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Idenau Kamerun Reisebericht Cameroon

Idenau – Buea – Bimbia


13. Januar 2007

 

An diesem Tag fuhren wir mit Andreas nach Idenau. Dies ist der äusserste Punkt zur Grenze von Nigeria und die Strasse führt nachher nicht mehr wirklich viel weiter, nur noch Piste oder per Boot. Idenau ist ein Fischerdorf. Am Ufer waren extrem viele bunt bemalte und mit Schnitzereien dekorierte Holzschiffe. Als die Männer von ihrem Fang zurückgekommen sind hat es nur so gewuselt von Menschen und der Handel war im grossen Gange.

 

Rückkehr vom Fischfang in Idenau: Grossandrang.


 

Herrliche Idylle.Fisch soweit das Auge reicht.


Eine alte und in der Mitte löchrige Eisenbrücke trennt das Dorf. Der Strand ist hier wie auch in Limbe brandschwarz und leider teilweise mit Müll übersät. Die Menschen legen ihre Kleider auf dem schwarzen Stand zum Trocknen aus. Daneben liegen leere PET-Flaschen, Plastiksäcklein oder Fisch-Eingeweide. Es riecht stark nach Fisch. Einige Frauen räuchern den Fisch vor Ort und bieten ihn zum Verkauf an.

 

Eine alte löchrige Eisenbrücke trennt das Dorf.Geräucherter Fisch wird zum Verkauf angeboten.


 

Die Wäsche wird zum Trocknen auf dem schwarzen Sand ausgelegt.Zuschauen beim Schiffsbau.


Etwas weiter vorne assen wir einen frischen Fisch. Er war so gross, dass er für uns drei gereicht hat und ausserdem mit nur 3000 CFA (7 SFR.) sehr billig war. Dazu wurden uns Kochbananen serviert und wir verspeisten das Menü wie hier üblich von Hand. Nebst unserem grossen Fisch lag noch ein viel grösserer etwa 1 Meter langer Barrakuda auf dem Grillrost. Natürlich hat sich unsere Fischverkäuferin beim Zubereiten des Mahls stolz fotografieren lassen und ihre Tochter gab mir den Auftrag, für sie in der Schweiz einen Mann zu suchen...

 

Unser leckeres Mittagessen: frischer Fisch (auch wenn bei der Zubereitung nicht immer alles so hygienisch zu und her geht...)


Nachher faulenzten wir noch den Rest des Tages am schönen und ruhigen Strand der Mile 11 beim Hotel Seme Beach. Hier kommen die meisten weissen Touristen vermutlich früher oder später an, weil das Hotel sehr gepflegt ist und es sich herrlich zum Ausspannen anbietet. Ausserdem hat es an diesem Strand genauso viele Einheimische, die das kühle Nass geniessen.

 

Am Abend bestellten wir uns ein Taxi, das uns im Quartier von Andreas’ Haus abholen und zu einem Restaurant fahren sollte. Nach etwa einer Stunde warten war immer noch kein Taxi gekommen. Wir riefen erneut an und erfuhren, dass kein Taxi in dieses Quartier fahren würde, es sei viel zu gefährlich und es könnte ja eine Verschwörung sein. So gingen wir dem Taxi zu Fuss entgegen und auf einer Strasse mit emsigem Treiben hielten wir ein Taxi auf. Die Sitze im Auto waren schon so durchgesessen, dass man am Hintern jede Feder gespürt hat. Auch hier hatte es bei den Rücksitzen keine Kurbeln, um die Fenster zu öffnen.

 

 

14. Januar 2007 Buea, alte Teestrasse

 

An diesem Tag fuhren wir mit Andreas’ Auto Richtung Buea. Der Weg führte über eine Passstrasse in das 1000 m.ü.M. angenehm kühl gelegene Städtchen. Unterwegs sahen wir drei Jungs, die – so wie es aussah – Sand in die Löcher der Strasse transportierten, um die Strasse zu reparieren. Gut zu wissen, dass sie vorher das Loch selbst gebuddelt haben, um von den vorbeifahrenden Autos etwas Geld erbetteln zu können. Die löchrige Strasse schlängelt sich durch einige Teefelder und vorbei an Palmen und Bananenplantagen. Auf dem Weg hatte es immer wieder kleine Dörfer. In den Dörfern war die Strasse jeweils nur eine Piste, damit die Autos nicht zu schnell durchfahren.

 

Buea liegt am Fuss des Mount Cameroon. Von dort aus starten die Besteigungen auf den Vulkanberg. Sehr sportliche Einheimische schaffen, wie ich gehört habe, diese Besteigung hin und zurück in 4 Stunden. Ein Tourist hat dafür normalerweise 3 Tage. Leider sahen wir den Berg nicht, da er wie meistens in Wolken und im Nebel war. In Buea selber stehen einige noble und schöne Häuser, zum Teil noch aus Kolonialzeiten. Durch das Städtchen führt eine breite zweispurige Strasse.

 

Es war Sonntag und die Menschen gingen zur Kirche. Überall sieht man sie zu den Kirchen strömen oder aus der Kirche kommen oder sitzend vor der offenen Kirchentüre, weil drinnen schon alles längst besetzt ist. Jede/r ist wunderschön gekleidet. Knaben tragen teilweise Kleidungen mit Zylinder und Mädchen so schöne Kleider, wie bei uns nur zu Hochzeiten getragen werden.

 

 

15. Januar 2007 Limbe - Bimbia

 

Am Morgen wurden wir noch einmal vom laut hupenden Müllabfuhrwagen aufgeweckt, der durch die ganze Stadt fährt. Und dies etwa 45 Minuten lang. Auch der Hinterletzte merkt so noch, dass er seinen Müll zur Strasse bringen muss. Der Hahn hat sogleich auch noch gemerkt, dass es Morgen geworden ist und seinen Teil zum Lärm beigetragen. Und all dies, obwohl wir am Vorabend bis tief in die Nacht mit lauter Musik berieselt worden sind. Um 1 Uhr morgens war in der Umgebung noch eine Riesenparty und immer und immer wieder lief dasselbe Musikstück.

 

Wir fuhren mit Andreas in ein Büro, welches Ausflüge organisiert. Von aussen hätten wir dies dem Gebäude nicht angesehen. Es war ein grösseres Gebäude und drinnen mehrere kleine Büros. In eines davon wurden wir geführt. Wir waren schliesslich etwa 8 Personen in diesem kleinen Räumchen. Einer organisierte die Tour, wir bekamen zwei Führer zugeteilt für uns drei Personen und einen Fahrer für das Buschtaxi. Weil uns das Buschtaxi nicht beim Büro abgeholt hat, nahmen wir ein normales Taxi und hatten somit auch einmal das Vergnügen, bei grosser Hitze zu sechst in einem PKW zu sitzen.

 

Unterwegs kauften wir uns noch Verpflegung für die Tour in Form von Brot und Streichkäse. Unsere Führer fertigten sich noch Fotokopien von den soeben erhaltenen Unterlagen an, damit sie wissen, was sie uns erzählen müssen. In der Bäckerei wollte ich mit einem dieser schmuddeligen, zerlumpten und angerissenen Geldscheine bezahlen, wie sie in Kamerun üblich sind. Aber nein, die Verkäuferin wollte ihn nicht, weil er einen Riss hatte. Ich wurde sauer und sagte ihr, dass dieser Schein ja wohl nicht von meinem Land kommt und nicht ich den so gemacht hätte. Egal, ich fackelte nicht lange und bezahlte mit einem anderen Schein, denn ausserhalb dieser Bäckerei sind sehr viele Menschen nur zu froh, überhaupt Geld zu besitzen. Nur die besseren Geschäfte können sich so etwas leisten!

 

Danach sind wir weiter zu unserem Buschtaxi gefahren. Mensch, was für ein Anblick! Ein ursteinalter und durch und durch rostiger vierradangetriebener Wagen Marke unbekannt stand dort. Wir haben uns darüber amüsiert und ich hätte echt nicht gedacht, dass dieses Gefährt noch so viele Personen befördern kann. Schätzungsweise war das Fahrzeug schon 40 Jahre alt, denn es hatte uralte Vignetten von vergangenen Zeiten aus dem Ursprungsland an der Frontscheibe. So quetschten wir uns hinein. Am Steuer der Fahrer mit dem Buschmesser, in der Mitte auf einem kleinen Pölsterchen halbwegs auf der Gangschaltung ich und neben mir Felix. Hinten sassen unsere zwei Führer und Andreas auf der mehr oder weniger leeren Metallbank. Unterwegs hat sich noch ein Mitfahrer hinten mit darauf gestellt.

 

Unser Buschtaxi ;-)


Dann ging die Fahrt durch den Busch los. Während der Fahrt tropfte fast ununterbrochen der Rost von der Decke in allen Grössen. So fuhren wir etwa 45 Minuten mitten durch das bergige Gebiet und die Piste glich je länger je mehr eher einem trockenen Bachbett mit riesigen Steinen. Wir wurden heftig durchgeschüttelt. Als wir das erste Mal einen kurzen Halt gemacht haben, mussten wir uns zuerst vom Rost befreien.

 

Beim ersten Halt waren wir in Bimbia angekommen. Hier ist der erste Evangelist ins Land gekommen und hat eine Kirche gebaut. Am selben Platz steht noch heute eine Kirche. Am Strand steht eine alte Kanone. Es war früher ein Verladeplatz für Sklaven.

 

Die Kirche von Bimbia.Zeuge vergangener Zeiten: die alte Kanone.


Nachher ging die Fahrt weiter und die Piste wurde tatsächlich noch schlechter. Zum Teil hatte es riesige fast 2 Meter hohe Vertiefungen. Wir hielten an und gingen zu Fuss weiter. Da begriff ich, weshalb der Fahrer sein Buschmesser mitgenommen hatte. Wir sind mitten in den Wald gegangen und der Fahrer ging mit seinem Messer und mit Flipflops an den Füssen voraus.

 

Spätestens ab hier geht es nur noch zu Fuss weiter...


  

Miten in den Busch führte uns die Strasse.


Im Regenwald hatte es uralte Bäume mit riesigen menschenhohen Wurzeln. Wir haben mächtig gestaunt, wie klein wir doch sind. Unsere Führer erklärten uns alle Pflanzen und Bäume. Zum Teil waren das sehr mystische Geschichten. Zum Beispiel, dass in Limbe vor etwa 20 Jahren aus einem Baum Blut kam, als sie ihn fällen wollten, und am nächsten Tag stand der Baum wieder am genau gleichen Ort. Oder Albinos werden nach ihrem Tod einem bestimmten Baum geopfert und dort beerdigt. Wir hatten so heiss und waren innert kürzester Zeit total durchgeschwitzt und ich mochte teilweise nicht mehr zuhören vor lauter Hitze. Wir sind dann noch eine Stunde über Stock und Stein gegangen. Anfangs hatte ich Angst, als mir Lianen und Äste ins Gesicht schulgen oder im Haar verfangen waren, doch irgendwann war mir vor lauter Schwitzen alles ziemlich egal und ich ging und ging und ging und tropfte vor mich hin. Wir gingen über Flüsse und Gott sei Dank hatten wir vorher genügend Antibrumm eingeschmiert.

 

Am Bach: Antibrumm sei Dank.Neben einem der riesigen uralten Bäume.


Im Regenwald haben wir auch einige Tiere gesehen, z.B. eine grüne Mamba, ein paar Spinnen, jede Menge Krebse in allen Grössen, einige Schmetterlinge und Libellen, die für mich ein sehr fremdes Aussehen hatten und mir mächtigen Respekt einflössten. An einer Stelle hatten wir plötzlich die Schuhe und den unteren Teil der Hose voller stechender Waldameisen.

 

Nach etwa gut einer Stunde sind wir am Meer angekommen. Dort hatte es stellenweise richtige Sümpfe und jede Menge Mangrovenbäume. Um die Mangroven leben die Krebse in ihren Löchern vergraben. Wir setzten uns erst einmal am Strand hin, um etwas zu essen. Wir packten unsere Brote und den (teuer aus Frankreich importierten) Streichkäse aus. Dieser hatte auch schon bessere Zeiten erlebt. Einige Stücke waren leider bereits angegraut und in der Packung schwirrten kleine Ameisen oder Käferchen herum, obwohl alles dicht verschlossen gewesen war. Wir assen, was es noch zu retten gab.

 

Die beeindruckenden Mangrovensümpfe.


Nachher mussten wir natürlich wieder den ganzen Weg zu unserem Buschtaxi zurückgehen. Der Weg war teilweise sehr steil und beschwerlich. Ich war sehr froh, als wir das Buschtaxi endlich wieder erreicht hatten. Dann hat sich jeder von uns schweisstriefend wieder hinein gezwängt und wir machten uns auf den Heimweg.

 

Auf dem Heimweg wollte dieser Karren nicht mehr so recht. Wir mussten einige Male ein paar Jungs, die auf dem Weg waren, um Hilfe beim Schieben bitten, sonst hätte er längst den Geist aufgegeben. Der Fahrer ist etliche Male ausgestiegen und hat unter der Motorhaube etwas geprüft und danach wieder zu Fahren versucht. Gegen vier Uhr Nachmittags erreichten wir glücklicherweise Limbe doch wieder. Wir sind erst noch in ein Restaurant zu einer kühlen Erfrischung gefahren, weil unser Fahrer von weitem die Polizei gesichtet hat und dieses Fahrzeug bestimmt nicht mehr strassentauglich war...

 

Anschieben bitte!

 

 

16. Januar 2007 Limbe

 

Am Morgen wollte ich bei Andreas im Haus einen Ordner anschauen. Ich habe mich noch gewundert, was das für ein unübliches Buchzeichen da im Ordner ist, bis ich kapierte, dass da ein Gecko drin sass und mich anschaute. Wir sind sicher beide gleich erschrocken und ich habe den Ordner schleunigst wieder auf die Seite gelegt.

 

Nachher gingen wir zu Fuss zur Druckerei, weil wir Andreas nicht auf dem Handy erreichen konnten. Der Netzbetrieb hat, wie so oft, nicht funktioniert. Dafür benötigten wir 45 Minuten und dies bei 35° C und ohne Schatten. Kein Taxi wollte uns befördern oder alle waren schon besetzt, denen wir gewunken haben. In der Druckerei angekommen mussten wir erst einmal etwas trinken und schon waren wir wieder bachnass geschwitzt.

 

Im Prespot-Shop haben wir für unsere Daheimgebliebenen noch ein paar Souvenirs gekauft und Andreas’ Haushälterin Angel hat uns zwei grosse Ananasse vom Markt besorgt und Pepe zum Mitnehmen parat gemacht.

 

Ein letztes Mal genossen wir frischen Fisch an der Beach in Limbe.


Am Tag zuvor hat mich übrigens ein kleines schwarzes Mädchen stürmisch umarmt und gefragt, warum ich in der Unterwäsche herumlaufen muss. Ich trug eine kurze Hose ;-)

 

In der Druckerei haben wir uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge von Andreas und all seinen lieben Arbeitskollegen verabschiedet und dann hat uns der Druckereichauffeur Christoph zum Flughafen in Douala gefahren. Wir waren etwas unruhig, weil wir doch einige Souvenirs im Gepäck hatten und wir hatten Bedenken, dass uns etwas davon vielleicht weggenommen werden könnte.

 

Ein letztes Mal führte uns der Weg vorbei an Strassenmärkten und durch etliche Dörfer, bevor wir Douala zuerst gerochen und dann gesehen haben... Einmal mehr war die Luft voll Gestank nach Abgas und Müll und die Luft war richtiggehend schmutzig und heiss. Langsam wurde es während der Fahrt dunkel. In Kamerun wird das Licht am Auto übrigens nur angemacht um selber zu sehen und nicht um gesehen zu werden, deshalb fuhren auch wir noch sehr lange in der Dämmerung ohne Licht weiter. Leider haben wir beim Flughafen nach dem Aussteigen unseren Chauffeur verloren und konnten uns nicht mehr bei ihm verabschieden und bedanken, was wir per Telefon noch ausrichten liessen. So gingen wir alleine zum Check-In. Ein Gepäckboy half uns und zeigte uns den Weg. Er hat dies perfekt getan, denn alleine wäre das nicht so einfach gewesen. Er wurde von uns dementsprechend belohnt. Glücklicherweise hat der Herr am Check-In ein Auge zugedrückt, als er unseren viel zu schweren Koffer auf der Waage hatte. Nachdem wir noch die benötigten Formulare und Stempel besorgt und die Ausreisegebühr entrichtet hatten, waren wir einmal mehr begeistert von der Freundlichkeit im Lande und wie problemlos alles geklappt hat. Der Flieger startete mit etwas Verspätung um 23 Uhr, weil ein Passagier nicht planmässig erschien, obwohl er den Koffer aufgegeben und eingecheckt hatte und so musste dieser Koffer wieder gesucht und ausgeladen werden.

 

Fast pünktlich am anderen Morgen etwa um 6.30 Uhr landeten wir nach einem Zwischenstopp auf der Insel Bioko (Malabo/Äquatorialguinea) in Zürich. Zuerst kam uns noch alles sehr fremd vor. Plötzlich war wieder diese Sauberkeit und auf den Toiletten alles tipptopp gereinigt. Wir trauten uns schon fast nicht mehr, sie zu benützen. Auf der Fahrt vom Flughafen nach Hause habe ich, wie bereits nach 3 Wochen angewöhnt, den Blick auf dem Tacho, ob wir noch genug Benzin haben. Ich dachte im ersten Moment nicht mehr daran, dass bei uns an jeder Ecke zu allen Zeiten getankt werden kann.

 

Zu guter Letzt möchte ich noch allen, die auf eine Postkarte warten, mitteilen, dass es in Kamerun sozusagen keine Postkarten gibt und höchst selten ein Postamt und noch viel weniger einen Briefkasten...



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