Kumba Mamfe (156 km)
29. Dezember 2007
Früh am Morgen traten wir die Reise von Kumba nach Mamfe an. Die Strasse war äusserst schlecht und die Vertiefungen in der staubig-sandigen Piste wurden immer tiefer und tiefer. Und jede weitere Vertiefung lockte uns erneut aus dem Auto, um sie zu fotografieren. Schienen sie doch immer noch grösser und imposanter zu werden. Riesige Bambusbäume säumten beidseitig die Piste und immer wieder kamen uns weit überfüllte Pickups mit Menschen oder Lebensmitteltransporten entgegen.

Ein Seidenbaum lädt uns zum Anhalten in Kombone Bafaw ein.
In einem kleinen Dorf namens Kombone Bafaw (Southwest Provinz) entdeckten wir einen wunderschönen Seiden-Baum (Albizia Julibrissin) mit ganz speziellen Blüten vor einer Holzhütte. Deshalb hielten wir an und fotografierten das Prachtexemplar. Im Nu war eine Kinderschar um uns herum und der Besitzer des Baumes kam und fragte, ob wir etwas suchen. Auch einige ältere Dorfherren gesellten sich dazu und schon waren wir mitten im Gewühl. Vermutlich der Dorfälteste fragte uns, ob wir keine Medikamente hätten. Viele Kinder seien krank und hätten Fieber. Leider hatten wir keine medizinischen Mittel dabei, die wir hätten verschenken können. Wir hofften, mit unserer Fussballspende und vielen Spielzeugen für die Kinder trotzdem eine Freude gemacht zu haben. Der Dorfälteste schüttelte mehrmals meine Hände und sprach: «God will bless you!». Er wollte uns noch seine Kirche zeigen, doch leider hatten wir nicht allzu viel Zeit und mussten weiter. Es war eine wunderschöne Begegnung. Wir tauschten uns noch Adressen aus und die Kinder winkten uns lange nach.

Das ganze Dorf kommt schauen, was die «Whiteman» hier wollen. Riesige Freude bei den Kindern des Dorfes über den neuen Fussball.
Mädchen aus Kombone Bafaw.
Die Strasse nach Mamfe führt grösstenteils durch dichten Wald und über ein grosses Viadukt namens «Supe-Flyover». Dieses Viadukt ist etwa auf halbem Weg zwischen Kumba und Nguti. Ein Wasserfall und ein Fluss liegen direkt am Viadukt. Am Ende des Viadukts trafen wir einen jungen Mann mit seinen Geschwistern. Wir sprachen mit ihm und er zeigte uns sein «Versteck». Im Wald unter Ästen und Laub sammelt er Alteisen, welches er nachher in der Stadt verkauft. Das Alteisen stammt noch früheren Zeiten, als die Deutschen im Land waren. Nach dem Bau der Brücke hinterliessen sie im Wald alte Geräte oder Fahrzeuge.

Das Viadukt «Supe Flyover».
Viele Kinder mit riesigen Körben auf dem Rücken oder dem Kopf marschierten die Strasse entlang. Sie gingen mit ihren Eltern oder alleine zur täglichen Feldarbeit. Die Kinder waren teils erst etwa 4 Jahre alt und die Körbe, die sie auf dem Rücken trugen, fast genau so gross wie sie selber. Egal ob Mädchen oder Junge, die ganze Familie packt mit an.

Kinder helfen bei der harten Arbeit auf dem Feld. Unser fast tägliches Essen: Reis mit roter Sauce.
Das Mittagessen nahmen wir in Manyemen im Restaurant Travellers Club ein. Es gab einmal mehr Reis mit roter Sauce. Eigentlich gab es schon noch mehr im Angebot des Restaurants, doch unsere Mägen sind sich diese Esswaren oder Lagerzeiten der Gerichte nicht gewohnt, deshalb wollten wir nichts riskieren. In Manyemen ist das beste Krankenhaus der Region. Es gehört zur Presbyterien Medical Institutions. Mitten im «Nichts» steht ein grosses und sauberes Spital für Lepra- und Tuberkulosekranke. Auch andere Krankheiten, Geburten oder Unfälle werden betreut. Anna, eine Assistentin, führte uns im Spital herum und stellte uns vor. Das Haus mit den Leprakranken ist separat und etwas abseits wegen der Ansteckungsgefahr. Gregorys Halbbruder Reuben Gana arbeitet in diesem Spital und hat nach seiner Ausbildung zum Pastor einen Pflegeberuf eingeschlagen. Er zeigte uns die Krankenstationen, worin je 8 alte Pflegebetten stehen. Dr. Nesoah leitet zurzeit das Spital. Wir fanden, dies sei ein guter Platz für eine grosse Spende aus der Schweiz und übergaben diesen feierlich. Das Geld geht in einen Fond, mit dessen die Pflege der Patienten bezahlt werden kann, die selber keine finanziellen Mittel haben. Ein Spitalaufenthalt kostet hier durchschnittlich etwa 20 Franken. Dr. Nesoah stellte uns eine Bescheinigung aus und war glücklich über die grosse finanzielle Hilfe aus der Schweiz!
Wir machen Halt in Manyemen und besuchen das Spital.

Riesige Freude im Spital über die grosse Spende aus der Schweiz.
Auf der Weiterfahrt wurde uns gekreuzigtes Stachelschwein angeboten. Dankend lehnten wir ab, das Stachelschwein zu kaufen. In dieser Gegend gehört das zur Spezialität. Als Andenken schossen wir ein Foto davon.

Nein danke, wir haben keinen Appetit auf Stachelschwein.
Die Fahrt gegen Mittag wurde immer heisser und staubiger, unser Thermometer kletterte auf 40 °Celsius. Die Piste führte mitten durch den Buschwald und über diverse Hügel und Berge und durch kleine Dörfer, deren Hütten aus Sand geformten und an der Luft getrockneten Backsteinen bestanden. Wir sahen unterwegs einen Käfer, der grün und wie ein Blatt aussah.

Faszinierende Tierwelt. Einfaches Landleben.
Gegen 15.30 Uhr erreichten wir Mamfe. Der Ort hat etwa 50 000 Einwohner und ist infrastrukturell relativ abgeschnitten von Kamerun. Emil, ein Neffe von Gregory, holte uns ab. Mit ihm suchten wir eine geeignete Unterkunft. Wir übernachteten schliesslich im Hotel Etta Plaza. Das Zimmer hatte eine defekte und klemmende Eingangstüre, die Türe zur Toilette war löchrig und der Türgriff fiel ab. Es war wie meistens an den Wänden eher schmutzig. Wenigstens genug Platz war vorhanden und ein grosses Bett mit sauberen Laken. Wir wollten uns nach der anstrengenden Fahrt eine Dusche gönnen. Wie jeden Abend waren wir überaus schmutzig vom Staub des ganzen Tages. Leider war sozusagen kein fliessend Wasser vorhanden und sie brachten uns Kübel, mit denen wir uns einigermassen erfrischen konnten. Wie meistens war das Licht im Raum (wenn es dann Strom hatte) nicht wirklich hell genug, und wir suchten unsere sieben Sachen mit Hilfe von Taschenlampe oder Kerzen.

Jedes noch so kleine Kind hat seine Aufgabe und packt mit an. Der Weg durch den Busch ist beidseitig stark zugewachsen.
Danach fuhren wir mit Emil zu der Hängebrücke «German Bridge», die etwa 50 Meter lang ist. Eine löchrige und wackelige Angelegenheit. Die Brücke wurde 1902 erbaut und zum letzten Mal 2007 revidiert. Neben der Brücke steht das Wasserreservoir für die Stadt, wovon mit einer Pumpe Wasser gezogen wird.

Auf der German Bridge in Mamfe.
Am anderen Ende des Dorfes ist der breite Fluss Cross River. Auf diesem Fluss werden häufig Güter oder Personen via Nigeria transportiert. Dort baden und waschen sich die Leute und es werden Kleider gereinigt.

Über dem Cross River in Mamfe: Güter und Personen werden via Nigeria transportiert.
Den Apéro gab es Mitten im Dorfkern, wir verpflegten uns mit Spiessli und Bier und sahen dem Treiben auf dem Taxiparkplatz zu. Es wird ein- und ausgeladen, umgeladen und geplaudert. Danach assen wir einen feinen Znacht (Spaghetti mit Eiern, als Omelett zubereitet). Gregory fragte sich für uns durch, ob und wo es etwas Frisches zu Essen gibt. Den Abend haben wir bei einer Shisha ausklingen lassen. Vor unserem Zimmer stand im Freien ein TV, wo sich die Nachbarn herum versammelten und lautstark fern schauten. Um 22.30 Uhr ging der Strom aus, so dass es endlich ruhig wurde und wir ohne Ohrstöpsel schlafen konnten.
Wohnen auf dem Land: sehr einfache Verhältnisse.
In der afrikanischen Hitze und Staubigkeit geht irgendwie alles schneller in die Brüche als zu Hause. Mein nigelnagelneuer Rucksack war nach kürzester Zeit kaputt, die Schuhe von Felix verloren die Sohlen und die Flüssigkeiten im Gepäck begannen bei dieser Hitze, sich selbständig zu machen und überall herauszufliessen und zu kleben... Selbst die Farbe eines aus der Schweiz mitgebrachten, bedruckten Plastiksacks fing an, sich zu verflüssigen, was in meinem Gepäck eine ziemliche Schweinerei mit sich brachte. Die Gepäckstücke und die meisten Kleider waren schon vom Sand ganz braun geworden. Das Gefühl von Sauberkeit war schon längstens weg und wir gewöhnten uns daran, immer etwas staubig zu sein.
Was denken sich die Einheimischen, wenn wir mit dem Auto vorbeifahren? Diese Frage habe ich mir oft gestellt und Gregory sagte mir, viele denken, wir sind Missionare oder Studenten. Oder sie denken, wir sind da, um ihre Ressourcen zu finden und in unserem Land zu verkaufen. Das Wort Tourismus gibt es in Kamerun nicht!

Gewühl auf dem Marktplatz von Mamfe.
Überall ist immer ein Gewühl von Leuten, ein Treiben, ein herumsitzen und warten auf irgendetwas. Zeit ist immer da. Bier fliesst überall. Es ist immer zu heiss und staubig. Es fehlt an vielen Dingen. Wir werden gefragt nach Medikamenten, nach meiner Adresse in Europa (um einen Kontakt zu finden), nach Digitalkameras oder Fotodrucker für ein Fotogeschäft. Nach Strassenmaschinen, um die Strassen zu reparieren... und was ich bis heute nicht so recht interpretieren kann ist der Satz einer Frau, dass ich aussehe wie eine von ihnen, nur mit weisser Hautfarbe.