Bali Nyonga
10.1.2010
An diesem Sonntagmorgen fuhren wir mit diversen Sportartikeln zum Dior von Bali Nyonga, um diese zu übergeben. Handbälle, Hockeyschläger, Federballschläger, Baseballschläger sowie Zubehör von der Schule Freienbach durften wir übergeben. Unter der Leitung des Diors wurde eine Art Sportcenter eröffnet, wo Kinder Sportunterricht erhalten. Sogar ein Tennisplatz wurde errichtet.
Später starteten wir den Versuch, ein Moskitonetz für ans Fenster im Spital zu montieren. Von diesen Netzen haben wir im nächsten Container einige hunderte, so wollten wir schauen, wo und wie wir diese einsetzen können. Es war ein nicht allzu einfaches unterfangen. Wir benötigten unglaublich lange, um es korrekt zu montieren. Doch schliesslich und endlich waren wir glücklich, es in unserer Mannschaft geschafft zu haben. Bis Ostern werden sie im Spital die Fenster mit Holzrahmen ausstatten, damit wir die weiteren Netze montieren können. Die Fenster sind teilweise schräg, jedes ist ein wenig anders, was die Sache ein wenig kompliziert machte.
Ein paar Werkzeuge fanden neue Besitzer, was ein weiteres Mal Freude auslöste. Sie können es teilweise kaum glauben, wie scharf eine Säge sein kann, wenn sie neu und gut ist.
Da wir noch etliche Schulsäcke mit Etui und weiterem Inhalt sowie ein paar Schachteln Schuhe und Material für Kinder hatten, beschlossen wir, ein weiteres Mal nach Bossa ins Waisenhaus zu fahren. Auch in diesem Waisenhaus hat es viele Schulkinder, die unsere Unterstützung gut gebrauchen konnten. Der Weg hin und zurück war heiss und staubig.
So waren wir ziemlich geschafft, als wir zurück in Bali waren. Trotzdem hatten wir noch Meetings zu erledigen. Das Projekt Computer für Ostern sowie der Schulhausbau Enwen musste besprochen werden. Wir denken, an Ostern beide Projekte erfolgreich wieder anzutreffen, bzw. offiziell zu starten und abzuschliessen. Vielleicht ist bis dahin das Schulhaus sogar in fertigem Zustand. Mit den Computern im nächsten Container werden wir in Bali ein neues Projekt starten, bei welchem kostenlose Kurse für Schüler angeboten werden. Der Kursleiter hat bereits ein bestehendes Lokal mit Internetkaffee. Er darf die Computer im Gegenzug für sich und seine Kunden verwenden, um sein Einkommen zu erhalten. Seine Räumlichkeiten sind Diebstahlsicher. Und er hat das Know-How, um alles einzurichten und zu pflegen.
Das Abendessen gab es ein letztes Mal im Spital Bali. Die Sisters zelebrierten unseren letzten Abend und beschenkten uns reichlich mit Holzfiguren und vielen guten Wünschen für uns und die Spender in der Schweiz. Da es mir an diesem Abend nicht so gut ging, verbrachte ich die halbe Zeit schlafend im Auto, ich war todmüde. Deshalb wurde auch der Bericht ziemlich kurz gefasst… Nach dem Abendessen legte ich mich nur noch ungeduscht ins Bett und schlief Sekunden später ein.
11.1.2010
An diesem Morgen fühlte ich mich noch immer nicht fit genug, um allzu viel zu unternehmen. Eine Magenverstimmung hatte mich erwischt. Trotzdem schleppte ich mich unter die kalte Dusche, um Kraft zu finden. Wir fuhren ins Dorf, um bei der Montage der Fussballtore zu helfen. Rund 14 Personen waren bereits versammelt. Trotz grosser Menge Helfern war keiner in der Lage, das Tor aufzustellen. Gregory und Felix halfen mit, während ich mich weiterhin im Auto erholen musste. Nach einer Stunde war es geschafft, ein tolles Goal mit Netz war aufgestellt. Das alte Tor aus drei Holzlatten kann abgerissen werden. Für ein paar tolle Erinnerungsfotos waren auch schnell ein paar Spieler gefunden, die eine Runde Fussball spielten.
Dies war unser letzter Tag in Bali Nyonga, und wir hatten noch diverses zu erledigen. Unser Einladungsschreiben fürs Visum der Osterreise musste organisiert werden. So schrieb Sr. Candida den Brief, welchen wir später auf dem «Gemeindeposten» abstempeln lassen mussten und an einem weiteren Ort beim Polizisten mit einer Marke bekleben, stempeln und bezahlen mussten. Somit sind wir für Ostern bereits wieder startklar, bzw. können das neue Visum einholen, sobald wir in der Schweiz sind.
In Bali ging eine Frau herum und sammelte überall alte Kartons vom Boden auf oder fragte in Shops nach, ob sie welchen haben kann. Ich erfuhr, dass erneut jemand gestorben war. Eine Freundin sammelte für sie Kartons. Wenn ein Ehemann stirbt, muss dessen Frau drei Tage auf Karton am Boden schlafen. Traditionsgemäss wurde es früher 1 Jahr so gemacht. Während dieser drei Tage (heute auch oft für 1 Jahr) darf die Frau auch keine Hände schütteln. Ihre Haare werden abrasiert.
Da ich noch immer nicht fit war, zog ich mich im Compound zurück und kurierte mich gründlich aus. Während dessen fuhren Felix und Gregory nach Bamenda, um dem Optiker ein weiteres Mal ein paar Brillen zu übergeben. Er freute sich riesig und seine Mutter, die auch anwesend war, sprach ein 5 Minuten langes Gebet für uns alle. Das Glaubensbekenntnis, das Vater unser sowie weitere Gebete waren ihr Geschenk an uns und unsere Spender zu Hause. In Bamenda erledigten sie weitere Besuche. Wir brachten Papierrollen in die Bäckerei. Der Bäcker nimmt sein gebackenes Brot mit blossen Händen in zwei alten abgeschnittenen Hosenbeinen aus dem sengend heissen Backofen. Handschuhe zu kaufen ist hier unmöglich. Auch der Fleischverkäufer erhielt ein paar Papierrollen, um sein Fleisch einzupacken. Sein getrocknetes Fleisch (genannt Critschi) wird an der Sonne gedörrt und mit scharfem Gewürz eingerieben. So hat er einen riesigen Tisch mit ganz dünn geschnittenen Fleischstücken. Die «Fleischfetzen» sind teilweise fast zwei Meter lang!
Gegen Abend war der Container vollständig ausgeräumt und unsere «Mission» langsam aber sicher erledigt. Ein paar wenige Schachteln blieben im Compound für Ostern, wofür wir noch die geeigneten Plätze finden werden. Doch das allermeiste und wichtigste ist verteilt. Felix erhielt von Gregory ein grosses Geschenk, in dem er ihm eine traditionelle Kappe seines Vaters überreichte. Die Kappe ist aus schwarzem Garn gehäkelt und wird vor allem auch an speziellen Festtagen getragen. Das Abendessen feierten wir bei Gregory zu Hause und verabschiedeten uns von seiner Familie, weil wir am nächsten Tag die Reise Richtung Süden starteten. Langsam aber sicher fühlte ich mich auch wieder in der Lage, weiter reisen zu können.