Bali Nyonga Bamenda Bafoussam Foumban (170 km)
3. Januar 2008
Die Fahrt nach Bafoussam begann damit, dass uns am Strassenrand eine etwa 30 Zentimeter grosse Ratte zum Verkauf angeboten wurde, die wir dankend ablehnten, obwohl sie schon ins Auto gestreckt wurde.

Ratte oder Brot zum Frühstück?
Wir besuchten unterwegs einen Markt. Alte und überfüllte Autos karrten alles Mögliche zum Verkauf an die Marktstände. Überall wimmelte es von Leuten in farbenfrohen Gewändern. Erst hier merkten wir, dass ausser den landestypischen Kleidern alle Kleider Second Hand sind, die man kaufen kann. Wir sahen einem Kesselflicker über die Schultern, bestaunten den aufgetürmten Berg mit geräucherten Fischen, die Gewürze in diversen Plastiksäcken, das Brot in der Schubkarre, grosse Bananenstauden, Besteck am Boden ausgebreitet und ein Medizinwirrwarr auf einem Holzbrett.

Auf dem Markt zwischen Bamenda und Bafoussam. Medikamente (Bild unten) oder Secondhand-Kleider: auf dem Markt findet man alles, wenn man weiss, wo ;-)

Der Kesselflicker zeigt uns seine Arbeit. Die Apotheke sieht etwas anders aus als von zu Hause gewohnt.

Frische Gewürze.
Die Weiterfahrt brachte uns zu einem etwa 30 Meter hohen Wasserfall namens Mifi. Dieser schöne Wasserfall ist etwa 5 Kilometer vor Bafoussam auf der linken Seite, wenn man von Bamenda her kommt. Es führen Steintreppen zum Wasserfall hinunter und ein anderer Weg führt zur Oberkante des Wasserfalls. Das Wasser widerspiegelte uns einen wunderschönen Regenbogen im Wasserfall und wir knipsten etliche Fotos.

Der Mifi-Wasserfall bei Bafoussam, von unten und von oben abgelichtet.
In Bafoussam angekommen assen wir in einem Nobelrestaurant ein Mittagessen. Sogar ein Lavabo zum Händewaschen war im Restaurant, direkt beim Eingang. Maggi-Tischsets und künstliche Blumen zierten den Tisch. Wir assen einmal mehr Reis mit roter Sauce und gebratener Fisch. Leider fand ich schon kurz nach Essensbeginn eine Kakerlake in meinem Essen, so dass uns der Appetit gänzlich vergangen ist... Bafoussam selber ist eine grosse Stadt, es fahren etliche Autos und Mofas. Die Autos sind auch hier über und über staubig und wir sahen zum ersten Mal ein sehr nobles neues Gebäude, es war eine Bank. Auf der Strasse fuhr ein Mofa mit einer riesigen Ladung geflochtener Körbe, die seitlich bis zu 2 Meter überhängend waren.

Kleinerer Waldbrand in der Nähe von Foumban.

Allerlei wird auf den Mofas transportiert, meistens ziemlich überladen. Hirten mit ihren Herden durchziehen das Land.
Gegen Nachmittag erreichten wir bereits Foumban. In Foumban leben sehr viele Muslime. An diesem Tag war ein grosses Fest und es wurde die Rückkehr der Familienmitglieder, welche 4 Wochen nach Mekka gereist waren, erwartet. Hunderte, gar tausende Menschen waren auf den Strassen und die Stadt war ziemlich verstopft um den Palast des Sultans (welcher übrigens 18 Frauen hat). Die Familienangehörigen waren alle mit gleichem Kleiderstoff gekleidet. Jubelnd erwarteten sie die Autos, welche ihre Familienmitglieder zurückbringen sollten. Die Rückkehrer waren von Kopf bis Fuss weiss gekleidet. Kam ein Auto angefahren, sprangen alle Angehörigen dem Auto hinterher, jubelten und hüpften vor Freude. Jedes Auto fuhr zum Palast des Sultans, wo die Rückkehrer ausstiegen und nach einer lautfröhlichen Begrüssung durch die Familie sich beim Sultan meldeten. Sie schritten zu ihm, knieten nieder vor ihm und fassten mit der Hand an den Boden, bevor sie ein kurzes Gespräch mit dem Sultan begannen. Männer zogen ihre Hüte aus und legten sie vor dem Sultan an den Boden. Der Sultan selber sass auf einem Thron vor dem Palast. Ein amüsanter Anblick war, dass er zwischendurch am Handy sass... auch hier hat die moderne Technik Einzug gemacht. Nach der Begrüssung setzten sie sich auf die Stühle, die daneben für sie bereit gestellt waren. So kam ein um der andere wieder nach Hause. Wir merkten plötzlich, dass wir an einem nicht erlaubten Ort standen, denn direkt gerade vor dem Sultan gehört es sich nicht, zu stehen. Schleunigst verzogen wir uns auch an den Rand. Typisch Touristen! So beobachteten wir das Spektakel eine ganze Weile.

Der Sultan (Ibrahim Mbombo Nioya, 19th King of the Bamoun Dynasty) von Foumban. Die Mekka-Rückkehrer begrüssen ihn als erstes vor seinem Palast.

Ganze Familiensippen erwarten freudig die Rückkehr ihre Angehörigen. Alle Verwandten sind mit dem selben Stoff bekleidet, die Rückkehrer ganz in Weiss gehüllt.

Verkauf von Erfrischungen und Esswaren.
Als wir uns dann nach einem Feierabendbier in unser Hotel zurück begeben wollten und mit dem Auto wieder durch das Gewühl fahren wollten, begann auch für uns ein Spektakel: wir kamen einfach nicht mehr vom Fleck, weil es so viele Leute auf den Strassen hatte. Irgendjemand hat dann gemeint, auch unser Auto beinhalte jemanden aus Mekka und schon sprangen uns diverse Frauen hinterher und jubelten. Ich konnte es nicht unterlassen, mitzujubeln, was zu allgemeiner Freude und Euphorie beigetragen hat, so dass mich ein Mann vor lauter Freude kraftvoll am Arm packte und fast aus dem Auto zerrte. Felix setzte sich auf den geöffneten Autofensterrahmen und fotografierte das Geschehen, ich hatte meine Filmkamera in den Händen und Gregory grüsste im ganzen Gewühl und Stau auf der anderen Seite einen Rückkehrer, überall um uns herum wurde gejubelt, gewunken und gestrahlt. Es war ein eindrücklicher und unvergesslicher Moment!

Die Innenstadt von Foumban ist überfüllt mit Menschen, die auf ihre Angehörigen warten...
Den Abend und die Nacht verbrachten wir bei Tineke Fokkens und ihrem Mann Louh im Case de Passage von Foumban. Ein wilder Uhu auf dem Zaun «begrüsste» uns am Eingang der Schule im Dunkeln. Frau Fokkens ist Holländerin und mit einem Kameruner verheiratet. Sie haben in Kamerun seit einigen Jahren eine Schule und Privatunterkünfte. Den Kontakt zu ihnen hatten wir schon in der Schweiz geknüpft, da zur Zeit Tinekes Nichte Wieke (16) aus der Schweiz in einem Austauschjahr in Foumban ist. Wir durften in einem eigenen kleinen Häuschen übernachten und genossen das Ambiente einer europäischen Unterkunft mit Gärtchen, Sitzplatz und Blumen. Nach dem anstrengenden Tag wurden wir wundervoll bekocht, sogar Salat gab es nach langer Zeit wieder für uns zu Essen. Wir packten reichlich zu und amüsierten uns über Gregorys Aussage, er wolle auch vom «Gras» essen. Einer um den anderen duschte sich danach noch im unserem Häuschen und für mich als letzte hat das Wasser leider nicht mehr gereicht. In Foumban herrscht Wasserknappheit, so dass das Wasser je nach Region nur stundenweise aufgeschaltet wird. So wusch ich mich mit Kübeln. Das ist auch der Grund, warum Louh und Tineke derzeit daran sind, nach einer eigenen Wasserquelle zu bohren, damit sie und ihre Schule immer Wasser zur Verfügung haben. Wir haben ebenfalls in der Schweiz schon viele Informationen über die Schule von Louh und Tineke erhalten, so dass wir beschlossen, ihnen einen grossen Teil unserer Spenden zur Verfügung zu stellen. Dieser überreichten wir ihnen vor dem Schlafen gehen. Zeit, um die Schule genau zu besichtigen, blieb an diesem Tag nicht mehr, doch wir würden ja am übernächsten Abend wieder zurückkommen und das nachholen. So legten wir uns müde zu Bett.

In Foumban im Case de Passage bei Louh, ihrer Nichte Wieke und Tineke (v.l.n.r.)