Bali Nyonga Bamenda Bamessing Foumban (170 km)
03.01.2009
Heute Morgen verliessen wir Bali, um uns weiter in den Norden zu begeben. Unser Tagesziel hiess Foumban auf 1160 m. ü. M. mit merklich trocknerem und wärmerem Klima als in Bali.
Zuerst fuhren wir noch kurz ins Prescraft Zenter, weil wir gehört hatten, dass jemand an diesem Tag von Bamessing in Bali vorbeikommen würde. Ihr wollten wir einen Kalender mitgeben, für den kleinen Jungen vom Oktober-Bild sowie den Anteil an Schulgeld. So deponierten wir diesen dort mit einigen Zeilen von uns und der Bitte, ihn am richtigen Ort abzugeben.
Kurz nach Abfahrt kamen wir nochmals am Marktstand vorbei, an dem wir nach der Ankunft das Februar-Kind gesucht hatten. Der Zufall wollte es, dass wir eine Kurve weiter endlich auch die zwei Elektrizitätsmasten fanden, wo das Kind damals gestanden hatte. Wir hielten an und starteten nochmals den Versuch, den Knaben zu finden. Dieses Mal hatten wir mehr Glück. Ein Kind sagte: «das ist mein Freund» und zeigte an den Berghang, wo er wohnt. Wir hatten nicht die Zeit, um nach oben zu gehen und fanden einen Bekannten von Gregory, der die Familie kennt. Ihm überreichten wir ebenfalls einen Kalender und den Beitrag für die Schule. Wir werden bei der Rückreise nochmals in diesem Ort vorbeikommen und dann vermutlich ein Feedback erhalten und vielleicht den Knaben sogar finden.
Unterwegs überholten wir mehrmals Mofas, welche im «Gepäck» Schweine hatten. Nicht etwa eines oder zwei, auch nicht drei sondern ganze vier ausgewachsene Hausschweine wurden zusammengepfercht lebendig in einem Korb transportiert. Irgendwie sah es trotz allem witzig aus, wie das Ohr des Schweines im Wind flatterte oder die Schnauze aus der Seite herausguckte. Einer der Mofafahrer hatte verdächtig schlecht geladen und in einer Kurve verlor er die gesamte «Schweinerei» und die Schweine plumpsten auf den Asphalt. Da die Beine zusammengebunden waren, konnten sie jedoch nicht entwischen.

Lebendige «Schweinerei» auf dem Weg zum Markt.
In Bamessing nahm ich mir eine Stunde Zeit, um die zu Hause gebliebenen endlich wieder einmal mit News zu versorgen. Dies erwies sich jedoch schwieriger als gedacht, mit einer Internetverbindung von etwa 3 kb/s schaffte ich es knapp, in der Zeit meine 6 Texte sowie zwei neue Bilder hoch zuladen. Etliche neue Fotos blieben auf dem Datenträger, vielleicht für den nächsten Internetbesuch.
Zum Mittag gab es einen feinen Fisch mit Plantain (Kochbananen). Dieses Mal entschied ich mich, etwas weniger vom scharfen Pepe zu essen, denn letztes Mal am gleichen Ort hatte mir der Fisch meiner Verdauung nicht wirklich gut getan. Und ich entschied, besser nicht zu genau zu schauen, wie er zubereitet wird, um mir den Appetit nicht verderben zu lassen. In einem Plastikkübel am Boden wird er ausgenommen und gewaschen, das Wasser ist blutrot und schmutzig, die Schuppen liegen am Boden überall herum und locken Fliegen an. Trotzdem hat es geschmeckt und mein Magen hat nicht rebelliert.

Obwohl es sehr gut geschmeckt hat: europäische Mägen können in Kamerun nicht immer mithalten.
Die weitere Fahrt bot schöne Aussichten auf weite Ebenen mit farbig blühenden roten oder violetten grossen Bäumen oder Bergen. Ein Buschfeuer war da und dort zu sehen. Wir wechselten vom Grasland in eine andere Region, das Gras wurde kleiner und die Vegetation spärlicher.

Buschfeuer unterwegs. // Farbige Baumpracht.
Um etwa 16 Uhr erreichten wir bereits unser Tagesziel, die Schule Petit Louh in Foumban. Mit Freude entdeckten wir schon in der Einfahrt, dass das neue Gebäude weitergebaut werden konnte sowie mit schöner weisser Farbe angestrichen wurde. Der Leiter der Schule, Louh, begrüsste uns und sogleich kam auch seine Frau Tineke aus dem Haus. Beide sind sie Lehrer und führen diese Schule. Wir bezogen die Zimmer zur Übernachtung und fuhren danach noch in die Stadt, um ein Geschenk aus der Schweiz zu übergeben. Dieses Geschenk hatten wir über vermutlich mehrere Ecken vom Museum Rietberg in Zürich erhalten und war für den Sultan von Foumban gedacht. Tineke half uns dabei, es sultan-gerecht zu verpacken und organisierte uns Geschenkpapier und Schleife, damit es ordentlich ausschaut. Ich zog meine lange Hose an, um einigermassen korrekt angezogen aufzutreten. So fuhren wir zu fünft in die Stadt, in der Hoffnung, das Geschenk abgeben zu können. In der Stadt war Markttag, es herschte reges Treiben und diverses wurde auf dem grossen Markt angeboten. Wir schlenderten über den Platz und warteten auf den Sultan. Nach etwa 2 Stunden fuhr ein grösseres Auto mit mehreren Personen vor, unter anderem auch der Sultan. Ein wenig Hektisch gingen wir zum Palast, um ihn zu erwischen.

Der Palast in Foumban. // Markt in Foumban. // Lust auf ein «gâteau»?
Doch nach dem Aussteigen und einem kurzen Gebet mit seiner Gruppe verschwand er sogleich in seinem Haus und kam auch nicht wieder. Sein Angestellter, der uns sah und wusste, dass wir etwas abgeben wollten, hat seinen Job nicht getan und auch keine Antwort mehr gegeben, als jemand ihn fragte, ob und wem wir denn nun das Geschenk geben sollten. Pech gehabt, wir nahmen es wieder mit, um es später Louh zur Weitergabe zu überlassen oder es wenige Tage später bei unserer Rückreise noch einmal zu versuchen. Es ging weiter durch das Gewühl von Menschen und Marktständen. Wir bestaunten vor allem die Stände der älteren Herren, welche traditionelle Medizin verkauften. Diese besteht zum Beispiel aus Affenschädel, Ziegenhorn, Stachelschwein-Stacheln, Schneckenhäusern, Tierfelle, Pyton-Öl, Viperhaut, Kauri-Muscheln, Baumrinde und vielem mehr.

Traditionelle Medizin: von Muscheln, Stachelschwein-Stacheln, Hörnern über Tierfelle und Schlangenfett gibt es so allerhand im Angebot.
Nach einem Feierabendbier wurden wir noch wunderbar in Petit Louh verköstigt und führten am Tisch ein gutes Gespräch über die Schule, weitere Pläne und Möglichkeiten, Kamerun verbessern zu können. Wir durften zwei Spenden aus der Schweiz übergeben und rundeten den Betrag im Namen von Ashia grosszügig auf, damit die Schule ihre weiteren Projekte in Angriff nehmen können. Dies wurde überrascht freudig angenommen und auch wir waren sicher, hier einen guten Platz gefunden zu haben. Bei unserer Rückkehr einige Tage später werden wir endlich die Schule auch mit Kindern sehen, weil dann die Schulferien fertig sind.
Früh legten wir uns schlafen, weil der nächste Tag heiss und beschwerlich werden würde.