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Kamerun Reisebericht Cameroon

Mundemba – Korup Nationalpark – Mundemba (20 km)


27. Dezember 2007

Um halb 8 Uhr gab es Frühstück, sogar überraschenderweise Brot, unsere auf der Hinreise geschenkt bekommene Papaya, Kaffee mit Milchpulver und ein Omelett. Gestärkt und mit Proviant und Wasser im Gepäck machten wir uns auf den Weg zum Park. Es war ausgemacht, dass unsere zwei Führer mit Mofas selber zum 10 km entfernten Parkeingang fahren. Doch nach einer Kurzeinführung von Flora und Fauna anhand Fotos im Büro von Chief Adolf setzte sich der erste Führer Josef ohne weiter zu Fragen auf den Beifahrersitz unseres Autos und wir durften dann schauen, wo wir uns hinquetschen. Adrian und der zweite Führer Clethus klemmten sich in den Kofferraum, Felix, Jakob und ich auf die Rückbank.


Kurzeinführung für den Korup Nationalpark im Büro von Chief Adolf.


Der Weg zum Park führt durch Palmölplantagen und die Arbeiter zeigten uns ihre tägliche harte Arbeit. Meterhoch in den Palmen schneiden sie mit Messern die Früchte der Palmen herunter und im Akkord werden sie dafür bezahlt. Alle paar Meter steht ein Kontrolleur, der diese Arbeit überwacht. Frauen lesen die schweren Früchte am Boden zusammen und legen sie an den Pistenrand.

  

Auf dem Weg zum Park schauten wir der harten Arbeit auf den Palmölplantagen zu. Der Parkeingang führt über eine 120 Meter lange Hängebrücke.


Wir gehen über die Hängebrücke in den Park.


Der Parkeingang liegt am Mana River, nahe der nigerianischen Grenze. Deshalb findet am Eingang eine Passkontrolle durch Söldner statt. Eine 120 Meter lange und wackelige Hängebrücke aus Holzlatten und mit diversen Löchern führt über den breiten Fluss. Es war ein spannendes Gefühl, darüber zu gehen.  Im Park gibt es verschiedene Routen. Wir unternahmen eine etwa 5-stündige Route und sahen interessanten Pflanzen aller Art. Orchideen suchen sich einen Sonnenstrahl durch das Dickicht, Pilze wuchern in grossen Massen an morschem Holz, eine Pflanze mit Blüten auf den Blättern (gibt es weltweit nur in diesem Park) und Rattan-Holz wächst empor. Wer Lust hatte trank aus einer Liane «frisches» Wasser. Termitenhügel türmten sich aus dem Boden empor. Pflanzen mit giftigen Flüssigkeiten in kokosnussähnlichen Gefässen wurden uns erklärt, welche die Einheimischen zum Fischfang verwenden. Die Fische werden damit gelähmt und danach gefangen. Viele grosse Treiberameisen trafen wir nur zu bald hautnah an, so dass wir unsere Hosen in die Socken steckten und doch leider ab und zu durch die Kleider hindurch gebissen wurden.

  

Den Weg durchs Dickicht suchend...


Ebenfalls sahen wir die giftigen Ameisen, welche in den Baumkronen leben. Ihren Wohnraum erkennt man daran, dass meterweit darum herum nichts mehr wächst, alles haben sie fast kahl gefressen. Klopft man mit einem Ast an den Baum, wird der Baum im Nu schwarz vor lauter Ameisen und alle kommen heruntergestürmt, um den Eindringling zu vernichten. Diese Ameisen sind so giftig, dass deren Stiche einen Menschen innert 4-5 Stunden töten könnten.


    

Ameisenangriff von oben... giftige Ameisen leben in den hohen Bäumen.


Die scheue Tierwelt zu sehen ist ein schwieriges Unterfangen. Wir hörten etliche Tierstimmen, zu sehen bekamen wir meist jedoch Vögel (vereinzelt auch einen Papageien), Libellen, Fische, einen feuerroten wunderschönen Salamander oder grosse Schmetterlinge in den buntesten Farben. Ab und zu  kreuzte ein im Park lebender Einheimischer unseren Weg. Mit Körben auf dem Rücken durchqueren Sie die Pfade. Wenn sie etwas aus dem ihnen am  nächsten gelegenen Dorf Mundemba benötigen, gehen Sie stundenlang dahin oder nach Nigeria. Die Temperatur im Park ist heiss und schwül, unser Thermometer zeigte 27° Celsius und ganze 91% Feuchtigkeit. Feucht und schwitzend spazierten wir hindurch und Clethus erklärte uns alles Mögliche und konnte jede unserer Fragen beantworten.

  

Erdrückend feucht und heiss ist es im Park.                                                               Wir besichtigen das Camp im Park.


Wir besichtigten ebenfalls ein Camp, das als Schlafstelle dienen würde. Wir waren froh, mussten wir nicht in dieser Bretterhütte schlafen, auf der Feuerstelle kochen, im Fluss mit den wunderschönen Wasserlilien baden und einige Meter durch den Urwald zur Latrine gehen.

  

Die Wasserstelle im Camp.                                        Ein alter Baum ist übervoll mit Pilzen bewachsen.                                      


Ein feuerroter Salamander.


Im Park hat es noch weitere Hängebrücken, welche jeweils durch unseren Führer Clethus zuerst auf ihre Tauglichkeit geprüft wurden. Leider sahen auch wir keinen der scheuen Waldelefanten, sondern nur ihre Fusstritte und den Kot, den sie hinterlassen haben. Auch die Affen wollten sich uns nicht zeigen, nur ihr Geschrei hörten wir in den Wipfeln.


  

Termitenhügel und einzigartige Pflanzenwelt im Korup Nationalpark.


Um 15 Uhr verliessen wir schweissgebadet den Park zurück Richtung Mundemba. In einem Restaurant gab es noch eine kühle Erfrischung (ausser Bier war nichts zu bekommen). Chief Adolf kam ebenfalls noch in unsere Runde und nach dem ersten kleinen Bier waren er etwa wieder gleich weit wie am Abend zuvor und verdrehte laufend unsere Namen. . . wie auch immer, auf jeden Fall wird er Felix und mich in sein Totem einschliessen, das kann doch nur gut sein, oder?

  

Steiler Rückweg aus dem Park nach Mundemba.             Eine Toilette im Hinterhof.


Im Café Hotel Boseme duschten wir uns und waren nachher eingeladen bei Gregorys leiblichen jüngsten Bruder Julius Feh, der in Mundemba wohnt. Zuerst jedoch fuhren wir mit Julius zum Chef des Militärs namens Capsin, der in Mundemba stationiert ist. Der Chef wohnt in einem sehr noblen Haus (für kamerunsche Verhältnisse). Er hat TV, Weihnachtsbaum mit Geschenken darunter, einen säuberlich vor Schmutz abgedeckten PC, eine Kinderwiege mit Moskitonetz, ein Sofa und eine Wohnwand. Uns zu ehren wurde eine nagelneue Flasche Whiskey geöffnet und Gregory hielt als Ältester der Runde eine Rede. Dies ist Tradition in Kamerun, wenn jemand zu Besuch kommt. Der erste Schluck der Flasche geht vor die Haustür, damit die schlecht über die Familie denkenden draussen bleiben und auch etwas zu Trinken bekommen. Wir stiessen alle gemeinsam mit der ganzen Familie an und bedankten uns für die Gastfreundschaft.


  

Kamerunsche Gastfreundschaft: wir werden spontan zu einer Flasche Whiskey oder zu Krokodilfleisch eingeladen.


Danach ging es zurück zu Julius. Er hatte zur Feier unseres Besuches Krokodilfleisch zubereitet. Ich als Vegetarierin habe nur von der Sauce gekostet, welche sehr scharf war. Ich habe mir von den Männern sagen lassen, das Fleisch ähnelt einem Poulet und ist eher fettig. Vor lauter Schärfe jedoch konnte den eigentlichen Geschmack keiner definieren. Das Fleisch sah noch deutlich nach Krokodil aus, ich hatte das Gefühl, der hornigen Panzer war noch zu erkennen. Natürlich floss erneut reichlich Bier, weil es ja meistens nichts anderes Kühles gibt. Wir sassen im Dunkeln und ohne Strom draussen und es war wunderbar warm. Die Einheimischen um uns herum unterhielten sich lautstark. Plötzlich flogen Glühwürmchen in grossen Mengen durch die Luft und auf der Wiese sassen ebenfalls ihre glühenden Körper, es war ein herrlicher und romantischer Anblick.


Da wir im Hotel Café Boseme unser Abendessen bestellt hatten, mussten wir doch schon bald aufbrechen und zurückfahren. Auf dem Heimweg machte sich der mittlerweile angestiegene Alkoholpegel bemerkbar, in dem alle (auch Gregory, unser kamerunscher Fahrer!) lautstark Lieder unserer Heimat sangen (Im Moutaland, Alls was bruchsch, Hoch-Ybrig-Lied, ds Berner Oberland ...). Zum Abendessen gab es erneut Reis mit zähem Kuhfleisch an einer roten Sauce. Wir spülten nach dem Essen allfällige Keime mit unserem Whiskey aus der Schweiz herunter. Und schon wieder gab es nur Bier und wir liessen den Abend damit ausklingen und verabredeten uns auf den nächsten Morgen 6 Uhr zur Weiterfahrt/Rückfahrt nach Kumba.



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