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Limbe Kamerun Reisebericht Cameroon

Douala – Limbe – Kumba – Nkongsamba – Bandja – Bamenda – Bali (383 km)


27. Dezember 2006 morgens (Limbe)

Wir sind gestern Abend kurz nach der Passkontrolle, bei der wir sicher 30 Minuten angestanden sind, von Christopher abgeholt worden. Christopher ist der Chauffeur der Presbyterian Printing Press (PPP) in Limbe. Er hat uns geholfen, dass wir mit unserem vielen Gepäck problemlos am Zoll vorbei kommen. «Sag einfach immer ja, wenn du etwas gefragt wirst», hat er mir vor dem Zoll eingebläut. Wir sind ihm gefolgt. Beim Zoll hat Christopher den Kontrolleuren erklärt, dass wir die Mission 21 besuchen. Dann sind wir schön unauffällig durch die Kontrolle marschiert und es war alles problemlos. Wir hatten grosse Bedenken, dass wir mit unserem überdimensional grossen Koffer auffallen und er uns gefilzt wird. Im Koffer verstaut hatten wir über 3000 kleine und grössere Geschenke, die wir im Land verteilen wollten. Ohne Christopher wäre es bestimmt nicht so problemlos abgelaufen. Hinter dem Zoll hat auch schon Andreas auf uns gewartet. Ich war froh, die Reise nach so langer Vorplanung endlich geschafft zu haben und ihn zu sehen. Andreas arbeitet seit 3 1/2 Jahren in Kamerun in der Druckerei der PPP. Dort bildet er Lehrlinge aus. Ziel ist es, dass mehr und qualitativ hochwertigere Drucksachen im Land selber produziert werden können. Dieses Jahr haben bereits die ersten 9 Lehrlinge den Beruf fertig abgeschlossen.

In der deutschen Seemannsmission in Douala haben wir uns noch einen kurzen Schlaftrunk gegönnt, bevor wir zu Andreas Haus nach Limbe gefahren sind. Schon auf der Fahrt von Douala nach Limbe mussten wir durch etliche Polizeikontrollen und mussten unsere Ausweise zeigen.

 

Der Koffer vor dem Abflug... die Mitbringsel liegen bereit.


Es war noch sehr früh am Morgen. Unsere erste Nacht in Kamerun war bereits hinter uns. Lautes Vogelgezwitscher hat mich am Morgen geweckt. Und natürlich der Hahn des Nachbarn, er hat schon in aller Frühe gekräht... Ich war so gespannt, wie es hier wohl aussieht, dass ich schon die Vorhänge aufgezogen habe und etwas hinausgeschaut habe. Am Tag zuvor, als wir spät abends in Douala gelandet sind, haben wir gar nichts mehr von der Landschaft gesehen, weil es schon so dunkel war.

Andreas hat etwas oberhalb von Limbe am Hang ein schönes grosses Haus. Ich denke, es ist für kamerunsche Verhältnisse sehr luxuriös. Jedenfalls hat es Strom, fliessend warm und kalt Wasser, Fliegengitter an allen Fenstern, einen Kühlschrank, einen Gasherd und alles geräumige Zimmer.

Im Dorf unten fuhr nun ein Auto schon die längste Zeit umher. Er hatte ein Megafon und rief immer und immer wieder dasselbe aus oder sang etwas. Um was es wohl ging?

Am nächsten Tag hatten wir mit Gregory ein Treffen abgemacht. Mit ihm starteten wir am Freitagmorgen unsere Reise Richtung Nordwesten und Norden. Die Reiseroute hatte ich mir zuvor mit dem Reiseführer zuhause zusammengestellt. Den Reiseführer habe ich bestimmt 3x komplett durchgelesen, und trotzdem konnte ich mir immer noch kein wirkliches Bild von Kamerun machen. Ich war schon sehr neugierig, was alles auf uns zukommen würde.

 

 

27. Dezember 2006 abends (Limbe)

An diesem Morgen lernten wir Andreas’ Haushälterin Angel und seine vier Haustiere (Hühner) kennen. Als wir aufgestanden waren, sind wir erstmal etwas um das Haus herum gegangen und haben erkundschaftet, wie es aussieht. Die Hühner hatten unter dem Haus einen kleinen Stall. Das Haus steht mitten im Grünen, rundherum wuchsen riesige Bäume, Büsche und Palmen. Und überall hatte es freilaufende Ziegen, Schweine und Hühner.

 

Home sweet home von Andreas in Limbe.Strasse durch Limbe.


Kurz nachher kam Andreas von der Arbeit und hat uns abgeholt, damit wir die Druckerei besichtigen können. Wir sind mit dem Auto ins Dorf zur Druckerei gefahren. Sie liegt direkt am Meer und ist rundherum mit Gittern versehen. Ein Portier liess uns herein. Wegen der Weihnachtsfeiertage waren nicht alle an der Arbeit. Trotzdem bekamen wir einen schönen Einblick.

 

Sofort fiel auf, dass hier von der heimatlichen Hektik nichts vorhanden ist. Und mir kam gleich der Satz von Andreas in den Sinn: «Wir in Kamerun haben nichts ausser Zeit». Es wurde schön gemütlich gearbeitet. Die Druckvorstufe ist eher modern eingerichtet, sogar ein neuer Macintosh steht darin. Schätzungsweise 10 Arbeitsplätze waren zu sehen. Und den Korrektor lernten wir ebenfalls kennen. In der Montage waren 3 Angestellte am Filme ablösen. Im Drucksaal stehen sehr alte Druckmaschinen, an denen zum Teil mehrere Leute arbeiteten. Sehr viel wird noch von Hand erledigt. Zum Beispiel das Zusammentragen von verschiedenen Blättern oder Druckbogen.

 

Am Nachmittag sind wir an den Strand der Mile 11 gefahren, um an der Sonne zu relaxen. Der Sand in Limbe ist ungewohnt schwarz. Alles ist aus Lavagestein. Limbe befindet sich mehr oder weniger unterhalb des über 4000 Meter hohen Mount Kamerun, der ein Vulkanberg ist. Wenn man an die Mile 11 fährt, führt die Strasse plötzlich um den Vulkankegel, der es beim letzten Ausbruch fast bis zum Meer geschafft hat. Leider konnten wir den Mount Kamerun nicht sehen, weil während der Trockenzeit sehr viel Staub in der Luft und die Sicht sehr dunstig war. Zudem haben Wolken den Berg verhangen.

  

 Beach von Limbe. Seit dem letzten Ausbruch führt die Strasse um den Vulkankegel herum.


Gegen Abend gab es einen super schönen Sonnenuntergang, den wir etliche Male fotografiert haben. Abendessen gab es am Strand beim Fischmarkt. Man geht hin, sucht sich seinen Fisch aus den verschiedenen Verkaufsständen aus und handelt den Preis aus. Dann setzt man sich an einen der diversen Tische. Jemand anders serviert ein Getränk, bis der Fisch kommt. Da es kein Besteck gibt und man von Hand isst, wird noch etwas Wasser in einem Gefäss gebracht. Der Fisch hat herrlich geschmeckt.

  

Spaziergang an der Beach von Limbe mit dem dunklen Lava-Strand.Mit Andreas an der Beach in Limbe beim Feierabendbier. 


28. Dezember 2006 (Limbe)

Am Morgen haben wir unsere kleinen Rucksäcke gepackt und sind zu Fuss ein Stück nach Limbe gegangen. Es hat sehr viele kleine Geschäfte mit allem Möglichen. Beim Gehen auf dem Trottoir musste man aufpassen wo man geht, denn immer wieder hatte es riesige Löcher oder die Platten sind wackelig und darunter sah man die Abflüsse. Viele Taxis und Motorräder waren auf der Strasse, meist sassen in einem Taxi 6 Personen oder auf einem Motorrad 3 Personen. Das Städtchen war fast überall sauber.

 

Nach einem feinen Mittagessen von Angel hat uns Andreas zum Zoo von Limbe gefahren. In diesem Zoo sind zum grössten Teil Waisen-Affen, welche im Dschungel ihre Eltern durch Wilderung und Rodungen verloren haben. Oder es sind Affen, welche bei Familien gelebt haben und nun nicht mehr in die freie Wildbahn zurück können. Die Affen haben schöne grosse Gehege und sind mit ihren Artgenossen zusammen. Der Gorilla ist beeindruckend gross. Ein Angestellter des Zoos hat uns überall herum geführt und uns alles erklärt. Schön war, dass er dafür eigentlich noch nicht mal ein Trinkgeld erwartet hat. Natürlich haben wir ihm etwas gegeben.

 

Im Zoo von Limbe bei den Gorillas. Der gehbehinderte Mann vor dem Zoo in Limbe.


Vor dem Zoo sass ein Mann auf dem Boden. Der junge Mann ist gehbehindert. Wir haben einige Worte mit ihm gewechselt und als er uns gebeten hat, ob wir ihm für einen Rollstuhl etwas Geld geben können, sind wir der Bitte nachgekommen. Unsere vielen Spenden von zu Hause sollten nun endlich ans Ziel kommen.

 

Zu Fuss sind wir zurück zur Druckerei, wo uns schon einige Mitarbeiter entgegenkamen und sich für die Kugelschreiber bedankt haben, welche wir Andreas zum Verteilen mitgegeben hatten. Die meisten, die wir gesehen haben, hatten den Kugelschreiber ganz stolz am Hemd angebracht. Danach trafen wir uns mit unserem Fahrer. Er heisst Gregory und wohnt mit seiner Familie und 6 Kindern in Bali (Bamenda). Wir hatten einen sehr guten ersten Eindruck von ihm. Damit wir morgen rechtzeitig in Bamenda ankommen, haben wir beschlossen, sehr früh am Morgen loszufahren. Es soll eine Zeremonie beim Fon (König) geben, weil Silvester ist und da gibt es ein grosses Fest.

 

Wir haben unsere Militär-Rucksäcke gepackt und freuten uns sehr auf die bevorstehende Reise...

 

 

29. Dezember 2006 (Limbe – Kumba – Nkongsamba – Bandja – Bamenda – Bali)

Am Morgen wurden wir um 6 Uhr von Gregory abgeholt und haben unsere Reise Richtung Nordwesten in Angriff genommen. Wir sind via Kumba, Nkongsamba, Dschang und Bamenda gefahren. Auf dem Weg sind wir an etlichen grossen Märkten vorbeigefahren. Wir haben gestaunt. Bananen, Kochbananen, Ananas, Mango, Kaffeebohnen, Mais, Karotten, Maniok... alles war über und übervoll und jeder wollte etwas davon verkaufen. Coca (schmeckt sehr bitter, ist eine Art Nuss und jeder Einheimische scheint davon nicht genug zu bekommen) wurde uns ins Auto gestreckt. Teils waren die Früchte wunderschön aufgetürmt auf einer Decke am Boden oder auf einem Holzgestell. Der Boden war immer schmutzig und staubig von der Erde und vom Sand.

 

Unser Chauffeur Gregory und sein sehr gepflegtes Auto.Markt im Südwesten.


 

Markt in Kamerun – farbenfroh und einmalig in der Atmosphäre.Typische Dorfszene im Südwesten.


Mit grossen Kanistern gingen Männer, Frauen oder auch Kinder zur Wasserpumpe, um frisches Wasser zu holen. Die Frauen trugen farbig gemusterte Röcke.

 

Wir haben schon auf dem Weg einige Kugelschreiber und Luftballons verteilt. Die Kinder sind arm. Sie spielen mit selber gebastelten Autos aus Hölzern und alten Konservendosen oder rennen einem alten Pneu mit einem Hölzchen zur Führung hinterher. Vor allem wenn man die grösseren Städte verlässt und auf dem Land fährt, sieht man arme Menschen, die in ärmlichen Hütten mit löchrigen Kleidern leben. Wenigstens muss hier niemand hungern, es wächst überall etwas.

  

Kinder am StrassenrandRote Piste im Südwesten.Alles wird auf dem Kopf transportiert.


Es hatte riesige Plantagen von DelMonte, von wo unsere Bananen herkommen. Alles war bepflanzt und überall herrschte reges Treiben. Die schwersten Sachen werden mühelos auf dem Kopf transportiert und balanciert. Auch kleine Kinder sammeln Holz oder verkaufen etwas. Je näher wir in Richtung Bamenda gefahren sind, umso ärmer kamen mir die Menschen vor. Ein Luftballon oder ein Kugelschreiber ist ein riesiges Geschenk für die Leute dieser Region.

 

Überall sind überfüllte Transporter, entweder mit Menschen oder mit Ware. In Autos sitzen jetzt meistens noch mehr Menschen als in Limbe, also 7 bis 8 Personen. Die Erde wurde langsam immer röter.

 

Ein alltägliches Bild: alte ausrangierte Lieferwagen aus Europa dienen als Transportmittel... oder stehen defekt am Strassenrand und warten auf Reparatur.


Als ich auf der Fahrt gesehen habe, wie die Leute mit den Kanistern ums Wasser gestritten haben, musste ich für einen Augenblick meine Kamera auf die Seite legen. Es ist schlimm, wenn ich daran denke, wie selbstverständlich dies bei uns aus dem Hahn fliesst...

 

Kampf um frisches Wasser...Kakaopflanzen


Zum Teil wird auf dem Markt eine halbe Kuh auf ein Grillfeuer gelegt. Riesige Fleischfetzen, unglaublich...

 

Nach etwa 9 Stunden war Bali erreicht. Man feierte zurzeit das grosse Fest der Unabhängigkeit. Wir hatten riesiges Glück, dass wir an diesem 4-tägigen Fest dabei sein durften. Alle haben sich hübsch gemacht und ihre farbenfrohe Tracht und Schmuck angezogen. Gegen Nachmittag sind sie auf den Hügel im Dorf gegangen. Auch wir gingen in diese Richtung und wussten nicht, was uns erwartet.

 

Bali: Eine riesige Menschenmenge bewegt sich auf den Hügel zum Fest.Warten auf den Fon.


Auf dem Hügel standen ein alter Baum und daneben der Palast des Fon Dr. Ganyonga III. Viele hundert Menschen waren bereits dort und standen im Halbkreis in verschiedenen Gruppen. Sie tanzten und hatten laute Musik und Gesang. Ich wusste nicht so recht, ob ich mich freuen oder ob ich flüchten sollte. Doch nach einer Weile hat sich mein mulmiges Gefühl aufgelöst. Es waren so viele Menschen dort, jeder hat uns angeschaut, wir waren weitum die einzigen weissen Menschen. Mein Herz hat wie wild geklopft. Wir lösten eine Bescheinigung, dass wir alles fotografieren und filmen dürfen und wurden sogar noch kurz in den Palast geführt. Plötzlich herrschte Aufregung, alle stürmten zur Seite und uns wurde gesagt, wir sollten schnell auf den Platz hinaus, der Fon käme jeden Augenblick! Und dann war er auch schon herausgekommen und setzte sich auf seinen Thron vor den vielen Dorfbewohnern. Um ihn herum waren Leibwächter, keiner durfte den Sicherheitsabstand von ein paar Metern um ihn herum betreten. Nun haben die Dorfbewohner sich allesamt Gruppe für Gruppe zum Fon bewegt, tanzend und verneigt ging einer um den anderen bei ihm vorbei und der Fon hat ihnen den Rücken berührt und damit vermutlich den Segen erteilt. Und wir zwei Weisse standen mittendrin, es war ein unbeschreibliches Gefühl!

 

Das Volk tanzt stundenlang. Farbenfrohe wunderschöne Trachten, soweit das Auge blickt...


 

Der Fon Dr. Ganyonga III von Bali-Nyonga.Tanz und Ehrerbietung für den Fon.


Damit niemand dem Fon zu nahe tritt gibt es Männer mit grossen langen Peitschen. Im engeren Umkreis dürfen nur die «Besseren» sein. Dazwischen hat es einen grossen Abstand und dahinter sind die Ärmeren. Wehe ein Kind vergisst den Abstand, dann schlägt der Mann mit der Peitsche ohne zu zucken in die Reihe. Es herrschen sehr harte Umgangsformen. Ich hatte grossen Respekt, ebenfalls von der Peitsche getroffen zu werden. Wir als Touristen durften uns jedoch frei bewegen und stehen, wo immer wir auch wollten.

  

Der «Peitschenmann».Eine Gruppe älterer Herren in der typischen Landestracht.


Wir haben viele Kinder mit unseren Trillerpfeifen glücklich gemacht und haben ebenso viele gute Fotos gemacht. Als die Kinder ihr Bild auf der Digitalkamera gesehen haben war jedes Mal riesige Begeisterung. Jedes Kind wollte auf das Bild und alle haben gelacht und gewunken. Es war schlichtweg überwältigend, mit welcher Freude die Kinder diese kleinen Geschenke in Empfang genommen haben! Leider hat auch das eine oder andere Kind dadurch den Sicherheitsabstand zum Fon vergessen und sofort dafür büssen müssen...

 

 

Die Kinder von Bali-Nyonga.


Ich bin froh haben wir Gregory dabei. Er kennt beide Seiten und weiss, was wann gut ist. Da er auch schon in der Schweiz und in Deutschland war, weiss er, wie wir leben. Wir haben auch seine Frau und seine Kinder kennengelernt und kommende Nacht schlafen wir in seinem Guesthouse. Es ist mitten im Dorf. Rundherum stehen ärmliche Hütten und nur wir haben fliessend kaltes Wasser und sogar Strom. Ein merkwürdiges Gefühl. Die Wohnung ist bescheiden, doch sie genügt uns für den Moment. Die Dusche war eiskalt. Zum Glück habe ich von zu Hause einen kleinen einzigen Luxusartikel (einen Haarfön) mit dabei, denn in der Nacht wird es hier sehr kalt und mit nassen Haaren wäre das weniger angenehm.

 

Jetzt sind wir in Bali im vermutlich einzigen Restaurant und warten auf unser Nachtessen. Wir warten schon eine Stunde. Zuerst mussten sie unser bestelltes Wasser und die Zutaten einkaufen gehen. Ich habe keine Ahnung, was mir serviert wird... Mal «luege», wie Gregory immer so schön sagt, es wird irgendetwas Gemüsiges sein. Wir haben ja noch unsere Vieille Prune mit dabei zum Nachspülen.


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