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Ngaoundéré Kamerun Reisebericht Cameroon

Ngaoundéré – Garoua – Maroua (479 km)


4. Januar 2007

 

Am Morgen haben wir kurz nach Ngaoundéré schon Baumwollfelder gesehen. Je weiter man in den Norden kommt, umso mehr davon hat es. Die Arbeiter schlafen zum Teil in Hüttchen auf den Feldern und ernten ganze Berge von Baumwolle. Herrlich grosse weisse Berge werden gesammelt. In Figil werden die Ernten der ganzen Region gesammelt und verarbeitet. Ganze riesige Lastwagen voll werden hingeführt. Auf den Hüttchen haben die Arbeiter Lebensmittel an der heissen Sonne getrocknet. Zum Beispiel süsse Bohnen, die zu einem Pudding verarbeitet werden. Wir haben angehalten und sind mit ihnen in das Baumwollfeld gegangen. Natürlich können diese harten Arbeiter unsere Sonnenhüte bestens gebrauchen, sie arbeiten täglich unter brütender Hitze ohne Kopfschutz.

 

Zu Besuch im Baumwollfeld bei Ngaoundéré.Von weither kommen die Baumwollpflanzen nach Figil zur Verarbeitung.


 

Baumwollpflanze.


Die Hüttchen hier sind anders als im Süden. Die Strohdächer sind nach oben ganz spitzig. Vor den Hüttchen haben wir schon kleinste Kinder Mais mahlen sehen oder ihre noch kleineren Geschwister auf dem Rücken mittragen.

 

Schon die kleinsten Kinder helfen bei der Hausarbeit mit und passen auf ihre Geschwister auf.


Auf einem Markt haben wir angehalten. Zuerst hat unser Fahrer Gregory zwei Jungs engagiert, die auf unser Auto aufgepasst haben und nachher mit einem Trinkgeld dafür belohnt wurden. Ein anderer Knabe hat ein Huhn mitgetragen und wollte es verkaufen. Ganze Säcke mit Mais können die Leute teilweise auf den Köpfen mühelos balancieren. Kinder helfen ihren Eltern, den Leiterwagen zu schieben, das Fleisch wird am Boden mit dem Buschmesser geteilt. Den Strassenrand säumen viele Esel, teilweise reiten die Menschen damit umher. Die Menschen hier sind eher aggressiver als im Süden, hatten wir das Gefühl. Einer wollte meine Schuhe putzen und dafür schliesslich 3000 CFA (7 SFR). 100 CFA wäre der übliche Preis, für Weisse kostet sowieso alles viel mehr. Wir haben ihm auf Rat unseres Fahrers hin grosszügig sogar 200 CFA gegeben und danach mussten wir schleunigst den Markt verlassen... Sie testen gerne aus und denken, «die haben es ja», was irgendwie im Vergleich auch stimmt. Aber trotzdem, das Verhältnis sollte noch «normal» sein.

 

Auf dem Markt: gross und klein packt mit an.Die Freiluft-Metzgerei.



Wir waren beeindruckt, wie sorgfältig trotz der Einfachheit die Ware am Markt angepriesen wird.


Auf einem Mofa haben wir einen Fahrer mit 3 Frauen und ihren 3 kleinen Babys gesehen. Es war ein witziges Bild und sie winkten uns fröhlich zu.

 

Wir probierten von den langen getrockneten Erdnuss-Stängeln, die wir gekauft haben.

  

Typische Nordbewohnerinnen.Holztransport auf dem Fahrrad.Best driver in country: Gregory :-)


Eine Gruppe ursprünglicher Nordbewohnerinnen benötigte einige Überredungskünste, damit wir ein Foto machen durften. Sie wollten Geld dafür. Daran haben wir gemerkt, dass auf dieser Strecke eher einmal Touristen vorbeikommen. Sie waren geschminkt mit Ketten und mit Perlen im Gesicht und die Haare waren ganz anliegend am Kopf geflochten.

 

Je weiter wir Richtung Maroua gekommen sind, desto mehr wurde es Wüste. Wir sind in die Sahelzone gekommen. Alles trocken, riesige breite Flussbetten ausgetrocknet, ein schreckliches Bild. Darin stapfen Leute umher und suchen nach Wasser. Die Sonne brannte vom Himmel, es war extrem heiss und trocken. Die Landschaft wurde teilweise felsig, wie riesige Steinhäufen aufeinander geschichtet. Sehr spezielle Formen. Nichts wächst. Und fast keine Möglichkeit mehr, um «in die Büsche» zu verschwinden...

 

Ausgetrocknete Flüsse in unvorstellbarer Breite. 7 Personen auf einem Mofa: Fahrer, 3 Mütter und 3 Babies.


Auf dem Weg haben wir leider einen sehr tragischen Unfall gesehen. Ein totes Esel-Baby und seine schwer verletzte, im Sterben liegende Mutter lagen mitten auf der Strasse. Es hat schrecklich ausgesehen. Wir haben nicht verstanden, weshalb niemand etwas gemacht hat. Die Esel lagen mitten im Dorf auf der Strasse, rundherum waren Hütten und Menschen, alle haben nur geschaut oder gar nichts gemacht. Vielleicht hatte keiner die Mittel, etwas zu unternehmen und den Esel zu erlösen? Die Esel lagen bestimmt schon ein Weilchen dort. Eine ganze Stunde hat keiner von uns dreien ein Wort gesprochen, wir waren traurig.

 

In Garoua hat sich mein Durchfall bemerkbar gemacht. Nach einem Notstopp bei irgendeinem Restaurant musste ich schon kurz nachher bei einem Halt wieder dringend an ein Örtchen. Doch nachdem ich das Örtchen gesehen hatte, hat sich mein Bedürfnis gleich geändert. Freiluft, nur eine Mauer, ein Loch, alles total schmutzig und es hat gewimmelt von Geckos.

 

Grosses Gedränge auf dem Markt, wenn es etwas kostenlos gibt.So ziemlich das einzige Transportmittel im Norden.


In Garoua hatte es sehr viele Bettler.  Am Strassenrand oder bei Orten, wo sonst ab und zu jemand vorbeikommt, der vielleicht einen Batzen übrig hat.

 

10 Kilometer vor unserem Ziel in Maroua hatten wir zu allem noch eine Autopanne. Was für ein verhexter Tag, und das an Felix' 40.tem Geburtstag. Den werden wir nie mehr vergessen. Aus dem hinteren Radlager lief eine Flüssigkeit. Achje, wir hatten Glück im Unglück, dass es erst dort passiert ist. Nicht auszudenken, wenn es irgendwo im Busch passiert wäre. Wir sind von der Strasse an den Rand bei den Hirsefeldern gefahren und haben einen Burschen mit dem Mofa angehalten, er soll im nächsten Ort einen Mechaniker organisieren. Nach knapp 20 Minuten kamen sie tatsächlich zu zweit auf dem Mofa zurück, der Mechaniker hatte etwas weniges an Werkzeug dabei und schraubte das Rad ab. Nachdem er geprüft hatte, was defekt war, fuhr er mit dem Mofa des Burschen in die Werkstatt, um ein Ersatzteil zu suchen. Der Bursche wartete währenddessen mit uns am Strassenrand und ass gemütlich einen Stängel Zuckerrohr. Zeit spielt hier keine Rolle. Nach weiterem Warten kam der Mechaniker mit dem Ersatzteil, leider kein passendes. Er musste in die nächste Stadt, um danach zu suchen. Wir warteten weiter. So wurde es langsam aber sicher dunkel. Ich war mittlerweile so müde, dass ich mich überall hätte zum Schlafen hinlegen können und so legte ich mich hinten im Auto hin und schlief. Nach fast 3 Stunden war unsere Panne endlich erledigt und wir konnten die letzten 10 km nach Maroua zu unserem Hotel in Angriff nehmen. Wie genau erinnere ich mich nicht mehr. Ich war fix und fertig, hatte Durchfall und Kopfschmerzen und wollte einfach nur noch schlafen.

 

Kurz vor dem Ziel: unsere Autopanne.Bizarre Felsformationen in der Nähe von Maroua.


 

Dürre, soweit das Auge reicht. Hier wächst fast gar nichts mehr.Die Rundhütten der Leute im Norden sind sehr klein und bescheiden.


Deshalb haben wir beschlossen, morgen einen ruhigeren Tag einzulegen.

 

Maroua ist zu der jetzigen Jahreszeit noch angenehm kühl, die Temperaturen sind etwa wie in der Schweiz im Hochsommer, halt einfach ohne Regen. Am Tag hatten wir um die 34 Grad.



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