Ngaoundéré Transcamerounais Die Fahrt mit der einzigen Eisenbahn Kameruns
7. Januar 2007
Am Morgen haben wir zuerst fein gefrühstückt und sind dann mit unserem handgeschriebenen Zettel zum Bahnhof marschiert. Da der Weg doch noch weit ist, haben wir ein Mofataxi genommen. Davon hat es in Ngaoundéré zu genüge. Zu dritt sassen wir darauf und wir zwei hatten noch je einen grösseren Rucksack am Rücken. Kein Problem, hier wird noch viel Grösseres (Gasflaschen, Autotüren, Fahrräder, Matratzen, Holz, Hühner...) auf den Motorrädern transportiert.
Zwischen 9 und 10 Uhr sollten wir am Bahnhof sein und schweizerisch, wie wir sind, waren wir um 9.30 Uhr dort. Um 10.30 Uhr kam endlich jemand und öffnete den Schalter. Langsam kam Bewegung in den Bahnhof und wir bekamen unser Billett.
Nach einer längeren und schwierigen Suche, bei der wir lange zu Fuss herumgelaufen sind (wir haben bestimmt 3 Motorradfahrer gefragt und alle schauten sehr ahnungslos drein), fanden wir am Strassenrand sogar noch drei jüngere gebildete Moslems, die uns sagen konnten, wie man zu einem Internet-Kaffee kommt. Erfreulicherweise hat es einer dem Motorradfahrer erklärt und der fuhr uns zum Business-Center, wo wir ein Lebenszeichen nach Hause geben konnten.

In Ngaoundere wird alles per Motorrad befördert.
33 Export: das einheimische Bier, Made in Kamerun (6.5 l) und Extragross!
Wir haben uns noch ein feines Essen gegönnt, bevor wir an den Bahnhof gefahren sind. Das heisst, wir wollten ursprünglich eine Pizza bestellen, das hat zu verlockend geklungen nach all den Entbehrungen. Da an diesem Tag im Restaurant Buffet angeboten wurde, dachten wir, oh lecker, wir nehmen von allem ein wenig. Tja, das Buffet ist halt nicht wie zu Hause oder wie in anderen Ferienorten: es hat etwa 6 Behälter und das Übliche ist drin...
Am Bahnhof war schon sehr früh ein riesiges Gewusel. Alt und Jung kam und wollte sich noch schnell ein Billett ergattern. Mütter mit Kindern sassen oder lagen herum und stillten ihre Babys. Sogar eine Ziege kam mit auf den Zug. Riesige Kofferberge wurden von den Kofferboys herangetragen und vor die noch verschlossene Türe Richtung Zug gestellt. Wenn man nicht im Liegewagen fährt, muss man sein Gepäck abgeben und es wird dort gesammelt. Die Boys verdienen sich so einige Francs. Alle tragen ein Gilet mit der Aufschrift «Barak», was vermutlich Gepäck heisst. Nach einigem Warten kam Hektik auf und die Türen wurden geöffnet. Die Gepäckboys schnappten sich die Koffer und verfrachteten sie im Zug. Einer hat uns netterweise geholfen, den riesigen Koffer zu transportieren. Er nahm ihn problemlos auf den Kopf und in beiden Händen noch weiteres Gepäck.

Das grosse Warten auf den Zug.

Auf dem Weg in den Zug: auch eine Ziege fährt mit uns im Zug.
Unser 2er-Liegewagenabteil in der Transcamerounais.
Nun sitzen wir im fahrenden Zug. Wir haben nur für uns ein 2er-Liegewagenabteil mit Kajütenbetten und einem kleinen Waschtrog. Alles ist sauber und gepflegt. Leider kommt kein fliessendes Wasser aus dem Hahn, doch wir haben unser eigenes mit dabei. Wir haben schon einige Haltestellen passiert, wo die Kinder draussen von weitem rufen und Wasser, Honig, Avocados, Maniok, Bâton de Maniok, gebratenes Huhn, Bananen oder Mandarinen verkaufen möchten. Vorher wurde gerade ein blinder Passagier herausgestellt, der bei der Kontrolle kein Ticket ausweisen konnte. Sogar Toilettenpapier wurde uns ins Abteil gebracht und es würde Essen aus dem Speisewagen geliefert.