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Kamerun Reisebericht Cameroon

Mayo Darle – Banyo – Mayo Darle (56 km)


4.1.2010

In aller Frühe wurde unser Auto mit Schulsäcken samt Inhalt beladen. Wir starteten gemeinsam mit Sr. Evelyn eine Hilfsgüterladung nach Banyo. Banyo liegt 60 km weiter nördlich von Mayo Darle. Auch diese Strecke ist in sehr schlechtem Zustand, staubig, holprig und ziemlich eintönig. Vor der Anreise sprach Sr. Evelyn ein Gebet, dass wir eine gute Reise haben werden. Kurz nach Mayo Darle besuchten wir die Mutter einer Sr. aus Bali. Wir erschraken, wie man hier wohnen kann. Ein paar Hütten, Ziegen, Hühner, Kalebassen, Mango- und Bananenbäume, Maiskolben, eine uralte Mahlmaschine, Strohdächer und grosse Dürre rundherum waren das Einzige, was wir sahen. Die Hütte mit dem Maisvorrat war vor kurzem abgebrannt. Der Neuaufbau eines Hauses war im Gange. Eine handvoll Leute begrüssten uns freudig. Unvorstellbar, von was die Menschen hier leben. Die grossen (Hunger-)Bäuche der kleinen Kinder bedrückten uns. Weil der Weg zum Doktor zu weit und zu teuer ist, haben die kranken Kinder ein Stück Schnur um den Hals gebunden, der ihnen bei der Heilung helfen soll.

Nach rund 1 1/2 Stunden erreichten wir durchgeschüttelt Banyo. Die rund 310 Schulkinder unter katholischer Führung begrüssten uns. Sie standen klassenweise in Reih und Glied, sangen Lieder und tanzten. Wir besichtigten die Klassenzimmer. Enge alte Schulbänke, kleine Wände, die als Wandtafeln benutzt werden, Löcher in der Decke, eine kleine Bibliothek, zwei Toiletten und eine kleine Küche wurden von uns fotografiert. Der richtige Platz, um unsere vielen Schulsäcke inklusive Etui und Schreibmaterialien zu verteilen. Jedes der Schulkinder erhielt einen Sack. Des Weiteren entschieden wir uns, hier das Geld der Schulkinder aus Schübelbach zu übergeben. Die Schule braucht wie so viele andere auch dringend Unterstützung. Ein Schuljahr für ein Kind kostet hier rund 50 Fr. Kindergarten und ein Primarschuljahr 40 Fr.

Wir freuen uns schon auf das Feedback, was mit dem Geld gemacht werden konnte. Wir stellen es zum allgemeinen Verbrauch zur Verfügung. Die Bitten nach Hilfe für die Häftlinge vom Gefängnis lehnten wir vorerst ab. Wir wollen unseren Vorstellungen treu bleiben, dass wir in erster Linie den Kindern, Spitälern und Waisenhäusern helfen möchten. Die Gefahr, an zu vielen Projekten mit zu helfen und somit nirgends mehr genug tun zu können, wollen wir nicht eingehen.

Nach einer Mittagsverpflegung im Konvent und weiteren Gesprächen traten wir die Rückreise nach Mayo Darle an. Auf den Bäumen sahen wir an vielen Orten Bienenkörbe und am Strassenrand wurde da und dort Honig zum Verkauf angeboten. Wir waren froh, als wir den Rückweg über die Holperstrecke heil überstanden hatten. Eine kalte Dusche erfrischte uns und wir waren wieder fit für weitere Unternehmungen. Im Spital waren in der Zwischenzeit alle gespendeten Betten aufgestellt worden.

Wir gingen mit dem Kinderkalender 2010 auf die Suche nach Pauline, die auf dem Mai-Blatt abgebildet ist. Die Schwestern schickten jemanden los, um sie zu finden. Pauline ist eines von Drillingen. Bald wuselten die Drillinge um uns herum. Wie meistens waren wir überrascht, wie klein die Kinder aus dem Kalender eigentlich sind. Pauline ist 6 Jahre alt. Ihre Mutter starb bei der Geburt der Drillinge namens Pauline, Peter und Paul. Sie gebar im Busch in der Nähe von Banyo und verlor bei der Geburt zu viel Blut. Die Verwandten holten Hilfe, doch als die Schwestern eintrafen und die Mutter ins Spital transportieren wollten, war sie bereits verstorben. Die Schwestern nahmen die Drillinge mit ins Spital und brachten sie später ins Waisenhaus von Kumbo. Dort lebten sie die ersten 4 Jahre. Vor zwei Jahren dann holte der Onkel namens Manassis die Kinder zu sich nach Mayo Darle. Vor 1 Jahr verstarb auch der Vater der Drillinge. Nun sind sie Vollwaisen und wohnen bei ihrem Onkel, der uns diese Auskünfte erteilte. Mit den Drillingen leben noch etliche weitere kleinere Kinder in der armseligen Hütte. Die Kinder scheinen ziemlich auf sich selbst gestellt zu sein. Die Frau von Manassis war auf dem Feld, Manassis selber war auch erst nach einer Weile aufgetaucht. Viel mehr als ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen gibt es hier für alle Kinder nicht. Glücklicherweise gehen alle drei zur Schule und die Schwestern schauen hauptsächlich, dass es ihnen gut geht und sie etwas lernen können. So gaben wir das Geld auch direkt den Schwestern, um damit für Pauline zu sorgen.

Im Dorf begrüssten wir Assana und Ousseni, die vom Besuch bei ihrer Grossmutter weit weg mit ihrer Mutter zurück gekommen waren. Wir freuten uns, die Zwillinge zu sehen, deren Operation wir finanziert hatten. Freudig fotografierten wir die Beine, die nun korrekt gerade sind. Wir erklärten dem Vater, dass er unbedingt zur Nachkontrolle nach Bafut fahren muss. Zu viele Gründe hatten ihn bisher davon abgehalten. Er versprach, dies zu tun.

Zur Feier des Tages von Felix’ Geburtstag gab es ein feines aus der Schweiz mitgebrachtes Fondü, das wir auf dem Gasherd zubereiteten. Alle Schwestern assen mit uns von dem feinen Menü mit Brot und «Gschwelti». Das weitere Menü bestand aus einer von uns mitgebrachten Flasche Weisswein und einem von den Schwestern gebackenen Kuchen. Der Abschluss des Abends war das Steigenlassen einiger Wunschlaternen im Garten der Schwestern.



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