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Kamerun Reisebericht Cameroon

Bali Nyonga – Bamenda – Bali Nyonga – Batibo – Enwen – Bali Nyonga (schätzungsweise 108 km)


31.12.2008

Heute Morgen begrüssten wir als erstes unsere Nachbarn und übergaben ihnen einige Bilder vom letzten Jahr. Um die Ecke fanden wir tatsächlich den kleinen Jungen namens Bless, welcher in unserem Kalender auf dem Juni-Bild 2009 abgebildet ist. Er ist heute 3 Jahre alt. Es schien, als ob die Zeit stehen geblieben war, denn der Kletter-Ast war gleich um die Ecke auch wieder zu finden. Natürlich erhielt unser «Model» einen Kalender und wir unterhielten uns mit seiner Mutter und seiner Familie. Seine Mutter hatte es sehr schwer in der Vergangenheit, sie hatte eine schwere Operation uns dankte Gott, dass sie diese überstanden hat und noch am Leben ist. In der Kindheit hat sie einen Finger in der Mahlmaschine verloren. Wir spendeten ihr einen Anteil an Schulgeld für den kleinen Jungen. Etliche Kinder gleichen Alters schwirrten umher.


  

Bless mit seinem Kalenderbild vom Juni 2009. Wir überreichen ihm sein Exemplar und seinen Eltern einen Anteil für Schulgeld.


Danach fuhren wir ins Katholische Missions-Spital in Bali, um Schwester Candida kennen zu lernen. Schwester Candida hilft uns, den Container entgegen zu nehmen. Freudig begrüsste sie uns und wir freuten uns ebenso, sie endlich kennen zu lernen. Schon im vorherigen Jahr hatte ich mir ihr einmal per E-Mail Kontakt gepflegt, weil sie zum gleichen Shishong-Sister-Spital wie Mayo Darle gehören. Als erstes zeigte sie uns den Platz, wo unser Container (und auch der zweite) stehen bleiben dürfen. Der Platz ist im Gelände und sehr grosszügig. Als erstes wurden wir mit einem köstlichen Frühstück beglückt, welches wir dankbar annahmen (das erste, seit wir hier sind). Während der Unterhaltung zeigten wir ihr auch unser Buch aus der Schweiz, um ihnen unsere Familien und Helfer zu zeigen und unsere Heimat vorzustellen. Wir hatten einen grossen Koffer voller Verbrauchsmaterialien fürs Spital mit dabei, den wir ihr überreichen durften. Mit im Koffer waren Spritzen, Blutzuckermessgerät, Fieberthermometer, Verbandsmaterial, Pflaster, Katheter, Babynahrung, Beatmungsmasken, Extremitätentücher, Fussverbände und diverses mehr. Danach schauten wir uns im Spital um. Das Spital hat pro Tag etwa 30 Patienten und im Monat rund 30 Geburten. Im Empfangsraum hat es einige Bänke wie in einer Kirche hintereinander angeordnet, wo die Patienten auf den Arzt warten. An den Wänden hingen Aufklärungsposter über richtige Kinderernährung und einige Krankheiten. Danach erhielten wir einen Einblick in die Geburtsabteilung, es hat zwei Räume für die Frauen. Im ersten Raum warten die Frauen, solange sie in den Wehen liegen und im zweiten Raum wird gebärt. Die Räume sind eher spärlich ausgestattet, doch alles ist sehr sauber und ordentlich gehalten. In einem Raum wird aufgeschrieben, wie die Babys heissen, wie gross und schwer sie bei der Geburt waren, ob alles in Ordnung war und welche Schwester bei der Geburt geholfen hat. Es hat einen Inkubator für Frühgeborene, leider fehlt es an der Bedienungsanleitung für dieses moderne Gerät, das jemand aus Amerika gespendet hat. Wir machten einige Fotos, um uns zu Hause nach der Anleitung umzuschauen. Der zweite aktuell in Betrieb stehende Inkubator daneben sah für uns eher aus wie ein Briefkasten, aus Holz gezimmert, mit einigen Gitterchen und einem kleinen Holztürchen. Sie haben ihn selbst gemacht, weil sie nichts anderes haben. Des Weiteren hat es ein Administrationsbüro, ein Labor, einen Dienstraum mit den Kleidern und Medikamenten, ein Unterrichtsraum, ein Operationsraum, ein kleiner Shop und Waschräume. Es hat drei Krankenzimmer, jeweils für Kinder, Frauen und Männer. Pro Zimmer hat es 10 Eisenbetten und überall lagen einige Patienten drin, zum Teil am Tropf. Im Hinterhof halten sie etwa 30 kleine Hühner in einem kleinen Stall. Nach dem Rundgang spendeten wir einen grosszügigen Betrag von der Schweiz. Schwester Candida und ihre Mitschwestern freuten sich riesig! Und wir haben ein gutes Gefühl, dass es hier am richtigen Ort eingesetzt wird.


  

Ungeduldig warten wir auf die Ankunft unseres ersten Hifsgütercontainers. // Dank Unterstützung aus der Schweiz dürfen wir Spendengelder verteilen.


  

Sr. Candida und ihre Mitschwestern empfangen uns mit grosser Herzlichkeit. // Wir übergeben unsere im Gepäck mitgebrachten Hilfsgüter. // Ein Teil des Geländes vom Spital in Bali-Nyonga.


    

Auf dem Spitalgelände in Bali-Nyonga. // Der Gebärsaal des Spitals. // Ein notdürftig aus Holz selbstgezimmerter Inkubator. Trotz allem konnte er schon Leben retten!


  

Im Wartezimmer finden sich die Patienten zur Artzkonsulation ein. // Blick in ein Krankenzimmer.


    

Ein Patient begrüsst uns im Spital. // Die dünnen Matratzen werden ausgewaschen und an der Sonne zum Trocknen ausgelegt. // Im Labor werden die Blutwerte untersucht.


Der weitere Weg führte uns in die Schreinerei in Bali, wo wir einige Werkzeuge abgeben wollten, welche wir in der Schweiz erhalten haben. Derzeit sind Ferien in der Schreinerei, trotzdem waren zwei fleissige Burschen an der Arbeit und wir übergaben ihnen im Sinne für alle Mitarbeiter die Werkzeuge, welche sie versprachen, aufzuhängen und für alle zur Verfügung zu stellen. Schliesslich kommen wir nächstes Jahr wieder und werden nach den Werkzeugen sehen ;-) Einige Stechbeitel, Sägen, Rollmeter, Doppelmeter und Handbohrmaschinen erfreuten die Arbeiter riesig und sie probierten an ihrer aktuellen Arbeit gleich aus, wie die Geräte funktionieren. Mit grossen Augen staunten sie über die leistungsstarken neuen Werkzeuge. Wir bestaunten ihre Schnitzerarbeiten und kauften im Shop einige Souvenirs für zu Hause ein.


    

In der Schreinerei dürfen wir Werkzeug verschenken. Die geschnitzten Bilder sind wahre Kunstwerke.


Bevor wir uns weiter auf den Weg machten, lernten wir noch zwei Onkel von Gregory kennen, welche ebenfalls in die Container-Geschichte involviert sind. Ein Onkel hat uns mit Mister Felix F. zusammengebracht, welcher derzeit an der Beschaffung der zollfreien Papiere ist. Der Onkel kam uns vor wie ein Priester, immer wieder sprach er von Gott und wir sollen eine gute Reise haben und wie dankbar er ist, dass alles gut laufen soll und und und... seine Rede wiederholte sich etliche Male mit den gleichen Worten und immer wieder kam das Selbe.

Der nächste Schritt führte uns nach Bamenda, wo wir Charles und John kennen lernten. Beide sind aus Enwen, einem kleinen Dorf im Busch, etwa 20 km von Bali entfernt. Johns Telefonnummer hatte ich von zu Hause mitgebracht, weil ein in Deutschland lebender Kameruner mich um Hilfe gebeten hat, für sein Dorf etwas tun zu können. Wir unterhielten uns mit ihnen und beschlossen, gemeinsam nach Enwen zu fahren, um vor Ort ein Bild über die Situation zu bekommen. Der Weg war halbwegs geteert, die zweite Hälfte mit einem Raupenfahrzeug planiert und die restlichen 7 km nur noch von Hand zu einer Piste bearbeitet worden. Glücklicherweise haben wir ein tolles Fahrzeug und einen ebenso guten Fahrer, der uns ohne Probleme ans Ziel nach Enwen gebracht hat. Kurz vor der Schule erhielten wir von einer alten Frau Einblick in ihre Hütte. Einige Sandsteine und ein Wellblechdach bilden einen Raum, drinnen ist es gänzlich dunkel, es hat keinen Strom. Mitten im Busch leben hier die Leute, gehen meistens auf dem Feld arbeiten, um Nahrung zu finden. Die Hütte ist spärlich eingerichtet mit einem einfachen Bett, einigen Brettern und Schüsseln in der Küche und in der Mitte eine Feuerstelle. All dies sah ich jedoch erst, als ich ein Foto mit dem Blitzlicht machte, weil es sonst so dunkel war, dass ich nichts sehen konnte. Sie wollte mir eine Maniok-Wurzel schenken, was ich dankend ablehnte. Auf der grossen Wiese bei der Schule von Enwen waren schon etwa 50 Kinder und Erwachsene versammelt. Sogar den Fon (Dorfchef) war gekommen, weil er von unserer Ankunft gehört hat. Wir wussten, dass es sich nicht gehört, ihm die Hand zu schütteln und verneigten uns vor ihm, um ihn ebenfalls zu begrüssen. Die Kinder trugen teils kleine Kleider oder löchrige Kleider. Ein älterer Mann trug einen wunderschön geschnitzten Stock mit sich. Gerne liess er sich fotografieren. Wir wurden in alle Schulräume geführt, die diese Primarschule hat. Eigentlich ist es eine staatliche Schule, und der Staat hat eine grosse Summe Geld geschickt, um Gebäude zu errichten. Doch nur ein Gebäude wurde errichtet, der Rest des Geldes fiel der Korruption zum Opfer... 6 weitere Gebäude wurden selbst errichtet, ein Gebäude ist bei einem Sturm bereits wieder eingestürzt, ein zweites hat bereits kaputte Deckenbalken und wird auch nicht mehr lange stehen. In den Ecken hat es einige Bänke. Wer rechtzeitig zum Unterricht kommt, hat eine Chance, sitzen zu können. Die anderen Kinder müssen am Boden sitzen. Pro Zimmer sind dies ungefähr 200 Kinder. Pro Zimmer hat es eine Wandtafel, worauf einige Informationen für die Kinder ersichtlich waren. Mit unserer Besichtigung liefen diverse Menschen mit. Alle hoffen sie auf Hilfe von uns. Da unsere Hilfsgüter noch nicht durch den Zoll sind, konnten wir nichts da lassen und haben auch nichts versprochen, doch wir werden bestimmt wieder kommen. Als Abschluss trugen wir uns noch ins Gästebuch ein, wo wir auch den Eintrag des Kontaktes aus Deutschland fanden, der im Mai dieses Jahres ebenfalls hier gewesen ist und uns danach kontaktiert hatte.

    

Wir besichtigen die Schule von Enwen. Die Bauten sind baufällig und ein Schulzimmer ist bereits dem Wind zum Opfer gefallen.



    

Das Wenige was man hat wird geteilt: sie möchte uns ihre Manjok-Wurzeln schenken. // Kinder in Enwen. // Wir unterhalten uns mit den Menschen aus Enwen und ihre Sorgen.



  

Einblick in eine Hütte in Enwen. Das gesamte Hab und Gut ist in einem kleinen Räumchen in einer dunklen Hütte untergebracht.


Das Abendessen durften wir nochmals im katholischen Spital in Bali einnehmen, es schmeckte herrlich. Die Schwestern hatten Reis, Kartoffeln, Kabis, Poulet, Ananass und Papaya zubereitet und wir genossen die Speise. Sogar eine Flasche Wein wurde für uns geöffnet, was für eine Freude!

Die Stunden bis Silvester verbrachten wir beim gemütlichen Zusammensitzen mit Bier, selbst gemachte Guetzli aus Bruhins Küche in Freienbach und einer Wasserpfeife. Um Mitternacht fuhren junge Burschen aus Bali im Kreisel des Dorfes mit einer selbst gebastelten Kanone herum und schossen ihre Neujahrsböllerschüsse ab. Kurz nach Mitternacht und gegenseitigen guten Neujahrswünschen legten wir uns schlafen, weil wir nächsten Morgen wieder früh weiterfahren wollten.

  

Mit einer selbst gebastelten Kanone wird das Neujahr angekündigt. // Silvester im Kreis von guten Freunden in Bali-Nyonga. Mit Bier stossen wir auf das neue Jahr an.


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