© 2007 by www.brainstormers.ch

Kribi Kamerun Reisebericht Cameroon

Kribi – Limbe (235 km)


10. Januar 2007

 

Nach einer Nacht im wunderschönen Hotel Ilomba assen wir ein sehr feines europäisches Frühstück und lernten die Chefin des Hotels kennen. Sie kommt ursprünglich aus der Schweiz (Emmental) und heisst Theresa.

 

Nachdem wir die Sonne genossen und gebadet hatten, gingen wir zu Fuss etwa 10 Minuten am Strand entlang zu den Lobé-Fällen. Schon von weitem sahen wir sie imposant in den Atlantik fliessen. Bald wurden wir von geschäftstüchtigen Einheimischen angesprochen und sie fuhren uns mit einer Piroge sehr nahe zu den Fällen. Der Preis für diese Fahrt war später plötzlich teurer als abgemacht, aber was soll’s... wir wollten uns nicht darüber streiten. Während der Fahrt sahen wir viele Vögel und Krebse und ein Fischer präsentierte uns stolz seinen grossen Fang, den er soeben gemacht hatte. Oben an den Fällen standen die Einheimischen bei ihrer Morgentoilette oder wuschen sich die Kleider. Wir lernten Josef Kamte kennen. Er sprach fliessend Deutsch und wir konnten uns mit ihm sehr gut unterhalten. Anscheinend war er in Deutschland und hat dort die Sprache gelernt. Er hat einen kleinen Souvenirshop bei den Lobé-Fällen. Wir wollten ihm etwas Gutes tun. Weil er den Wunsch geäussert hatte, wie glücklich er wäre, wenn er ein Deutschbuch hätte, haben wir uns für den nächsten Tag mit ihm verabredet, um gemeinsam nach Kribi in einen Buchladen zu fahren.


 
Die Lobé-Wasserfälle in Kribi 


 

Was für ein herrlicher Fang!Der kleine Souvenirladen von Josef bei den Lobé-Fällen.


 

Kribi BeachBei den Lobé-Fällen haben wir diverse Vogelarten erspäht.



 

11. Januar 2007 Kribi

Am Morgen haben wir uns wie abgemacht um 10 Uhr mit Josef getroffen und sind gemeinsam nach Kribi gefahren. Josef hat noch einen uralten Radio mitgenommen, den er in der Stadt zur Reparatur abgegeben hat. In Kamerun ist das noch anders: hier hat man Zeit, um etwas zu reparieren und es wird nicht direkt weggeschmissen, und sei es noch so alt.

 

Nachher sind wir zum Buchladen gefahren, welcher eher wie eine kleine Papeterie ausgeschaut hat. Einige uralte vergilbte Bücher, teils in schlechtem Zustand, waren ausgestellt. Im Innenraum hatte es noch mehr oder weniger schöne Bücher, wenn auch schon in die Jahre gekommen. Wir kauften ihm sein Wunschbuch, eine Art Wörterbuch Französisch-Deutsch. Bereits 19 Jahre alt, doch noch in sehr gutem Zustand. Nur etwas vergilbte Seiten. Mit einer von ihm gewünschten Widmung überreichten wir ihm anschliessend das Buch.

 

Die Rezeption des Hotel Ilomba in Kribi.Unser gemütliches Bungalow.


Am Nachmittag sahen wir am Strand in Kribi einen riesigen ausgehöhlten Schildkrötenpanzer. Riesige Vögel kreisten darum herum und holten sich den Rest Fleisch, der noch zu holen war. Wir trauerten ein wenig um die Schildkröte, die bestimmt schon uralt gewesen sein muss und jetzt den Fischern zum Opfer gefallen ist. Handumkehrt muss man die Fischer verstehen, es gibt sicher sonst kaum etwas zu Essen hier...

 

 

12. Januar 2007 Kribi – Limbe

Am Morgen machten wir uns auf, zurück nach Limbe. Vor einer Schule in Kribi sah ich einige Kinder mit kleinen Sicheln Gras schneiden und einen Aufseher mit einer Peitsche. Vermutlich sind das die Strafaufgaben, wie sie hier zu erledigen sind.

 

Die Menschen um Kribi sind eher abweisend eingestellt gegenüber den Weissen. Sie schauen sehr kritisch oder rufen uns «Blanche» hinterher. Sie verstehen nicht, wenn wir ihre angebotene Ware, zum Beispiel gebratener Fisch, der bestimmt schon einige Stunden an der Sonne vor sich hin trocknet, nicht kaufen möchten.

 

Die Brücken auf dem Weg vom Hotel Ilomba, das etwas ausserhalb gelegen ist, bis zur Stadt Kribi sind sehr notdürftig und nur aus ein paar Brettern gemacht. Die Leute liegen oder sitzen vor ihren Hütten oder irgendwo am Strassenrand. Die Hütten sind aus Holzbrettern und an einem Ort sahen wir eine uralte verrostete Eisenbahnbrücke, die bestimmt noch aus deutschen Zeiten stammt. Es hat riesige kilometerlange Plantagen mit Palmen, aus denen Palmöl gewonnen wird. Eine davon gehört auch einer Schweizer Organisation.

 

An den Strassenrändern haben die Leute häufig kleine Holzstände gezimmert und verkaufen dort Bananen, Ananas oder Yamswurzeln aus ihrem Garten oder dem Busch. Jeder verkauft das, was er gerade hat. Seltener wurden auch Holzschnitzereien oder Holzhandwerk wie ein Mörser oder ein Banjo verkauft. Sehr häufig sahen wir erneut Buschfeuer oder Motthäufen oder der Boden roch noch vom vergangenen Feuer.

 

Auf der Strasse hatte es sehr viele noble und grosse Autos, die sehr neu aussahen. In den Gräben und am Rand war das übliche Bild von umgekippten alten, ausgeschlachteten und verrosteten Autos. Niemand entsorgt diese. Wohin auch? Ab und zu sah man LKWs oder Transporter mit Werbe-Beschriftungen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die Strassenschilder waren meist fehlend, und sonst verrostet oder unleserlich. Oft hatte es grosse LKWs, welche im hinteren Teil mit Männern beladen waren, was mich immer an einen Tiertransport erinnert hat.

 

Menschentransport


Jede Menge alter verrosteter LKWs, die grosse stinkend schwarze Rauchwolken von sich geben oder die halbe Ladung Kies verlieren, sind unterwegs. Gott sei Dank hat unsere gesprungene Frontscheibe das durchgehalten. Hier wie auch überall im ganzen Land waren am Strassenrand schwarze Tafeln mit Männchen und darunter ein Schild mit der Aufschrift «Ici 10 morts» oder einer anderen Zahl. Dies soll die Fahrer wachrütteln und ihren Fahrstil etwas bremsen. Es gibt sehr viele Unfälle in Kamerun und das Fahrbillet gab es bisher an jedem besseren Kiosk. Dies soll sich in naher Zukunft nun ändern. Oft sahen wir Kinder in Schuluniformen in grossen Gruppen nach Hause gehen.

 

Die Müllberge von Douala.«Allerlei-Lädeli»


In Douala hat es extrem nach Abgas gestunken und es war sehr heiss und drückend. Überall hatte es viele Leute, entweder am Markt oder irgendwo liegend. Die grossen Gebäude sind meistens baufällig und hässlich schmutzig. Sehr selten sahen wir ein intaktes sauberes Gebäude, zum Beispiel von bekannten Marken wie Michelin oder Renault. Jeder verkaufte irgendetwas. Es hatte hunderte kleiner Geschäfte am Strassenrand oder Allerlei-Läden auf Leiterwagen, die vom Besen über Abflussrohr, Fussball, Pinsel bis zum Kübel alles verkaufen. Das gekühlte Getränk konnte man in kleinen Säcklein kaufen. Und überall hat sich der Müll getürmt. Es gab nirgendwo einen Abfallkübel, die Plasticksäcklein oder die leeren PET-Flaschen liegen bergeweise oder fast schon wie Seen in der Landschaft.

 

Obwohl wir zuerst den Eindruck hatten, dass Douala nicht ganz so arm ist wie der Rest des Landes, täuscht dies. Auch hier waschen sich die Menschen im Fluss oder schlafen teils unter der Brücke. Die einzigen riesigen Werbetafeln an den Strassenrändern im ganzen Land sind meist von MTN (einem Handy-Netzanbieter), 33 Export (dem einheimischen Bier), Orange oder seltener auch eine Stopp-Aids-Kampagne. Bevor wir nach Limbe fuhren hatte es wiederum grosse Bananenplantagen oder Gummibaum-Plantagen. Die Autowäscherei findet im Fluss statt und das Auto wird nicht nur aussen sondern auch innen grosszügig mit Wasser ausgespritzt und von Staub und Schmutz befreit.

 

Der Weg von Douala nach Limbe führt an riesigen Bananenplantagen vorbei.


Wir waren froh, dass wir Limbe wieder erreicht hatten. Im Gegensatz zu den vergangenen Orten ist Limbe sehr gemütlich und vor allem sehr sauber. Am Abend fuhren wir mit Andreas und Hubert noch ins Hotel Fini und gönnten uns einen feinen Teller Spaghetti, weil die geplante Pizza zu diesem Tag gerade ausgegangen war. Einmal mehr gab es hier wie an den meisten Orten kein Wechselgeld. Geldmünzen sind immer und überall Mangelware und so kann es gut vorkommen, dass sie den Rest einfach direkt für sich behalten. Der anschliessende Schlaftrunk führte uns zur Bambu-Bar. Dort wurde Live-Musik gespielt. Das heisst, zuerst spielte einer mit einem Keyboard. Dann kam eine Sängerin dazu. Ein Weilchen später kam ein Gitarist mitten im Lied dazu, der während des Liedes noch seine Gitarre gestimmt hat und auch mitgedudelt hat. Und von irgendwo kommt zum Schluss noch eine oder zwei Background-Sängerinnen, die spontan mitsingen. Die Musikanten können auch mitten im Lied plaudern oder mit dem Handy telefonieren oder weglaufen und wieder hinzukommen.

Mit Andreas und Hubert auf der Suche nach einer Pizza. ;-)



<< zurück nach oben

>> auf der nächsten Seite weiterlesen