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Kamerun Reisebericht Cameroon

Mayo Darle


3.1.2010

Am Morgen schauten wir uns zuerst den neu erbauten Operationsraum an. Dank einer sehr grossen Spende aus der Schweiz konnten wir mit einer anderen Hilfsorganisation aus Italien mithelfen, den Bau zu finanzieren. Das neue Gebäude erfüllt alle mit stolz. Es hat diverse Räume, einen OP, Aufwachraum, Umziehraum, Ruheraum, Toiletten und so weiter. Die sanitären Einrichtungen sowie Elektrizität sind ebenfalls alle vorhanden. Nun fehlt noch das Inventar. Die Arbeit wurde sauber und einwandfrei ausgeführt. Wir hoffen, dass mit weiteren Mitteln auch die Inneneinrichtung bald vor Ort sein wird. Unsere mitgebrachten 8 Spitalbetten und Matratzen lösten allgemeines Erstaunen und Freude aus. Im Spital war schon am Morgen sehr viel los. Mütter waren mit ihren Bébies gekommen. Anscheinend gebären die Mütter hier meistens am Abend und gehen am anderen Morgen wieder nach Hause. Wenn sie sie länger behalten wollen, würden sie nicht mehr kommen.

Dank unseren Spendengeldern konnten sie auch die Wände und das Inventar vom bestehenden Krankenhaus anstreichen und das Spital erstrahlt in neuer Farbe. Im Medikamentenraum sind alle Gestelle voller Tabletten und Heilmittel. Wir freuen uns, einen Teil davon als unsere Spende ansehen zu dürfen. Die vielen Einweghandschuhe von der Osterreise sind überall rege im Einsatz. Der mitgebrachte Schmuck aus der Schweiz erfreut die Frauen im Spital. Eine Mutter kommt uns grüssen. Sie gebar zweimal Zwillinge, danach Drillinge und jetzt nochmals Zwillinge. Auch ihr wurde im Spital einmal dank Ashia geholfen. So wuseln diverse gleichaltrige und gleich aussehende Kinder um sie herum.

Gegen 13 Uhr versammeln wir uns mit dem Spitalpersonal. Auch der Pfarrer ist mit dabei. Er eröffnet die Versammlung mit einem Gebet und einem Willkommensgesang. Unsere Spenden werden mit riesiger Freude verdankt, die wir mit nach Hause bringen dürfen. Sie freuen sich, mit uns zu sein und denken immer an uns, wenn sie die vielen Güter in Gebrauch haben. Auch der Vater der operierten Zwillinge ist anwesend. Dank den Spenden von Ashia sind seine Zwillinge heute gesund und munter, die Beine sind nach der Operation wunderbar gerade.

Dr. Thomas führt die weitere Sitzung. Er informiert uns darüber, wie vielen Menschen dank unseren Spendengeldern geholfen werden konnte. Das neue Operationshaus erfüllt alle mit stolz. Sie heissen uns herzlich Willkommen. Wir zeigen unsere frisch mitgebrachten Güter und erklären deren Funktion. Blutzuckermessgeräte, Spritzen, Pflaster, Einweghandschuhe, Windeln, Antibiotika, allgemeines Werkzeug und vieles mehr wird hier zum Einsatz kommen.

Als nächstes ist der Major von Mayo Darle an der Reihe. Er ist sehr glücklich, dass wir ihnen helfen. Er bedankt sich im Namen der Bewohner vom Dorf. In Mayo Darle kennen uns die Menschen mittlerweile. Sie hätten verstanden, wer wir sind und dass wir ihnen jeweils helfen.

Sr. Cynthia ist die junge Nachfolgerin von Sr. Evelyne. Leider wird Sr. Evelyne bald versetzt werden, was wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Sie war der Ursprung, dass wir immer wieder zurück an diesen Platz und allgemein nach Kamerun gehen. Doch wir werden ihr mit Sicherheit an ihren neuen Platz folgen. Sr. Cynthia gefällt der von uns gewählte Name der Organisation. Er passe perfekt zu dem, was wir hier tun. Sie bedankt sich im Namen aller Franziskaner-Schwestern von ganzem Herzen. Es folgen weitere lobenden Worte und Dankesreden.

Das Personal des Spitals bedankt sich auf ganz spezielle Art und Weise bei uns. Wir werden in einen Nebenraum geben, wo wir von einer Krankenschwester je ein neues geschneidertes Kleid erhalten. Sie können uns nicht viel geben, doch dies käme von Herzen. Wir freuen uns sehr über diese Geste und präsentieren uns gleich allen in unseren neuen Kleidern. Die Spenden werden als Abschluss gesegnet und nach diversen Liedern und Lobgesängen verlegt sich die ganze Gruppe nach nebenan, um ein Spitalbett als „Vorzeigemodell“ zusammen zu bauen. Allgemeines Staunen über diese tollen und stabilen Betten herrscht um uns herum.

Nach dem Aufbau des Bettes werden wir ein Stück weiter nebenan gebeten. Dort hat sich ein Teil des Dorfes versammelt. Man feierte Familienfest und hatte uns dazu eingeladen. Auf dem grossen Tisch in der Mitte standen diverse Töpfe mit verschiedenen Mahlzeiten. Auch der Dior war anwesend. Wir konnten unser Schmunzeln kaum verkneifen, denn er hatte uns 3 Jahre zuvor ziemlich schikaniert. Damals waren wir im Auto angehalten worden, weil wir das Handy aus dem Fenster gestreckt hatten, um nach Empfang zu suchen. Er hatte uns angehalten und ausgefragt, wer wir sind und was wir wollen und ob wir uns hier bei ihm angemeldet hätten. Die anschliessende längere Schikane mit unserer Ausweiskontrolle, die er verkehrt in den Händen hielt, ist uns noch klar in Erinnerung. Auch er schien mittlerweile begriffen zu haben, wer wir sind und was wir hier bewegen.

Auf alle Fälle mussten wir und zuvorderst hinsetzen, direkt neben ihm und neben den Pfarrer des Dorfes. Als Dior scheint er ziemlich wichtig zu sein. Er vertritt die Sub-Division und steht somit ziemlich direkt unter dem Präsidenten Biya. Uns sind solche Titel nicht wichtig. Wir mussten leider feststellen, dass je «wichtiger» jemand in Kamerun ist, desto korrupter und schwieriger ist solch eine Person. Wir wurden allgemein vorgestellt und danach wurde gemeinsam gefeiert. Ein paar Gebete, lobende Worte, weiterer Gesang und allgemeine Dankbarkeit durften wir entgegen nehmen. Symbolisch zur Gemeinsamkeit war ein Kuchen gebacken worden, den wir gemeinsam verspiesen. Wir wurden gebeten, ihn zu zweit anzuschneiden. Glücklicherweise konnten sie mich noch stoppen, bevor ich einfach mit dem Messer auf den Kuchen los wollte. Das Ritual musste strengstens eingehalten werden. Und am Ende der Worte durften wir den Kuchen dann anschneiden und unter den Leuten verteilen.

Das Buffet wurde eröffnet und der Dior übergab mir die Ehre und sein Amt, als erste vom Buffet zu holen. Wir brauchten ein paar Anweisungen, was für unsere europäischen Mägen geeignet ist. Es waren so viele verschiedene Töpfe auf dem Tisch, dass wir vieles gar nicht kannten. Jeder der Anwesenden hatte etwas mitgebracht. Zum Glück wurde uns auch ein Whiskey offeriert, um unsere Mägen wieder zu beruhigen. Die Mahlzeiten sind jeweils so gut gemeint, doch wir müssen trotz allem aufpassen, weil wir es nicht gewohnt sind, diese Speisen zu essen.

Später besuchten wir noch die Patienten im den Zimmern und konnten einige Fotos von der letzten Reise verteilen. Natürlich wollten später alle fotografiert werden, um später auch ein Foto von sich zu erhalten.

Des Weiteren besuchten wir ein Projekt des Majors von Mayo Darle. Hinter dem Spital hat er für Lepra-Kranke Häuser erbaut und hier wohnen nun rund 12 Personen. Teils aus Zentralafrika oder aus dem Tschad. Diese älteren Männer und Frauen sind gänzlich mittellos. Sie wohnen in einem kleinen Räumchen, schlafen auf einer Grasmatte und haben als Eigentum ein paar Töpfe und ein paar Kleidungsstücke. Einigen Männern fehlen die Füsse und die Hände, sie sind auf ständige Pflege angewiesen. Sie freuten sich über unseren Besuch. Auch für dieses Projekt konnten wir finanzielle Unterstützung vor Ort lassen.

Unser Nachtessen wurde draussen auf dem Feuer bereits zubereitet. Schon bald durften wir uns über Nudeln an Tomatensauce erfreuen. Ein weiteres Mal gab es Kuchen, den wir gemeinsam anschneiden durften. Den Abend verbrachten wir in gemütlicher Runde mit den Schwestern und legten uns danach früh schlafen. Die kalte Dusche mit ganz wenig Wasser aus der Brause hatte ausgereicht, um uns einigermassen zu säubern und «frisch» zu fühlen.



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