Limbe Buea Limbe (30 km)
26.12.2008
Der heutige Tag begann ziemlich planlos. Unser erster Container steckte noch immer am letzten Posten von Douala und auch der Anruf am frühen Morgen hatte keine Neuigkeiten gebracht. Es fehlte ein letztes Papier, mit welchem alles zu einem akzeptablen Preis ausgelöst werden kann. Wir entschieden, dass es auf jeden Fall Wert ist darauf noch bis Montag zu warten, da wir uns gute Chancen ausrechnen, es zu schaffen. Soviel Zeit fürs Warten musste sein. Hier sahen wir auch zum ersten Mal live, wie viel Zeit Gregory bereits für das Auslösen benötigt hatte. Er hatte etliche Schreiben mit Stempel und Unterschriften in Englisch und Französisch, welche bestätigen, dass der Empfänger das Spital ist und der Inhalt lauter gespendete Hilfsgüter sind. Wir vermuteten nebst der Zollproblematik auch, dass es Schwierigkeiten gibt, weil der Englische Teil von Kamerun vom Land ein wenig vernachlässigt wird und in unserem Fall der Empfänger des Containers ist. So begann der Tag gemütlich, wir lernten die andere Bewohner des Guesthouses kennen und später machten wir uns auf den Weg zu Andreas uns seinem Besuch oberhalb Limbe.
Den Nachmittag wollten wir damit verbringen, uns die SIM-Karte wieder aktivieren zu lassen, so dass wir eine günstige Verbindung nach Hause haben und damit auch ins Internet gehen können.
Der Plan führte uns zuerst nach Buea, etwa 25 Minuten von Limbe entfernt, in einen MTN-Shop. Im MTN-Shop sagten sie uns, wir müssen 200 Meter weiter ins MTN Super Dealer Center, um dies zu bestellen. So fuhren wir ins Super Dealer Center. Dort war ein junger Mann, der seinen Job sehr gut verstand und er erklärte uns, dass wir eine Nummer erst im Shop, wo wir gerade waren, erhalten können. Also zurück zum Shop. Dieses Spielchen wiederholte sich dann noch bis zu 4 Mal... hin und zurück, von Shop zu Dealer und umgekehrt, um die verschiedenen Vorbereitungen für eine neue Landes-Nummer zu erhalten... Meine bestehende Landesnummer war leider inzwischen abgelaufen, wenn man sie länger als 9 Monate nicht benutzt hat. Dann die Konfiguration für mein Handy suchen, das für die hiesigen Verhältnisse sehr modern ist. Im Shop gab es dafür nicht einmal eine Antwort und nur gelangweilte Blicke der Verkäuferin, also wieder zurück zum Super Dealer Center. Die Konfiguration stellte sich als Knackpunkt der Handlung heraus. Der junge Mann gab nicht auf und versuchte fast zwei Stunden, dies herauszufinden. Währenddessen tippte ich auf dem Laptop unsere ersten Reiseberichte.

Buea: wie überall in Kamerun spielt sich das Leben auf und an der Strasse ab und es gibt immer etwas zu sehen.
Schlussendlich hatten wir vermutlich fast 3 Stunden damit verbracht, zu warten. Doch der junge Mann gab nicht auf und sagte, er könnte mein Handy nach Hause nehmen und dort die Konfiguration nachschlagen, er hätte dies schon einmal auf einem ähnlichen Handy gemacht. Trotz gewissen Zweifeln, ob ich mein Handy auch am nächsten Tag wieder erhalten würde, gab ich es ihm mit. Er gab uns seine Kontaktdaten und versprach, am anderen Morgen anzurufen und auch gleich zu Hause die passende Software aus dem Internet zu laden. Diese Aussichten waren erfreulich.
Danach waren wir ziemlich hungrig und durstig geworden und fuhren zurück nach Limbe, um die lang vermissten Soja (Fleischspiesschen vom Grill) zu essen. Leider hatte es nur noch ein paar wenige, die wir hungrig verspeisten und zum Apero gab es dazu noch ein zwei Bier. Im Gedränge lernten wir dort noch weitere Verwandte von Gregory kennen. Wir wissen ja inzwischen bereits, dass er überall noch Verwandte hat ;-)
Der Gang zur Toilette des Restaurants war von mir reiflich durchdacht worden, weil es meistens hinter solchen Restaurants nicht sehr gepflegt ausschaut. Doch was sich nicht verhindern lässt, muss sein. Also liess ich mich nach hinten führen, durch ein kleines Zimmerchen hindurch, das gerade Platz für ein Doppelbett und einige am Boden liegende Kleider bot. Danach durch eine weitere Türe, und welche Freude, es hatte eine WC-Schüssel und ein Lavabo und Plättchen. Nur auf den zweiten Blick merkt man, dass kein Wasseranschluss vorhanden ist und überall noch Zubehör herumliegt. Hier eine Zahnbürste am Boden, da ein schmutziger Teller nebenan. So kann auch verstanden werden, dass die Männer sich diesen Weg nach hinten über diverse Artikel und teils halbfertiges Mauerwerk ersparen und gleich nebenan die Wand benützen.
Wir nutzen unsere eher planlos verlaufende Zeit des Wartens auf den Container damit, uns mit den Menschen hier mehr zu befassen. Mich interessierte es, ob die Geschichte tatsächlich stimmt, wie es abläuft, wenn ein Kameruner um die Hand seiner Frau anhält. Und zwar kommt der Mann ins Elternhaus seiner zukünftigen, wo deren Tanten und Onkel warten. Er sagt, dass er sie gerne zur Frau nehmen würde. Danach beginnt ein traditioneller Ablauf, in dem die Verwandten ihm zuerst andere Frauen (meines Wissens Geschwister) vorzeigen. Der Mann teilt mit, dass es nicht diese Frau ist. Die Verwandtschaft gibt vor, die von ihm gewünschte Frau sei z.B. noch am Flughafen oder in einem anderen Dorf und müsse abgeholt werden, wofür sie Geld benötigen würden. Der Mann bezahlt einen Preis, die nächste Frau wird geholt, wieder die falsche, und so weiter. Somit wird schlussendlich der Brautpreis bezahlt. Der Wert der Frau wird gesteigert, bis die Richtige vorgezeigt wird. Der Bräutigam bringt für diese Zeremonie Palmwein mit, welcher für die Verwandtschaft gedacht ist. Bei den Moslem-Gläubigen geht die Tradition noch weiter, dass der Mann ganz bestimmte Sachen mitbringen muss, wie zum Beispiel ein Huhn, Kleider für die Frau, Salz und ähnliche Artikel. Wenn er die Frau zugesprochen bekommen hat, muss er ein Haus eingerichtet haben, wo bereits alles für sie parat gelegt ist.
Auch wenn wir schon zum dritten Mal hier sind, schmunzeln wir öfters über einige Traditionen oder Verhaltensweisen. Beispielsweise wie gelangweilt Verkäuferinnen in einem solch grösseren Laden hinter dem Tresen bedienen können. Oder wie viele Leute jeweils in so einem Laden sind, so dass man nie genau durchblickt, wer jetzt hier arbeitet, wer Kunde ist und wer sonst einfach gerade nichts anderes zu tun hat und ein wenig Unterhaltung sucht. Ebenfalls, wie leise die Leute mit der Kundschaft miteinander teils sprechen. Wir mussten des Öfteren bitten, ob sie nicht lauter sprechen können. Solche grösseren Geschäfte werden meistens auch durch diverse Sicherheitsleute bewacht, die vor und innerhalb der Räume herumsitzen, meistens in Militäruniform. Und welche Unordnung in den Unterlagen meistens herrscht. Zum Beispiel werden alle frisch verkauften Handynummern auf einen losen Zettel geschrieben, der dann irgendwo herumliegt. Wenn dann im Gewühl der Unordnung ein Stift zum Aufschreiben gefunden worden ist. Auch wenn der Eindruck entstehen kann, dass man hier schon sehr nahe an Europäischer Technologie ankommt, wenn man die modernen neuen Handys im Regal sieht, ist doch noch ein riesiger Unterschied da. Diese Geräte kann sich der normal verdienende Kameruner bestimmt sowieso nicht leisten. Und wir sind noch immer am Üben der Tradition mit dem Fingerschnipsen während der Begrüssung, wo wir sicher noch einige Praxis benötigen ;-) Beim Gruss mit den Händen wird nach dem Handschlag ein gegenseitiges Fingerschnipsen beider Hände erzeugt. Nur mit Zufall können wir bisher damit mithalten.
Fürs Abendessen trafen wir uns mit Andreas und seiner Verwandtschaft im Millys. Das Essen schmeckte wunderbar, auch wenn wir sehr lange darauf warten mussten. Wir waren schon gar nicht mehr sicher, ob es irgendwann kommen würde, weil es so endlos lange gedauert hat. Nach 4 Stunden hatten wir fertig gegessen. Die Zeit dazwischen verbrachten wir hauptsächlich mit Warten und mit unserer Shisha, die wir als kleinen Luxus zur allgemeinen Freude wieder mitgebracht hatten. Danach legten wir uns bald schlafen, in der Hoffnung, am nächsten Morgen in Buea mein Handy und vor allem die Internetverbindung installieren zu können. Und vor allem in der Hoffnung, am Montag endlich News vom Container am Zoll zu erhalten.
27.12.2008
An diesem Morgen haben wir ziemlich verschlafen, die Müdigkeit der Reise hat uns eingeholt. Erst gegen 11 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Buea, um nach meinem Handy und der Internetverbindung zu schauen. Der junge Mann war im Shop und hatte es über Nacht in der Tat soweit gebracht, mein Handy fürs Web tauglich zu konfigurieren und die dazu passende Software zu downloaden, damit der Laptop auch soweit parat fürs Internet ist. Wir installierten also die Software und dachten schon bald, es geschafft zu haben. Doch irgendwie wollte der Laptop nicht mit dem Handy funktionieren, immer wieder stürzte die Software ab und somit verbrachten wir wieder einige Stunden im Super Dealer Shop mit ausprobieren und konfigurieren. Glücklicherweise hatten wir nichts Wichtigeres zu tun, weil wir ja noch immer auf Containernews warten mussten. Und überraschenderweise entwickelten wir uns innert kurzer Zeit zu Kamerunern, die einfach stundenlang irgendwo sitzen oder stehen können, ohne zu verzweifeln oder die Nerven zu verlieren. Nach mir kamen auch noch diverse andere Leute, die etwas von dem jungen Mann wollten. Es gab kein Gedränge oder Fragen, wann man dann endlich bedient wird. Man wartet einfach geduldig, macht ein Spässchen, setzt sich irgendwo hin, geht nach draussen, kommt wieder herein, beginnt ein Gespräch und so vergehen Stunden, und nichts passiert. Unvorstellbar in der Schweiz… Zwischendurch holten wir uns etwas zu Essen oder zu Trinken, schlenderten wieder zum Shop, keine Neuigkeiten, er probierte immer noch die Konfigurationen aus. Während der Warterei lernten wir einen Techniker aus der Guinnes-Brauerei in Douala kennen, welcher uns spontan auf eine Geschäftsführung einlud. Da wir am Montag geplant hatten, nach Douala zu fahren, und noch nicht wussten, wie unser Programm danach ausschauen würde, nahmen wir das Angebot an. In der Hoffnung, doch keine Zeit zu finden, weil wir am Montag unseren Container ausgelöst haben möchten. Man ist schnell befreundet und der Mann schnipste mindestens 10 Mal mit uns den Kamerun-Händegruss und hatte Freude, dass wir uns bemühten, ihre Tradition kennen zu lernen.
Nach fast 5 Stunden gaben wir doch auch auf, der Shop schloss schon längst seine Türen und wir wollten dem jungen Mann auch endlich Feierabend geben. Obwohl wir ohne Erfolg nach Limbe zurück fahren mussten, wollten wir ihm für seine Arbeit etwas bezahlen. Er hätte nicht einmal etwas dafür verlangt, dabei hatte er Stunden damit verbracht. Wir entlöhnten ihn entsprechend und haben noch die Hoffnung, dass es vielleicht bei einem nächsten Versuch doch noch klappt, denn soweit wäre alles korrekt installiert und konfiguriert, nur hängt irgendwo eine Einstellung.
So fuhren wir zurück nach Limbe. Auf dem Weg sahen wir ein paar junge Männer auf dem Weg zu einer Beerdigung. Sie sassen auf einem Büsschen, in welchem die Gäste der Beerdigung sassen. Auf dem Dach des Büsschens war der Sarg und darauf sassen 3 Männer, jubelnd und winkend und vor allem trinkend. So fuhren sie mit dem Verstorbenen zur Beerdigung.

Der Sarg wird auf dem Bus transportiert, ein Begleitauto mit Grasbüscheln weist auf den Verstorbenen hin. Laute Musik und jubelnde (meist leider auch betrunkene) Menschen begleiten den Weg.
In Limbe fuhren wir zum Apero nochmals zum Restaurant des Cousins von Gregory namens George. Er wohnt üblicherweise in der Nähe von Washington in Amerika, hat ein kleines Geschäft beim Restaurant und verkauft ziemlich moderne importierte Artikel wie Kühlboxen oder Plüschtiere. Dort sassen wie immer einige Männer am Bier trinken. Sie waren von einer Hochzeitszeremonie gekommen und einer davon hatte noch eine Hochzeitszeitung in den Händen, fast wie wir es in der Schweiz kennen. Wunderbar gedruckt (anscheinend in der Druckerei von Andreas) mit dem ganzen Ablauf der Hochzeit, den Gästen und den Liedern, die gesungen wurden. Wir staunten nicht schlecht. Die Männer tranken Wein aus dem Tetra-Pak, wobei sie schon Hilfe fürs Öffnen brauchten, weil es sicherlich nicht das erste Pak war. ;-) Auf dem Grill vor dem Restaurant bot man uns Rindervene (aus dem Rücken des Rindes) an, doch es soll eine ziemlich zähe Angelegenheit sein. Ich staunte, wie gross so eine Vene ist. Die zwei Fleischteile waren knapp 30 cm lang und 1 cm dick.
Danach luden wir Felix (den Kameruner) unterwegs aus, er ist Zimmermann und hatte ein Treffen mit einem potentiellen Kunden. In der Zwischenzeit überraschten wir seine Frau und seine beiden kleinen Kinder mit einem Besuch. Wir fuhren extra unangekündigt den Hügel in Limbe hoch, um sie zu finden. Felix’ Frau heisst Juliette und er hat eine kleine Tochter namens Fiona und einen Sohn namens Joelle. Der kleine ist 5 Wochen alt und kaum waren wir dort, hatte ich ihn schon in den Armen... Felix wohnt sehr bescheiden in einer Hütte. Der Wohnraum ist vollgepfercht mit Tisch, Stühlen, einem Sofa und (das wichtigste) einem Fernseher, der die ganze Zeit gelaufen ist. Wer sich hier einigermassen etwas leisten kann, der hat einen Fernseher, und der muss den ganzen Tag eingeschaltet sein. So ist es auch in den Restaurants an jeder Ecke. Seine Frau war überrascht über unseren Besuch und offerierte uns natürlich gleich etwas zu Essen. Also assen wir etwas, obwohl uns die Zubereitung einige Gedanken machte. Es gab Kochbananen und Kabis sowie Fleisch-Stücke. Im Fleisch hatte es auch den Rinderdarm, der hier ebenfalls verspeist wird. Wie immer hatten wir unseren Schnaps dabei, um die Mahlzeit entsprechend herunterzuspülen.

Zu Besuch bei Felix auf dem Hügel von Limbe. Wir werden mit Kochbanenen und Kabis verköstigt.
Zum Abendessen trafen wir uns wieder mit den anderen Schweizern im Restaurant Opera, um nochmals richtig zu Essen, bevor es für uns in den Norden losgeht. Wir genossen Spaghetti, weil wir wussten, dass wir nachher sicherlich lange keine mehr bekommen werden. Glücklicherweise war die riesige Kakerlake nicht im Teller, sondern huschte nur sonst im Restaurant herum.
Den Abend liessen wir in einer Kneipe um die Ecke ausklingen. Wir staunten, als wir sahen, wie viele Harassen Bier in der Nacht angeliefert wurden, welche auf das bevorstehende Neujahrsfest bestellt wurden. Für so ein kleines Lokal herrscht reger Umsatz, vor allem mit Bier.
Für den nächsten Tag, den Sonntag, wollten wir gemeinsam zur Kirche gehen, welche anscheinend 2 Stunden dauern kann. So legten wir uns bald schlafen.
28.12.2008 Limbe
Heute Morgen trafen wir uns um 9.30 Uhr, um gemeinsam zur Bota Church am Meer zu fahren. Von allen Seiten strömten Menschen in die verschiedenen Kirchen, die es in Limbe gibt. Je nach Glauben gehen sie zur Presbyterien Church, wo auch alle Männer das gleiche Hemd tragen. Oder die Christen gehen wie wir zur Bota Church. Die Kirche ist sehr gross, aus Holz und mit einem Wellblechdach, unter dem 16 grosse Ventilatoren ihren Dienst taten. Ohne viel Prunk wie in Europäischen Breitengraden, doch mir sehr viel schönen Blumen und Bildern wie bei uns dekoriert. Nach und nach strömten Menschen in die Kirche, jeden Alters, vom kleinsten Baby bis zum alten Mann am Stock gehend. Vorne in der Mitte sang eine Art Kirchenchor, wir staunten nicht schlecht, mit welcher gewaltigen Stimme die jungen Frauen die Lieder vortrugen und zum gemeinsamen Singen animierten. Leider kennen wir ausser einem Text die Lieder bei uns nicht. Es sind fröhliche Lieder, immer mehrstimmig gesungen, ab und zu sogar in Richtung Gospel mit klatschenden Händen und fröhlicher Stimmung. Danach gab es einen feierlichen Einzug mit Kreuz und Pfarrer. Zuerst wurde vorgelesen, wer alles Verstorben ist oder wem es nicht gut geht zurzeit. Vor der Kirche konnte man ein Pfarrblatt kaufen, in dem das Thema der Messe beschrieben und einige weitere Informationen ergänzt wurden. Heute war Familien-Thanksgiving-Day. Die Familie wurde angepriesen, die Eltern wurden hingewiesen, auf ihre Kinder zu schauen und mehr Zeit mit ihnen verbringen und sie nicht vor den Fernseher zu setzen oder ihnen Spiele zu kaufen oder den Babysitter zu bestellen. Wir waren überrascht, dass solche Probleme auch hier bereits Einzug hatten. Die Predigt des Pfarrers dauerte bestimmt 45 Minuten, in denen er direkt zum Volk sprach und das Volk teils lachte und mit in das Gespräch einbezogen wurde. Wir konnten wegen der Pidgin-Englisch-Sprache nicht ganz alles verstehen, doch überraschenderweise doch sehr viel.

In der Bota Church von Limbe.
Danach wurde das Opfer zuvorderst in der Kirche in einem Holzbehälter gesammelt. Jedes Mitglied ging nach vorne und ich wunderte mich, dass nachher die meisten nicht mehr an ihrem Platz sassen, sondern weg waren. Den Grund erfuhr ich sofort, weil danach diverse Familiengruppierungen nach draussen gegangen waren, um sich für einen gemeinsamen erneuten Einzug in die Kirche zu sammeln. Die grösste Sippe kam zuerst, etwa 50 Personen kamen gemeinsam in die Kirche ein und hatten für die Kirche gespendet. Danach kamen weitere Familiengruppen und setzen sich danach wieder an ihren Platz, bis alle wieder da waren. Einzelne Familiengruppen sangen beim Einzug Lieder.
Danach wurde die Kommunion ausgeteilt und die Predigt ging weiter. Es schien sich auch des Öfteren zu wiederholen, immer wieder wurden die Wichtigkeit der Familie und der Zusammenhalt in den Vordergrund gestellt.
Die Messe dauerte insgesamt etwas über 2 Stunden und war für uns sehr eindrücklich und anders als von zu Hause gewohnt.
Nach Beendigung der Messe verliessen wir die Kirche und fuhren in unser „Stammlokal“, um den Durst zu löschen. Dort wurde schon das Mittagessen angerichtet, welches jedoch nicht ganz unserem Geschmack entsprach. Nebst unseren geliebten Soja-Spiesschen gab es noch andere Spiesschen, auf welche so ziemlich das aufgespiesst wird, welches bei uns bestimmt nie gegessen wird (Fettschicht, Schwarte...) Wir entschieden, in ein anderes Lokal zu gehen, solange wir noch die Wahl haben ;-) So gab es Fisch mit Reis. Wieder einmal war ich überrascht, als Gregory meinen Fischkopf fertig ass und danach ausser zwei Knöchlein nichts mehr zu sehen war. Mit einem Knacksen aus dem Mund verschwand der restliche Kopfteil mit Knochen. Das Trinkgeld beim Bezahlen machte mich gleich zur Freundin der Servierdame: 1.20 CHF war unser Beitrag dafür gewesen.

Endlich waren wir wieder hier und konnten die feinen Soja vom Grill geniessen.
Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Besuch im Internetkaffee, um unsere zu Hause Gebliebenen mit News zu versorgen. Das bedeutet immer viel Geduld und Warten auf die Internet-Verbindung.
Für fünf Uhr hatten wir uns verabredet, um mit Felix aus Kamerun und Gregory an eine traditionelle Feier namens Nda Nswah (Haus Fiber) zu gehen. Es werden traditionelle Kleider angezogen und getanzt. Diese Feier fand in Limbe im Quartier der Bali-Menschen statt und viele Bali-Menschen, die in Limbe wohnen, nahmen daran teil. Diese Feier beginnt jeweils am Sonntagabend um fünf Uhr und dauerte genau eine Stunde. Etwa 30 Männer sassen bereits in einer unscheinbaren Holzhütte und wir setzten uns im Gedränge hinzu. In der Hütte hingen Plakate mit den Beiträgen der Personen, wer zu Besuch gekommen war und welche Mitglieder dazugehören. Ebenfalls hing vom Staat ein Zertifikat, das diese Vereinigung bescheinigte. Es war heiss und alle schwitzten. Zur Begrüssung setzten wir uns hin und klatschten gemeinsam 5x in die Hände (weil wir 5 hinzugekommen waren). Somit war jede Person von uns gegrüsst worden. An einem runden Tisch sass der Präsident, davor sein Sekretär und um ihn herum einige wichtige ältere Herren in traditionellen Gewändern. Zuerst war alles sehr andächtig und wir lauschten, was die Gesellschaft vorzutragen hatte. Einige Männer standen auf und erzählten in ihrer Bali-Sprache. Vermutlich wurden auch Probleme diskutiert, die während der Woche stattgefunden hatten. Danach stand Felix aus Kamerun auf und erklärte, dass er uns letzten Silvester in Bali kennen gelernt hat, als wir mit Gregory unterwegs waren. Danach erklärter Gregory der Gesellschaft, dass wir ihre Kultur während unseren drei Reisen lieben und schätzen gelernt hatten und sehr interessiert daran sind, mehr davon zu sehen. Alle Augen waren gespannt auf uns gerichtet. Der Präsident stand auf und verkündete, dass er uns herzlich Willkommen heisst und sich über unseren Besuch freut. Er erlaubte uns, gemeinsam mit ihnen dieses Fest zu verbringen und Fotos oder Filme zu machen, wie wir es gerne möchten. Wir freuten uns sehr über diese Einladung. Danach wurde das Wort an uns gerichtet. Ich stand auf, um mich mit einigen Worten vor der Gesellschaft dafür von ganzem Herzen zu bedanken. Wir freuten uns riesig über diese Einladung und darüber, dass wir ein Teil der Gesellschaft sein dürfen.
Die Feier wurde offiziell damit eröffnet, dass zwei Männer mit einem geschnitzten Holzstab und herunterhängenden Pferdehaaren nach draussen gingen und ein Ritual vollbrachten.
Sie entfernten sich vom Haus, im Rhythmus der Musik, um einige Meter wegzugehen, sich dort umzudrehen und wieder zum Haus zurückzukehren. Beim Haus zurück standen einige Männer davor und hatten Holzstangen zum Symbol als Waffen in der Hand haltend und schickten diese wieder weg. Dies wurde mehrmals getan, bis dann von der anderen Seite Männer mit Baumstängeln und Blättern entgegen kamen und sie mit ins Haus brachten. Es sollte symbolisieren, dass sie etwas von der Jagd mit nach Hause brachten und so ins Haus zurück durften.

Beginn der Zeremonie: draussen wird der Siegeszug zelebriert. Die in Limbe wohnenden Menschen aus Bali-Nyonga treffen sich, besprechen Probleme, spielen Musik und tanzen.
Danach wurde traditionelle Musik gespielt. In der Mitte des kleinen Raumes stand ein Holzxylophon, von der Decke wurden hängende Trommeln und Rasseln heruntergenommen. Etliche Lieder wurden lautstark und mit rhythmischen Klängen minutenlang gesungen und gespielt. Alle schwitzen und sangen mit und es wurden einige Notenscheine gezückt und an die nasse Stirne der Musizierenden geklebt. Dies wird als Lohn an die ganze Gesellschaft verwendet.

Die traditionellen Gebräuche, Gegenstände und Musikinstrumente werden zum Einsatz gebracht.
Nebenan in einem Raum waren Frauen, welche erst nach Beginn der Musik in den Raum kamen und mittanzten. Nach rund einer Stunde waren die meisten erschöpft, es wurde eine Runde Bier spendiert und der Präsident richtete das Wort erneut an uns. Er sei glücklich, dass wir hier seien und wir seien nun ein Teil dieses Bali-Hauses. Es sei auch unser Haus und wenn wir wiederkommen, dürften wir jederzeit vorbeischauen. Voller Stolz schossen wir noch etliche Fotos und hielten diesen speziellen Abend mit der Filmkamera fest, um zu Hause noch lange davon zehren zu können.

Ausgelassene Stimmung am Nda Nswah von Limbe.
Danach begann der eher feuchtfröhliche Teil der Gesellschaft, man sass draussen zusammen und trank Bier, wir hatten unsere Shisha dabei und konnten uns somit ein wenig bei der Gesellschaft bedanken und etwas von uns hinzusteuern. Der Präsident setzte sich zu uns und wir unterhielten uns noch lange mit ihm. Nach der Veranstaltung war er sichtlich gut gelaunt und verhielt sich nicht mehr wie vorher als ein Oberhaupt, sondern wie alle anderen Anwesenden auch. Er wurde locker und gesprächig. Als ich ihm das Buch aus der Schweiz zeigte, welches ich für die Menschen hier zum Verständnis gemacht hatte und welches einige Bilder und unsere Familien zeigt, hatte er grosses Interesse. Am meisten Freude aber hatte er wie die meisten Kameruner, als er die Fotos unserer Eltern sah. Wieder einmal wurde uns bewusst, wie wichtig hier die Eltern sind. Als Revanche für ihre Vorführung spielten und sangen wir ihnen unsere mitgebrachten Schweizerlieder vor, welche unsere Freunde Gregory und Felix mittlerweile schon intus haben und worüber wir uns alle immer köstlich amüsieren. Wir tauschten mit ihm Adressen aus und hatten überall spannende Gespräche und lernten nette Leute kennen. Grundsätzlich war die Meinung dieser Feier ein sozialer Aspekt, man hält zusammen, teilt Probleme gemeinsam und bespricht sich untereinander. Bei der Verabschiedung schüttelte eine Frau uns nicht die Hand, und uns wurde erklärt, das ihr Mann noch kein ganzes Jahr verstorben ist uns sie somit die Hand nicht geben darf.
Gegen 9 Uhr Abends verliessen wir die Feier, um noch einen Fisch essen zu gehen und uns danach schlafen zu legen. Der Montag war mit einem Besuch bei Mr. Felix F. in Douala geplant, der uns für die Zollpapiere helfen sollte.