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Banyo Kamerun Reisebericht Cameroon

Foumban – Banyo – Tibati (308 km)


2. Januar 2007

 

Am Morgen sind wir schon früh um 6 Uhr in Foumban (1200 m.ü.M.) losgefahren, weil wir wiederum einen sehr langen und mühsamen Weg vor uns hatten. Wir haben einmal mehr wunderschön den Sonnenaufgang bestaunen können. Weil es Harmattan ist (trockener Wind aus der Sahara, der den Wüstenstaub und Sand bis nach Süden weht), konnte man direkt in die Sonne sehen und die Umrisse waren sehr scharf ersichtlich. Der Staub in der Luft wirkte wie ein Filter.

 

Auf unserem Weg trafen wir in einem Fluss drei etwa 10-jährige Burschen beim Fischen an. Wir plauderten ein wenig mit ihnen und deckten Sie mit Sonnenhüten von zu Hause ein. Dann zottelten die drei fröhlich davon.

 

Jungs unterwegs zum Fischen.Freundlicher Kameruner bei einem Schwätzchen. Grosse Wäsche im Fluss.



Einer der wenigen grossen Flüsse auf dem Weg in den Norden.


Die Strasse führte eine ganze Weile fast geradeaus, links und rechts waren tiefe Strassengraben und auf der anderen Seite des Grabens waren etliche Hütten. In der Nähe von Bandam/Tikar erwartete uns die nächste Begegnung. Vor einer Hütte entdeckten wir einige Kinder auf dem Boden sitzend und zwei jüngere Frauen. Wir hielten an und fragten, ob sie Schule haben. Tatsächlich. Da sassen also etwa 10 Kinder jeden Alters auf Säcken am Boden an der Sonne unter staubigem Himmel vor einer Hütte und zwei oder drei Erwachsene unterrichteten. Die Lehrerinnen hatten etwa A3-grosse Holztafeln, darauf war in einer uns unbekannten Schrift etwas aufgeschrieben und die Tafel sah schon sehr abgenutzt aus. Wir begannen ein Gespräch und verteilten unsere Kugelschreiber und Papierblocks und erklärten, wie man damit schreiben kann. Im Nu waren 30 bis 40 Kinder und Erwachsene um uns herum. Von weitem sah ich laufend noch weitere Kinder und Erwachsene daher rennen, und wir standen dazwischen. Jeder hat ein kleines Präsent erhalten, so dass sicher das ganze Dorf eingedeckt war. Alle hatten riesige Freude und haben sich etliche Male mit beiden Händen bei uns bedankt und wir freuten uns mindestens genauso. Leider konnten wir uns nicht wirklich mit ihnen unterhalten, weil weder wir noch unser Fahrer ihre Sprache sprechen oder verstehen konnte, doch mit «Händen und Füssen» geht es immer. Ein Herr kam auf mich zu und mit ihm konnte ich einige englische Worte sprechen. Er erklärte mir, dass er der Organisator der Schule sei und er hat sich bei uns entschuldigt, dass sie nichts für uns vorbereiten konnten, da sie nicht gewusst haben, dass wir kommen... so ist das in Kamerun: die Leute sind so arm und würden trotzdem das Allerletzte geben.

 

Schulbesuch in Kamerun (vorher...).... ...und nachher: fast das ganze Dorf kommt vorbei :-)


Weihnachten im Dorf: jeder erhält ein kleines Präsent.


Immer wieder hatte es im Fluss Menschen, die ihre Kleider oder Geschirr gewaschen haben und im selben Wasser auch Kinder gebadet haben. Manchmal sind die Kinder auch fortgerannt, als sie uns gesehen haben, weil sie vermutlich noch nie oder höchst selten Weisse getroffen haben und kaum jemals fremde Leute vorbeikommen. In dieser Region habe ich irgendwann angefangen, mir Gedanken zu machen, von wo diese Leute das Wasser hernehmen. Deshalb war ich immer froh, wenn ich in einem Dorf wieder eine Wasserpumpe gesehen habe. Meist waren Kinder damit beschäftigt, das Wasser hoch zu pumpen und auf dem Kopf nach Hause zu tragen. Dort zu leben schien für mich unmöglich.

 

In der Adamaoua-Hochebene wird es nachts sehr kalt. Die Menschen haben keine Fensterscheiben und sicherlich auch kein Bett und müssen auf dem harten und kalten Boden schlafen. Es hat sehr viele Strohhütten, rund oder eckig, aus Kuhdung und Erde. Häufig kommen uns Rinderherden mit Hirten entgegen. Die Hirten ziehen monatelang mit dem Vieh umher, sie haben keinerlei Luxus. Manchmal haben wir Männer mit uralten Fahrrädern angetroffen, die am Holz sammeln waren und auf dem Gepäckträger riesige Stapel aufgetürmt mittransportierten.

Transport von hier sehr selten verwendetem Wellblech für Hausdächer.


 

Typische Häuser zwischen Banyo und Tibati.Die Moslems haben ihre Gehöfte (Saré) mit Strohmauern umgeben.


Da wir eine Hand-Mail für die Katholische Mission in Mayo Darle mit dabei hatten und unser Fahrer dort eine Missionars-Schwester gekannt hat, haben wir auf der Durchfahrt einen Abstecher in dieses kleine, verlassene Örtchen gemacht. Es war gut eine Hand-Mail mit dabei zu haben, so hatten wir einen guten Grund, um von A nach B zu fahren, wenn wir in eine der vielen Polizeikontrolle geraten sind. In dieser Gegend finden sehr häufig Polizeikontrollen statt. An diesem Tag wurden wir zum ersten Mal angehalten. Hier ist man sehr nahe bei Nigeria und es hat viele Schmuggler oder die Menschen pflanzen teilweise Marihuana in den Feldern an. Das wird somit kontrolliert.

 

Wir lernten in Mayo Darle Schwester Evelyne und ihre Schwestern kennen. Eine der Schwestern hat uns ihre Krankenstation gezeigt, die sie in Mayo Darle haben. Alles sah wunderbar sauber und gepflegt aus, es war eine wahre Freude. Spontan schlug die Schwester vor, für uns ein Frühstück zuzubereiten, da wir schon einige Stunden unterwegs waren und die Reise noch lange nicht zu Ende war. Wir waren sehr hungrig und nahmen das Angebot gerne an. So sassen wir kurze Zeit später gemeinsam am Tisch und assen Rührei mit Tomaten und Brot und tranken Kaffee mit Milchpulver. Es schmeckte einfach köstlich. Die Krankenstation unterscheidet sich wesentlich von allem, was wir gesehen hatten. Alles war sehr sauber, die Toilette glänzte und es hatte Toilettenpapier. Im Wohnraum hatten die Schwestern Bilder des verstorbenen Papstes und des aktuellen Papstes aufgehängt. Davor stand noch die Krippe. Natürlich waren bei der Krippe auch Giraffen und die Krippe war mit einigen Luftballons dekoriert. Die Schwestern beteten mit uns und wir fühlten uns unserem Glauben plötzlich wieder sehr nahe. Wie soll es sonst gehen in dieser Umgebung, wenn da nicht noch jemand ist, der für uns schaut? Von was soll hier gelebt werden, wenn nichts wächst und kein Wasser mehr da ist? Die Schwestern beteten, dass wir gut an unser Reiseziel kommen, dass wir gesund bleiben und dass wir in Kamerun die beste Zeit unseres Lebens haben sollen. Wir waren gerührt. In der Mission hat es übrigens auch Unterkünfte für Reisende zur Übernachtung, die ich sehr empfehlen kann. Die Schwestern waren so gut zu uns und wir hatten schon von Anfang an gedacht, hier eine Spende zu hinterlassen. Und als wir dann unsere Spielsachen und einen Geldbetrag übergaben, kamen ihnen fast die Tränen. Es war ein wunderschönes Gefühl und einmal mehr sehr eindrücklich.

 

Unmittelbar vor dem Dorf Mayo-Darle in Mayo-Nyawa.Zu Besuch in der Krankenstation der katholischen Schwestern.


 

Ein stärkendes Frühstück bei den Schwestern.Wir übergeben den Schwestern Geschenke für ihre Patienten.


Bei der Weiterfahrt haben wir immer wieder vom harten Leben gezeichnete Menschen gesehen, die uns sehr häufig gewunken haben, teilweise mit beiden Händen. Sehr magere Menschen und von der Sonne brandschwarze Haut. Riesige LKWs kamen uns immer wieder entgegen, welche Waren vom Norden nach Süden und umgekehrt transportieren und teilweise eine sehr lange Reise haben. Und immer wieder Fahrzeuge mit Pannen oder Reifenwechsel. Oder es findet ein Umlad zwischen zwei Fahrzeugen statt, die sich in der Mitte treffen. Oder die Fahrzeuge liegen umgekippt im Strassengraben. Kein Wunder bei dieser Piste...

 

In Mayo Darle hatten wir wiederum eine Hand-Mail für eine Schwester in Banyo erhalten, darum machten wir dort noch einmal einen kurzen Halt. Leider war die Schwester nicht anwesend, doch ein sehr netter Philippiner begrüsste uns und wollte uns direkt zum Essen einladen, was wir dankend ablehnten, weil wir vor Dunkelheit unser Ziel erreichen mussten. Der Philippiner ist ein grosser Pflanzenliebhaber und hat im Garten viele verschiedene Blumen und Bäume. Von einem Baum nahmen wir uns einen Zweig mit für unsere Heimat.

 

Die Kinder in Kamerun basteln sich aus Holz und Steinen ihr Spielzeug.


Abgesehen von Menschen hatte es auch noch spärlich einige Tiere. Wir sahen einige Landeichhörnchen (Land-Squirrel), Buschhühner, Termiten in grossen Termitenhügeln sowie Dove (eine Art Taube).

 

Die Brücken über Flüsse, die wir vereinzelt überquerten, waren jeweils eine kleine Mutprobe. Hält sie? Ja, sie hat immer gehalten, schliesslich müssen auch die schwer beladenen LKWs darüber kommen. Die Brücken sind oft nur aus Holzbrettern, manchmal sehr schmal.

 

Brücken in Kamerun...


Nun sind wir in Tibati angekommen. Unser Fahrer hat hier einmal mehr Verwandte, Cousine und Cousins. Diese konnten uns die Stadt zeigen und haben uns bei der Suche nach einer Unterkunft geholfen. Bei der ersten Unterkunft haben wir zum ersten Mal verneint. Die «Dusche» war ein Raum ohne Fenster, mehr ein schwarzes Loch mit Abfluss im Boden, und keine Toilette. Die Toilette wäre am anderen Ende der Anlage irgendwo gewesen. Der Schlafraum extrem klein. So suchten wir weiter. Wir fanden doch noch eine Alternative, wenn auch etwas fraglich und sehr bescheiden. Doch wenigstens hatte es eine Toilette und eine Duschbrause (wenn auch defekt, wie üblich) mit kaltem Wasser und mindestens fünf 8-beinigen Tierchen. Es hat keine Türe vom Schlafraum zum Bad. Irgendwo schaut ein Kabel aus der Wand, die Wände sind wie immer schmutzig und in der Türe hat es einen Spalt, der mit Toilettenpapier zugestopft ist. Der «Kleiderkasten» besteht aus einigen Holzlatten zusammengenagelt und einem Draht zu einem Kleiderbügel geformt. Doch wir sind froh, ein Bett gefunden zu haben. Rundherum haben viele Leute nicht einmal das... Wahrscheinlich war diese Unterkunft eher ein Stundenhotel, denn an der Rezeption (wenn man das so nennen kann, eher eine Art Vorräumchen) waren Aufklärungen über Sexualität mit Minderjährigen und vor dem Hotel hängt ein Rotlicht. Doch es war ruhig, das war die Hauptsache :-)


 

Waschtag im Fluss.


Wir hatten während der ganzen Fahrt nie Handynetz und es hatte keinen Strom. Wenn plötzlich wieder irgendwo ein Strommast steht weiss man, dass langsam Zivilisation naht und ein grösserer Ort kommt. Gregory schaut so gut zu uns. Er passt auf, wenn wir von den Bäumen Äste mitnehmen und dort Flüssigkeit raustropft und wir die Kleider beschmutzen könnten und das natürlich nicht wissen. Oder er besorgt Felix eine neue Zahnbürste, weil die alte irgendwo in den Büschen verloren gegangen ist. «Ich kann dich unmöglich ohne Zähne putzen ins Bett gehen lassen», meint er... unglaublich, oder? So düst er nachts noch in die Stadt und besorgt eine neue Zahnbürste. Schluss mit pelziger Schnauze ;-)

 

Die Details zum Abendessen lassen wir hier mal weg. Es war einmal mehr Fufu mit Sauce und Ndolé und nachher kam der Durchfall...


Fufu mit Ndolé und Sauce: immer wieder das selbe Menü :-o


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