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Kamerun Reisebericht Cameroon

Mayo Darle – Foumban – Bamessing – Bali Nyonga (340 km)


5.1.2010

Vor der Rückreise Richtung Bali Nyonga besuchten wir am Morgen zuerst die Schule in Mayo Darle. Voller Stolz waren alle Kinder in den Pullovern und mit den Schulsäcken erschienen, die sie an Ostern von uns erhalten hatten. Der Pulli scheint ein Teil der Schuluniform geworden zu sein. Da die Schulsäcke alle einheitlich ausschauen, haben sie ihre Namen gross aussen angeschrieben, damit sie es schneller wieder zuordnen können. Die grösseren Kinder der zweiten Klasse freuten sich riesig, als sie in ihr Schulzimmer schauten. 15 Schultische und über 20 Stühle standen in ihrem Zimmer, die wir aus der Schweiz mitgebracht hatten. Des Weiteren hatten wir mehrere Wandtafeln bringen können, die bereits zum Einsatz gekommen waren. Dank einer grossen Spende von Katrin Schelling, deren Familie und Freunden hatten wir über 11 000 Schulhefte für die Kinder eingekauft. Einen Teil davon spendeten wir in Mayo Darle. Wir versammelten uns mit allen Kindern vor der Schule, um ein tolles Erinnerungsfoto zu knipsen. Lehrer, Eltern und Schüler strahlten und diverse Hände wurden als Dank geschüttelt. Gerne richten wir all die lieben Worte weiter, die wir erhalten haben. Auch weiteres Material wie Stifte, Lineale, Spitzer, Radiergummis u.v.m. durften wir abgeben. Nach allgemeiner Verabschiedung starteten wir die Reise Richtung Süden. Rund 350 km Strecke (grösstenteils Holperpiste) waren zu bewältigen.

Unterwegs hatten wir diverse Kalenderkinder, die wir suchen wollten. Als erstes war das Juni-Kalenderbild an der Reihe. Sie hatten wir mit Mutter und weiteren Kindern und Müttern beim traditionellen Doktor im Busch angetroffen. Als wir bei diesem kleinen Dörfchen ankamen, hielten wir an und gingen zaghaft hinunter. Ein reines Moslemdorf, kaum jemand spricht Französisch oder Englisch, sondern ausschliesslich ihre eigene Sprache Fulfulde. Mit wenigen Wortfetzen verständigten wir uns, dass wir dieses Mädchen suchen. Glücklicherweise kamen bald zwei jüngere Burschen, die ein wenig Französisch sprechen konnten. Das Dörfchen ist völlig abgelegen, ohne Strom, mit einigen runden Strohhütten, Bastgeflechten und Grasdächern. Ein weiteres Mal staunten wir, wie man hier überleben kann. So erklärten wir den Burschen, dass wir dieses Kind an Ostern fotografiert hätten und es nun suchen. Sie waren äusserst skeptisch. Ja, sie kennen es, doch was es denn getan hätte, warum wir es suchen? Warum ist sie auf diesem Foto? Von ein wenig weiter hinten drangen die ganze Zeit monotone Kinderstimmen aus einer Hütte. Es klang fast wie eine Beschwörung, vielleicht der Koran oder ähnliches wurde immer und immer wieder gesprochen. Es brauchte wirklich sehr lange, bis wir erklärt hatten, dass dieses Kind nichts Böses getan hätte. Dass wir hier sind, weil es im Kalender ist und dafür Schulgeld erhält. Nach einer halben Ewigkeit dann glaubten die Burschen uns. Das Mädchen hiesse Aisha und sei 6 Jahre alt. Sie sei jedoch mit ihren Eltern nun in Tibati (sehr viel weiter nördlich). Er könne uns jedoch die Telefonnummer der Eltern geben. Man glaubt es kaum: er ging in seine Hütte und holte ein Handy heraus! Natürlich war der Akku leer, es hat ja auch keinen Strom hier. Also hiess es SIM-Karte wechseln, die Nummer suchen, SIM-Karte wieder wechseln und anrufen. Die Nummern in seinem Handy waren überwiegend ohne Namen gespeichert, doch der Bursche wusste trotzdem, wem sie zuzuordnen waren. Irgendwann dann hatten wir die Nummer von der Mutter Hadschara und dem Vater Aladschi. Gregory telefonierte Hadschara und glücklicherweise sprach sie französisch. Sie war fassungslos vor Freude, als er ihr mitteilte, sie solle demnächst einmal hier her kommen, wir hätten den Kalender und das Schulgeld für Aisha deponiert. Wir sind sicher, dass wir sie beim nächsten oder übernächsten Reise antreffen werden. Hadschara konnte sich noch gut daran erinnern, dass wir sie alle fotografiert hatten.

Danach hiess es schleunigst weiter fahren. Bald einmal kamen wir nach Kongui. «Unsere» kleine Schule war gerade in Betrieb und wir erhielten Einblick in den Alltag der wenigen Kinder. Einige Kinder waren auch auf dem Feld, doch nach den Ferien kämen nach und nach dann wieder alle, erklärte der Lehrer. Er bedankte sich herzlich für die Hefte, die wir auf der Hinreise abgegeben hatten. An der von uns gespendeten Wandtafel unterrichtete er Addition und Subtraktion. Ein paar Kinder sassen auf den Holzbänken und guckten verschmitzt in unsere Richtung. Ein Kind trug den Pullover von uns. Das freute uns ebenfalls. Unsere Spenden sind wirklich überall im Einsatz und können bestens gebraucht werden.

In Kongui hatten wir ebenfalls zwei Kinder im Kalender. Leider ist Omama (6 Jahre, Januar-Foto) mittlerweile mit ihrer Mutter nach Nigeria ausgewandert und wir konnten sie nicht mehr antreffen. Ihr Vater lebt noch im Dorf, doch er war auf der Farm. So hinterliessen wir den Kalender und das Geld fürs Kind im Dorf leider ohne das herzige Mädchen nochmals selber zu sehen. Dezember-Kind Hawaou (12 Jahre) ist ein Bororo-Mädchen. Bororos leben nur in der Regenzeit im Dorf, in der Trockenzeit ziehen sie mit ihren Rinderherden umher, um diese zu füttern. So trafen wir auch sie leider nicht an. Wir hinterliessen den Kalender beim Dorfchef und hoffen, sie auf der nächsten Reise zu treffen.

Auch auf der langen Weiterfahrt sahen wir ab und zu mitten im Busch wieder einen «unserer» Pullover aufgehängt oder in der «Waschmaschine» am Fluss. Manchmal wurde in fast stehendem schmutzigem Wasser am Strassenrand gewaschen. Es ist leider kein anderes zur Verfügung...

Die Fahrt war heiss und staubig, es wurde 38° Grad heiss und wir schwitzten im Auto vor uns hin. Zu schreiben wäre vielleicht auch noch, dass nur wir beide schwitzten. Gregory fuhr mit weit nach unten gezogener Wintermütze, geschlossener Faserpelzjacke, T-Shirt und Unterleibchen. Wir machen und jeweils einen Spass daraus, ihn zu fragen, ob er kalt hat. Kaum zu glauben, oder? Ja klar, der Fahrtwind ist ja auch wahnsinnig kalt, wenn man dann so alle paar Minuten mal die Scheiben öffnen kann, wenn kein Staub eindringt. ;-)

Viele Pausen konnten wir nicht einlegen, weil unser Tagesziel noch weit entfernt war. So verbrachten wir die Zeit mit hin- und herschaukeln auf den Sitzen und aus dem Fenster schauen. Scheiben hochkurbeln (wenn ein Auto entgegen kam) und Scheiben wieder herunter kurbeln (wenn kein Auto entgegen kam und die Hitze uns wieder fast erdrückte). Schauen, was die Menschen hier so tun. Diverse gingen zu Fuss der Piste entlang, mal mit einem Buschmesser, mal mit Wäschekörben auf dem Kopf, auf dem Weg zum Markt, von der Schule nach Hause oder ein Haus aus Motblocks bauend am Rand der Strasse. Stundenlang und monoton, der Weg zog sich in die Länge und es kam uns ewig vor, weil die Hitze uns alle drei ziemlich ermüdete. Dank den Polizisten, die doch in den letzten 3 Jahren gelernt haben, dass sie nicht jedes Auto peinlichst genau kontrollieren und die Passagiere ausfragen müssen, was sie hier tun oder wohin sie gehen, hatten wir trotz allem eine angenehme Reise.

Nach einer Weile erreichten wir das Dorf Manki II. Hier hatten wir erneut zwei Kinder im Kalender und stiegen erfreut aus dem Auto, um einen Halt zu machen. Es war Markt im Dorf und reges Treiben. Zuerst fand ich das noch sehr spannend, viele Leute, es gab viel zu schauen und die Kinder und Eltern wären sicher auch anwesend an solch einem Tag. So gingen wir zu der Stelle, wo wir die Fotos geknipst hatten. Nur kurz mussten wir die Bilder zeigen, alle kannten die Kinder. Schon bald kam ein Mann, der uns sagte, wir müssen uns beim Polizisten ein wenig weiter rechts melden. Ups, ihn hatten wir noch gar nicht erblickt. Alles klar, also taten wir das. Ob wir ein Problem hätten. Wir erklärten, wer wir sind und was wir tun. Sekunden später waren um uns herum jegliche Menschen vom Markt und es wurde langsam aber sicher ungemütlich. Der Polizist fiel in sein altes Schema «eklig sein» zurück. Ein wesentlicher Unterschied zur Schweiz: die Polizei ist niemals dein Freund und Helfer... ganz im Gegenteil: man meide sie, wo es nur geht. Er spielte sich auf, er müsse Bescheid wissen, was hier geht, er müsse es dem Dorfchef melden und wir müssen uns ebenfalls dort melden. Wir wussten, wenn wir das tun, ist unser Schulgeld genau dort, wo es niemals beim Kind ankommen wird. Bevor die Situation ins gänzlich nervig ungemütliche kippte, kriegten wir nochmals die Kurve. Er schien zu kapieren, dass wir eine Hilfsorganisation sind und liess uns weiter die Kinder und Eltern suchen. Kurz später kam ein zweiter Polizist. Er sei der Chef des anderen und müsse wissen, was wir hier tun. Das gleiche Spiel also nochmals. Sein Angestellter hätte nicht verstanden, um was es geht. Er müsse Bescheid wissen. Wir mussten uns ziemlich zusammenreissen und erklärten nochmals die ganze Geschichte. Nach ellenlangen Diskussionen kapierte auch er, um was es geht. Polizisten in Kamerun sind froh um jegliche Arbeit und spielen sich gerne wichtig auf. Und plötzlich fand er alles gut, was wir machen. Ja natürlich, den Kindern müsse geholfen werden, er denke ja genau wie wir usw. Naja, wir klinkten uns aus dem Gespräch und Gregory raunte den Eltern und Kindern aus dem Kalender zu, sie sollen sich ein Mofa schnappen und Richtung Foumban fahren, wir kämen gleich nach und treffen uns dort. So verliessen wir den Markt und die vielen Leute.

Wenig weiter trafen wir nun also endlich in mehr oder weniger kleinerem Kreise Raphiet (Oktober-Bild, 6 Jahre) und Suberu (April-Bild, 10 Jahre). Beide Kinder gehen zur Schule. Suberus Vater ist blind. An seiner Stelle kam der Onkel, um mit uns zu sprechen. Stolz erhielten sie ihr Schulgeld und den Kalender und wir knipsten Erinnerungsfotos. Dank dem wir dies nicht mitten im Markt tun mussten, wussten die Menschen im Dorf auch nicht so genau Bescheid, dass wir diesen Kindern finanziell helfen. Vor allem der Vater von Suberu wäre als Blinder ein leichtes Opfer für die Beute des Schulgeldes. Wir versprachen, bei der nächsten Tour im Dorf wieder anzuhalten und sie zu grüssen.

Nach dieser Aufregung fuhren wir weiter Richtung „Heimatdorf“ Bali Nyonga. Es waren noch etliche Kilometer zu bewältigen. Gegen 18 Uhr dunkelt es jeweils ein und wir waren erst in Bamessing. So mussten wir die letzte Strecke im Dunkeln fahren, was ziemlich gefährlich ist. Strassenlampen sind mehr oder weniger selten, die Leute spazieren auch nachts auf der Strasse herum und einige Autos fahren ohne Licht. Die Sicht ist sehr schlecht, weil die Luft sehr staubig ist oder die Menschen Buschfeuer angezündet haben und der Rauch in der Luft hängt. Wie man so schön sagt: der Fahrer kennt den Weg. So schafften wir auch das letzte Stück heil zurück und waren ziemlich geschafft nach der langen Reise. Die Sisters in Bali meinten es einmal mehr richtig gut mit uns und begrüssten uns auch zu späterer Stunde noch mit einer warmen Mahlzeit. Die Spaghetti mit Sauce schmeckten an diesem Abend unglaublich gut! Danach hiess es nur noch, den Schmutz der Reise unter der eiskalten Dusche abzuwaschen und ab ins Bett.



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