© 2007 by www.brainstormers.ch

Kamerun Reisebericht Cameroon

Foumban – Mayo Darle (174 km)


4.1.2009

Früh um 6 Uhr starteten wir unsere Reise nach Mayo Darle. Mit Freude stellten wir fest, dass die Piste neu gewalzt worden war und wir somit einfacher an unser Tagesziel kommen würden. Die Piste hatte fast keine Löcher mehr, wie wir sie aus dem vorherigen Jahr in Erinnerung hatten. Je weiter wir in Richtung Norden fuhren, desto trockener und staubiger wurde das Klima. Die Erde war orangerot gefärbt. Grosse Lastwagen kamen uns entgegen, welche Waren vom Norden in den Süden transportieren. Schon bald wurde die Strasse ganz lange und gerade und führte uns mitten durch den Busch. Bei einer Polizeikontrolle zückten wir zum ersten Mal unsere Ashia-Ausweise, welche wir zu Hause auf PVC-Karten gedruckt und mit Hologrammfolie ausgestattet hatten. Die Ausweise erregten Aufmerksamkeit, da sie besser ausschauen als die hiesigen Fahrausweise. Die neuen Fahrausweise sind jedoch in Planung, und wie wir gehört haben, soll in den nächsten Tagen die Produktion beginnen. Der Morgen begrüsste uns mit einem wunderschönen Sonnenaufgang und wir bestaunten die kreisrunde Sonne über der bezaubernden Landschaft.


    

Wenn wir es als angenehm empfinden, hat Gregory noch seine Wintermütze und Jacke an... // Menschentransport in Kamerun.


Am Strassenrand wurde uns Buschfleisch angeboten. Cutting-Grass (vermutlich eine Art Klippschliefer). Es sah aus wie eine grosse Ratte oder ein grosses Meerschweinchen, etwa 60 cm lang. Wir lehnten dankbar ab, Gregory konnte natürlich nicht darauf verzichten und kaufte sich zwei Stücke, um sie zum Mittag zu essen.


    

Leuchtend rote Erde: ein faszinierender Anblick. // Wer hat Hunger? // Fluss-Überquerung.


Wir überquerten zwei breite Flüsse, welche eine so starke Strömung hatten, dass darin nicht gebadet oder gewaschen wurde. Die traditionelle Woche von gewissen Völkern in Kamerun hat 8 Tage, so verschiebt sich der Markt jede Woche um einen Tag nach unserem Kalender. An diesem Tag war in einem kleinen Ort unterwegs gerade Kuhmarkt. Von überall her wurden Herden (meist mit sehr dünnen Zebus) zusammengetrieben und an einen Ort gebracht, um sie für den Verkauf zu präsentieren. Wir hielten an und besuchten den Markt. Kinder verkauften am Markt Wasser für die Männer, welche um die Kühe feilschten. Das Trinkwasser hatte eine bräunliche Farbe. Ungeniessbar für uns und unvorstellbar, dass es hier tagtäglich kein besseres Wasser gibt. Wenn eine neue Herde von weit her kam, sprangen die Männer ihnen entgegen, um möglichst schnell die beste Kuh zu finden.


    

Lust auf Cutting-Grass? // Szenerie // Hallo süsses Baby!


Vor den Hütten wurden Kaffeebohnen zum Trocknen ausgelegt. In einigen Flüssen wurde gefischt. Wir hielten nach einigen Stunden fahrt an, um unser Frühstück zu geniessen. So teilten wir uns mitten im Busch eine frische Ananass und assen vom Ladeheck des Fahrzeuges. Wir entdeckten auch Bäume, von denen Rinde zur traditionellen Medizin abgeschabt worden war.

Gegen Mittag erreichten wir das Dörfchen Kongui-Zouem, welches wir nun schon zum dritten Mal besuchen konnten. Ganz gespannt waren wir, ob unsere Tafeln vom Jahr zuvor ihren Dienst noch taten. Die Bewohner erkannten uns zuerst nicht, weil wir in einem anderen Fahrzeug unterwegs waren. Doch bald schon kamen die Kinder aus allen Hütten und der Dorfchef begann das Gespräch mit uns. Da noch Schulferien waren, war die Lehrerin ins nächst grössere Dorf gegangen. Doch wir konnten unsere Zaubertafeln sehen und freuten uns riesig, als wir sahen, wie viel Sorge getragen worden war und dass sie immer noch funktionstüchtig waren. Sogar die Kartonverpackungen wurden immer schön um die Tafeln gewickelt. Wir sprachen mit einem Mädchen, welches die Schule besucht. Es erklärte, dass sie jeweils auf die Tafeln schreiben und die Notizen erst auswischen dürfen, wenn sie es gelernt und verstanden haben. Danach holten wir unsere zwei Kinderkalender hervor, um die Mädchen aus dem Kalender damit zu überraschen. Das Septemberbild mit Djenabou Moussa (8 Jahre alt) und das Julibild mit Rachidatou Badjir (10 Jahre alt) sowie auf dem Rücken das Baby namens Daibou Badjin (2 Jahre alt). Wir freuten uns mindestens genauso wie sie, dass wir sie wieder gefunden haben und durften beiden den Kalender sowie einen Schulgeldbetrag spenden. Der Dorfchef namens Watchim Alphonse erklärte den Bewohnern des Dorfes unsere Organisation und für was das Geld gedacht ist. Das Gespräch war ein wenig schwierig, da die Bewohner nur ihre eigene Sprache sprechen. So sprachen wir zu Gregory, Gregory übersetzte für den Dorfchef und der Dorfchef erklärte es seinen Bewohnern. Trotz allem verstanden wir, dass unsere Botschaft richtig angekommen ist und freuten uns über die Offenheit und die Gespräche, die dabei entstanden sind. Das Dorf hat 509 Einwohner, die meisten von ihnen sind Moslems, ein paar Katholiken und Baptisten. Der grösste Wunsch für das Dorf besteht darin, sauberes Wasser zu haben. Sie haben 600 Meter weiter weg eine Quelle, wo sie das Wasser holen können. Doch es ist nicht sauber. Wenn sie einen Arzt benötigen, müssen sie 3 km weiter nach Bandam oder 10 km weiter nach Bankim zu Fuss gehen. Ein Auto hat niemand im Dorf, zur Verfügung steht ein Mofa. Das Dorf hat keinen Strom und nur wenig Handynetz. Durch all die schwierigen Bedingungen hier zu leben, leiden die Kinder oft an Diarrhöe, Malaria oder Fileria. Wir freuten uns, dass sie seit dem vergangenen Jahr die Schule auf die andere Strassenseite verlegt haben und neu gebaut haben. Sie haben eine kleine alte Wandtafel darin und lernen nebst anderen Fächern auch Englisch und Französisch (die amtlichen Landessprachen). Jedes Häuschen hat seine eigene Latrine. Vom Markt können sie Reis kaufen, weitere Lebensmittel wie Bananen, Mais oder Jams pflanzen sie auf dem Feld an.


    

Djenabou und Rachidatou zeigen stolz ihr Kalenderbild und den Anteil an ihr Schulgeld. // Im Gespräch mit den Bewohnern in Kongui. // Eine Wasserstelle im Dorf.


Die Kinder wurden immer zutraulicher und hielten unsere Hände oder berührten die Haare, bestaunten einfachen Schmuck an uns und strahlten uns an. Das Eis war gebrochen. Eines der Mädchen rannte in Windeseile mit seinem Kalender zum Haus, um ihn stolz zu präsentieren. Wir schossen etliche tolle Fotos von all den Kindern mit uns gemeinsam, um viele schöne Erinnerungen zu haben. Während all den Gesprächen waren die Frauen stets bei ihren Hütten geblieben. Es gehört sich hier nicht, die Frau hat im Hintergrund zu bleiben. Wir gingen zu ihnen nach hinten, sprachen auch mit ihnen und verteilten kleine Geschenke, die wir noch im Gepäck hatten. Einige Frauen sassen um ein Wasserloch. Mit Schrecken sah ich darin eine braune Brühe, darum herum war ein alter Pneu eingebuddelt worden. Wir verabschiedeten uns und versprachen, auf der Rückfahrt nochmals kurz anzuhalten.


    

Wir nehmen uns Zeit, um uns über Kongui und das Leben dort noch besser zu informieren.


Unser Mittagessen nahmen wir in Nyamboya ein. Da fiel uns plötzlich ein, dass auch genau in diesem Restaurant vor genau einem Jahr ein kleiner Junge fotografiert worden war und das Kalenderbild April darstellt. Schnell war er gefunden worden und schon wieder durften wir eine Familie glücklich machen und einem Kind eine Unterstützung für die Schule geben. Charles Sanda ist 6 Jahre alt und vor einem Jahr hatten sie Sandsteine gemacht für ein neues Haus, darum war er auf dem Foto so schmutzig gewesen. Sein Blick war noch genau gleich neugierig und scheu zugleich wie im Jahr vorher. Charles geht in die Primarschule und beide Eltern kamen zu uns, um den Schulgeldbetrag übergeben zu können. Danach schlenderten wir noch über den kleinen Markt, um uns vor allem das angebotene frisch geschlachtete Kuhfleisch anzuschauen. Von der Kuh wurde ziemlich alles angeboten. Schädel und Hufe lagen neben Gedärmen, Magen, Pansen und weiteren Innereien sowie Fell auf Holzbrettern, einige Fliegen wuselten darum herum. Voller Freude präsentieren sie ihr Fleisch. Sie riefen uns, beim Schlachten der Kuh zuzuschauen, welche gleich nebenan noch ein paar letzte Bewegungen machte, doch wir lehnten dankend ab. Das wäre dann doch zuviel des Guten gewesen. Ein geschäftstüchtiger junger Mann, welcher Geld für ein Foto wollte, brachten wir zum Lachen mit dem Satz «guten Morgen, dass ist kein Traum, wir sind hier in der Wirklichkeit und bezahlen bestimmt nicht für ein allgemeines Foto». Meist sind es die jungen Männer, die ein paar Worte einzuwenden zu haben und einfach versuchen, etwas heraus zu holen. Doch sie sind mit einem Smalltalk genauso schnell wieder lachend und ruhig gestellt.

    

Charles und sein Vater mit dem Kalenderbild. // Immer wieder trifft man auf interessante Menschen. // Mit Hilfe einer CD und Dioden wird eine kleine Lampe hergestellt.


      

Auf dem Markt in Nyamboya: Kleider und Fleisch im Angebot.


Lebendige Hühner wurden die Strasse hinunter getragen und zum Verkauf angeboten. Leuchtend oranges Palmöl wurde in Fässern und Flaschen angepriesen. Ein Schuhmacher flickte Schuhe und der Kunde wartete nebenan auf dem Bank in weissen Socken, welche schon längst nicht mehr weiss waren. Wahrscheinlich war das das einzige paar Schuhe, die hier repariert wurden. Eine alte CD-Rom war mit Lämpchen ausgestattet worden und die CD fungierte als Reflektor, um Licht zu erzeugen. Wir stauten über diese Erfindung, welche wir noch nie gesehen hatten. Viele Frauen hatten grosse geritzte Narben im Gesicht. Dies ist ein Zeichen für Familien, je nach Familiengruppe wird ein anderes Zeichen in ein Babygesicht geritzt, um die Familien unterscheiden zu können.


    

Der Rindermarkt lockt von überall her Besuch an.


Die Fahrt ging weiter Richtung Norden, überladene Autos oder Lastwagen waren beim Aufstieg eines Berges stecken geblieben. Kein Wunder, wenn man die Fahrzeuge hier etwas genauer anschaut.

Gegen 15 Uhr erreichten wir unser Tagesziel Mayo Darle. Voller Freude erwartete uns Schwester Evelyne. Ein Jahr lang hatten wir sporadisch telefonieren können oder einige Briefe von ihr erhalten, die über die Lage im Spital informierten. Natürlich wurden wir sogleich bekocht und genossen das feine Essen. Danach überreichten wir im Spitalgebäude die restlichen Hilfsgüter aus unseren Koffern, welche wir im Flugzeug mittransportieren hatten. Die Güter bestanden aus Verbandsmaterial, Babymilch, Kanülen, Spritzen, Pflaster, Katheter, Operationsdecken und vielem mehr, was wir in der Schweiz erhalten hatten. Mit grosser Freude prüften der neue Arzt Dr. Thomas, der seit ein paar Monaten hier arbeitet, sowie die Schwestern den Inhalt und sagten immer wieder, wie wertvoll unser mitgebrachtes Material für sie sei. An den Wänden im Spital entdeckten wir Aufklärungsplakate über die Krankheiten Buruli, Diarrhöe und richtige Ernährung sowie Aids. Die Einwohner hier wissen meist nicht, was für Krankheiten es gibt oder wie sie zu behandeln sind. Neben dem Spital war ein Kristbaum mit Füllmaterial an einer Schnur aufgespiesst um den Baum dekoriert worden.


    

Unterwegs... // Der Begriff «Kofferraum» bekommt hier eine ganz neue Bedeutung ;-) // Ein Blick sagt mehr als tausend Worte...


Vor dem Abendessen machten uns wir nochmals ins Dorf auf, um ein weiteres Kalenderbild-Mädchen zu finden. Wir gingen ins selbe Restaurant, um ein kühles Getränk zu uns zu nehmen. Die Lampe des Restaurants war ursprünglich eine Neonröhre gewesen, ein schlauer Elektriker hatte mit ein paar Drähten darin eine Glühbirne zum Leuchten gebracht. Wir fragten nach dem Mädchen auf dem März-Bild. Schnell war sie gefunden und staunte riesig über das Foto, welches sie mit ihrer kleinen Schwester zeigt. Zouleatou ist 10 Jahre alt und geht in die Primarschule. Ihre kleine Schwester Assana ist knapp 3 Jahre alt. Ihre Eltern kamen zur Übergabe und freuten sich riesig über den Zustupf an Schulgeld für Zouleatou. Etliche weitere Kinder kamen um uns herum, umringten uns und wir knipsten etliche süsse Fotos mit ihnen. Dann entdeckten wir, dass die kleine Assana ganz verdrehte Beine hat und nicht richtig gehen kann. Die Eltern erzählten, dass Assana und ihr Zwilingsbruder Ousseni beide das gleiche Problem mit den Beinen haben. Wir hatten Mitleid, als wie sie gehen sahen oder wie sie auf den Bänken sitzen, um es bequem zu haben. Per Zufall war der Arzt im selben Restaurant und wir fragten ihn, wie man hier helfen könnte. Er informierte, dass es nur eine einfache Operation wäre und die Familie doch am nächsten Tag ins Spital kommen sollte, damit wir es in Ruhe besprechen könnten. Die Familie willigte ein und wir waren gespannt auf das Treffen.

    

Zouleatou und Assana erhalten ihr Kalenderbild. // Assana und Ousseni. // Kinder in Mayo Darle.


Kurz nach diesem Gespräch stürzte ein anderer kleiner Junge namens Jean-Claude unglücklich und hatte eine grosse Schürfwunde am Arm. Kurzerhand packten wir ihn mit seiner Mutter in unser Auto und verarzteten ihn mit unseren mitgebrachten Pflastern und Merfen. Seine Mutter war glücklich und dankbar.


    

Sr. Evelyne und ihre Mitschwestern erhalten die Spenden aus unserem Koffer. // Mit einfachen Plakaten wird auf Krankheiten und deren Prävention hingewiesen. // Das Spital-Gelände von Mayo Darle.


Den Abend verbrachten wir zuerst im Spital, wo die Schwestern uns einmal mehr wunderbar bekocht hatten. Es gab als Feier des Geburtstages von Felix Spaghetti, Fleisch und Kabis sowie eine Flasche Champagner, welche wir im Gepäck aus der Schweiz mit dabei hatten. Die Schwestern hatten Kuchen gebacken und wir dekorierten den Geburtstagskuchen mit unseren mitgebrachten Kerzen. Wir lernten Veronika und Margit kennen. Beide sind aus dem Südtirol und sind schon seit einigen Wochen hier, um das Land und die Leute kennen zu lernen. Sie werden im Januar ihre Arbeit in einem Spital aufnehmen, beide sind etwa 25 Jahre alt. Per Zufall hatte Margit auch an diesem Tag Geburtstag und wir hatten eine gemütliche Runde mit etlichen guten Gesprächen und Erfahrungsaustauschen. Wir durften dem Spital eine grosszügige Spende aus der Schweiz überreichen sowie einige spezielle Geschenke, die wir mitgebracht hatten. Diese Schwestern üben hier tagtäglich eine Arbeit aus, die bestimmt sehr schwierig ist. Die Mittel zur Hilfe sind gering, es muss an allen Ecken und Enden gespart werden. Wir amüsierten uns köstlich über die Showeinlage von Schwester Evelyne, welche als Fotografin fungierte, sich unter ihrer schwarzen Jacke verstecke und mit einem angezündeten und verworfenen Zündholz den Blitz der Kamera simulierte. Gemeinsam sangen wir Happy Birthday und liessen den Abend mit einer Wasserpfeife ausklingen

Die Sisters in Mayo Darle freuen sich über Spendengelder aus der Schweiz und den Kalender.



<< zurück nach oben

>> auf der nächsten Seite weiterlesen