auf den Markt gefahren, um etwas zu besorgen. Ntuba wohnt während der Schulzeit bei seiner Tante. Während den Osterferien war er zu Hause gewesen. Sein Foto ziert auch die Rückseite von unserem Bus.

Nach rund 1 Stunde erreichten wir Kumba, wo wir bei Bekannten mit Reis und Pouletfleisch versorgt wurden. Sie freuten sich riesig über die Fotos und vor allem als sie sahen, dass ihr Kind auf unserem Bus abgebildet ist. Nach einer Pause starteten wir Richtung Limbe. Die Strasse ist neu gemacht und gleicht einer Autobahn. Das macht jedoch die Fahrt nicht sicherer, wenn man bedenkt, dass hier auch mit Alkohol am Steuer oder ohne Führerausweis gefahren werden kann. Die Polizei kontrolliert dies nicht. Mit einem Schmiergeld kommt man leicht davon.

Am frühen Abend erreichten wir Limbe. Wir bezogen ein weiteres Mal das komfortable Guesthouse von Bekannten und verbrachten den Abend in der Stadt. Der Afrika-Cup war in vollem Gange und Kamerun spielte gegen Gabun. Leider verloren sie das Spiel... Nach ein paar Soja-Spiesschen legten wir uns bald einmal schlafen.



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