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Kamerun Reisebericht Cameroon

Foumban – Bamessing – Bamenda – Bali Nyonga (170 km)


7.1.2009

Heute Morgen schauten wir uns in der Schule Petit Louh in Foumban um. Zum ersten Mal sahen wir die Schule während Schulbetrieb und diverse Kinder (etwa 130) wuselten über den Platz und gingen zu ihren Klassen, um vor dem Klassenzimmer in Reihen anzustehen. Alle Kinder trugen Uniformen, welche mit dem Schulnamen angeschrieben waren. Eine Schulklasse hatte Sportunterricht und alle trugen die gleichen Sportkleider. Während sie in ihre Klassen gingen, sangen sie gemeinsame Lieder. Vor dem Schulzimmer besichtigten wir das neue Brunnenprojekt. Nach mehreren Bohrungen war endlich Wasser auf Grund gefunden worden. Nun fehlen „nur“ noch die passende Pumpe und das nötige Geld, damit die Kinder endlich auch den ganzen Tag genug Wasser haben. Wir informierten uns über die Pumpe und was für Anforderungen an sie gestellt werden. Ebenfalls sahen wir einige Fotos der Bohrung und die glücklichen Gesichter von allen, als endlich Wasser gefunden worden war.

Die Schule hat mehrere Klassen für Primarschüler und zwei Vorschulen. In jedem Klassenzimmer hängt ein Klassenspiegel mit den Fotos der Kinder. Wir freuten uns, zu sehen, dass das neue Gebäude nebenan Fortschritte gemacht hatte. Im vergangenen Jahr konnte dank Spenden daran weiter gebaut werden und teils schon ein Anstrich finanziert werden. Die Schulzimmer im neuen Gebäude sind einiges grösser als die bisherigen, wo derzeit etwa 20 Kinder in einem kleinen Raum unterrichtet werden. Sobald die neuen Gebäude fertig gestellt sind, können die Klassen umziehen. Auch neue Toiletten werden entstehen.

Die Arbeiter arbeiten mit abgenutzten Kellen und Schaufeln. Meist ist nur noch 1/3 des Werkzeuges vorhanden, weil damit schon jahrelang gearbeitet wird.


  

Die schönste Schule von Kamerun steht in Foumban. // Die Schulkinder besammeln sich am Morgen vor der Schule. // Einblick in ein Klassenzimmer.


Danach machten wir uns auf den Weg nach Bali zurück. Unterwegs gab es ein kühles Getränk in Bamenda. Der Wirt des Restaurants scherzte über den weissen Besuch und wollte seine Hände nun nicht mehr waschen, da er Weisse gegrüsst habe. Hier sieht man wirklich noch sehr selten Weisse. Das «Geschäft» musste ich leider im Restaurant erledigen und nicht wie ich es lieber gehabt hätte unterwegs im Busch. So führte mich der Weg zuerst über die Strasse einige Meter weiter zu einem anderen Hüttchen, danach einmal mehr in ein Hintergässchen über Kochtöpfe, Kinder, am Boden sitzende Frauen und Müll. Meist muss man zweimal fragen, wo denn genau nun ihre Toilette ist, weil man es sonst nicht finden würde. Meist hat es dann drei Freiluft-Bastmatten, welche gegeneinander aufgestellt sind und auf einer Seite offen. Irgendwie geht’s dann immer... Im Restaurant hüpfte von einem Gast ein lebendiges Huhn aus der Tasche, welches er unterwegs gekauft hatte.

Gegen Nachmittag hatten wir Bali erreicht. Wir freuten uns darüber, wieder im Gästehaus von Gregory zu sein, wo es fliessend kaltes Wasser und Strom hat. Im Restaurant von Doris gab es ein weiteres kühles Getränk. Sie präsentierte uns ihre Tasche voll Fleisch für den nächsten Tag. Darin waren eine tote Ratte und ein totes Pockelpine (Stachelschwein). Für den Abend hatten wir uns mit Charles und John aus Enwen verabredet, um weitere Details des Schulprojekts zu besprechen. Sie kamen wie abgemacht und hatten sauber eine Offerte für einen stabilen Neubau eines Klassenzimmers angefertigt. Sie nahmen die Sache sehr ernst, hatten sich extra einen ähnlichen nagelneuen Schreibblock und Kugelschreiber, wie ich derzeit dabei hatte, gekauft, um sich Notizen zu machen. Die Offerte hatte ihnen ein Freund auf dem Computer fein säuberlich aufgelistet. Wir sahen uns alle Punkte und Kosten an und besprachen einige Details. Der springende Punkt ist der, dass die aktuell stehenden Gebäude ein Risiko für die Kinder sind. Man weiss nie, wann sie einstürzen. Deshalb ist es mit Sicherheit besser, diese abzureissen und von Grund auf neu zu bauen. Sie teilten uns mit, dass sie nur schon über Hilfe bei einem Arbeitsgang dieser Offerte extrem glücklich wären und nicht erwarten würden, dass wir alles finanzieren. Sie würden sich mit anderen Leuten aus Enwen, welche einigermassen etwas gespart hatten, zusammentun so dass jeder vom Dorf etwas beisteuern müsse, damit die Schulzimmer gebaut werden könnten. Diese Idee fanden wir gut, unser Plan wäre ähnlich gewesen. Wir finden, so wird die Sache für sie von mehr Bedeutung, wenn sie selber mit daran beteiligt sind. Ebenfalls teilten sie uns mit, dass sie in den nächsten paar Wochen eine Entwicklungssitzung hätten, wo sie diese Punkte mit weiteren Leuten aus Enwen besprechen und diskutieren werden. Jeder soll beteiligt sein und helfen, soweit er kann. Die Arbeiten sollen von Menschen aus Enwen erledigt werden. Die Materialien (Stand, Zement, Holz und Farbe) können in der nächst grösseren Stadt Bamenda beschafft werden und der Transport war in der Offerte bereits einberechnet. Für die Fertigstellung eines Klassenzimmers würden sie in etwa 1-2 Monate benötigen. Am besten wäre natürlich, gleich alle Klassenzimmer auf einmal fertig zu stellen, um die Kosten für Transporte und Arbeiten zusammenfassen zu können. Die Räume sollen je zu zwei Zimmern zusammengefasst werden, damit weniger Mauerwerk benötigt wird. Wir studierten ihre Offerte genau und teilten ihnen mit, dass wir noch einige Zeit benötigen, um uns Gedanken zu machen, in wie weit Ashia sich daran beteiligen kann. Die Offerte war einiges höher, als wir uns vorgestellt hatten. Doch die Gebäude würden danach wirklich eine perfekte Sache sein und sicherlich lange von Nutzen sein. Die Berechnungen schienen uns korrekt und wir wollten sie mit Gregory noch unter uns besprechen, da er die Preise von hier am besten kennt. Des Weiteren teilten die zwei Herren aus Enwen uns mit, dass wir doch wenn möglich zu ihnen nach Hause kommen sollen. Ihre Familien hielten sie für «durchgeknallt», weil sie von zwei Weissen erzählt hätten, die ihnen vielleicht beim Aufbau in Enwen helfen möchten und die sie nun schon 3x getroffen hätten. Wir mussten jedoch erst schauen, in wie weit unsere Pläne weitergehen, bzw. wie weit der Container-Transport denn nun endlich fortgeschritten war. Gregory sagte ihnen, sie sollen Gott danken, dass unser Container noch am Zoll hängt. Nur so hätten sie diese Chance erhalten, um uns zu treffen und über ihr Schulprojekt zu erzählen. Wir verabschiedeten uns und versprachen, uns vor unserer Abreise nochmals mit ihnen in Kontakt zu setzen.

Auf der Wiese nebenan weideten Pferde von den Moslems der Dörfer um Bali herum. Sie kamen mit ihnen, um auf dem Wochenmarkt einzukaufen oder zu verkaufen. An Stricke gebunden weideten sie den ganzen Tag an der Sonne, bis ihre Besitzer abends zurückkamen, um nach Hause zu reiten. Am Abend war fast niemand mehr unterwegs, weil alles Geld auf dem Markt ausgegeben worden war. Die Menschen hier leben eher von Tag zu Tag, was nächste Woche ist weiss man nicht.


  

Tobias & Katja. // Angeline kocht am offenen Feuer. // Felix und Angeline kochen gemeinsam.


Zum Abendessen waren wir bei Gregory und Angeline zu Hause eingeladen. Es gab Reis, Pouletfleisch und frittierte Kartoffeln. Wir halfen ein wenig mit. In der Küche auf dem Gasherd wurden die Kartoffeln in der Pfanne frittiert, das Huhn wurde nebenan in einem Hüttchen am Boden auf dem Holzfeuer gekocht, um Gas zu sparen. Ich hielt mich nur ganz kurz im Hüttchen auf, den beissende Rauch machte mir zu schaffen und ich fragte mich, wie die Menschen hier so lange neben dem Feuer sitzen und das Fleisch zubereiten können. Uns fiel auf, dass das Essen hier nicht wie in der Schweiz zelebriert wird. Man setzt sich hin, isst, meist in Eile, und steht danach auf und geht weg. Die Kinder holen sich eine Schüssel Reis und Sauce und essen an einem anderen Ort. Und ein Vegetarier löst grosses Erstaunen aus. Denn hier essen einige oft das Fleisch erst ganz am Schluss alleine, weil es das Beste am ganzen Essen ist und um danach den feinen Geschmack noch lange im Mund behalten zu können. Nach einem Feierabendgetränk legten wir uns schlafen.


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