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Kamerun Reisebericht Cameroon

Bali Nyonga – Bafut – Bali Nyonga (72 km)


29.12.2009

Nach einem ausgiebigen Frühstück bei den Sisters im Spital starteten wir eine Fahrt mit Hilfsgütern für nach Bafut. Um den Container hatte es vom Vortag der kompletten Ausräumung noch etliche Papierfetzchen. Im Nu hatte ich drei kleine Helfer gefunden, die mit mir den Platz säuberten und dafür ein kleines Kuscheltier erhielten. Während dessen beluden die Männer den Wagen. So waren wir bald startklar.

Unterwegs musste das Auto aufgetankt werden. Auch hier könnte man als Neuling leicht übers Ohr gehauen werden. So steht die Anzeige beispielsweise nicht auf 0, wenn man ankommt. Der nächste Besucher freut sich dann über Benzin, die der Vorgänger bezahlt hat und sein Komplott mit der «netten» Dame an der Tankstelle hat geklappt.

In Bafut hat es zwei Spitäler, die Hand in Hand arbeiten. Das eine ist das Katholische Spital St. Theresia, wo hauptsächlich Fehlstellungen der Beine korrigiert werden. Das andere ist Sajocah, wo Physiotherapien durchgeführt werden oder die Beinprothesen, Spezialschuhe und Gehhilfen für die Behinderten angefertigt werden. Bald schon hatten wir Bafut via Bamenda erreicht, obwohl die Strasse nach der Regenzeit in einem schlimmen Zustand war. Schwester Felicitas (welche wir seit 2006 von Mayo Darle kennen) sowie ihre Kolleginnen freuten sich über unseren erneuten Besuch. Natürlich wurden wir als erstes verpflegt, was typisch für Kamerun ist. Es lässt sich nicht verhindern und gehört einfach mit dazu. Obwohl wir nie angemeldet erscheinen, steht immer im Nu eine warme Malzeit auf dem Tisch. Sie erzählte uns Geschichten aus ihrem Alltag und wir konnten nachempfinden, wie schwierig es sein muss. So viele Besucher können die Operation nicht bezahlen. Sie kommen an, mit heftigen Schmerzen, meistens seit Monaten. Ihre Gelenke und Knochen sind deformiert, sie können keine Nacht mehr schlafen. Ihre ganze Hoffnung liegt auf Hilfe des Spitals. Auch wenn sie noch so lange Geld sparen, sie schaffen es nie. Die Schwestern bringen es verständlicherweise nicht übers Herz, die Menschen einfach abzuweisen und nehmen an Bezahlung, was es halt gibt. Meistens reicht es nirgendwo hin. Da die halbe Verwandtschaft mit zur Pflege ins Spital kommt, übernachten diese ebenfalls in den Räumlichkeiten, benutzen Toiletten und Räume. Alles ist überfüllt. Etliche Patienten warten schon seit Monaten auf ihre Behandlung, bis wieder ein Ärzte-Spezialist für ein paar Wochen vor Ort ist, um die Operationen durch zu führen. Schwierige Korrekturen wie Hüfte oder Knie werden derzeit meistens von Ärzten aus Europa gemacht.

In den Gängen kommen uns Kinder entgegen, die mit Beinschienen oder an Krücken ihre Gehversuche machen. Klumpfüsse, Deformationen und Missbildungen werden best möglichst korrigiert. Anscheinend hat es rund um die Region Bafoussam am meisten Kinder oder Erwachsene mit schiefen Beinen. Warum das so ist, weiss bis jetzt niemand ganz genau. Kalzium-Mangel, Vitamin-Mangel oder eine falsche Pflege im Babyalter? Man rätselt.

So sind unsere Rollstühle, Krücken und Kinderspielzeuge ein willkommenes Geschenk. Sie freuen sich riesig. Sogar ein schwerst spastischer Knabe versuchte ein paar Mal mit grosser Mühe «Thank you» zu sagen, was uns besonders rührte. Zur weiteren Unterstützung konnten wir beiden Spitälern einen grösseren Geldbetrag zur allgemeinen Verfügung stellen. Sie erzählten uns von mindestens 40 Kindern, die dringend eine Operation benötigen und ganz schlimme Deformationen hätten. Wir überlegen, wie wir diesen Kindern helfen könnten. Solch ein grosser Betrag steht uns derzeit leider noch nicht zur Verfügung.

Auf alle Fälle ist das Spital ein Lichtblick, es ist vorbildlich sauber geführt, die Operationsräume sind klinisch sauber und steril und haben sogar eine Klima-Anlage, damit die Ärzte aus Europa sich wohl fühlen und ihre Arbeit möglichst gut ausführen können. Von der Operationslampe bis zum Werkzeug und Verbrauchsmaterial ist alles da, auch wenn meistens sehr gespart werden muss oder oft z.B. ein steriler Verband mehr als einmal verwendet werden muss.

Nach dem Mittag fuhren wir weiter nach Bamenda, wo wir die grosse Schulheft-Aktion starteten. Dank einer tollen Spendensammlung durch Katrin (vielen tausenden Dank!) konnten wir von der Schweiz Geld für über 10 000 Schulhefte für Kinder mitbringen. Diese wollten nun organisiert und vor Ort transportiert werden. Telefonisch hatten wir es bereits bestellt und nach dem Mittag standen sie im Markt bereit. Zwei volle Karren voller grosser Kartons (Bild oben rechts) wurden angefahren und auf unsere Ladefläche gepackt, bis gänzlich kein Platz mehr war. Schlussendlich hatten wir dank grosser Abnahme-Menge einen super Preis erhalten und sogar 12 600 Hefte kaufen können! Linienhefte, Häuschenhefte und blanko Hefte konnten wir nun stolz nach Bali transportieren. Die Verteilung musste noch bis Schulbeginn am 4. Januar oder ein paar Tage danach warten. Auf alle Fälle waren wir jetzt parat ?

So waren wir am späteren Nachmittag bereits wieder in Bali. Vorsorglich hatten wir unsere Getränke in der Stadt gekauft und selber mitgebracht, denn nach diesen etlichen Tagen Festlichkeiten war Bali langsam aber sicher an einer Bierknappheit angekommen. Wir rüsteten uns für den 3. Lela-Tag, an dessen Tanzen angesagt war. Der Fon war wiederum aus seinen Räumlichkeiten auf den grossen Platz gekommen und die Menschen aus Bali versammelten sich um den Platz, um mit ihm zu tanzen. Unter seinem Sonnenschirmchen drehte er seine Runden im Volk, rund um den Baum. Die Musikanten spielten ohne Unterbruch stundenlang und das Volk tanzte dazu, ebenfalls ohne Unterbruch. Wir mischten uns ins Getümmel und feierten mit. Dank Tanzwedel waren wir nun voll dabei und überall wollte man mit uns Tanzen oder Fotos knipsen. Es gab ein wunderschönes Bild, die vielen gleichen traditionellen Gewänder zu sehen, die sich rhythmisch zur Musik bewegten. Alle waren in guter Stimmung und es wurde da und dort Smalltalk betrieben. Einige Gruppierungen mit gleichen Kostümen tanzten gemeinsam und formierten sich vor dem König, um die Ehre zu erweisen und den Segen zu erhalten. Für den Segen tanzten sie ein wenig verbogen vor ihm hindurch und er legte seine Hand auf deren Rücken. Zwischendurch wurde laut auf den Elfenbeinzähnen geblasen. Immer wenn der Fon auf seine Blechtrommel schlug, jubelten alle Frauen und schwangen eifrig ihren Tanzwedel. Das ganze Spektakel dauerte bis Anbruch der Dunkelheit. Plötzlich beendeten die Musiker mit drei abschliessenden Takten ihre Arbeit und damit war das Fest vorbei. Fon, Gefolge und Notabeln strömten zurück hinter die Mauern zu ihren Räumlichkeiten. Die Besucher strömten zurück zur Dorfmitte für ein Erfrischungsbier oder danach schon bald einmal nach Hause. Nur die Hartgesottenen feierten auch diesen Abend wieder bis spät in die Nacht hinein... Nach Heiligtag und zwei Lela-Tagen der vierte Tag (fast) in Folge!



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