Bali Bafut Bali (72 km)
9.1.2010
An diesem Morgen fuhren wir zuerst zur Prescraft zu Ruedi. Er ist Schweizer und wir haben ihn übers Internet vor 1 Jahr kennen gelernt. Da er interessiert an unseren PCs ist, trafen wir uns mit ihm. Ruedi hat hier rund 150 Leute unter sich, die in der Schreinerei arbeiten. Der Job ist hart und diverse Hürden sind zu überwinden. Wir hoffen, ihm mit einigen PCs aus dem nächsten Container weiter helfen zu können. Das Gespräch bei einem Morgenkaffee war angenehm und interessant.
Danach fuhren wir voll beladen mit dem Auto nach Bafut. Ein weiteres Mal brachten wir Hilfsgüter fürs Spital und für die Kinder im Spital. Wir hatten es jedoch sehr eilig und für weitere Schwätzchen blieb diesen Tag keine Zeit, da wir in Bamenda dringend noch etwas zu erledigen hatten. So lieferten wir die Güter ab, knipsten Fotos und rauschten schon bald wieder zurück.
Rechzeitig vor Ladenschluss erreichten wir den MTN Shop in Bamenda. MTN hatte mir ein SMS geschickt, dass es für 5000 CFA (etwa 12 SFR) möglich ist, ein Abonnement zu lösen, um damit unbegrenzt Nachrichten und Anrufe während den Nachtstunden zu tätigen. Ich hatte dieses Abonnement auf Raten der Einheimischen gelöst und das Guthaben war abgezogen worden. Doch ich stellte fest, dass es weiterhin nicht kostenlos war. Deswegen wollten wir bei MTN nachfragen. So traten wir in den klimatisierten noblen Laden ein und fragten die Damen am Schalter um Auskunft. Dame A war besetzt und wies uns zu Dame B. Dame B sprach so leise, man verstand sie kaum und vermutlich war sie kurz vor dem Einschlafen. Sie gab uns trotzdem Auskunft, dass dieses Abo lösen soviel kostet und eine Art Anzahlung ist. Sie legte uns ein Blatt mit den ganzen Regeln dieses Abonnements vor. Dame C mischte sich von hinten mit ein, weil sie gemerkt hatte, dass wir ein wenig entnervt waren. Sie erklärte die Regeln und teilte gleichzeitig mit, dass dieses Abonnement erst in Douala und Yaounde funktioniert.
Wir ärgerten uns darüber, dass sie uns abgezockt hatten und gaben ihr zum Ausdruck, dass wir nicht damit einverstanden sind. In der Nachricht war nichts davon gestanden und es ist eindeutiger Betrug, dies an alle Kunden zu schicken, die dann ahnungslos mitmachen und es gar nicht nutzen können. Es war ein Hin und Her und kam doch nichts dabei heraus. Ich schnauzte die Dame an, dass ich mich abgezockt fühle und das das typisch für Kamerunische Korruptheit sei. Ich sei hier, um den Mittellosen zu helfen, und sie zögen ihnen laufend die Kohle aus der Tasche. Die grossen Firmen zocken die Leute ab, die nichts davon verstehen (mich in diesem Fall mit eingeschlossen). Ich war zwar nur halb so verärgert, wie ich mich gab, wollte ihr trotzdem meine Meinung geigen. Sie zuckte mit den Schultern, sie könne nichts ändern. So verlangten wir ihren Boss. Sie dirigierte uns zu einem Arbeitskollegen. Dieser schickte uns zu einem anderen Arbeitskollegen. Dieser sagte uns, der Boss komme gleich, hier drin sei sein Büro, er sei nur nach oben gegangen. Wir warteten und warteten. Nach längerem Warten drängelte ich nach, wann der Boss denn jetzt käme. In 5 Minuten oder noch später? 5 Minuten, versprach er. Wir hakten nach: ehrlich gemeint 5 Minuten oder nur um uns zu vertrösten? Er wisse es nicht, er sei dafür nicht zuständig, wir sollen seinen Arbeitskollegen (nochmals eine andere Person) fragen. Dieser gab zum Ausdruck, der Boss sei auswärts zum Mittagessen. Wann er denn kommen würde? Er wisse es nicht. Er verschwand, kam wieder retour und ich sagte ihm, langsam habe ich die Schnauze voll. Ich könne die SIM-Karte gleich in den Papierkorb werfen, weil ich es satt habe. Es war ein hin und her und ich wusste eigentlich schon bevor ich den Shop betrat, dass es nichts bringen würde. Aber ein Versuch war es wert... irgendwann sagte der Angestellte dann, er könne den Boss nicht anrufen oder holen, sonst würde er entlassen, weil er ihn in der Mittagspause gestört hätte. Wann und ob er komme, sei ungewiss... so verliessen wir den Shop, es hatte rein gar nichts gebracht. Sich darüber ärgern bringt auch nichts, wir spülten den Verlust bei einem kühlen Getränk herunter. Einmal mehr sahen wir, wie schwierig es hier sein kann. Für mich waren die 12 SFR noch bezahlbar, aber die Menschen, die sonst schon nichts haben, die tun mir einmal mehr leid. Sie sind wie immer die Armen und können nichts an der Situation ändern. Hohe Positionen sind Korrupt, je höher, desto schlimmer. Dies verändern zu wollen liegt nicht in unserer Macht, man muss sich wohl oder übel beugen. Doch unterstützen muss man es trotzdem nicht.
Im Restaurant war schon am Mittag einiges los. Diverse Menschen versuchten ihr Glück bei Pferdewetten in Frankreich. Alle schwirrten mit ihren Zetteln herum, um die Einsätze zu tätigen. Immer wieder kamen Kinder ins Restaurant, um Gürtel, Stoff, Bonbons oder ähnliches zu verkaufen. Ein kleiner Junge kam mit einer Waage. So können die Einheimischen ihr Gewicht kontrollieren und die Familie verdient sich etwas dazu. Heute lief es nicht gut für ihn.
Später fuhren wir zurück nach Bali. Dort beluden wir ein weiteres Mal das Auto mit Rucksäcken und Spielzeug für einige Waisenkinder von Bali, die bei Robert ein Zuhause oder Betreuung erhalten. Robert konnten bereits wir bei der Osterreise unterstützen. Die 40 Kids wussten von unserem Besuch und schwirrten schon ums Haus herum. Einige Plüschtiere, Spielzeug, Schuhe und Babyartikel fanden ein neues Zuhause. Wir knipsten Erinnerungsfotos und luden alles ab. Es freute uns, zu sehen, dass Robert den Kids direkt alles verteilte oder mit nach Hause gab. So kamen bereits eine Stunde später zu Fuss zu unserer «Basisstation» 5 Knirpse mit neuen Schulsäcken angetrottet, die uns dankend die Hände schüttelten und sich für die tollen Geschenke bedankten. Voller Stolz gingen sie nach Hause, um ihren Eltern die Schulmaterialien zu präsentieren.
Zum Abendessen waren wir bei Emmanuel und seiner Familie zu Hause eingeladen. Emmanuel war im Sommer bei uns in der Schweiz gewesen und wir waren ganz gespannt, sein Haus von innen zu sehen. Sein Bruder Edwin, der Schnitzer, und dessen Frau sind vom Nachbarshaus mit dazu zum Essen gekommen. Es gab Reis, Fufu, Huckleberry, Poulet, Tomatensauce und Ananas. Emmanuels 5 Kinder assen nebenan am Tisch und weitere rund 10 Kinder waren mit im Haus, wie es hier so üblich ist. Auch diese wurden alle verpflegt, assen teilweise am Boden und teilten sich Teller oder Besteck. Emmanuel hatte uns eine wunderschöne Pfeffermühle geschnitzt, über die wir uns sehr freuten. Ein sehr nützliches Geschenk. Nach dem Essen gingen wir mit Edwin in seine Werkstatt. Voller Stolz zeigte er uns zwei handgemachte Holzstühle, die er in der Zwischenzeit erstellt hatte. Edwin hatte an Ostern von uns Werkzeug erhalten, weil ihm alles gestohlen worden war. Voller Frustration hatte er nie mehr geschnitzt, sondern sich als Farmer durchgeschlagen. Da er jedoch ein riesiges Talent im Schnitzen hat, wäre es sehr schade gewesen, wenn er damit aufgehört hätte. Nun überraschte er uns mit zwei neuen Stühlen, die er mit dem neuen Werkzeug gemacht hatte. Der Prototyp war von einer Bestellung für die Schweiz und das zweite Werk schenkte er uns. Wir freuten uns sehr über diese sehr nette Geste und das wertvolle Geschenk, für das er etliche Stunden eingesetzt hatte. Der Stuhl zeigt eine Frau, die nach oben haltend die Stuhlsitzfläche hält. Ein schönes Gegenstück zu unserem Stuhl mit dem Spinnen-Motiv, den wir von ihm bereits zu Hause haben und unsere Wohnung schmückt.
Was wir noch lange als lustige Erinnerung behalten werden war, dass Emmanuel erzählte, er habe nun ein Sofa vor die Türe auf der Hausrückseite gestellt. Vorher sei immer das halbe Dorf durch sein Haus auf die andere Seite zur Strasse gegangen, das hätte ihn mit der Zeit gestört. Nun habe er diesen Durchgang mit einem Möbelstück «verriegelt» ;-)
Wir blieben nicht allzu spät, sondern legten uns früh schlafen. Auch am nächsten Tag stand wieder Programm auf unserem «Plan». Das abendliche Ritual war wie immer: eine eiskalte Dusche (hauptsche, wir haben Wasser...), Mitbewohner entfernen oder verabschieden (Spinnen, Kakerlaken und Eidechsen) und dann ab ins Bett. Vorher noch einen Blick in die Küche, ob die handtellergrosse Skorpion-Spinne noch irgendwo herum spaziert oder ob wir uns beruhigt hinlegen können...