Limbe Kumba Mundemba (187 km)
26. Dezember 2007
6 Uhr morgens starteten wir unsere Reise Richtung Mundemba via Kumba. Wir waren zu fünft am Start unserer Reise und hatten alle sehr viel Gepäck. Wir hatten diverse Spenden mit dabei, welche wir in der Schweiz gesammelt und vor Ort an Institutionen wie Schulen oder Spitäler verschenken wollten. Das Auto musste bis auf den allerletzten Platz besetzt werden und auch zwischen unseren Beinen musste der eine oder andere Rucksack verstaut werden. So traten wir die Reise nach Mundemba an.
Die Strasse nach Kumba (75 km) war je näher wir der Stadt kamen nicht mehr wirklich gut und veränderte sich in eine Sandpiste. Die Temperatur stieg höher und höher. In unserem Toyota ohne Klimaanlage schwitzten wir so schon bald um die Wette und nur der Fahrtwind gab uns etwas Abkühlung. Links und rechts am Strassenrand waren immer wieder kleine Dörfer mit Holzbretterhütten und meist sitzen Menschen davor im Schatten. Kautschuk-, Bananen-, Maniok- und Kaffeeplantagen säumen den weg. Um die Mittagszeit erreichten wir Kumba. Staubig und heiss ist diese Stadt, und wir alle waren ebenfalls ganz staubig und schmutzig von der Hinfahrt. Hungrig versuchten wir, auf dem Markt etwas Gekochtes zu Essen zu finden. In einer Ecke kochte uns jemand Rühreier mit Tomate, Petersilie und scharfem Pepe und wir assen aus Plastiktellern und mit alten Gabeln. Es schmeckte herrlich und jeder von uns ass 4 Eier. Auf dem Markt holten wir uns noch von dem gelblichen und rechteckig gebackenen Brot, das geschmacklich ein wenig an Eiback von zu Hause erinnert.

Markt in Kumba
Wir wundern uns bereits nicht mehr darüber, dass Gregory in jedem Ort entweder Verwandte hat oder jemanden kennt, auch wenn das Land fast 12 Mal so gross wie unsere Heimat Schweiz ist. Überall sind Schwestern, Brüder, Cousinen oder Neffen zu Hause. In Kamerun ist das Familiengebilde viel grösser, da die meisten Männer in Mehrfach-Ehen leben und somit mehr als nur eine Frau haben dürfen. Ebenfalls ist es so, wenn der Ehemann stirbt, automatisch ein Nachfolger zum Familienoberhaupt wird und für die ganze Gemeinschaft zuständig ist, sprich, auch alle Kinder dann zu seinen Kindern werden. So fuhren wir weiter zu einem Polizisten im Quartier, den Gregory kennt. Bei ihm durften wir unsere 3 Koffer Mitbringsel vorübergehend deponieren, die wir für unser nächstes Ziel Mundemba nicht benötigen.

Die Strassenverhältnisse um Kumba sind sehr schlecht.
Danach traten wir die lange Weiterfahrt (125 km) nach Mundemba an. Die Strecke ist meist nur Piste. Immer schlechter und schlechter wurde die Strasse und wir staunten nicht schlecht über riesige Löcher und Gräben, die es zu durchqueren galt. Ab und zu waren die Gräben auch mit Wasser und Schlamm gefüllt und zur Sicherheit stiegen wir ab und zu aus, um das Auto nicht unnötig schwer zu halten. Die Gräben waren bis 2 Meter tief. Ab und zu kreuzte unser Weg ein vollbeladener Pickup oder es standen Autos mit gebrochenen und abgerissenen Achsen oder alte, verrostete, irreparable und stehen gelassene Fahrzeuge neben der Fahrbahn. Wohl so mancher hatte seine Fahrkünste über- und den Pistenzustand unterschätzt.
Unser Fahrer Gregory kennt immer und überall jemanden...
Auf der Fahrt trafen wir in einem Dorf viele Kinder an. Sie spielten das traditionelle Juju. Dabei wird eine Person verkleidet und das Gesicht vermummt. Niemand darf wissen, wer sich darunter verbirgt. Und die Kinder sangen fröhlich alte Lieder von Kamerun. Wir waren begeistert, dass die Kinder die Tradition beibehalten und hörten und schauten ihnen eine Weile zu. Als Dank schenkten wir ihnen einen unserer Fussbälle. Ihre Freude war enorm und sofort rannten unzählbar viele Kinder dem neuen Fussball hinterher und das ganze Dorf freute sich darüber.

Kurz vor Mundemba überquert man einen breiten Fluss. Das Hotel Café Boseme in Mundemba.
Bei der letzten Möglichkeit, etwas Kaltes aus einem Kühlschrank zu Trinken, hielten wir in Ekondo Titi an. Üppig grüner Tropenwald, wohin das Auge blickt. Kurz vor Mundemba führt eine riesige Brücke über einen breiten Fluss. Der Fluss wird mit Kanus befahren. Als wir in Mundemba ankamen, war es schon spät und am Eindunkeln. Wir suchten uns schnellstmöglich eine Unterkunft. Das Hotel Korup existiert inzwischen nicht mehr, das heisst, es ist einsam und verlassen und heruntergekommen. So fragten wir uns durch und fanden direkt am Ortseingang von Mundemba im Hotel Café Boseme eine passable Unterkunft mit fliessend kaltem Wasser, Dusche und Toilette im Zimmer. Sie kochten für uns sogar noch ein Abendessen (Reis mit roter Sauce) und der Hotelier organisierte im Dorf kühle Getränke. Wir assen im Freien, dick mit Antimückenmittel eingesprayt und mit langen Kleidern geschützt. Da wir am anderen Tag in den Korup Nationalpark wollten, nahmen wir telefonisch mit Chief Adolf des Parks Kontakt auf, und er kam tatsächlich wenig später zu uns. Bei einer gemütlichen Shisha (Wasserpfeife) liessen wir uns den Park erklären.

Kann man das noch Strasse nennen?
Der Korup Nationalpark hat eine Grösse von 1250 km2 und besteht grösstenteils aus tropischem Tieflandregenwald, dessen Bäume bis zu 50 Meter hoch sind. Der Primärwald des Parks ist ungefähr 30 Millionen Jahre alt! Der Park wurde 1952 gegründet und in diesem Park sind 6 Dörfer angesiedelt. Der Park steht unter Schutz des WWF. Hier leben rund 690 verschiedene Vogelarten, Primaten, Waldelefanten, Schlangen, Skorpione und zahlreiche (Treiber-)Ameisen. Der Park ist einer der 3 ältesten erhaltenen Urwälder der Welt.
Chief Adolf ist ein «richtiger» Chief. Das heisst, er weiss, was Chief sein bedeutet. Zuerst fing er ganz leise an zu sprechen, über den Park, über die Vorgeschichte. Immer lauter und lauter wurde seine Stimme und bald einmal merkten wir, dass er wohl schon das eine oder andere Bier über den Durst getrunken hatte. Seine Stimme wurde sehr energisch, wenn wir müde von der Reise nicht immer zuhörten oder unsere Spässe machten. «Listen!», dröhnte seine Stimme durch die Nacht. Sein Gespräch wollte irgendwie auch gar nicht mehr aufhören und wir hatten alle Mühe, schliefen wir nicht auf unseren Stühlen ein. Wir wollten eigentlich nur klären, was am anderen Tag im Park ablaufen sollte und wo wir schlafen würden. Wir entschlossen uns, nicht im Park zu schlafen sondern am Abend zurück ins Café Boseme zur Übernachtung zu gehen. Irgendwie trauten wir uns das nicht mehr zu, zusammen mit Gepäckträgern (die unsere Matratzen, Kochtöpfe und Essen zum Camp tragen würden) und Guides eine Nacht mitten im Urwald zu verbringen. Wer weiss, was da alles kreucht und fleucht. Es genügt uns bereits mit den Mitbewohnern in den Unterkünften, die jeweils überall anzutreffen und nicht zu vermeiden sind. Unser Fahrer Gregory schaffe es diplomatisch, die langatmigen Erzählungen von Chief Adolf im Grenzen zu halten. Zu später Stunde wussten wir dann auch, was am anderen Tag ablaufen sollte, was man tun und sehen kann oder eben nicht. Für jedes Interessentengebiet gibt es spezielle Führer. Wir wollten eher eine allgemeine Führung, mit Pflanzen- und allenfalls Tierwelt besichtigen.
Als es um den Preis für die Führung und des Besuchs ging, hatten wir einen Internetausdruck mit dabei, der 3000 CFA Eintritt (7 Fr.) und 4000 CFA für einen Guide (9.50 Fr.) vorsah. Chief Adolf konnte nicht glauben, was wir ihm erzählten und leuchtete minutenlang minutiös mit der Taschenlampe auf jeden einzelnen Buchstaben des Ausdrucks. Auf jeden Fall wäre er ein Fall für eine Brille. Leider hatten wir die Brillen in Limbe deponiert, wie schade. Irgendwann waren alle Details geklärt und wir zogen es vor, endlich in unsere Schlafgemächer zu kriechen. Mit einem Gecko unter dem Moskitonetz im Bett (es ist einfach zu schnell, um es zu erwischen...) und vermutlich noch diversen anderen kriechenden Tieren schliefen wir nach der anstrengenden Hinfahrt des Tages trotzdem sehr bald ein.