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Kamerun Reisebericht Cameroon

Mamfe – Makak – Ngui – Manyemen – Kombone Bafaw – Kumba – Limbe (243 km)


11.1.2009

Die weitere Fahrt führte uns von Mamfe über eine wesentlich bessere Strecke in Richtung Manyemen. Wir passierten diverse kleine Dörfchen und waren überrascht über die Sauberkeit. Vor den Hüttchen war überall gewischt, sogar Laub wurde zusammengenommen. Lastwagen wurden mit Säcken voller Orangen beladen. Wir überquerten einen breiten Fluss. Die Piste war einmal mehr nass, mit Moskitos als unsere Begleiter und mit diversen kleinen Holzbrücken. Riesige Bambusbäume zierten den Weg. Vor den Hüttchen waren überall Gräber der Verstorbenen, je nach Budget nur mit einem bescheidenen Holzkreuz oder sogar mit Plättchen auf Grabsteinen versehen. Es war Sonntag und alle Leute waren schön angezogen und strömten in die verschiedenen Kirchen. So hörten wir auch immer wieder Gesang von überall her. Wir erfreuten uns an der wunderbaren Flora mit Bananenbäumen, riesigen wild wachsenden Palmen und vereinzelt sogar grossen Kaktusbäumen. Da ein wenig Regen gefallen war, waren alle Kaffeebäume in Blüte. Kilometerlang roch die Luft wie ein herrliches Parfum nach den Blüten. Bienen surrten um die Blüten, etliche Schmetterlinge flogen durch die Luft oder tranken aus den Wasserlöchern. Kautschukplantagen zierten den Weg. Zum Frühstück gab es eine zuckersüsse (alümelüm) frische Ananass, welche wir auf einer Waldlichtung mit dem Sackmesser teilten und assen. Auf dem Weg hatte es eine seit Jahren bestehende riesige Sägerei, welche das Holz verarbeitet und exportiert. In dieser Gegend waren auch alle Häuser mit Holzlatten gebaut. Wir passierten einige Schulen. Die Schulen in Kamerun haben alle riesige Fussballplätze vor den Gebäuden. Das Thermometer kletterte auf 38 Grad und wir erreichten 80% Luftfeuchtigkeit, was uns zum schwitzen brachte.

 

Wo Kakteen zu riesigen Bäumen heranwachsen...


In Manyemen auf 360 m ü. M. erfrischten wir uns. Es wurde etliches Buschfleisch zum Verkauf angeboten. Das Fleisch war getrocknet worden. Durch die Trocknung kann das Fleisch mehrere Monate gelagert werden. In dieser Gegend können keine Kühe gehalten werden, weil die Tsetsefliegen die Kühe durch ihre Stiche töten würden. Für Schweine ist es zu heiss. So kaufen die Leute die getrockneten Buschtiere, weichen sie über Nacht in Wasser auf und geniessen sie am nächsten Tag mit einer Sauce. Der Anblick sah nicht besonders gut aus. Die etwa 20 Tiere waren mit Kopf und Füssen auf Holz gekreuzigt getrocknet. Die Auswahl reichte von Affe, Antilope, Pangoline (Gürteltier), Frutambo bis Pockelpine (Stachelschwein). Ein etwa 30 x 40 cm grosses Frutambo kostete 7000 CFA (16 CHF) und ein etwas kleineres Pangoline 5000 CFA (12 CHF). Es herrschen Regeln, dass Muttertiere oder junge Tiere nicht gejagt werden dürfen.


 

Buschmeat in Manyemen: Affe, Gürteltier, Stachelschwein oder Frutambo. Gekreuzigt und getrocknet.


Die weitere Fahrt führte vorbei an diversen Bäumen. Für uns sah es aus wie Wald, doch wir wurden aufgeklärt, dass es Mango- und Avocadobäume sind. Wir sahen wilde Falkenschwärme und erreichten schon bald die grosse Supe-Bridge. Eine europäische Firma Namens Satom erbaute vor etlichen Jahren das grosse Viadukt. Einige Kilometer vor Kumba kamen wir an den Ort Kombone Bafaw, wo wir im Jahr zuvor ein Dorf mit einem Fussball glücklich gemacht hatten. Der Dorfchef der Jungen hatte mich danach während des ganzen Jahres etliche Male telefonisch kontaktiert (und dies zu allen Tageszeiten) und doch wusste ich nie, warum er anrief. So standen wir überraschend plötzlich wieder da. Ich sagte ihm, was er denn von uns wissen wolle, wir seien jetzt da und er könne fragen ;-) Sogleich holten sie Stühle und einen Holztisch und das halbe Dorf versammelte sich um uns, um zu hören, was wir besprachen. Joseph ist Familienvater und sagte, er wolle nach Europa kommen, um zu studieren. Solche Wünsche können wir nicht erfüllen. Wir empfahlen ihm, einen Ort zu suchen, wo er als Austauschstudent ein Jahr im Ausland weilen könne. Die nächste Frage war, ob wir ihm ein Auto schicken können. Wir rechneten ihm vor, was es kosten würde, ihm in einem Container ein Auto zu schicken und er bekam grosse erstaunte Augen. Auch ihm wurde klar, dass wir dies nicht erfüllen können. Ein anderer Dorfbewohner brachte ins Gespräch, dass wir in unserem Land sicher alle genug Wasser haben und ihr ganzes Dorf mit 6000 Leuten seit Jahren das Wasser 4 km zu Fuss entfernt holen müsse.

  

Im Gespräch mit den Dorfbewohnern von Kombone Bafaw. Wir hoffen, hier dank Spendengeldern bald wieder Wasser aus dem Dorfbrunnen zu bekommen. // Kinder von Kombone Bafaw.


Ihre Wasserrohre seien längst verrostet und der Staat kümmere sich nicht darum. Ich wollte den Brunnen sehen und in der Tat kam an beiden Hahnen keinen Tropfen Wasser. Einmal mehr ein erschreckender Zustand. Die Männer sagten, es wäre eine einfache Arbeit, sie könnten den Graben innert 2 Wochen von Hand aufmachen und die Rohre neu verlegen. Doch niemand habe Geld für die Rohre. Wir nahmen uns dem Anliegen an und baten Joseph, uns per E-Mail einen sauberen und korrekten Kostenvoranschlag zukommen zu lassen, wie viel denn diese Rohre kosten würden. Vielleicht könne Ashia ihnen helfen. Gespannt warten wir auf die Preise. Das Dörfchen lebt ohne Strom. Joseph verdient sein Geld mit Taxi-Mofa fahren in den nächst grösseren Ort Kumba. Wir schossen noch ein paar Erinnerungsfotos und verabschiedeten uns.


  

Herrliche Landschaftsbilder. // Die Blüten der Kaffeebäume riechen wie ein Parfum. // Wo Raffia-Palmen meterhoch wachsen (im Vergleich dazu: Katja vor der Palme).


Gegen 16 Uhr erreichten wir Kumba, wo wir das Januar-Mädchen aus dem Kalender suchten. Ihre Eltern waren zwischenzeitlich umgezogen. Der im vorherigen Haus wohnende Bursche setzte sich kurzerhand zu uns ins Auto und zeigte uns, wo die Eltern zu finden sind. Das Mädchen heisst Nelsa, ist 7 Jahre alt und geht zur Schule. Wir hätten sie nicht mehr erkannt, denn ihre künstlichen Haare waren längst abgeschnitten worden und ein kahler Kopf lachte uns entgegen. Ihre Eltern Nelson und Rose verdienen ihr Geld als Polizist und als Fotografin. Rose schiesst mit einer kleinen analogen Kamera Fotos von Leuten aus der Stadt und verkauft nachher die Abzüge einzeln an die abgelichteten Personen. Wir tranken mit ihnen und ein paar Freunden eine kühle Erfrischung und starteten danach den Weg zurück nach Limbe. Die Strasse war in fast perfektem Zustand und sehr gut repariert worden. Die grossen Baumaschinen standen am Strassenrand und wurden über das Wochenende Tag und Nacht bewacht. In den Dörfern sassen überall viele Menschen zusammen und genossen den Sonntag, meist mit Bier. Frauengruppen und Männergruppen sassen jeweils getrennt beieinander auf Plastikstühlen. Wäsche hing vor den Häusern, auch die Matratzen aus simplem Schaumgummi wurden gewaschen und an der Sonne getrocknet. Schon bald wurde die Strasse sehr gut, sie war neu geteert worden. So passierten wir das Dorf Buea auf 500 m ü. M. und waren kurze Zeit später zurück in Limbe. Wir überholten etliche Autos mit selbst bemalten Autonummern. Limbe empfing uns wie gewohnt mit schwüler Hitze und wir fanden in einem seit 2 Wochen geöffneten brandneuen Restaurant sogar Pizza auf der Menükarte. Auch wenn sie nicht wie zu Hause schmeckte genossen wir den Abend in vollen Zügen und legten uns nach der anstrengenden Fahrt schon bald schlafen.


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