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Bali Kamerun Reisebericht Cameroon

Bali Nyonga – Bafut – Mankon – Bamenda – Bali Nyonga (112 km)


30. Dezember 2006

Am Morgen sind wir in unserer Bescheidenen Unterkunft erwacht. Ich habe nicht so gut geschlafen, es war sehr kalt in der Nacht. Am Tag wird es jeweils sehr heiss. Gregory hat uns seinen Garten rund um unser Guesthouse gezeigt. Für mich sieht es wie ungeordneter Wirrwarr aus, doch irgendwie ist alles essbar. Die Kleider der Nachbarn sind auf dem Hibiskus, der extra dafür gepflanzt wurde, zum Trocknen ausgelegt.

 

Vor unserer Unterkunft in Bali-Nyonga.Die Nachbarskinder unserer Unterkunft: arm und doch zufrieden.


  

Die Wäsche zum Trocknen auf dem Hibiskus.Ein wenig Aufheiterung für den kleinen Waisenjungen aus Bali-Nyonga.


Nachher sind wir nach Bafut gefahren. Dort ist eine Chefferie. Der Palast ist schon etwa 600 Jahre alt und riesig gross. Wir haben das ganze Areal erklärt bekommen. Es hat spezielle Frauenhäuser, das Haus des Königs und einen Secret Garden. Dort darf niemand hinein. Rundherum steht eine grosse Mauer. Der Palast ist geschmückt mit vielen Holzschnitzereien und hat ein dickes Strohdach, welches man schon von weitem sehen kann. Seit 2003 hat es ein Museum, welches die Deutschen zusammen mit den Einheimischen erstellt haben. Im Museum hat es uralte Gegenstände dieser Kultur: Speere, ein getrockneter Elefantenfuss, Fell, Kleider des Königs, geschnitzte Statuen... Es war sehr interessant, dies alles zu sehen und von dieser jahrealten Tradition einen kleinen Einblick zu erhalten. Und was ebenfalls überrascht, dass es ja nur etwas mehr als 100 Jahre her ist, als die Deutschen hier alles erobern wollten.

            

Blick von oben auf die Siedlung von Bafut. Im Hintergrund der «Secret Garden».Detailansicht des riesigen Palastes.


 

Der Palast von Bafut und im Inneren des Hofes das mit 600 Jahren älteste Haus von Afrika: der Palast des Fons.


Auf der Weiterfahrt sind wir natürlich immer wieder an Märkten vorbei gefahren. Allerhand ist im Angebot, vom Schuhmacher bis zum Coiffeur. Die Strasse ist voller beladener Taxis und überfüllten Lastwagen. Teils sieht man Körbe voller lebender Hühner, die auf Autodächern transportiert werden. Die Erde ist hier extrem leuchtend rot.

 
 

Schuhgeschäft und Schuhmacher einmal anders als zu Hause.Holztransport mit dem Taxi.

 

 

Lange Fussmärsche über staubige Pisten gehören hier zum Alltag.Ein Dorf nahe Bafut.


In einem Restaurant haben wir eine kurze Erfrischung getrunken. Als wir uns interessierten, was die Jugendlichen im anderen Restaurant gegenüber trinken, durften wir spontan davon probieren und sie nahmen ihre Gläser und kamen zu uns hinüber. Sie tranken Palmwein, für uns eher gewöhnungsbedürftig. So sassen wir eine Weile in gemütlicher Runde und plauderten.

  

Hinsetzen und dazugehören: nichts Einfacheres als das in Kamerun.Frisches Angebot.


In Bamenda sind wir in ein grosses Restaurant essen gegangen. Wir bestellten uns etwas und gingen während der Zubereitungszeit ins gegenüberliegende Internetkaffee. Als wir nach 1 Stunde wiederkamen, war vom Essen noch weit und breit nichts zu sehen. Wir warteten und warteten... Und als wir schon gar nicht mehr daran glaubten, jemals etwas zu erhalten, kam doch noch etwas. Sie hatten zuerst den Käse organisieren müssen, den ich zu meinem Brot bestellt hatte, deshalb hat es so lange gedauert.

 

Blick auf Bamenda.Einer hat immer noch irgendwo Platz.


Auf dem Weg sahen wir eine Beerdigungs-Zeremonie. Wir haben angehalten und schon waren wir mittendrin. Hier sind die Menschen so freundlich und unkompliziert und es entwickelt sich immer sehr schnell ein Gefühl von Dazugehörigkeit, obwohl man ein vorbeireisender Tourist ist und es von diesen nur sehr wenige gibt. Es war ein grosses Fest. Unter einem Dach aus Palmenblättern sitzen viele Zuschauer. In der Mitte wird getanzt, gesungen und zum Teil mit Gewehren geschossen. Vermutlich die Frau des Verstorbenen tanzt ebenfalls in der Mitte und hält ein grosses Bild des Mannes. Der Verstorbene ist schon 1 Jahr tot und nun haben die Angehörigen genug Geld zusammen, um ein Fest zu veranstalten. Es ist eine fröhliche Feier und es wird reichlich konsumiert. Die Zeremonie schaut aus, als ob man böse Geister damit vertreiben möchte. Jedenfalls ist einer davon als «Böser» verkleidet und andere tanzen um ihn herum.

  

Beerdigungs-Zeremonie mit Geistertanz-Vertreibung.

 

Fröhliche Tänze für den Verstorbenen.Die Witwe mit dem Bild ihres Gatten.


Irgendwo waren 3 Männer damit beschäftigt, vor einem Haus eine TV-Antenne aufzustellen. Die Antenne wackelte hin und her und es hat nicht viel gefehlt, dann wäre sie an die Stromleitung angekommen. Leider wussten diese 3 Männer nicht, dass sie sich in Lebensgefahr befinden. Woher auch sollen sie es wissen, wenn sie nie zur Schule durften und weder lesen noch schreiben können. Unser Fahrer Gregory hat ihnen zugerufen, sie sollen vorsichtig sein und es sei höchst gefährlich.

 

Nachher sind wir zurück nach Bali gefahren, wo noch der letzte Tag gefeiert wird. Wiederum sind alle geschmückt zum Hügel gegangen und haben gewartet. Die gesamte Menschenmenge ist kniend oder sich verbeugend im Halbkreis gestanden. Auch wir wurden aufgefordert, dies zu tun. Wehe jemand ist aufgestanden, dann kam sofort der Peitschenmann und wurde laut. In der Mitte durch den grossen Gang kam der Sprecher des Fon Dr. Ganyonga III mit seinen Begleitern. Er hielt eine lange und ernsthafte Rede und als er schliesslich damit fertig war, hat das Volk gelacht. Danach ging der Tanz los. Wir standen wiederum mittendrin und als wir uns ebenfalls etwas mitbewegten, hatten sie grosse Freude an uns. Alles war sehr farbenfroh und bunt, ein wunderschönes Bild. Viele haben einen Pferdeschwanz oder sonst einen Wedel mit dabei gehabt und wir haben auch mal einen erhalten und sind damit getanzt, was natürlich allgemeines Gelächter ausgelöst hat...

 

Kniend vor dem Fon der Verkündung lauschend.


 
 

Die Verkündung der älteren Herren.Mit unserem Chauffeur Gregory und einigen Dorf-Jungs.


Wir haben den Kindern Süssigkeiten verteilt und sind fast überrannt worden. Was für ein «happy new year»... Auch unsere Sonnenhüte haben riesige Begeisterung bei den Erwachsenen ausgelöst, ein wunderschönes Gefühl. Ich habe bewusst kleinen Kindern etwas verteilt, die von den grösseren fast überrannt worden sind oder den Kindern, die ausserhalb des «besseren» Kreises standen mit schmutzigen oder viel zu kleinen oder löchrigen Kleidern. Oder den Kindern, die etwas verkaufen müssen und wahrscheinlich wenig im Leben haben. Ein kleiner Junge musste zum Beispiel Heftchen zur Veranstaltung verkaufen. Als ich ihm ein Plüschäffchen gegeben habe, hat er über das ganze Gesicht gestrahlt und hat sich riesig gefreut. Ich bin sicher, er hat noch nie so etwas besessen und hat das weiche Fell lange Zeit berührt und bestaunt.

  

Happy New Year für die Kinder.Wunderschöne Einheimische in ihren farbenfrohen Trachten.


Einige ältere gebildete Herren haben uns angesprochen und uns gefragt, woher wir kommen und ob wir schon eine Unterkunft haben und wollten uns sofort behilflich sein. Als wir ihnen erzählt haben, warum wir hier sind, hatten sie grosse Freude. Und erst recht, als wir sagten, dass wir eine Webseite über unsere Ferien machen werden. «Kommt bald wieder und bringt noch Fünf weitere aus eurem Land mit», war ihre Bitte. Europa soll sehen, wie grossartig diese Kultur ist und der Tourismus in Kamerun soll aufblühen.

 

Ein Kameruner verdient im Schnitt etwa 100 Sfr. pro Monat. Nur 40% der Erwachsenen und nur 20% der Jugendlichen haben eine Arbeit. Der Vergleich mit uns ist extrem...


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