Limbe Dschang Bafoussam Bali Nyonga (321 km)
30.12.2008
Um 8 Uhr verliessen wir das Guesthouse mit unseren 4 Koffern Richtung Norden. Wir hatten beschlossen, in Bafoussam umzuschauen und einige sterile Handschuhe zu kaufen, weil unsere noch im Container steckten. Mit diesen und den restlichen Hilfsgütern aus dem Koffer wollten wir die erste Dringlichkeit abdecken.
Wir verliessen Limbe, vorbei an diversen Marktplätzen, wo wie immer ein reges Treiben herrschte. Etliche kleine Marktstände mit Brot, Maniok, Ananass oder Kochbananen. Wobei zu erwähnen ist, dass die gleichen Artikel immer beieinander verkauft werden, uns so zum Beispiel 10 Stände mit dem gleichen Angebot direkt nebeneinander stehen. Etliche Menschen sind zu Fuss oder auf Mofas unterwegs.
Auf der Strasse kamen uns wieder Zebuherden entgegen. Wenn auf der Strasse eine Panne oder ein Unfall ist, werden Grasbüschel in die Mitte gelegt, was dann eine Art Pannendreieck darstellt. Oder auch wenn ein Toter im Auto befördert wird, wird das Auto vorne und hinten mit Grasbüscheln markiert.

Traditionelle Bamilieke-Bauten.
Am Fluss wurde Sand aus Booten ans Ufer geschaufelt. Männer tauchen hinunter und holen den Sand aus dem Fluss. Aus dem Boot wird der Sand dann mühsam von Hand hinausgeschaufelt.
Vom englischsprachigen Raum wechselten wir zum französischen Raum von Kamerun. Der grösste Teil dieser Tour ist Frankophon. Je weiter wir nach Norden fuhren, umso mehr änderten sich die Häuser von Holzhütten zu Steinhütten. Im Bamileke-Land sahen wir viele traditionelle Hütten mit viereckigen spitzigen Dächern. Am Strassenrand wurde überall auf der ganzen Tour Lebensmittel angeboten. Kinder spielen mit alten Mofareifen und einem Holzstück. Am Strassenrand sassen des Öfteren Frauen und flochten sich gegenseitig ihr Haar, weil morgen Silvester ist und vor allem der Neujahrstag gross gefeiert wird. Wir erfuhren, dass nur vor 40 Jahren die Unabhängigkeit gefeiert wurde, inzwischen jedoch der geschichtliche Teil weniger zum Fest gehört als zu feiern, dass ein neues Jahr gestartet hat.

Kinder spielen mit alten Reifen. // Marktfrauen warten am Strassenrand auf ein Transportmittel. // Wasser holen wird meistens von Kindern erledigt.
Unterwegs machten wir einen Halt in einer Bäckerei in Manjo. Wunderbar frisch gebackenes Brot wurde uns verkauft. Etliche Männer trugen von einem grossen Lastwagen Säcke voller Mehl in die Backstube. Ich interessierte mich für die Backstube und erhielt einen kleinen Rundgang mit dem Chef. Diese Bäckerei wurde um 1969 von einer französischen Person in Betrieb genommen. Diverse Rühr- und Knetmaschinen stehen in einem dunklen und heissen Raum und rund 10 Männer kneteten oder formten das Brot und die Kuchen. Wir probierten von den noch warmen feinen kleinen Kuchen, sie schmeckten herrlich. Und dies, obwohl die Bleche vom vielen Benutzen längst gänzlich schwarz waren ;-)
In Bafoussam war der Markt wie immer riesig. Wir kauften einige Gegenstände, weil die Kinder uns Leid taten, welche diese Sachen dort verkaufen. Ein grosses neues Gebäude wurde errichtet und am Rohbau arbeiteten bestimmt 30 jüngere Männer. Sie standen in Abständen von 1 Meter auf dem Gerüst nach oben und reichten sich die Zementmischung nach und nach somit auf den zweiten oder dritten Stock. Ein Mann verkaufte Schnürsenkel und trug sich diese wie Haare auf dem Kopf mit, was ein witziges Erscheinungsbild darstellte. Am Strassenrand wurden in einer Region Pferdeschwänze mit dekorierten Stäben zum Halten verkauft. Nur in dieser Region wird Pferd gegessen, sonst im ganzen Land nicht, weil ein Pferd nicht zum Essen da ist, sondern als Transportmittel. Pferde kommen vom Norden und weil es in Richtung Süden zu heiss wird, werden sie meist dort geschlachtet und verspeist.

Pferdeschwänze & Schmuck werden am Strassenrand zum Verkauf angeboten. // Grossbaustelle in Bafoussam: von Mann zu Mann wird das Baumaterial hoch gehoben.
Auf dem Weg sieht man auch immer wieder die voll beladenen Autos mit Bananen oder anderen Lebensmitteln oder wie im ganzen Land die gelben Taxis, welche wie Ameisen durch die Städte kurven und meistens ziemlich demoliert ausschauen. Als weiteres Transportmittel für Personen mit weniger Geld nimmt man eines der vielen Mofas und setzt sich hinten darauf. Und wer kein Geld hat, der muss etliche Kilometer zu Fuss gehen. An den Strassenrändern wird der Müll zu Haufen gestapelt und dann angezündet.

Ein Junge verkauft als fliegender Händler in Bafoussam Mehrfachstecker und Gürtel aus Leder. Schnürsenkel werden elegant über dem Kopf zum Verkauf angeboten.
Ein kleiner Junge hat Brennholz gesucht und trägt die schwere Ware auf seinem Kopf.
Gegen Nachmittag 16 Uhr kamen überall aus den Feldern Frauen mit ihren Kindern. Alle trugen grosse Lasten mit sich, die sie tagsüber geerntet hatten. Jeder muss mit anpacken. Plötzlich entdeckten wir einen Marktplatz, den wir vom letzten Jahr noch in Erinnerung hatten. Vor allem, weil wir dachten, dort unser Februar-Kalenderbild aufgenommen hatten. Wir hielten und stiegen aus dem Auto, um den Personen das Bild zu zeigen und den Jungen zu finden. Die Suche verlief leider erfolglos, doch wenigstens hatten die Leute ein wenig Unterhaltung gehabt, denn innert kurzer Zeit versammelte sich eine ganze Menschenmenge um uns herum.

Am Markt gingen wir auf die Suche nach dem Kalenderjungen vom Februar 2009-Kalender.
Der Weg führte uns über diverse stark bewachsene gebirgige Hügel und unser Höhenmeter zeigte auf dem höchsten Punkt 1880 m ü.M. an, worüber wir sehr überrascht waren. Auch die Temperatur hat sich stetig abgekühlt und die Feuchtigkeit wurde merklich weniger.
Gegen 18 Uhr erreichten wir Bali und sind gleich ins Gästehaus von Gregory gefahren, um uns zu erfrischen und das Gepäck auszuladen. Dort lernten wir den Schweizer Joel kennen, welcher ebenfalls ein Hilfsprojekt hier ausführt. Er wohnte im selben Haus und wir unterhielten uns über unsere beiden Projekte und tauschten Gedanken aus. Später wurden wir zu Gregory nach Hause eingeladen, begrüssten seine Frau und seine Kinder sowie einige Verwandte. Es gab Reis und Fisch. Übrigens isst seine Familie nur zweimal im Jahr Reis, einmal davon zu Weihnachten. Nach einem Schlummertrunk im Picadally gingen wir früh schlafen, weil wir müde von der Reise waren.