Bali Nyonga
31. Dezember 2007
Um 9 Uhr wurden wir im Handycraft-Center (das ist die Schreinerei von Bali) von den Schweizern zum Frühstück eingeladen. Wow, es gab Kaffee mit Milchpulver, Früchte, Eier, Brot und Joghurt. Wir genossen das feine Frühstück in vollen Zügen, hatten wir doch schon einige Tage darauf verzichten müssen.

Kinder in Bali Nyonga.
Der Weg zum Handycraft-Center führt am Markt von Bali vorbei. Rechter Hand ist die Metzgerei an freier Luft. Alles Mögliche an Fleisch inklusive Gedärme und Innereien aller Art sowie die Haut und das Fell werden auf einigen Holztischen zurechtgelegt und zum Verkauf angeboten. Auch ein halb gehäuteter Kuhschädel «blickte» uns entgegen. Der Früchte- und Gemüsemarkt sah daneben schon viel appetitlicher aus. Tomaten wurden zu Türmchen aufgestapelt, Zwiebeln schön ordentlich der Grösse nach hingelegt oder Bohnen in Reih und Glied angeordnet.

Auf dem Markt in Bali Nyonga.

Der Weg ins Dorf der Moslems führt uns über hügeliges Grasland. Abgelegen jeglicher Zivilisation finden wir die kleine Siedlung.
Wir machten uns nach dem Frühstück mit den Schweizern auf zu den Moslems, die in einem eigenen kleinen Dörfchen etwa 8 km weit entfernt von Bali leben. Etwa 300 Menschen wohnen dort. Etliche Kinder begrüssten uns schon von weitem und gaben uns höflich die Hand. Teils kamen Mädchen angerannt und umarmten mich fröhlich. Und jedes noch so kleine Kind wollte die Hand geschüttelt haben.

Voller Stolz werden wir in ihre Häuser und zur Schule geführt.
Die Kinder hatten kaputte oder zwei Paar verschiedene Schuhe, löchrige, schmutzige oder viel zu grosse Kleider und etliche Schnudernäsli. Etwa 3 Kinder haben von uns neue Schuhe erhalten. Die Mütter zeigten uns ihre Wohnräume. Schön ordentlich aufgereihte Töpfe sind in dunklen Hütten untergebracht. Gerne liessen sie sich von uns fotografieren. Sie haben zum Teil Polstergruppen im Haus, leben aber gänzlich ohne Strom. Es gibt eine Küche und eine Klostelle für die Frauen und separat für die Männer. Die Dorfältesten sind 85 und 90 Jahre alt.

Die Dorfälteste vor ihrem Haus.
Wir trafen die zwei alten Männer in ihren Hütten. Die Kinder haben für uns den Koran gesungen und uns ihre Freiluftschule gezeigt. Einige Felle zum Sitzen und beschriebene Schultafeln gehören zum ganzen Inventar der Schule. Sie haben um das Dorf einige Ochsen und Pferde sowie Ziegen und Schafe. Eine Ziege wurde gerade geschlachtet. Das Fell war am Boden ausgespannt und der Kopf lag daneben auf der Bank. Ein Mädchen war gerade an der Zubereitung zum Mittagessen. Sie rüstete einen Kohl aus dem eigenen Garten. Die ältere Dame flocht einen Korb aus den Fasern von Ästen. Wir blieben etwa 2 Stunden im Dorf und unterhielten uns mit ihnen, es war eine sehr interessante Begegnung.

Impressionen aus dem Moslemdorf in der Nähe von Bali Nyonga.

Riesige Freude über ein Paar neue Schuhe. Wer genau hinsieht, entdeckt, dass der Knabe vorher zwei verschiedene und kaputte Schuhe getragen hat.

Das Fell der geschlachteten Ziege wird zum Trochken ausgespannt, der Kopf liegt noch daneben auf der linken Seite .
Ganz kaputte Schuhe hatte auch dieser kleine Junge. Doch jetzt hat er ein neues Paar Schuhe erhalten.

Das Mittagessen und das Korbflechten wird am Boden zubereitet.

Gleichzeitig Neugierde und Scheue vor den fremden Besuchern.
Zurück im Dorf Bali genossen wir ein kühles Getränk und einige Kuhfleisch-Spiessli. Das Fleisch hing von der Decke herunter. Vor dem Essen durften wir die Hände in einem Becken waschen. In der Ecke stand ein Tannenast mit etwas Glitter und einem Merry Christmas Schildchen.
An dieser Stelle noch einige Preisvergleiche:
1 Stunde Internet = 250 CFA (60 Rappen)
1 Kilo Fleisch = 1600 CFA (4 Franken)
1 Bier à 0.65 dl= 400500 CFA (1 Franken)
1 Mahlzeit = 200 CFA (50 Rappen)
1 Patientenaufenthalt im Spital durchschnittlich = 10 000 CFA (24 Franken)
Gregorys Kinder haben liebenswürdigerweise unsere Kleider gewaschen, weil wir schon fast nichts mehr zum Anziehen hatten. Auch Gregorys Auto musste er jeden Tag aufs Neue von Staub und Schmutz befreien. Er besorgte uns frische Früchte oder ist immer um frisches Essen besorgt, unsere Mama Gregory ;-) Er möchte sobald es geht unsere Eltern kennen lernen. In Kamerun ist die Familie noch viel wichtiger als in Europa. Die Eltern haben dich zu dem gemacht, was du heute bist! Deine Eltern geben dir die Kraft, das zu tun, was du heute tust!
Zum Abendessen fuhren wir erneut mit den Schweizern ins Restaurant. Es gab Pommes Frites und rote Sauce. Das Fleisch war leider so zäh, dass einige von uns mit dem Fleischstück im Mund nach draussen gehen mussten, um es wieder loszuwerden.... Keine Chance, es zu essen. Adrian hoffte, die Kuh habe den Schuss noch gehört, bevor sie erschossen wurde... Wir hatten erneut eine gemütliche Runde. Eine Art fliegender Grashüpfer (Muyayeba) flog ins Restaurant. Gregory sauste dem Grashüpfer nach bis unter den Tisch, um uns zu zeigen, wie das Insekt aussieht. Er erklärte uns, dass sie diese Insekten frittieren und dann verspeisen. Glücklicherweise ersparte er uns den Anblick des Essens und liess ihn wieder fliegen. Die nächste Bier-Runde gab es neben Gregory Small-Migros. Die Wirtin kannte uns noch vom letzten Jahr und es gab eine fröhliche Begrüssung.

Silvesterfeier in Bali Nyonga. Wir mischen uns unter die Einheimischen und verbringen mit ihnen das beste Silvester aller Zeiten...
Wir trafen Emanuel wieder, sowie zwei Männer Namens Felix und noch ein weiterer. Wir hatten bald eine gemütliche Runde, tranken Bier und brachten den Kamerunern Shisha rauchen bei. Sie hatten es vorher noch nie gesehen und waren fasziniert und fühlten sich geehrt, dass sie mit uns gemeinsam feiern durften. Und wir genossen ihre gemütliche Gesellschaft. Es wurde ein Bier ums andere getrunken und bald schon sangen wir Schweizer- und einheimische Lieder. Alle grölten mit. Bis die Shisha jeweils die Runde bei den Afrikanern gemacht hatte, dauerte es immer Ewigkeiten und wir zündeten uns gegenseitig an, wessen Batterie wohl schon leer sei, die der Afrikaner oder unsere..? Der eine oder andere musste ab und zu geweckt werden, um Mitternacht nicht zu verschlafen. Um 24 Uhr stiessen alle miteinander an und wünschten sich alles Gute.
Auf dem grossen Platz daneben waren zum ersten Mal in Bali Silvester-Feierlichkeiten im Gange. Viele Leute hatten sich versammelt und laute Musik wurde gespielt. Um 12 Uhr kamen Live-Sänger und es wurde sogar vereinzelt Feuerwerk gezündet. Wir stürzten uns ins Gewühl der Menge. Mit meiner Videokamera half mir bald jemand, so dass ich bis nach ganz vorne konnte. Wir sangen, klatschten und tanzten mit den Einheimischen, was das Zeug hielt. Alle wünschten sich alles Gute fürs neue Jahr. Die Jungs fuhren mit ihren Mofas hin und her und versuchten sich in akrobatischen Übungen, indem sie mit nur einem Fuss noch auf dem Sattel standen. Laute Böllerschüsse fielen und es waren rundherum nur fröhliche Gesichter zu sehen und noch mehr Betrunkene... Ich hatte das Gefühl, kein Mensch ist noch nüchtern. Bald tanzten wir auch in unserer gemütlichen Runde im Restaurant weiter und bevor alle auf den Stühlen einzuschlafen drohten, fuhren wir in unsere Unterkunft zurück. Die ganze Feierlichkeit inklusive 3 Abendessen und diversem Bier kostete uns drei gerade einmal 12 000 CFA (30 Franken).