Limbe Douala Limbe (124 km)
29.12.2008
Heute um 8 Uhr machten wir uns auf den Weg von Limbe nach Douala, um Mister Felix F. von der katholischen Mission in Douala zu treffen. Dieser Herr wollte uns helfen, den Container für die Mission entgegen zu nehmen und uns die nötigen Zollpapiere beschaffen. Wir drei zogen unsere neuen Ashia-T-Shirts an und zogen damit einige Aufmerksam der Leute auf sich. Wir wurden etliche Male gefragt, wo wir arbeiten oder woher wir kommen. Nicht immer erzählten wir ganz genau, wer wir sind, man weiss ja nie, wer diese Leute sind und eine gesunde Portion Misstrauen in dieser Grosstadt ist vermutlich nicht allzu schlecht. Wie immer herrschte in Douala stickige Luft und Chaos. Douala hat einerseits moderne Gebäude, andererseits die gleiche Armut wie im restlichen Land und das Leben ist hier bestimmt noch schwieriger als auf dem Land, wo die Preise günstiger sind. Es hat etliche Menschen, die auf der Strasse leben und alles was sie besitzen mit sich tragen, was sozusagen nichts ist. Auch hier gibt es hunderte oder tausende kleine Geschäftchen, jeder verkauft irgendetwas und es wimmelt von Menschen. Teils gibt es kleine Geschäftchen, die auf einem fahrenden Gestell aufgebaut sind und wo alles über und über voller Artikel ist. Man sieht kaum mehr, was es alles gibt. Am Fluss schaufelten Männer von Hand Sand in riesigen Mengen in brütender Hitze.

Ein Teil des riesigen Hafens von Douala (grösster Hafen in Westafrika). Markt am Strassenrand.
Gegen 10 Uhr erreichten wir Douala und wollten uns mit Mister Felix treffen. 10 Uhr heisst in Kamerun-Zeit, er kommt dann, wann er kommt & jedenfalls war er um 10.45 Uhr noch nirgends zu sehen und wir fanden das Gespräch mit einem Priester, der ebenfalls in dieser Mission arbeitet und mit uns ein paar Worte wechselte. Wir erfuhren, dass er der Chef von Mister Felix ist. Er teilte uns mit, dass unser letztes Papier noch immer nicht vom Amt in Yaounde unterschrieben wurde. Wir waren sehr enttäuscht, doch ein wenig hatten wir auch damit gerechnet, weil hier alles x-fach länger dauert als zu Hause. Der Priester munterte uns auf, dass wir nicht traurig sein sollen, dass dieses Container-Papiere beschaffen sein Job sei und sie es bestimmt beschaffen können. Die Frage ist nur, bis wann. Ohne dieses letzte Papier müssten wir eine grosse Strafe (oder Zoll-Gebühren) bezahlen, weil der Container nicht als Hilfsgüter deklariert wäre. Der Priester teilte uns auch mit, dass er für Helvetas jeweils die Container entgegen nimmt. Bestimmt waren wir hier am richtigen Ort, doch für unser Zeitgefühl lief alles viel zu langsam, war der Container doch mittlerweile über 7 Wochen am Zoll und noch immer fehlten die passenden Papiere. Für dieses eine Gespräch waren wir so weit gefahren, und innert 5 Minuten waren wir damit fertig und verliessen enttäuscht die Mission. Wieder wurden wir vertröstet, und wir wussten nicht, wie lange. Vielleicht 1 Tag, vielleicht 1 Woche, vielleicht noch länger & Alles hängt vom Minister in Yaounde ab, wann er endlich diese letzte Unterschrift gibt, dass wir loslegen können. Unseren Nachmittag verbrachten wir in Douala und trafen uns mit Ephraim, den wir zwei Tage zuvor in Buea im MTN-Shop kennen gelernt hatten. Wir fuhren zur Guinness-Brauerei und wurden von ihm empfangen. Leider erfuhren wir erst am Eingang, dass man unbedingt lange Hosen dafür tragen muss und uns eine Hose kaufen gehen wollten wir nicht (wer möchte schon eine Hose kaufen, die er Jahre zuvor in den Sammelsack gesteckt hat ;-) Also fiel auch dieser Plan ins Wasser. Anstelle einer Brauerei-Besichtigung gingen wir mit Ephraim ins nächste Restaurant und tranken die Neuheit des Landes: ein Smirnow, gebraut in der Guinness-Brauerei. Seit 2 Monaten ist dieses Getränk auch in Kamerun erhältlich, vorerst jedoch nur im Grossraum Douala. Endlich einmal eine Abwechslung als immer nur Bier oder Topampelmouse-Getränk. Ephraim überraschte uns, als wir erfuhren, dass er erst 24 Jahre alt ist. Es ist schwierig, die Menschen hier einzuschätzen, weil uns ihre Gesichtszüge nicht so bekannt sind. Für dieses Alter hat er schon einiges erreicht: er hat studiert und ist nach der Schule gleich zur Guinness gegangen und hat um einen Job gebeten. Sie wollten ihn zuerst nicht anstellen, weil er zu jung sei, doch er liess sich nicht von seinem Plan abbringen und arbeitet nun als Jüngster in der Technik der Guinness. Er verliess seinen Heimatort Kumba, um in Douala zu arbeiten. Seit 1 Monat hat er diesen Job. In Douala musste er gleich für 1 Jahr die ganze Wohnungsmiete im Voraus bezahlen, welche ungefähr 700 CHF beträgt. Unglaublich, wie hoch dieser Preis ist. Wir unterhielten uns mit ihm über sein Leben und erzählten über unser Leben und die Schweiz, was ein sehr interessantes Gespräch wurde. Als wir ihm ein Schweizer Armeemesser als kleines Freundschaftsgeschenk überreichten, freute er sich riesig und strahlte übers ganze Gesicht.
Wir statteten Emmanuel, den wir noch vom letzten Jahr kennen, auf seiner Baustelle in Douala einen Besuch ab. Emmanuel ist Architekt, hat dies jedoch nie studiert, sondern sich eher selber beigebracht und erhält nun des Öftern Aufträge, neue Häuser zu bauen. Auf der Baustelle arbeiten unter seiner Leitung 12 Personen. Freudig kam er vom ersten Stock der Baustelle über das notdürftige Gerüst aus Baumstämmen zu uns herunter, um uns zu begrüssen. Unter brennender Sonne arbeiteten die Männer verschiedenen Alters. Ein junger Bursche bog von Hand Armierungseisen, eine extrem harte Arbeit, und erst recht unter diesen Bedingungen. Während des Baus wohnen und schlafen die Arbeiter nebenan im alten Haus, von dem nur ein kleiner Raum noch steht. Eng gedrängt inmitten Zementsäcken verbringen sie ihre Nächte. Nach einem kurzen Smalltalk und einem erfrischenden Getränk fuhren wir weiter. Übrigens sind in Kamerun unter den Getränkedeckeln jeweils Wettbewerbe, und mit ein wenig Glück kann man ein Freigetränk gewinnen. Ich hatte Glück und gewann ein Süssgetränk, welches ich dem hart arbeitenden jungen Burschen spendierte. Er freute sich riesig.

Zu Besuch auf der Baustelle in Douala, wo Armierungseisen bei grösster Hitze von Hand gebogen werden müssen.
Wir machten uns verschwitzt auf den Weg zurück nach Limbe, um noch eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken und eine erfrischende Dusche zu nehmen. Wir trafen uns wieder in unserem Stammlokal, wo wir mittlerweile einige bekannte Gesichter trafen. George reiste an diesem Abend ab. Er sass jedoch noch ganz gemütlich dort. Gregory erzählte uns, George müsse unbedingt losfahren, sein Flieger gehe doch gleich. So vergingen Minuten um Minuten und nach ungefähr einer halben Stunde stand er endlich auf uns machte Anstalten, zu gehen. Hier ein verabschieden, dort ein Smalltalk, so vergingen wieder einige Minuten. Irgendwann ging es Richtung Auto, seine Frau, sein Bruder und er stiegen ein, um wenig später nochmals alle auszusteigen und wieder dort ein Gespräch, da ein Händeschütteln und ein Drücken & Nach etwa einer Stunde fuhren sie endlich los. Das nennt man Beeilung in Kamerun ;-) Wie wir später erfahren haben, hat er den Flieger noch rechtzeitig erreicht.
Den restlichen Abend verbrachten wir in einem anderen Stammlokal und plauderten über dies und das. Vor allem über unsere Pläne zur weiteren Reise, weil unser Container noch immer nicht ausgelöst worden war. Wir waren sehr frustriert und mussten trotzdem das Beste aus der Situation machen und uns nicht die Laune verderben lassen. Schliesslich hatten wir auch Ferien und wir entschlossen, unsere Zeit zu nutzen, um einige Plätze zu besuchen und zu rekognoszieren. Glücklicherweise hatten wir noch nirgends angekündigt, dass wir mit Hilfsgütern kommen würden, so war die Enttäuschung nur bei uns vorhanden. Und mit unseren vielen Spendengeldern konnten wir auch ohne Container viel vor Ort bewegen. Wir beschlossen, am anderen Morgen nochmals in Douala beim Priester anzurufen und nach Neuigkeiten zu fragen. Auf alle Fälle wollten wir das Guesthouse verlassen und Richtung Norden losfahren. Wir wollten die Zeit nutzen, um unsere Waisenhäuser und Krankenhäuser zu besuchen und vor Ort nach dem derzeitigen Stand der Dinge zu sehen. Bestimmt würden uns so auch wieder weitere Notwendigkeiten und Dringlichkeiten sehen.
Gegen 11 Uhr legten wir uns schlafen. Eine grosse Spinne begrüsste uns wie jeden Abend an der Wand, wir hatten uns schon fast mit ihr angefreundet, weil sie sowieso immer an der gleichen Stelle ihre Nacht verbrachte. Und zwei riesige Kakerlaken huschten umher.